Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Kinderzahl und Kinderlosigkeit

26.9.2012
Bei den zwischen 1931 und 1951 geborenen Müttern ist – bezogen auf die Anzahl der Kinder – ein deutlicher Trend zu kleineren Familien zu beobachten.

Kinderzahl und KinderlosigkeitKlicken Sie auf die Grafik, um das PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten



Bei der Anzahl der Kinder, die eine Frau im Laufe ihres Lebens bekommt, lassen sich zwischen den Generationen erhebliche Unterschiede feststellen. Das generative Verhalten ist dabei von verschiedenen Faktoren abhängig. Zum Beispiel vom Wandel der Lebensformen, von der Kinderfreundlichkeit einer Gesellschaft, veränderten Einstellungen zur Sexualität, den Möglichkeiten der Empfängnisverhütung, der Erwerbstätigkeit von Frauen, der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und/oder von den finanziellen Voraussetzungen für ein Leben mit Kindern. Welchen Faktoren hierbei eine besondere Bedeutung zukommt, ist umstritten, da die einzelnen Faktoren, nicht eindeutig voneinander zu trennen sind.

Bei den zwischen 1931 und 1951 geborenen Müttern ist – bezogen auf die Anzahl der Kinder – ein deutlicher Trend zu kleineren Familien zu beobachten. Familien mit mehr als zwei Kindern sind seltener geworden: Bei den Jahrgängen (Kohorten) 1931 bis 1936 hatte mindestens jede dritte Mutter drei oder mehr Kinder, bei den Kohorten 1947 bis 1951 lediglich jede fünfte. Der Anteil der Mütter mit zwei Kindern stieg gleichzeitig von 37 auf 49 Prozent und der der Mütter mit einem Kind von 27 auf 31 Prozent. In den jüngeren Jahrgängen hat sich an dieser Entwicklung nur wenig verändert: Von den im Jahr 2008 35 bis 54 Jahre alten Müttern hat in Deutschland etwa jede dritte ein Kind, jede zweite zwei Kinder und jede fünfte drei oder mehr Kinder. Aber auch bei diesen Kohorten hat bei den jüngeren der Anteil der Mütter mit drei oder mehr Kindern leicht ab- und der Anteil der Mütter mit einem Kind leicht zugenommen.

Bei einem Vergleich von West- und Ostdeutschland ist für die Mütter, für die Angaben zur Zahl der geborenen Kinder vorliegen, festzustellen, dass der Anteil der Mütter mir drei oder mehr Kindern in Westdeutschland in allen hier dargestellten Altersgruppen höher ist als in Ostdeutschland. In Ostdeutschland, wo Frauen insgesamt seltener kinderlos sind, fanden sich – mit Ausnahme der Jahrgänge 1949 bis 1953 – im Jahr 2008 in allen Jahrgängen mehr Mütter mit einem Kind als in Westdeutschland.

Über viele Jahre sank die durchschnittliche Kinderzahl je Frau, weil sich die Anzahl der Kinder je Mutter verringerte. Bei den nach 1941 geborenen Frauen stabilisierte sich die durchschnittliche Kinderzahl je Mutter aber bei etwa 1,9 bis 2,0 Kindern. Das heißt, dass für das niedrige Geburtenniveau zunehmend nicht die Kinderzahl je Mutter verantwortlich ist, sondern die zunehmende Zahl an Frauen, die kinderlos bleiben: Der Anteil der kinderlosen Frauen stieg in Westdeutschland von 13,3 Prozent bei den 1944 bis 1948 geborenen Frauen auf 19,0 Prozent bei den 1959 bis 1963 geborenen Frauen.

