Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland
10.5.2018

Wanderungen über die Grenzen Deutschlands

Saldo aus Zu- und Fortzügen, nach Staatsangehörigkeit, in absoluten Zahlen, 1996 bis 2016

Quelle: Statistisches Bundesamt: Wanderungsergebnisse – Übersichtstabellen
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In den Jahren 2008 bis 2015 erhöhte sich die Zahl der Zuwanderer gegenüber der Zahl der Fortgezogenen siebenmal in Folge. 2015 wanderten erstmalig mehr als zwei Millionen Personen nach Deutschland ein. Da im selben Jahr knapp eine Million Personen fortzogen, lag der Wanderungsüberschuss 2015 bei gut 1,1 Millionen Personen – der bisherige Höchstwert (2016: 0,5 Mio.). Werden die Wanderungsüberschüsse nach Staatsangehörigkeit betrachtet, standen sowohl 2015 als auch 2016 Personen mit syrischer, rumänischer bzw. afghanischer Staatsangehörigkeit an erster bis dritter Stelle. Bezogen auf den Anteil der einzelnen Welt-Regionen am Wanderungsüberschuss erhöhte sich der Anteil Asiens von 19,5 Prozent im Zeitraum 2011 bis 2014 auf 51,6 Prozent in den Jahren 2015/2016. Hingegen fiel der Anteil Europas von 70,0 Prozent 2011 bis 2014 auf 30,2 Prozent im Zeitraum 2015/2016.

Fakten

Dadurch dass sich viele Zuwanderungsgruppen in den letzten Jahrzehnten zahlenmäßig vergrößert haben, kann übersehen werden, dass sich diese Entwicklung aus Zuzügen und Fortzügen zusammensetzt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden von 2006 bis 2016 rund 12,3 Millionen Zuzüge vom Ausland nach Deutschland registriert (Deutsche und Ausländer). Gleichzeitig wurden für denselben Zeitraum knapp 8,9 Millionen Fortzüge ins Ausland verzeichnet. Werden die Fortzüge von den Zuzügen abgezogen ergibt sich daraus ein Wanderungssaldo von plus 3,4 Millionen Personen für die Jahre 2006 bis 2016.

Insbesondere durch die hohe Zuwanderung von (Spät-)Aussiedlern, Asylbewerbern, Flüchtlingen und Arbeitsmigranten von Anfang bis Mitte der 1990er-Jahre, lag der Wanderungsüberschuss allein in den Jahren 1991 bis 1995 bei 2,56 Millionen Personen. Zwischen 2001 und 2006 waren die Zuzüge insgesamt rückläufig und auch der Wanderungssaldo sank auf knapp 23.000 Personen im Jahr 2006 (2008 und 2009 war der Saldo sogar negativ, allerdings fanden in diesen Jahren Melderegisterbereinigungen statt). In den Jahren 2010 bis 2015 erhöhte sich der Wanderungsüberschuss hingegen fünfmal in Folge. 2015 wanderten erstmalig mehr als zwei Millionen Personen ein (2.136.954). Da im selben Jahr knapp eine Million Personen fortzogen (997.552), lag der Wanderungssaldo 2015 bei plus 1,14 Millionen Personen – der bisherige Höchstwert. 2016 lag die Zahl der Zuzüge bei rund 1,87 Millionen und die der Fortzüge bei rund 1,37 Millionen Personen. Entsprechend belief sich der Wanderungsüberschuss auf eine halbe Million Personen (499.944).

Die hohen Wanderungsüberschüsse der Jahre 2015/2016 gehen zu großen Teilen auf die hohe Zuwanderung von Schutzsuchenden zurück. Ende 2016 lag die Zahl der Schutzsuchenden (Ausländer, die sich unter Berufung auf humanitäre Gründe in Deutschland aufhalten) bei 1,6 Millionen. Dabei sind viele erst in den letzten Jahren nach Deutschland eingereist: Allein zwischen Ende 2014 und Ende 2016 erhöhte sich die Zahl der Schutzsuchenden in Deutschland von 751.405 auf 1.602.590.

