Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Entwicklung der Altersstruktur

26.9.2012
Die seit Jahrzehnten sinkenden Geburtenzahlen und die beständig steigende Lebenserwartung führen zu einer deutlichen Veränderung des Verhältnisses zwischen jüngerer und älterer Generation.

Entwicklung der AltersstrukturKlicken Sie auf die Grafik, um das PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten



Die sozialen Sicherungssysteme werden zu großen Teilen über die Sozialversicherungsabgaben und Steuerleistungen der Erwerbstätigen finanziert. Die meisten Erwerbstätigen sind in der mittleren Generation zu finden – also in der Gruppe der 20- bis unter 60-Jährigen (oder auch 15- bis unter 65-Jährigen). Um Auskunft über die Versorgungsaufgaben der mittleren Generation zu erhalten, wird diese Gruppe ins Verhältnis zu den unter 20-Jährigen bzw. den Personen, die 60 Jahre und älter sind, gesetzt. Der sogenannte Jugendquotient gibt Auskunft darüber, wie viele unter 20-Jährige auf je einhundert 20- bis unter 60-Jährige entfallen. Beim sogenannten Altenquotienten wird die Anzahl der Personen, die 60 Jahre und älter sind, ins Verhältnis zu der Gruppe der 20- bis unter 60-Jährigen gesetzt. Beispielsweise lebten in Deutschland im Jahr 2010 21,5 Millionen Personen, die 60 Jahre und älter waren. Zu der Altersgruppe der 20- bis unter 60-Jährigen gehörten im selben Jahr 45,2 Millionen Personen. Demnach kamen auf 100 Personen der mittleren Generation rund 48 Personen der alten Generation. Für den Gesamtquotienten werden die Werte des Jugend- und des Altenquotienten einfach addiert.

Im Jahr 2010 entfielen auf einhundert 20- bis unter 60-Jährige 33,3 Personen, die jünger als 20 waren und 47,6 Personen, die 60 Jahre und älter waren. Die Summe aus dem Jugend- (33,3) und dem Altenquotienten (47,6) ergibt einen Gesamtquotienten von 80,8. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes wird sich der Jugendquotient in den nächsten Jahrzehnten nicht gravierend verändern und 2060 bei 34,8 liegen. Der Altenquotient hingegen wird schon in den nächsten Jahren deutlich ansteigen und nach 2020 mit dem Eintritt der geburtenstarken Jahrgänge (Mitte 1950er- bis Ende 1960er-Jahre) in das Rentenalter nach oben schnellen. 2030 wird er bereits bei rund 77 und 2050 bei mehr als 85 liegen. Damit wird der Altenquotient 2050 doppelt so hoch ausfallen wie im Jahr 2000. Bis zum Jahr 2060 wird sich der Altenquotient nochmals leicht auf 87 erhöhen. Wird die Altersgrenze von 60 auf 65 bzw. 67 Jahre verschoben, liegt der Altenquotient – bei sonst gleichen Annahmen – im Jahr 2060 bei 63,1 bzw. 55,5. Ende 2011 lag die Altersgrenze für die Regelaltersrente bei 65 Jahren und der entsprechende Altenquotient bei knapp 34. Um diesen Altenquotienten konstant zu halten, müsste die Altersgrenze im Jahr 2060 zwischen 73 und 74 Jahren liegen.

Der Gesamtquotient wird sich zwischen 2010 und 2060 von 80,8 auf 121,8 erhöhen. Die relative Steigerung fällt dabei weniger stark aus als der Anstieg des Altenquotienten, weil sich – wie oben beschrieben – der Jugendquotient in diesem Zeitraum nur geringfügig verändern wird. 2025 werden in Deutschland das erste Mal weniger Personen zur mittleren Generation der 20 bis unter 60-Jährigen gehören als zur jüngeren und älteren Generation. Anders formuliert, entfällt ab 2025 auf jede Person der mittleren Generation mindestens eine Person, die entweder jünger als 20 Jahre oder 60 Jahre oder älter ist.

Nach Vorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes werden in Westdeutschland im Jahr 2060 auf einhundert 20- bis unter 60-Jährige 86,3 Personen der älteren Generationen entfallen. 2011 waren es noch 47,6. In Ostdeutschland wird der Altenquotient zwischen 2011 und 2060 von 51,9 auf 90,6 steigen. Während in Westdeutschland der Jugendquotient relativ konstant bleibt und sich um 35 bewegt, erhöht sich in Ostdeutschland auch der Jugendquotient von 26,4 im Jahr 2011 auf 34,3 im Jahr 2060.

