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8.9.2018 | Von:
Holger Kulick

Stasi-Akten aus und über Prag 1968

Das Ministerium für Staatssicherheit war schon im Vorfeld der Invasion in Prag 1968 aktiv. Ideologisch einseitig formulierte es Begründungen für die in der DDR diktatorisch regierende SED, weshalb eine Intervention in Prag unerlässlich sei. Und mit besonderer Intensität erfasste und verhinderte es Proteste in der DDR. Dies hatte für zahleiche Bürger Konsequenzen.

Vom MfS beschlagnahmtes Flugblatt aus Prag 1968.Vom MfS beschlagnahmtes Flugblatt aus Prag 1968. (© BStU)

Vielsagend "Genesung" hieß einer der zentralen Stasi-Operationen 1968 im Zusammenhang mit der Niederschlagung der Reformbewegung Prager Frühling. Beteiligt waren Stasi-Operativgruppen in der CSSR und zahlreiche Einsatzgruppen innerhalb der DDR, die Stimmungen und Protestaktionen erfassen sollten - und verhindern. Außerdem wurde der Postverkehr aus der CSSR und in die CSSR komplett überwacht. Tschechoslowaken, die in der DDR studierten oder arbeiteten, behielt das MfS ebenfalls im Auge und mit dem Geheimdienst der CSSR wurden Unterlagen ausgetauscht über namentlich bekannte Verfechter des Prager Frühlings. Zudem wurden Maßnahmepläne entwickelt, Reisen in Orte nahe der DDR-tschechoslowakischen Grenze vorübergehend zu verhindern.

Aus der CSSR selber wurden auch zahlreiche Theorie-Dokumente und Parteibeschlüsse aus der Zeit des Prager-Frühlings sowie Zeitungsartikel gesammelt - sowohl aus dem Westen, wie aus der CSSR. Von Reisenden wurden an der Grenze Zeitungen und Fotos über den Prager Frühling und dessen Niederschlagung konfisziert, ebenfalls Flugblätter. Ein MfS-Ordner (BStU, MfS, ZAIG 11396) umfasst dabei über 400 Seiten, auf Blatt 437 notiert es zu einer Flugblattkopie: "Erstes, einziges positive Flugblatt". Deutlich wird in den Unterlagen auch, dass es zwischenzeitlich erhebliche Reibungen mit den Reformern im tschechoslowakischen Geheimdienst gab - bis diese im Zug der Okkupation abgesetzt wurden.
MfS-Bemerkung über Flugblatt aus PragMfS-Bemerkung über Flugblatt aus Prag (© BStU)

Nachfolgend die ersten fünf uns von der Stasi-Unterlagen-Behörde zur Verfügung gestellten Akten zum Nachlesen für politische Bildungszwecke, zusammengefasst in PDF-Dateien. Das Copyright bleibt beim BStU:

1. Aktenpaket: PDF-Icon PDF Vom MfS Gesammelte Theorie-Dokumente und Beschlüsse des Prager Frühlings aus der CSSR 1968/69

2. Akten-Paket: NVA-Propaganda Teil 1PDF-Icon PDF Ideologische Handlungsbegründungen der Nationalen Volksarmee und NVA-PropagandaPDF-Icon PDF Teil 2

3. Akten-Paket: MfS-Informationen aus der CSSR 1968 und 1969, PDFPDF-Icon Teil 1, PDFPDF-Icon Teil 2 275458 und PDFPDF-Icon Teil 3

4. Akten-Paket: PDF-Icon PDF Vom MfS konfiszierte und gesammelte Flugblätter und PDF-Icon PDF Zeitungen und Zeitschriften aus Prag Ende August 1968.

5. Akten-Paket: PDF-Icon PDF Beispielhafte Stasi-Unterlagen aus der CSSR 1969, rund um den ersten Jahrestag des Einmarschs

6. Akten-Paket: MfS-Akten 20 Jahre später, als PDF-Icon 1988 neue Demonstrationen in Prag beginnen

Weitere MfS-Dokumente folgen im Lauf des Herbsts 2018. Eine wissenschaftliche Bewertung von Stasi-Akten zum Thema Prag 68 finden Sie unter diesem Linkin einer 148-seitigen Publikation der Stasi-Unterlagen-Behörde, die bereits 1998 entstand: Monika Tantzscher: "Maßnahme »Donau« und Einsatz »Genesung«. Die Niederschlagung des Prager Frühlings 1968/69 im Spiegel der MfS-Akten

Zu weiteren Texten & Dokumenten aus dem bpb-Dossier Prag 1968

Zu mehr Informationen über die DDR-Geheimpolizei Stasi


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