Werden Zu- und Fortzüge nach Staatsangehörigkeit betrachtet, stand Syrien sowohl 2015 als auch 2016 mit einem Wanderungsüberschuss von rund 298.500 bzw. 146.000 Personen an erster Stelle. An zweiter Stelle standen in beiden Jahren Personen mit rumänischer Staatsangehörigkeit (Wanderungsüberschuss 2015: 92.000 / 2016: 60.000). An dritter Stelle standen Personen mit afghanischer Staatsangehörigkeit (2015: 79.500 / 2016: 56.000). Der Irak, Kroatien, Bulgarien, Polen sowie Italien waren ebenfalls in beiden Jahren unter den zehn Staaten mit dem höchsten Wanderungsüberschuss. Bei den Personen mit rumänischer bzw. polnischer Staatsangehörigkeit gibt es dabei die Besonderheit, dass sich der Wanderungsüberschuss aus sehr hohen Zu- und Fortzügen zusammensetzt. Beispielsweise wanderten 2016 gut 222.000 Rumänen nach Deutschland ein, aber gleichzeitig zogen auch rund 162.000 fort. Daraus ergab sich 2016 ein Wanderungssaldo von plus 60.000. Ein wichtiger Grund für die hohe Zahl an Zu- und Fortzügen bei den beiden Ländern ist die hohe Zahl an Arbeitsmigranten, die sich nicht dauerhaft in Deutschland aufhalten bzw. niederlassen.

Bezogen auf die Staatsangehörigkeit und die einzelnen Welt-Regionen hatte Asien in dem Zeitraum 2015/2016 einen Anteil von 51,6 Prozent am Wanderungsüberschuss (zur Zuordnung der Staaten zu den Regionen siehe "Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen "). In den Jahren 2011 bis 2014 lag der Anteil bei lediglich 19,5 Prozent. Hingegen hatte Europa in den Jahren 2011 bis 2014 einen Anteil von 70,0 Prozent am Wanderungsüberschuss (EU-28: 59,3 Prozent); 2015/2016 lag der Anteil Europas bei nur noch 30,2 Prozent (EU-28: 23,6 Prozent). Der Anteil der Personen mit der Staatsbürgerschaft eines afrikanischen Staates am Wanderungsüberschuss blieb in den beiden Zeiträumen konstant (2011-2014: 7,0 Prozent; 2015/2016: 7,6 Prozent). Auffällig war 2015/2016, dass bezogen auf den Wanderungsüberschuss bei 8,9 Prozent der Personen die Staatsangehörigkeit ungeklärt bzw. unbekannt war – im Zeitraum 2011 bis 2014 lag der entsprechende Anteil bei 0,3 Prozent.

Datenquelle

Statistisches Bundesamt: Wanderungsergebnisse – Übersichtstabellen, www.destatis.de, Schutzsuchende; Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF): Migrationsbericht 2010 und 2015

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Statistisches Bundesamt: Bei den Zuzügen und Fortzügen werden auch Deutsche berücksichtigt. Deutsche Zu- und Fortzügler können (Spät-)Aussiedler sein, aber beispielsweise auch Studenten, Rentner, Techniker, Manager, Kaufleute, Wissenschaftler oder deren Angehörige, die aus dem Ausland nach Deutschland zurückkehren bzw. ins Ausland gehen.

Weitere Informationen zu den Zu- und Fortzügen finden Sie hier...

Weitere Informationen zu den Schutzsuchenden finden Sie hier...