Während sich die Gesamtbevölkerung in Westdeutschland bis 2060 um rund elf Prozent reduziert (von 65 auf 58 Millionen), nimmt sie in Ostdeutschland um rund ein Viertel ab (von 16 auf 12 Millionen). Lediglich in den Stadtstaaten fällt der Bevölkerungsrückgang nicht so stark aus (von 5,9 auf 5,7 Millionen), für Hamburg wird als einziges Bundesland sogar eine Bevölkerungszunahme angenommen. Der Altenquotient wird sich jedoch auch in den drei Stadtstaaten mehr als verdoppeln – von rund 43 im Jahr 2011 auf gut 88 im Jahr 2060.

Die Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes variieren stark, wenn sich die Annahmen zur Entwicklung des Wanderungssaldos, der Geburtenziffer und/oder der Lebenserwartung verändern. Ein Beispiel: Wenn bei ansonsten gleichen Annahmen lediglich die Zuwanderung geringer ausfällt als oben angenommen (Wanderungssaldo: plus 100.000 ab dem Jahr 2014 statt 200.000 ab 2020) wird die Bevölkerungszahl nicht auf 70,1 Millionen, sondern auf 64,7 Millionen im Jahr 2060 sinken. In Ostdeutschland (ohne Berlin) werden dann 2060 rund 35 Prozent weniger Menschen leben als im Jahr 2011. Bereits 2030 wird die Bevölkerungszahl in Ostdeutschland um 13 Prozent niedriger sein als 2011. Dabei wird sich die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter (hier wie oben: 20 bis unter 60 Jahre) von 7,0 Millionen im Jahr 2011 auf 3,5 Millionen im Jahr 2060 halbieren.

Datenquelle



Statistisches Bundesamt: Lange Reihen: Bevölkerung nach Altersgruppen, 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung: Bevölkerung Deutschlands bis 2060, Bevölkerung in den Bundesländern, dem früheren Bundesgebiet und den neuen Ländern bis 2060

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Wenn nichts anderes angegeben ist, beziehen sich die Daten im Text auf eine Variante der Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes, die von einem positiven Wanderungssaldo (Differenz zwischen Zu- und Fortzügen nach bzw. aus Deutschland) von 200.000 Personen pro Jahr ab 2020 ausgeht. Weiter wird eine annähernd konstante zusammengefasste Geburtenziffer von durchschnittlich 1,4 Kindern je Frau sowie eine Zunahme der Lebenserwartung bei Geburt um etwa siebeneinhalb Jahre auf 85,0 Jahre bei den Jungen und um etwa sechseinhalb Jahre auf 89,2 Jahre bei den Mädchen im Jahr 2060 angenommen. Die langfristigen Bevölkerungsvorausberechnungen haben Modellcharakter. Sie sind keine Prognosen, sondern gehen vom gegenwärtigen Altersaufbau aus und setzen die oben beschriebenen Annahmen um.

Eine Liste aller Varianten der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung und zusätzlicher Modellrechnungen (PDF-Version: 1.000 KB) finden Sie PDF-Icon hier…

Informationen zur "Entwicklung der Altersstruktur in der EU" erhalten Sie hier...

Tabelle: Entwicklung der Altersstruktur



Jugend-, Alten- und Gesamtquotient, 1960 bis 2060*

Jugendquotient Altenquotient Gesamtquotient
1960 52,4 32,1 84,5
1970 60,0 40,0 100,0
1980 49,7 36,0 85,7
1990 37,5 35,2 72,7
2000 38,2 42,7 80,8
2005 36,3 45,4 81,7
2010 33,3 47,6 80,8
2020 32,5 58,3 90,8
2030 35,5 76,8 112,3
2040 34,6 79,9 114,5
2050 34,2 85,4 119,6
2060 34,8 87,0 121,8

* Stand bis einschließlich 2010: 2012, Stand Bevölkerungsvorausberechnung: Ende 2009. Bei der Bevölkerungsvorausberechnung wird eine annähernd konstante Geburtenhäufigkeit, ein moderater Anstieg der Lebenserwartung sowie ein positiver Wanderungssaldo von 200.000 Personen pro Jahr ab 2020 angenommen.

Quelle: Statistisches Bundesamt: Lange Reihen: Bevölkerung nach Altersgruppen, 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung: Bevölkerung Deutschlands bis 2060


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