Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland
10.5.2018

Ausländische Bevölkerung nach Aufenthaltsstatus /
Schutzsuchende nach Schutzstatus

In absoluten Zahlen und Anteile in Prozent, 31.12.2016

Ausländische Bevölkerung nach Aufenthaltsstatus / Schutzsuchende nach Schutzstatus

Quelle: Statistisches Bundesamt: Ausländische Bevölkerung, Schutzsuchende
Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Knapp 4,4 der 10 Millionen Ausländer in Deutschland konnten Ende 2016 auf Grundlage des EU-Rechts frei bestimmen, wo sie innerhalb der EU und damit auch innerhalb Deutschlands leben. Weitere 2,5 Millionen verfügten über einen unbefristeten Aufenthaltstitel. Hingegen lebten rund 1,8 Millionen Ausländer mit einem befristeten Aufenthaltstitel in Deutschland und mehr als eine halbe Million hatten aufgrund des laufenden Asylverfahrens lediglich eine Aufenthaltsgestattung. Während die Ausländer aus den südost- und osteuropäischen Staaten insgesamt überdurchschnittlich häufig über einen unbefristeten Aufenthaltstitel verfügen, hatten Ende 2016 überdurchschnittlich viele Personen aus Syrien einen befristeten Aufenthaltstitel. Schließlich wartete Ende 2016 fast die Hälfte aller afghanischen und mehr als ein Viertel der irakischen Ausländer auf den Ausgang ihres Asylverfahrens.

Fakten

Von den gut 10 Millionen Personen, die Ende 2016 ohne deutsche Staatsangehörigkeit in Deutschland lebten, bestand nach Angaben des Ausländerzentralregisters (AZR) für 43,4 Prozent die vollständige Freizügigkeitsberechtigung nach EU-Recht. Diese Personen können also ihren Aufenthalt und Wohnsitz innerhalb der Europäischen Union frei bestimmen und jederzeit ändern. 24,9 Prozent hatten einen zeitlich unbefristeten und 18,0 Prozent einen zeitlich befristeten Aufenthaltstitel. 2,0 Prozent aller Ausländer hatten einen Antrag auf einen Aufenthaltstitel gestellt. 11,6 Prozent hielten sich Ende 2016 ohne Aufenthaltsstatus in Deutschland auf – darunter hatten 5,2 Prozent eine Aufenthaltsgestattung, befanden sich also noch im laufenden Asylverfahren (523 Tsd.), und 1,5 Prozent wurden geduldet (155 Tsd.). Gut 482.000 Personen konnten keinem Status zugeordnet werden – darunter Ausreisepflichtige, Fortzüge ohne Abmeldung, fehlerhafte Einträge sowie "Untergetauchte" (siehe Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen).

Eine Betrachtung der ausländischen Bevölkerung nach Staatsangehörigkeit zeigt, dass bei der größten Gruppe – den Türken – der Anteil der Personen mit einem unbefristeten Aufenthaltstitel mit 72,5 Prozent überdurchschnittlich hoch war. Unter den Gruppen, die im Jahr 2016 mit mehr als 100.000 Staatsangehörigen in Deutschland lebten, lag der Anteil der Personen mit einem unbefristeten Aufenthaltstitel auch bei Personen aus Bosnien und Herzegowina (64,6 Prozent), der Ukraine (57,5 Prozent), Serbien (53,9 Prozent) sowie Russland (50,8 Prozent) bei mehr als der Hälfte. Am niedrigsten war der Anteil der Personen mit einem unbefristeten Aufenthaltstitel bei den Syrern, Afghanen und Irakern (1,8 bzw. 6,3 und 15,5 Prozent).

Auf der anderen Seite war der Anteil der Personen mit einem zeitlich befristeten Aufenthaltstitel bei den Personen mit syrischer und chinesischer Staatsangehörigkeit am höchsten (64,1 bzw. 60,3 Prozent). Gut die Hälfte der knapp 78.000 Chinesen mit zeitlich befristetem Aufenthaltstitel hatte diesen zum Zweck der Ausbildung. Bei den 409.000 Syrern mit zeitlich befristetem Aufenthaltstitel überwogen klar völkerrechtliche, humanitäre oder politische Gründe (347.385 Personen). Schließlich fallen bei den Personengruppen ohne Aufenthaltsstatus die Staatsangehörigen aus Afghanistan und dem Irak auf: 70,1 Prozent der Afghanen und 46,0 Prozent der Iraker hatten keinen Aufenthaltsstatus – rund 178.000 bzw. 105.000 Personen. Darunter hatten wiederum rund 123.000 bzw. 62.000 Personen eine Aufenthaltsgestattung, warteten also auf eine Entscheidung über den Asylantrag (48,3 bzw. 27,4 Prozent).

