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Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland
19.9.2019

Bevölkerungsentwicklung und Altersstruktur

Bevölkerung in absoluten Zahlen, Anteile der Altersgruppen in Prozent, 1970 bis 2060

Bevölkerungsentwicklung und Altersstruktur

Quelle: Statistisches Bundesamt: Bevölkerung Deutschlands bis 2060, Ergebnisse der 14. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung
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Um Aussagen über die zukünftige Bevölkerungsentwicklung bzw. die Altersstruktur treffen zu können, hat das Statistische Bundesamt mehrere Szenarien mit unterschiedlichen Annahmen hinsichtlich der Geburtenhäufigkeit, der Lebenserwartung und des Wanderungssaldos berechnet. Laut Statistischem Bundesamt ist die demografische Alterung in Deutschland nicht nur ein Zukunftsthema, sondern bereits weit vorangeschritten.

Fakten

Die vom Statistischen Bundesamt bereitgestellten Daten zeigen, dass der demografische Wandel in Deutschland bereits weit vorangeschritten ist und sich auch in Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter fortsetzen wird. So reduzierte sich der Anteil der unter 20-Jährigen an der Bevölkerung zwischen 1970 und 2017 von 29,7 auf 18,4 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil der Personen, die 67 Jahre und älter sind, von 11,1 auf 19,0 Prozent.

Ausgehend von moderaten Veränderungen bei der Geburtenhäufigkeit und Lebenserwartung bis 2060 sowie einem positiven Wanderungssaldo von durchschnittlich 221.000 Personen pro Jahr (siehe "Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen") wird der Anteil der 67-Jährigen und Älteren weiter stark zunehmen – von 2018 bis 2060 von 19,1 auf 27,4 Prozent. Während sich der Anteil der unter 20-Jährigen nicht weiter verringert (2018: 18,4 Prozent / 2060: 18,0 Prozent), nimmt der Anteil der 20- bis unter 67-Jährigen zwischen 2018 und 2060 von 62,5 auf 54,6 Prozent ab.

In allen neun Hauptvarianten der 14. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes wird der Anteil der Menschen im Erwerbsalter (20 bis 66 Jahre) in den nächsten zwei Jahrzehnten deutlich sinken und im Jahr 2037 zwischen 55 und bis 56 Prozent liegen. Der Anteil der 67-Jährigen und Älteren wird dagegen in allen Hauptvarianten steigen. Ein besonders steiler Anstieg ist bis 2040 zu erwarten.

Die Zahl der Menschen im Alter ab 67 Jahren stieg zwischen 1990 und 2018 um 54 Prozent von 10,4 auf 15,9 Millionen. In den nächsten 20 Jahren wird diese Zahl um weitere 5 bis 6 Millionen auf mindestens 20,9 Millionen wachsen. Auch die Zahl der Hochaltrigen hat sich stark verändert: Zwischen 1970 und 2017 stieg die Zahl der 80-Jährigen und Älteren von 1,2 auf 5,2 Millionen und ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung erhöhte sich von 1,9 auf 6,2 Prozent. Nach der hier betrachteten Variante wird die Zahl der 80-Jährigen und Älteren bis zum Jahr 2050 weiter zunehmen: Die 9,7 Millionen 80-Jährigen und Älteren haben dann einen Anteil von 12,1 Prozent an der Bevölkerung (2060: 8,8 Mio. / 11,3 Prozent).

Die Bevölkerungszahl insgesamt stieg nach der deutschen Vereinigung vor allem durch die Zuwanderung aus den ehemaligen sozialistischen Staaten Europas und der ehemaligen Sowjetunion. Ab 2002 war der positive Wanderungssaldo und damit die Bevölkerungszahl rückläufig. Durch die höhere Nettozuwanderung seit 2011 nahm die Bevölkerungszahl zunächst langsam zu. Im Zuge der seit 2014 außergewöhnlich stark gestiegenen Zuwanderung kamen per Saldo zwischen 2014 und 2017 insgesamt 2,6 Millionen überwiegend junge Menschen nach Deutschland – 37 Prozent von ihnen waren unter 20 Jahre alt und 53 Prozent waren im Alter von 20 bis 39 Jahren. 2018 lag die Nettozuwanderung bei 400.000. Die Bevölkerungszahl ist seit 2014 entsprechend stark gestiegen und lag 2018 bei 82,9 Millionen.

Wiederum ausgehend von moderaten Veränderungen bei der Geburtenhäufigkeit und Lebenserwartung bis 2060 sowie einem positiven Wanderungssaldo von durchschnittlich 221.000 Personen pro Jahr wird die Bevölkerungszahl bis 2024 auf 83,7 Millionen steigen und dann bis 2060 kontinuierlich auf 78,2 Millionen sinken.

