Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Lebenserwartung

26.9.2012
Die fernere Lebenserwartung wird sich weiter erhöhen. Im Jahr 2060 können Männer im Alter von 60 Jahren durchschnittlich noch 26,6 und Frauen 30,1 weitere Lebensjahre erwarten.

LebenserwartungKlicken Sie auf die Grafik, um das PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten



Viele Faktoren haben die Lebenserwartung in Deutschland in den vergangenen 130 Jahren deutlich steigen lassen: Fortschritte im Gesundheitswesen und im Bereich der Hygiene, bessere Ernährung, komfortableres Wohnen, bessere Arbeitsbedingungen sowie höhere Sicherheitsstandards und Maßnahmen zur Unfallprävention. 2008/2010 konnte ein 60-jähriger Mann im Durchschnitt damit rechnen, dass er noch etwa 21 Jahre lebt (fernere Lebenserwartung). Rund 130 Jahre zuvor waren es lediglich 12 und auch 1970/1972 nur gut 15 weitere Lebensjahre. Bei den 60-jährigen Frauen lag die fernere Lebenserwartung 2008/2010 bei 25 weiteren Lebensjahren – 1871/1881 waren es weniger als 13. Nach Vorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes wird sich die fernere Lebenserwartung auch in Zukunft erhöhen: Im Jahr 2060 können Männer im Alter von 60 Jahren durchschnittlich noch 26,6 und Frauen 30,1 weitere Lebensjahre erwarten.

Der Anstieg der Lebenserwartung hat in Verbindung mit der anhaltend niedrigen Geburtenziffer eine Veränderung der Altersstruktur zur Folge. Der Anteil der unter 20-Jährigen an der Bevölkerung reduzierte sich zwischen 1960 und 2010 von 28,4 auf 18,4 Prozent. Parallel stieg der Anteil der Personen, die 60 Jahre und älter waren, von 17,4 auf 26,3 Prozent. Nach den Bevölkerungsvorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes wird sich der Anteil der Personen, die 60 Jahre oder älter sind, bis 2060 auf 39,2 Prozent erhöhen. Dadurch, dass absolut und relativ immer mehr Menschen zur älteren Generation gehören, nimmt auch die Zahl der potenziellen Rentenbezieher zu, wobei durch die steigende Lebenserwartung auch der Ruhestand länger dauert. Der demografische Wandel ist und bleibt demnach eine Herausforderung für die sozialen Sicherungssysteme, wenn das bestehende Leistungsniveau bei der Alterssicherung aufrechterhalten werden soll.

Wird nicht die fernere Lebenserwartung, sondern die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt betrachtet, fällt die Steigerung der Lebenserwartung noch deutlicher aus – vor allem weil dann die Reduzierung der Kindersterblichkeit miteinbezogen wird. Die Lebenserwartung lag nach der Sterbetafel 2008/2010 bei neugeborenen Jungen bei 77 Jahren und 6 Monaten und bei neugeborenen Mädchen bei 82 Jahren und 7 Monaten. Im Deutschen Reich lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt eines Jungen 1871/1881 bei nur 35 Jahren und 7 Monaten und für ein Mädchen bei 38 Jahren und 5 Monaten. Demnach hat sich die Lebenserwartung der Neugeborenen in den vergangenen 130 Jahren mehr als verdoppelt.

Die Entwicklung der Lebenserwartung in der ehemaligen DDR verlief bis Mitte der 1970er-Jahre ähnlich wie im früheren Bundesgebiet. Allerdings lag die Lebenserwartung der Jungen bei der Geburt in der ersten Hälfte der 1970er-Jahre in Ostdeutschland höher als in Westdeutschland – 1970/72 war es gut ein Jahr. Die Lebenserwartung der Mädchen war in beiden Teilen Deutschlands etwa gleich hoch. Nach 1977 stagnierte die Lebenserwartung in Ostdeutschland zunächst und stieg dann bis Ende der 1980er-Jahre deutlich langsamer als in Westdeutschland. 1991/1993 war die Lebenserwartung bei der Geburt in Ostdeutschland bei Jungen um 3,2 Jahre und bei Mädchen um 2,3 Jahre geringer als in Westdeutschland. Da die Lebenserwartung in Ostdeutschland seit der Wiedervereinigung im Durchschnitt stärker gestiegen ist als die in Westdeutschland, hat sich die Lebenserwartung in Ost- und Westdeutschland stetig angenähert. 2008/2010 lag der Unterschied nur noch bei 1,3 Jahren bei den Jungen und bei 0,2 Jahren bei den Mädchen – wenn sich die Lebenserwartung in West- und Ostdeutschland so wie im Durchschnitt der Jahre seit der Wiedervereinigung verändert, wird auch die Lebenserwartung der neugeborenen Jungen etwa ab 2020 gleich hoch sein.

