Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Wanderung über die Grenzen Deutschlands

18.1.2013
Im Jahr 2011 stammten die meisten der vom Ausland nach Deutschland zugewanderten Personen aus der EU. Polen war dabei erneut das wichtigste Herkunfts- und auch Zielland. Die wichtigsten Länder außerhalb der EU waren die USA, die Türkei und China.

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Fakten



Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden von 1991 bis 2011 etwa 18,96 Millionen Zuzüge vom Ausland nach Deutschland registriert. Gleichzeitig wurden für denselben Zeitraum 14,40 Millionen Fortzüge ins Ausland verzeichnet. Im Saldo betrachtet ergibt sich somit ein Wanderungsüberschuss von etwa 4,55 Millionen.

Nachdem in Deutschland im Jahr 2006 mit rund 662.000 Zuzügen die niedrigste Zuwanderungszahl seit der Wiedervereinigung registriert wurde, war in den Folgejahren wieder ein Anstieg der Zugangszahlen festzustellen. Von 2009 auf 2010 wurde ein Anstieg um 10,7 Prozent auf 798.282 Zuzüge registriert. Nach vorläufigen Ergebnissen hat sich dieser Trend von 2010 auf 2011 noch einmal verstärkt: mit 958.156 Zuzügen wurde der höchste Wert seit 1996 ermittelt – eine Steigerung um 20,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Anteil der deutschen Staatsangehörigen an der Zuwanderung im Jahr 2011 betrug 12,2 Prozent, der der ausländischen Staatsangehörigen entsprechend 87,8 Prozent.

Im Jahr 2011 reisten 62,1 Prozent aller zugewanderten Personen aus der Europäischen Union (EU) ein – 19,4 Prozent aus den alten EU-Mitgliedstaaten (EU-14) und 42,7 Prozent aus den zwölf seit 2004 beigetretenen neuen EU-Mitgliedstaaten. Wie in den Jahren zuvor war Polen erneut das Hauptherkunftsland (und auch Hauptzielland) – 2011 wurden 172.674 Zuzüge registriert. Während der Anteil der Zuzüge aus Polen in den Jahren 2006 bis 2010 rückläufig war, ist er von 2010 auf 2011 von 15,8 auf 18,0 Prozent gestiegen. Stetig angestiegen ist die Zahl der Zuzüge aus Rumänien (2011: 95.479 Zuzüge / 10,0 Prozent) und Bulgarien (2011: 51.612 Zuzüge / 5,4 Prozent). Im Falle Rumäniens hat sich die Zahl der Zuzüge im Vergleich zu 2006, also dem Jahr vor dem EU-Beitritt, vervierfacht, im Falle Bulgariens knapp versiebenfacht. Gegenüber diesen beiden Ländern wurden deshalb auch deutliche Wanderungsgewinne registriert.

Die wichtigsten Herkunftsländer außerhalb der EU waren 2011 die USA (3,3 Prozent aller Zuzüge), die Türkei (3,2 Prozent), China und Russland (jeweils 2,1 Prozent). Bezogen auf die einzelnen Weltregionen stammten im Jahr 2011 75,8 Prozent der Zuwanderer aus Europa, 12,8 Prozent aus Asien, 6,6 Prozent aus Amerika sowie 3,3 Prozent aus Afrika.

Im Gegensatz zu den Zuzügen blieb die Zahl der Fortzüge relativ konstant – sie schwankte zwischen 1995 und 2011 zwischen 600.000 und 760.000. Im Jahr 2010 wurden 670.605 Fortzüge gezählt und nach vorläufigen Ergebnissen lag die Zahl auch 2011 mit 678.949 nur wenig höher. Der Anteil der deutschen Staatsangehörigen an der Abwanderung im Jahr 2011 betrug 20,6 Prozent, der der ausländischen Staatsangehörigen lag entsprechend bei 79,4 Prozent.

Die wichtigsten Zielländer waren im Jahr 2011 Polen (15,7 Prozent aller Fortzüge), Rumänien (8,7 Prozent) und die Türkei (4,8 Prozent). Darauf folgten die USA (4,5 Prozent), Bulgarien (4,3 Prozent) und die Schweiz (4,1 Prozent). Bezogen auf die einzelnen Weltregionen entfielen im selben Jahr gut drei Viertel aller Fortzüge auf Europa – davon 56,8 Prozent auf die EU-Staaten und 18,7 Prozent auf die anderen europäischen Staaten. 11,2 Prozent der Fortzüge entfielen auf Asien, 8,1 Prozent auf Amerika und 3,0 Prozent auf Afrika.

Während der Wanderungsüberschuss zwischen 2001 und 2007 tendenziell gesunken ist und der Wanderungssaldo 2008 und 2009 – nicht zuletzt aufgrund der Bereinigung der Melderegister – negativ war, wurde für 2010 der höchste Wanderungsüberschuss seit 2003 registriert (plus 127.677). Der nach vorläufigen Ergebnissen ermittelte Wanderungsüberschuss des Jahres 2011 – 279.207 Personen – ist sogar der höchste seit 1996.

Der insgesamt positive Wanderungssaldo im Jahr 2011 setzt sich aus einem Wanderungsverlust bei den Deutschen (minus 23.648) und einem Wanderungsüberschuss bei den Ausländern (plus 302.855) zusammen. Im Vergleich zum Vorjahr war der Wanderungsüberschuss bei den Ausländern etwa doppelt so hoch (2010: plus 153.925 / 2009: plus 27.506). Hingegen ist bei den Deutschen seit 2005 ein Wanderungsverlust zu verzeichnen (2010: minus 26.248 / 2009: minus 40.288).

Der Wanderungsüberschuss von 279.207 Personen im Jahr 2011 beruht vor allem auf dem positiven Wanderungssaldo gegenüber Europa (plus 213.630 Personen) – dabei insbesondere gegenüber den Staaten Polen (plus 66.179), Rumänien (plus 36.149) und Bulgarien (plus 22.190). Aber auch gegenüber den anderen großen Weltregionen waren die Wanderungssalden positiv: Asien (plus 46.802 Personen), Afrika (plus 10.603) sowie Amerika (plus 7.489). Bei lediglich 16 von 115 hier betrachteten Staaten war der Wanderungssaldo im Jahr 2011 negativ, wobei er in nur drei Staaten bei mehr als 1.000 Personen lag: Schweiz (minus 11.389), Türkei (minus 1.735) und Österreich (minus 1.186).

Datenquelle



Statistisches Bundesamt: Vorläufige Wanderungsergebnisse, Wanderungen 2010

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Eine hier nicht betrachtete Gruppe ist die der illegal Zugewanderten. In der öffentlichen Diskussion werden zwar immer wieder Schätzungen zur Größenordnung der sich illegal in Deutschland aufhaltenden Ausländer genannt. Diese sind aber oft wenig fundiert und daher als Grundlage ungeeignet. Hinzu kommt, dass der Umfang dieser (mobilen) Gruppe ständig von Zu- und Fortzügen, Geburten und Sterbefällen, dem Zugang in die Illegalität oder der Erlangung eines legalen Status abhängt. Zudem ist Deutschland in den letzten Jahren verstärkt Transitland illegaler Migration geworden. Entsprechend fehlt eine aussagekräftige Statistik, die illegale Migration umfassend abbildet.

Weitere Informationen zum Thema "Wanderungen über die Grenzen Deutschlands" finden Sie hier...

Informationen zu den "Wanderungsbewegungen auf europäischer Ebene" erhalten Sie hier...


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