Von den gut 10 Millionen Personen, die Ende 2016 ohne deutsche Staatsangehörigkeit in Deutschland lebten, waren 1,6 Millionen Schutzsuchende; also Ausländer, die sich unter Berufung auf humanitäre Gründe in Deutschland aufhalten. Viele der Schutzsuchenden sind erst in den letzten Jahren nach Deutschland eingereist. Allein zwischen Ende 2014 und Ende 2016 erhöhte sich die Zahl der Schutzsuchenden in Deutschland von 751.405 auf 1.602.590.

Bei gut einem Drittel der 1,6 Millionen Schutzsuchenden war der Schutzstatus Ende 2016 noch offen (35,7 Prozent). Es war also noch nicht darüber entschieden, unter welchen Bedingungen diese rund 573.000 Personen in Deutschland bleiben konnten oder ob sie ausreisen mussten (rund 523.000 befanden sich in laufenden Asylverfahren, 50.000 verfügten lediglich über einen Ankunftsnachweis). 37,4 Prozent bzw. 600.000 Schutzsuchende hatten einen befristeten Schutzstatus und 17,0 Prozent bzw. rund 272.000 einen unbefristeten.

Etwa jedem Zehnten der 1,6 Millionen Schutzsuchenden wurde kein Schutzstatus zuerkannt (9,8 Prozent). Davon waren rund 118.000 geduldet ausreisepflichtig (zum Beispiel aufgrund von fehlenden Ausweispapieren, der Aufnahmeverweigerung des Zielstaates oder bei bevorstehender Operation des Ausreisepflichtigen), mehr als 11.000 waren latent ausreisepflichtig (die Ausreisepflichtigen konnten noch Rechtsmittel gegen die Begründung der Ausreispflicht einlegen) und gut 28.000 waren vollziehbar ausreisepflichtig (die Begründung der Ausreisepflicht war rechtskräftig).

Datenquelle

Statistisches Bundesamt: Ausländische Bevölkerung und Schutzsuchende. Ergebnisse des Ausländerzentralregisters (AZR)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Informationen zur Aufenthaltsdauer finden Sie hier...

Das Ausländerzentralregister (AZR) ist eine bundesweite Datei, für die das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zuständig ist. Im AZR sind alle Ausländer und Ausländerinnen registriert, die keinen deutschen Pass haben und sich nicht nur vorübergehend (weniger als drei Monate) in Deutschland aufhalten.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erteilt Asylbewerberinnen und Asylbewerbern, die sich noch im Asylverfahren befinden, eine Aufenthaltsgestattung. Diese berechtigt sie bis zur Entscheidung über den Asylantrag in Deutschland zu leben und unter bestimmten Bedingungen zu arbeiten. Personen, die als asylberechtigt anerkannt werden, erhalten eine auf drei Jahre befristete Aufenthaltserlaubnis, die nach drei Jahren in eine Niederlassungserlaubnis umgewandelt werden kann. Neben dem Recht auf Asyl (Art. 16a GG) existiert die Möglichkeit der Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention (§ 3 AsylG). Personen, die nicht die Voraussetzungen für eine Anerkennung als Asylberechtigte oder Flüchtlinge erfüllen, können subsidiären Schutz erhalten. Weitere Informationen finden Sie hier...

Ein Anspruch auf eine Duldung besteht, wenn einer Abschiebung rechtliche oder tatsächliche Abschiebehindernisse entgegenstehen – dabei bleiben die Geduldeten weiterhin ausreisepflichtig. Zu den rechtlichen Abschiebehindernissen zählen zum Beispiel das Recht zur Wahrung des Ehe- und Familienlebens oder die Geltendmachung von krankheitsbedingten Gefahren, die durch die Abschiebung selbst entstünden. Eine Abschiebung ist darüber hinaus aus tatsächlichen Gründen unmöglich, wenn Reisedokumente (zum Beispiel Ausweispapiere) fehlen, der Zielstaat die Aufnahme verweigert oder Verkehrswege unterbrochen sind. Daneben besteht für die Ausländerbehörden die Möglichkeit eine Ermessensduldung aus dringenden humanitären oder persönlichen Gründen (zum Beispiel bei einer unmittelbar bevorstehenden Operation oder einem baldigen Abschluss eines Schul- oder Ausbildungsjahres) sowie bei erheblichem öffentlichem Interesse zu erteilen.

Zu den 482.415 Personen, denen am 31.12.2016 kein aufenthaltsrechtlicher Status zugeordnet werden konnte, gehören Ausreisepflichtige (zum Beispiel nach Ablehnung/Erlöschung des Aufenthaltstitels), Fortgezogene ohne behördliche Abmeldung bzw. weitergezogene Schutzsuchende ("Karteileichen"), Doppelzählungen, unvollständige Einträge sowie "untergetauchte" Ausländerinnen und Ausländer. Letztere sind Personen, die sich nach ihrer Registrierung ohne eingetragenen Aufenthaltstitel, ohne gültigen Ankunftsnachweis, ohne Gestattung oder Duldung weiterhin in Deutschland aufhalten. Auch wenn es ein gesetztes Ziel ist, konnte das BAMF Anfang 2018 noch keine Auskunft darüber geben, welchen Anteil die einzelnen Personengruppen an allen Personen ohne aufenthaltsrechtlichen Status haben.