Noch größer als der Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland sind die Unterschiede bei der Lebenserwartung auf der Ebene der einzelnen Bundesländer. Die bundesweit höchste Lebenserwartung wurde im Berichtszeitraum 2008/2010 erneut für Baden-Württemberg ermittelt: Die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt betrug dort für Jungen 78,9 Jahre und für Mädchen 83,5 Jahre. Das waren bei den Jungen fast eineinhalb Jahre mehr als in Deutschland insgesamt, bei den Mädchen war es knapp ein Jahr mehr. Die niedrigste Lebenserwartung hatten neugeborene Jungen hingegen in Sachsen-Anhalt (75,5 Jahre) und neugeborene Mädchen im Saarland (81,6 Jahre) – der Abstand zu Baden-Württemberg lag demnach bei den Jungen bei dreieinhalb Jahren und bei den Mädchen bei fast zwei Jahren.

Datenquelle



Statistisches Bundesamt: www.destatis.de, 10. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung: Bevölkerung Deutschlands bis 2050, 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung: Bevölkerung Deutschlands bis 2050, 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung: Bevölkerung Deutschlands bis 2060

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Bei der Lebenserwartung ist zwischen der durchschnittlichen Lebenserwartung bei der Geburt und der ferneren Lebenserwartung zu unterscheiden. Die fernere Lebenserwartung beschreibt, wie viele Lebensjahre beispielsweise eine 60-jährige Person im Durchschnitt noch vor sich hat. Die Summe aus erreichtem Alter und fernerer Lebenserwartung liegt immer höher als die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt, da bei Letzterer auch die Personen eingerechnet werden, die die jeweilige Altersgrenze der ferneren Lebenserwartung nicht erreicht haben.

Die aktuellen Periodensterbetafeln der amtlichen Statistik basieren auf den Daten über die Gestorbenen und die Durchschnittsbevölkerung der letzten drei Jahre. Es handelt sich hierbei um eine Momentaufnahme der Sterblichkeitsverhältnisse der gesamten Bevölkerung für diesen Zeitraum.

Die Angaben zur Lebenserwartung beziehen sich in den Jahren 1871/1881, 1901/1910 und 1932/34 auf den jeweiligen Gebietsstand des Reichsgebiets. Die Angaben beziehen sich generell auf einen Dreijahresdurchschnitt, 1871/1881 und 1901/1910 aber auf einen Zehnjahresdurchschnitt.

Weitere Informationen zur "Entwicklung der Altersstruktur" erhalten Sie hier...

Informationen zum Thema "Lebenserwartung im europäischen Vergleich" erhalten Sie hier...

Tabelle: Lebenserwartung



Fernere Lebenserwartung im Alter von 60 Jahren nach Geschlecht, 1871 bis 2060*

  Männer Frauen
Deutsches Reich
1871/81 12,1 12,7
1901/10 13,1 14,2
1932/34 15,1 16,1
  Westdeutschland
1949/51 16,2 17,5
1960/62 15,5 18,5
1970/72 15,3 19,1
1980/82 16,5 20,8
  Deutschland
1991/93 17,8 22,1
1996/98 18,7 23,1
1998/00 19,2 23,5
2002/04 20,0 24,1
2005/07 20,8 24,6
2008/10 21,2 24,9
2020 22,4 26,2
2030 23,5 27,2
2040 24,6 28,2
2050 25,6 29,2
2060 26,6 30,1

* Stand bis einschließlich 2008/2010: 2012, Stand Vorausberechnung: Ende 2009.

Quelle: Statistisches Bundesamt: www.destatis.de, 10., 11. und 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung: Bevölkerung Deutschlands bis 2050, Bevölkerung Deutschlands bis 2060


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