Zahlen und Fakten: Europa

PISA – Lesekompetenz

12.5.2012
In Bezug auf die Unterschiede zwischen den Geschlechtern galt die Hauptsorge im überwiegenden Teil des 20. Jahrhunderts der vergleichsweise schlechteren Leistung von Mädchen. Nach Angaben der OECD hat sich dies jedoch teilweise geändert.

PISA – LesekompetenzKlicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (© OECD / bpb)

Fakten



Nach den Ergebnissen von PISA 2009 ist die Lesekompetenz in keinem der 36 betrachteten europäischen Staaten höher als in Finnland (siehe Tabelle unten). Mit 536 Punkten lagen die finnischen Schülerinnen und Schüler 43 Punkte über dem OECD-Durchschnitt (493), was einem Vorsprung von gut einem Schuljahr entspricht. Mit deutlichem Abstand folgten darauf die Niederlande (508 Punkte), Belgien (506), Norwegen (503), Estland (501), die Schweiz (501) sowie Polen und Island (je 500). Auf der anderen Seite der Skala standen Aserbaidschan (362), Albanien (385), Montenegro (408) sowie die EU-Mitgliedstaaten Rumänien (424) und Bulgarien (429). Der Abstand zwischen Finnland und Rumänien, also dem leistungsstärksten und dem leistungsschwächsten EU-Mitgliedstaat, beträgt demnach 112 Punkte, was fast drei Schuljahren entspricht. Dabei muss ein hohes Leistungsniveau nicht die Schaffung einer Bildungselite bedeuten: Parallel zur hohen Lesekompetenz der finnischen Schülerinnen und Schüler weist Finnland mit die geringsten Unterschiede zwischen dem oberen und unteren Ende der Leistungsskala auf – dasselbe gilt für die außereuropäischen Staaten/Gebiete Korea, Hongkong (China) und Schanghai (China).

In Bezug auf die Unterschiede zwischen den Geschlechtern galt die Hauptsorge im überwiegenden Teil des 20. Jahrhunderts der vergleichsweise schlechteren Leistung von Mädchen. Nach Angaben der OECD hat sich dies jedoch teilweise geändert. Bei der Studie PISA 2009 schnitten die Mädchen auf der Gesamtskala Lesekompetenz in allen Teilnehmerländern besser ab als die Jungen. Der Unterschied lag dabei im OECD-Durchschnitt bei 39 Punkten, was einem Schuljahr entspricht. Wiederum bezogen auf die 36 europäischen Staaten war der geschlechtsspezifische Unterschied in Albanien (Differenz: 62 Punkte), Bulgarien (61), Litauen (59) sowie Finnland und Slowenien (je 55) am größten. Hingegen war der Unterschied zwischen den Geschlechtern in den Niederlanden und Aserbaidschan (je 24 Punkte), Großbritannien (25), Belgien (27) sowie Dänemark und Spanien (29) nicht so stark ausgeprägt. In Deutschland war die Differenz mit 40 Punkten einen Punkt höher als im OECD-Durchschnitt. Allerdings ist in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen, dass die Unterschiede innerhalb der beiden Gruppen sehr viel größer sind als zwischen ihnen.

Auch bei einer Unterscheidung nach den sozioökonomischen Voraussetzungen ist der Abstand zwischen den einzelnen Gruppen groß: Im OECD-Durchschnitt lagen bei PISA 2009 das obere und das untere Viertel 89 Punkte auseinander. In Bulgarien (132), Ungarn (118), Belgien (116), Luxemburg (114), Frankreich (110), Deutschland (105) und Österreich (102) wirkten sich die sozioökonomischen Voraussetzungen am stärksten aus. Hingegen fielen sie in Aserbaidschan (50), Estland (60) sowie Finnland, Island und Liechtenstein (62), Lettland (63) und Serbien (67) vergleichsweise wenig ins Gewicht.

In diesem Zusammenhang ist jedoch zu berücksichtigen, dass in der Mehrzahl der OECD-Länder der Effekt, der vom wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Status der Schule auf die Schülerleistungen ausgeht, bei weitem wichtiger ist als der sozioökonomische Hintergrund der einzelnen Schüler. Bei der Studie PISA 2009 lag der Leistungsabstand zwischen zwei Schülern mit ähnlichem sozioökonomischem Hintergrund, von denen der eine Schüler eine Schule mit einem durchschnittlichen sozioökonomischen Hintergrund und der andere eine Schule mit einem günstigen sozioökonomischen Hintergrund besucht (unter den obersten 16 Prozent des jeweiligen Landes), in Deutschland, Belgien und Liechtenstein im Durchschnitt bei mehr als 50 Punkten, also bei deutlich mehr als einem Schuljahr.