Nach der Definition des Statistischen Bundesamtes sind Schutzsuchende Ausländerinnen und Ausländer, die sich unter Berufung auf humanitäre Gründe in Deutschland aufhalten. Die Begründung für ihren Aufenthalt wird hierbei aus ihrem Aufenthaltsstatus im Ausländerzentralregister abgeleitet. Zu den Schutzsuchenden in Deutschland zählen die folgenden drei Kategorien von Ausländerinnen und Ausländern:
  • Schutzsuchende mit offenem Schutzstatus halten sich zur Durchführung eines Asylverfahrens in Deutschland auf, wobei über ihren Schutzstatus noch nicht entschieden wurde.
  • Schutzsuchende mit anerkanntem Schutzstatus besitzen einen befristeten oder unbefristeten Aufenthaltstitel aus dem humanitären Bereich des Aufenthaltsgesetzes.
  • Schutzsuchende mit abgelehntem Schutzstatus halten sich nach Ablehnung im Asylverfahren oder nach Verlust ihres humanitären Aufenthaltstitels als Ausreisepflichtige in Deutschland auf.


Ausländische Bevölkerung nach Aufenthaltsstaus

In absoluten Zahlen und Anteile in Prozent, 31.12.2016

1

Anzahl Anteile,
in Prozent
mit Aufenthaltsstatus
ausländische Bevölkerung insgesamt 10.039.080 100,0
davon:
Freizügigkeit nach EU-Recht 1 4.361.240 43,4
unbefristeter Aufenthaltstitel 2.498.235 24,9
befristeter Aufenthaltstitel 1.808.325 18,0
davon:
familiäre Gründe 694.605 6,9
völkerrechtliche, humanitäre, politische Gründe 633.625 6,3
zum Zweck der Ausbildung 200.665 2,0
zum Zweck der Erwerbstätigkeit 147.630 1,5
besondere Aufenthaltsrechte 131.800 1,3
Antrag auf Aufenthaltstitel gestellt 201.770 2,0
sonstige 2 9.405 0,1
ohne Aufenthaltsstatus
Aufenthaltsgestattung 3 522.915 5,2
Duldung 154.780 1,5
sonstige 4 482.415 4,8

1 alle Ausländer mit der Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedstaates können ihren Aufenthalt und Wohnsitz innerhalb der Europäischen Union frei bestimmen und jederzeit ändern. Der Aufenthaltsstatus ist entsprechend nur für EU-Drittstaatenangehörige aussagekräftig.

2 Ausländer, die von dem Erfordernis auf einen Aufenthaltstitel befreit sind/heimatlose Ausländer.

3 Asylbewerber, deren Entscheidung über den Asylantrag noch aussteht.

4 Ausländer ohne Aufenthaltstitel, Duldung oder Gestattung. Dazu gehören Ausreisepflichtige, Fortgezogene ohne behördliche Abmeldung bzw. weitergezogene Schutzsuchende, Doppelzählungen, unvollständige Einträge sowie "Untergetauchte".


Quelle: Statistisches Bundesamt: Ausländische Bevölkerung

Schutzsuchende nach Schutzstatus

In absoluten Zahlen und Anteile in Prozent, 31.12.2016

1

Anzahl Anteile,
in Prozent
Schutzsuchende 1 1.602.590 100,0
davon:
offener Schutzstatus 2 572.545 35,7
anerkannter Schutzstatus 872.340 54,4
davon:
befristet 599.940 37,4
unbefristet 272.400 17,0
abgelehnter Schutzstatus 157.705 9,8
davon:
geduldet ausreisepflichtig 3 118.090 7,4
latent ausreisepflichtig 4 11.325 0,7
vollziehbar ausreisepflichtig 5 28.290 1,8

1 Schutzsuchende sind Ausländerinnen und Ausländer, die sich unter Berufung auf humanitäre Gründe in Deutschland aufhalten.

2 Aufenthalt in Deutschland zur Durchführung eines Asylverfahrens (bei 522.915 Personen stand Ende 2016 die Entscheidung aus, 49.630 Personen verfügten lediglich über einen Ankunftsnachweis).

3 Duldung zum Beispiel aufgrund von fehlenden Ausweispapieren, der Aufnahmeverweigerung des Zielstaates oder bei bevorstehender Operation des Ausreisepflichtigen.

4 die Ausreisepflichtigen konnten noch Rechtsmittel gegen die Begründung der Ausreispflicht einlegen.

5 die Begründung der Ausreisepflicht war rechtskräftig.


Quelle: Statistisches Bundesamt: Schutzsuchende


Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.



counter