Informationen zu den Wanderungsbewegungen auf europäischer Ebene erhalten Sie hier…

Wanderungen über die Grenzen Deutschlands nach Regionen

Saldo aus Zu- und Fortzügen, nach Staatsangehörigkeit, in absoluten Zahlen, 1996 bis 2016



1

2011 2012 2013 2014 2015 2016 2
Zuzüge 958.299 1.080.936 1.226.493 1.464.724 2.136.954 1.865.122
Fortzüge 678.969 711.991 797.886 914.241 997.552 1.365.178
Saldo aus Zu- und Fortzügen 279.330 368.945 428.607 550.483 1.139.402 499.944
davon:
Asien 49.814 58.211 72.522 137.238 530.729 315.009
Europa 204.468 281.300 309.308 344.771 433.018 62.193 3
darunter:
Europäische Union (EU-28) 183.693 246.523 263.757 271.478 310.018 76.688
Afrika 12.445 16.402 33.620 51.082 80.921 43.781
Amerika 11.191 11.991 11.176 12.114 11.037 11.415
Australien und Ozeanien 1.061 865 820 826 1.341 1.069
staatenlos 135 18 146 613 2.082 1.480
ungeklärt/ohne Angaben 216 158 1.015 3.839 80.274 64.997
 
2006 2007 2008 1 2009 1 2010 1
Zuzüge 661.855 680.766 682.146 721.014 798.282
Fortzüge 639.064 636.854 737.889 733.796 670.605
Saldo aus Zu- und Fortzügen 22.791 43.912 -55.743 -12.782 127.677
davon:
Asien 11.012 14.857 10.637 20.185 31.233
Europa 1.805 16.476 -68.432 -35.751 82.563
darunter:
Europäische Union (EU-28) -4.988 8.537 -59.997 -28.765 67.392
Afrika 4.156 5.302 2.323 5.029 9.973
Amerika 6.049 7.021 537 -933 3.834
Australien und Ozeanien 385 481 161 -215 398
staatenlos -191 -73 -90 -22 18
ungeklärt/ohne Angaben -425 -152 -879 -1.075 -342
 
2001 2002 2003 2004 2005
Zuzüge 879.217 842.543 768.975 780.175 707.352
Fortzüge 606.494 623.255 626.330 697.632 628.399
Saldo aus Zu- und Fortzügen 272.723 219.288 142.645 82.543 78.953
davon:
Asien 72.301 57.373 36.244 15.971 15.948
Europa 175.457 136.977 87.603 55.551 52.806
darunter:
Europäische Union (EU-28) 112.968 84.356 47.870 30.834 35.387
Afrika 14.770 14.947 11.370 6.587 4.054
Amerika 8.979 8.784 7.325 5.505 6.325
Australien und Ozeanien 1.016 721 119 -198 399
staatenlos -396 -31 -123 -235 -166
ungeklärt/ohne Angaben 0 517 107 -638 -413
 
1996 1997 1998 1999 2000
Zuzüge 959.691 840.633 802.456 874.023 841.158
Fortzüge 677.494 746.969 755.358 672.048 674.038
Saldo aus Zu- und Fortzügen 282.197 93.664 47.098 201.975 167.120
davon:
Asien 54.170 40.996 23.755 39.342 54.035
Europa 205.108 37.890 14.128 148.803 95.433
darunter:
Europäische Union (EU-28) 155.822 99.471 77.795 106.326 117.643
Afrika 13.678 9.290 3.539 5.340 8.249
Amerika 7.499 5.000 5.535 7.292 8.987
Australien und Ozeanien 635 117 492 119 264
staatenlos 149 100 29 35 0
ungeklärt/ohne Angaben 958 271 -380 1.044 0

1 zahlreiche Melderegisterbereinigungen infolge der Einführung der persönlichen Steueridentifikationsnummer. Die Ergebnisse sind mit dem jeweiligen Vorjahr nur eingeschränkt vergleichbar.

2 die Ergebnisse des Berichtsjahres 2016 sind aufgrund methodischer Änderungen und technischer Weiterentwicklungen nur bedingt mit den Vorjahreswerten vergleichbar. Die Genauigkeit der Ergebnisse ist aufgrund von Unstimmigkeiten in Zusammenhang mit der melderechtlichen Behandlung von Schutzsuchenden eingeschränkt.