In Ostdeutschland lagen die entsprechenden Werte bei 7,2 bzw. 7,3 Prozent. Allerdings lag der Anteil an kinderlosen Frauen in Ostdeutschland bei den 1964 bis 1968 geborenen Frauen bei 10,7 Prozent (Stand 2008), was für eine Steigerung der Kinderlosigkeit in der Zukunft spricht, da nach dem vierzigsten Lebensjahr nur noch wenige Frauen ihr erstes Kind bekommen. Trotz dieser Steigerung ist davon auszugehen, dass der Anteil an kinderlosen Frauen in Ostdeutschland niedriger bleibt als im Westen Deutschlands: In den ostdeutschen Jahrgängen 1969 bis 1973, die zum Zeitpunkt der Deutschen Vereinigung 1990 zwischen 17 und 21 Jahre alt waren, waren im Jahr 2008 15,9 Prozent der Frauen ohne Kind. In Westdeutschland lag der entsprechende Anteil bei 27,5 Prozent. Und auch bei den Frauen, die im Jahr 2008 zwischen 30 und 34 Jahre alt waren, war der Anteil der kinderlosen Frauen in Westdeutschland mit 43,8 Prozent deutlich höher als in Ostdeutschland mit 32,9 Prozent. Neben dem Unterschied zwischen Ost und West, ist der Anteil der kinderlosen Frauen in den Stadtstaaten auffällig hoch: Bei den Jahrgängen 1959 bis 1973, also bei den Frauen, die 2008 zwischen 35 und 49 Jahre alt waren, war fast jede dritte Frau kinderlos (29,7 Prozent), das waren 8,5 Prozentpunkte mehr, als im Bundesdurchschnitt (21,2 Prozent).

Im Allgemeinen nimmt mit steigendem Bildungsniveau der Frauen die Zahl der geborenen Kinder ab. Das Statistische Bundesamt weist aber darauf hin, dass es viele Faktoren gibt, die diesen Zusammenhang verstärken oder relativieren können. So hängt insbesondere für höher gebildete Frauen eine Entscheidung für Kinder oft von den Angeboten bei der Kinderbetreuung ab. Mütter zwischen 40 und 49 Jahren mit niedrigem Bildungsstand hatten 2008 häufiger drei oder mehr Kinder als Mütter mit einem mittleren oder hohen Bildungs¬stand. 37,8 Prozent der Mütter mit niedriger Bildung hatten drei oder mehr Kinder, 38,7 Prozent hatten zwei und nur 23,6 Prozent hatten ein Einzelkind. Anders bei Müttern mit mittlerem oder hohem Bildungsstand: Die größte Gruppe bei den 40- bis 49-Jährigen stellten die Mütter von zwei Kindern (50,0 bzw. 49,3 Prozent), der zweitgrößte Anteil entfiel auf Mütter von Einzelkindern (31,4 bzw. 33,6 Prozent) und die kleinste Gruppe auf Mütter mit drei oder mehr Kindern (18,7 bzw. 17,1 Prozent).

Auch die Kinderlosigkeit wird vom Bildungsstand beeinflusst: Von den im Jahr 2008 40- bis 49-jährigen Frauen mit niedrigem Bildungsstand hatten 15,4 Prozent kein Kind, bei den Frauen mit mittlerer Bildung waren es 17,9 Prozent und bei den Frauen mit hohem Bildungsstand war jede vierte kinderlos (24,7 Prozent). Allerdings gilt der Zusammenhang zwischen hohem Bildungsstand und höherer Kinderlosigkeit nicht überall: In Ostdeutschland weicht der Anteil der Kinderlosen mit hoher Bildung bei den Jahrgängen 1944 bis 1973 nur geringfügig vom allgemeinen Kinderlosigkeitsniveau der ostdeutschen Frauen ab.

Die endgültige Kinderzahl kann nur für die Jahrgänge nachgewiesen werden, die das 50. Lebensjahr bereits erreicht haben. Seit 2011 sind demnach Angaben bis zur Kohorte der 1961 geborenen Frauen möglich. Die endgültige Kinderzahl für alle Frauen des Jahrgangs 1961 beträgt in Deutschland durchschnittlich 1,6 Kinder je Frau. Dabei bestehen erhebliche Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland bzw. bei der bisherigen Entwicklung der Geburten¬zahl der Kohorten. Die Frauen des Geburtsjahrgangs 1937 brachten im Westen und Osten Deutschlands im Durchschnitt noch gleich viele Kinder zur Welt (2,1 Kinder je Frau). In den Jahrgän¬gen zwischen 1937 und 1961 nahm die endgültige Kinderzahl in Westdeutschland mit 25 Prozent deutlich stärker ab als in Ostdeutschland mit 15 Prozent. Die durchschnittliche Kinderzahl je Frau der Kohorte 1961 sank dabei auf 1,6 in West- und auf 1,8 in Ostdeutschland.