Bezogen auf die Veränderung der Lesekompetenz von PISA 2000 zu PISA 2009 stellt die OECD für 17 europäische Staaten Daten bereit. Dabei hat die Lesekompetenz in elf Staaten ab- und in sechs Staaten zugenommen. Am stärksten war der Rückgang in Irland (minus 31 Punkte), Schweden (minus 19), der Tschechischen Republik (minus 13), Spanien (minus 12) und Finnland (minus 11). In Frankreich, Island, Norwegen, Dänemark, Belgien und Italien lag der Rückgang bei weniger als 10 Punkten. Auf der anderen Seite nahm die Lesekompetenz in Polen (plus 21), Portugal (plus 19), Ungarn (plus 14), Deutschland (plus 13), Griechenland (plus 9) und der Schweiz (plus 6) von PISA 2000 zu PISA 2009 klar zu.

Datenquelle



© Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD): PISA 2009 – Zusammenfassung der Ergebnisse (Stand: 12/2010), www.oecd.org/de/pisa

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



PISA (Programme for International Student Assessment) ist eine international vergleichende Schulleistungsstudie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organisation for Economic Co-operation and Development – OECD), die seit dem Jahr 2000 alle drei Jahre stattfindet. Sie erfasst unter anderem, inwieweit Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 Jahren Kompetenzen in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften erworben haben und inwiefern die Leistung von der Herkunft abhängt. An PISA 2009 haben rund 470.000 Schülerinnen und Schüler in 30 OECD-Ländern und 37 Partner-Ländern/Gebieten teilgenommen. In Deutschland waren rund 5.000 Schülerinnen und Schüler aus 226 Schulen beteiligt.

PISA ordnet die Teilnehmerländer entsprechend ihrem Abschneiden in den Bereichen Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften ein. Eine Rangliste, die alle drei Bereiche zusammenfasst, gibt es nicht. Die Länder werden entsprechend der durchschnittlichen Punktzahl ihrer Schülerinnen und Schüler sortiert. Für den Durchschnitt der OECD-Länder wird im Basisjahr der Wert von 500 Punkten festgelegt (Lesen: PISA 2000 / Mathematik: PISA 2003 / Naturwissenschaften: PISA 2006), bei einer Standardabweichung von 100 Punkten. Somit erzielen etwa zwei Drittel aller Schülerinnen und Schüler der OECD-Länder Ergebnisse zwischen 400 und 600 Punkten.

Weitere Informationen zur Interpretation der Punktzahldifferenzen erhalten Sie hier...

Informationen zu den Rängen der Staaten und zur Vergleichbarkeit der PISA-Studien erhalten Sie hier...

Eine Liste der Mitglieder der OECD finden Sie hier...

Tabelle: PISA – Lesekompetenz



PISA-Punkte* insgesamt und geschlechtsspezifischer Unterschied, ausgewählte europäische Staaten, Erhebung 2009

  PISA-Punkte*
insgesamt
PISA-Punkte der
Mädchen minus
PISA-Punkte der Jungen
Finnland 536 55
Niederlande 508 24
Belgien 506 27
Norwegen 503 47
Estland 501 44
Schweiz 501 39
Island 500 44
Polen 500 50
Liechtenstein 499 32
Deutschland 497 40
Schweden 497 46
Frankreich 496 40
Irland 496 39
Dänemark 495 29
Großbritannien 494 25
Ungarn 494 38
Portugal 489 38
Italien 486 46
Lettland 484 47
Griechenland 483 47
Slowenien 483 55
Spanien 481 29
Tschechische Republik 478 48
Slowakei 477 51
Kroatien 476 51
Luxemburg 472 39
Österreich 470 41
Litauen 468 59
Türkei 464 43
Russland 459 45
Serbien 442 39
Bulgarien 429 61
Rumänien 424 43
Montenegro 408 53
Albanien 385 62
Aserbaidschan 362 24

* Informationen zur Interpretation der Punktzahldifferenzen erhalten Sie hier: www.oecd.org/de/pisa

Quelle: © Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD): PISA 2009 – Zusammenfassung der Ergebnisse (Stand: 12/2010), www.oecd.org/de/pisa



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