Bei einem dauerhaft vergleichsweise hohen Wanderungssaldo (Durchschnitt der Jahre 1990 bis 2018: plus 311.000 pro Jahr) und sonst gleichen Annahmen wird die Bevölkerungszahl im Jahr 2060 bei 83,0 Millionen liegen. Bei einem dauerhaft vergleichsweise niedrigen Wanderungssaldo (Durchschnitt der Jahre 1955 bis 1989: 147.000 pro Jahr) und sonst gleichen Annahmen wird die Bevölkerungszahl im Jahr 2060 bei 74,4 Millionen liegen. Die Annahmen zum Wanderungssaldo haben also einen sehr starken Einfluss auf die Bevölkerungszahl – die Differenz liegt bei bis zu 8,6 Millionen Menschen bezogen auf das Jahr 2060.

Ohne Nettozuwanderung würde die Bevölkerung in Deutschland seit Langem schrumpfen, da seit 1972 die Zahl der Gestorbenen die Zahl der Geborenen jedes Jahr übersteigt und somit die sogenannte natürliche Bevölkerungsbilanz negativ ist. Ohne Nettozuwanderung und bei einer moderaten Entwicklung der Geburtenhäufigkeit und Lebenserwartung würde das Geburtendefizit zwischen 2018 und 2054 von 167.000 auf 530.000 pro Jahr zunehmen und anschließend bis 2060 leicht sinken. Die Bevölkerungszahl läge, bei dieser rein modellhaften Berechnung, im Jahr 2060 bei 65,2 Millionen – 17,7 Millionen Menschen weniger als 2018.

Datenquelle

Statistisches Bundesamt: Bevölkerung Deutschlands bis 2060, Ergebnisse der 14. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Die im Text genannten Daten beziehen sich auf eine der insgesamt neun Hauptvarianten der 14. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes. Alle Varianten beschreiben die Entwicklung bis 2060. Bei der ausgewählten Variante wird angenommen, dass sich die jährliche Geburtenrate auf dem Niveau von 1,55 Kindern je Frau stabilisiert und die endgültige Zahl der Kinder je Frau auf 1,6 steigt. Die Lebenserwartung bei Geburt nimmt bis 2060 für Jungen um 6 und für Mädchen um knapp 5 Jahre auf 84,4 beziehungsweise 88,1 Jahre zu. Schließlich verringert sich der Wanderungssaldo bei dieser Variante zwischen 2018 und 2026 kontinuierlich und bleibt danach konstant bei rund 206.000. Im Zeitraum von 2019 bis 2060 würden dabei pro Jahr durchschnittlich 221.000 Personen mehr nach Deutschland zuwandern als abwandern. Dies entspricht dem durchschnittlichen Wanderungssaldo im Zeitraum zwischen 1955 und 2018 (Variante 2: G2-L2-W2).

Die langfristigen Bevölkerungsvorausberechnungen sind keine Prognosen, sondern liefern "Wenn-Dann-Aussagen". Sie gehen vom gegenwärtigen Altersaufbau aus und setzen die jeweils beschriebenen Annahmen um.

Zu den einzelnen Varianten siehe: PDF-Icon Bevölkerung Deutschlands bis 2060, Ergebnisse der 14. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung, Hauptvarianten 1 bis 9.

Informationen zum Thema natürliche Bevölkerungsentwicklung und Wanderungssaldo in Deutschland und Europa finden Sie hier...

Bevölkerungsentwicklung und Altersstruktur

Bevölkerung in absoluten Zahlen, Anteile der Altersgruppen in Prozent, 1970 bis 2060

Bevölkerung,
in Tsd.
Anteile an der Bevölkerung, in Prozent
unter 20 Jahre 20 bis unter
67 Jahre
67 Jahre
und älter
2060 78.213 18,0 54,6 27,4
2050 80.200 17,6 56,1 26,3
2040 82.091 18,2 55,8 26,0
2030 83.341 18,8 58,3 22,8
2020 83.365 18,4 62,2 19,5
2018 1 82.902 18,4 62,5 19,1
2017 82.792 18,4 62,6 19,0
2015 82.176 18,3 63,0 18,7
2010 81.752 18,4 62,9 18,7
2005 82.438 20,0 63,6 16,4
2000 82.260 21,1 64,6 14,3
1995 81.817 21,5 65,0 13,5
1990 79.753 21,7 65,3 13,0
1980 2 61.658 26,4 60,0 13,6
1970 2 61.001 29,7 59,2 11,1

1 geschätzter Jahresdurchschnitt. Ab 2020 Ergebnisse der 14. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung. Annahmen der hier dargestellten Bevölkerungsvorausberechnung (Variante 2: G2-L2-W2):
1. Geburtenrate: 1,55 Kinder je Frau.
2. Lebenserwartung bei Geburt im Jahr 2060: Jungen: 84,4 Jahre / Mädchen: 88,1 Jahre.
3. Durchschnittlicher Wanderungssaldo 2019 bis 2060: 221.000 Personen pro Jahr.
Wanderungssaldo im Zeitraum 2019 bis 2060: +9.282.000 Personen.
2 Westdeutschland


Quelle: Statistisches Bundesamt: Bevölkerung Deutschlands bis 2060, Ergebnisse der 14. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung


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