3 in Europa gab es im Jahr 2016 gegenüber 2015 rund 133.000 weniger Zuzüge und die Zahl der Fortzüge erhöhte sich um etwa 238.000 – entsprechend veränderte sich der Wanderungssaldo von 2015 auf 2016 um minus 371.000 Personen. Der Rückgang der Zuzüge basiert dabei vor allem auf dem geringeren Zuzug von europäischen Nicht-EU-Staatsangehörigen (-109.000 gegenüber 2015). Die Steigerung der Fortzüge basiert dabei vor allem auf höheren Zahlen beim Fortzug von deutschen Staatsangehörigen (+143.000 gegenüber 2015) sowie von rumänischen Staatsangehörigen und europäischen Nicht-EU-Staatsangehörigen (+33.000 bzw. +29.000 gegenüber 2015). Bei den Fortzügen (und Zuzügen) gibt es jedoch eine statistische Besonderheit bei den deutschen Personen, deren bisheriger beziehungsweise neuer Wohnort nicht bekannt war: Diese werden seit 2016 in der Wanderungsstatistik zusätzlich berücksichtigt. Bleibt dieser Personenkreis unberücksichtigt, reduzieren sich die Fortzüge von 281.000 auf 131.000, was einen Großteil des massiven Anstiegs bei den Fortzügen deutscher Staatsangehöriger erklärt.


Quelle: Statistisches Bundesamt: Wanderungsergebnisse – Übersichtstabellen

Wanderungen über die Grenzen Deutschlands nach Staaten

Saldo aus Zu- und Fortzügen, nach Staatsangehörigkeit, in absoluten Zahlen, 2015 und 2016



1

1

2015
Top 20 Zuzüge Fortzüge Saldo
Syrien 309.699 11.216 298.483
Rumänien 221.405 129.059 92.346
Afghanistan 84.881 5.309 79.572
Polen 190.834 127.789 63.045
Irak 64.825 5.120 59.705
Albanien 69.362 22.533 46.829
Kroatien 60.980 21.321 39.659
Bulgarien 86.274 46.754 39.520
Italien 57.191 33.633 23.558
Kosovo 44.081 21.858 22.223
Pakistan 24.496 3.997 20.499
Ungarn 58.096 38.346 19.750
Eritrea 17.796 1.900 15.896
Iran 17.187 3.115 14.072
Mazedonien 24.776 12.344 12.432
Griechenland 28.256 15.918 12.338
Russland 21.633 10.584 11.049
Indien 26.113 15.195 10.918
Ukraine 15.778 5.376 10.402
China 25.511 15.592 9.919
2016 1
Top 20 Zuzüge Fortzüge Saldo
Syrien 179.435 33.612 145.823
Rumänien 222.298 162.209 60.089
Afghanistan 75.763 19.701 56.062
Irak 67.978 20.255 47.723
Kroatien 62.109 27.474 34.635
Bulgarien 82.956 55.859 27.097
Polen 160.677 133.803 26.874
Iran 23.009 7.269 15.740
Italien 52.564 37.656 14.908
Russland 23.085 11.173 11.912
Indien 27.683 17.186 10.497
Eritrea 12.910 3.285 9.625
China 26.632 17.247 9.385
Ungarn 51.592 42.264 9.328
Griechenland 27.120 18.278 8.842
Nigeria 10.007 3.308 6.699
Ukraine 13.303 6.834 6.469
Bosnien und Herzegowina 22.393 16.621 5.772
Spanien 21.922 16.734 5.188
Somalia 8.537 4.058 4.479

1 die Ergebnisse des Berichtsjahres 2016 sind aufgrund methodischer Änderungen und technischer Weiterentwicklungen nur bedingt mit den Vorjahreswerten vergleichbar. Die Genauigkeit der Ergebnisse ist aufgrund von Unstimmigkeiten in Zusammenhang mit der melderechtlichen Behandlung von Schutzsuchenden eingeschränkt.


Quelle: Statistisches Bundesamt: Wanderungsergebnisse – Übersichtstabellen


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