Für die Geburtsjahrgänge der 1960er-Jahre rechnet das Statistische Bundesamt mit einer weiteren Abnahme der endgültigen Kinderzahl auf durchschnittlich etwa 1,5 Kinder je Frau in beiden Teilen Deutschlands. In den folgenden 1970er-Jahrgängen zeich¬net sich eine Stabilisierung der Kohorten¬fertilität ab. Auf diese Entwicklung deutet zumindest die bis zum 35. Lebensjahr erreichte Kinderzahl hin. Die durchschnittliche Kinderzahl der 34-jäh¬rigen Frauen sank in Westdeutschland zwischen den Jahrgängen 1961 und 1968 um 13 Prozent, danach blieb sie relativ stabil. In Ostdeutschland ging die Kinderzahl der 34-Jährigen zwischen den Kohorten 1961 und 1976 kontinuierlich zurück – insgesamt um 27 Prozent. Obwohl die Geburten im höheren Alter aktuell zunehmen, geht das Statistische Bundesamt nicht davon aus, dass der Rückstand zwischen dem 36. und 50. Lebensjahr der Frauenjahrgänge noch aufgeholt werden kann.

Datenquelle



Statistisches Bundesamt: Mikrozensus 2008, Geburten in Deutschland, 2012

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Der Begriff 'Kohorte' bezeichnet alle Angehörigen eines Jahrgangs, also alle Personen, die im selben Jahr geboren sind.

Die Kohortenfertilität ist die durch¬schnittliche Zahl der Kinder, die ein Frauenjahrgang im Laufe des Lebens zur Welt bringt. Für Frauenjahrgänge, die ihr 50. Lebensjahr erreicht haben, wird sie auch als endgültige Kinderzahl bezeichnet.

Informationen zum Thema "Erwerbstätigkeit von Eltern nach Zahl der Kinder" erhalten Sie hier...

Die drei Kategorien hoher, mittlerer und niedriger Bildungsstand beruhen auf der international vergleichbaren Klassifikation formaler Bildungsabschlüsse ISCED. Ausführliche Informationen zur ISCED-Klassifikation (International Standard Classification of Education) finden Sie in der Veröffentlichung der Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD): Bildung auf einen Blick 2011. OECD-Indikatoren PDF-Icon (PDF-Version: 6.000 KB)

Tabelle: Kinderzahl und Kinderlosigkeit



Frauen der Geburtsjahrgänge 1933 bis 1978* nach Anzahl der Kinder, Stand: 2008

Geburtsjahrgänge
(Alter im Jahr 2008)
Westdeutschland**
0 Kinder 1 Kind 2 Kinder ≥ 3 Kinder Mütter ohne Angaben zur Kinderzahl
1974-1978 (30-34) 43,8 24,8 23,0 8,5 0,0
1969-1973 (35-39) 27,5 23,8 33,6 13,7 1,3
1964-1968 (40-44) 22,4 21,0 33,8 16,1 6,6
1959-1963 (45-49) 19,0 20,4 35,8 16,9 7,9
1954-1958 (50-54) 17,4 22,0 35,8 18,8 6,1
1949-1953 (55-59) 15,3 24,9 37,3 18,7 3,8
1944-1948 (60-64) 13,3 25,1 38,7 21,0 2,0
1939-1943 (65-69) 11,8 22,5 38,0 26,3 1,2
1933-1938 (70-75) 11,4 20,6 34,4 32,4 1,2
 
  Ostdeutschland**
0 Kinder 1 Kind 2 Kinder ≥ 3 Kinder Mütter ohne Angaben zur Kinderzahl
1974-1978 (30-34) 32,9 37,5 23,8 4,6*** 0,0
1969-1973 (35-39) 15,9 37,0 35,2 9,4 2,6
1964-1968 (40-44) 10,7 32,7 36,4 11,1 9,3
1959-1963 (45-49) 7,3 28,2 43,2 14,3 7,1
1954-1958 (50-54) 7,0 25,7 47,6 15,1 4,6
1949-1953 (55-59) 7,0 26,7 48,8 15,4 2,1
1944-1948 (60-64) 7,2 29,0 42,8 19,8 1,5
1939-1943 (65-69) 7,8 28,4 38,7 24,3 0,8
1933-1938 (70-75) 8,8 25,7 34,2 30,5 1,0

* die endgültige Kinderzahl kann nur für die Jahrgänge nachgewiesen werden, die das 50. Lebensjahr bereits erreicht haben.
** ohne Berlin
*** ausschließlich 3 Kinder


Quelle: Statistisches Bundesamt: Mikrozensus 2008


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