Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Geborene und Gestorbene

14.6.2008
Bis 1971 reichte die Zahl der Lebendgeborenen aus, um die der Gestorbenen zu kompensieren. Seit 1972 hat es in Deutschland jedes Jahr einen Überschuss der Gestorbenen gegeben.

Geborene und Gestorbene 1950 - 2006Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (© bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de/

Fakten



2006 kamen in Deutschland 672.724 Kinder zur Welt. Dies war die bis dahin niedrigste Geburtenzahl seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Sogar im ersten Nachkriegsjahr (1946) lag die Geburtenzahl mit rund 922.000 deutlich höher. Der danach in beiden Teilen Deutschlands folgende Anstieg der Zahl der Geburten stellte im Wesentlichen einen Nachholeffekt dar. Dieses Phänomen ist nach Kriegs- und Krisenzeiten bekannt.

Der als "Baby-Boom" bezeichnete Anstieg erreichte sein Hoch mit 1,36 Millionen Geburten im Jahr 1964. Durch die Verbreitung der Anti-Baby-Pille und der veränderten Einstellung zur Familie nahm die Zahl der Geburten seit Mitte der 1960er Jahre ab. In den 1970er Jahren setzte sich der Geburtenrückgang in Westdeutschland fort und erreichte sein Tief Mitte der 1980er Jahre. In den 1990er Jahren stieg die Zahl der Neugeboren wieder an. Grund dafür war vor allem der Baby-Boom der 1960er Jahre: Die Neugeborenen von damals waren die Eltern der 1990er Jahre. Aber auch ein leichter Anstieg der durchschnittlichen Kinderzahl pro Frau trug dazu bei. Seit 1998 sind die Geburtenzahlen im Westen dann wieder beständig gesunken.

In der ehemaligen DDR gab es wegen der rückläufigen Geburtenentwicklung in den 1970er Jahren umfangreiche staatliche Fördermaßnahmen für Familien mit Kindern. Diese führten zunächst zu höheren Geburtenzahlen vom Ende der 1970er bis Mitte der 1980er Jahre. Dann ging auch hier die Zahl der Geburten allmählich wieder zurück. Dieser Rückgang wurde durch die wirtschaftlichen und sozialen Umbrüche nach der Deutschen Wiedervereinigung beschleunigt. Von 1990 bis 1994 sank die Zahl der jährlich Geborenen in Ostdeutschland um mehr als die Hälfte – von 178.476 auf 78.698. Danach nahm die Zahl der Geburten wieder leicht zu, so dass seit 2001 pro Jahr rund 100.000 Kinder zur Welt kommen. Zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung wurde jedes fünfte Kind in Ostdeutschland geboren, bis 1994 nur jedes zehnte, derzeit etwa jedes siebte.

Die Zahl der Gestorbenen schwankte in den Jahren von 1950 bis 2006 zwischen über 748.000 im Jahr 1950 und knapp 990.000 im Jahr 1975. Seit 1998 lag die Zahl der Gestorbenen bei etwa 820.000 bis 850.000 pro Jahr. Bis 1971 reichte die Zahl der Lebendgeborenen aus, um die der Gestorbenen zu kompensieren. Seit 1972 hat es in Deutschland jedes Jahr einen Überschuss der Gestorbenen gegeben. Den größten Überschuss an Gestorbenen – über 207.000 – gab es bisher im Jahr 1975.

Neben den Jahren 1973 bis 1978 war der Überschuss an Gestorbenen auch in den Jahren 2003, 2005 und 2006 mit jeweils deutlich über 140.000 besonders hoch. Zwischen 1997 und 2006 ist der Überschuss der Gestorbenen fast jedes Jahr größer geworden. Im Jahr 2005 verzeichnete nur ein Bundesland einen Überschuss an Lebendgeborenen: In Baden-Württemberg wurden 205 Menschen mehr geboren als gestorben sind.

Datenquelle



Statistisches Bundesamt: PDF-Icon Geburten in Deutschland (PDF-Version: 520 KB), PDF-Icon Statistisches Jahrbuch 2007 (PDF-Version: 6.430 KB), Lange Reihen

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Die Geburtenstatistik weist lebend und tot geborene Kinder nach. Mit den Bezeichnungen "Geborene" und "Geburten" sind hier nur lebend geborene Kinder gemeint.

Die Anzahl der Geburten hängt nicht nur von der durchschnittlichen Kinderzahl je Frau ab, sondern wird auch durch den Umfang der Elterngeneration bestimmt. Nimmt die Zahl der Frauen zwischen 15 und 49 Jahren ab, wie es inzwischen als Folge der niedrigen Geburtenzahlen der letzten 30 Jahre der Fall ist, so sinkt die Geburtenzahl auch ohne Veränderung des Geburtenverhaltens.

Tabelle: Geborene und Gestorbene



In absoluten Zahlen, 1950 bis 2006

  Lebendgeborene Totgeborene**
insgesamt davon:
männlich nichtehelich*
1950 1.116.701 578.191 117.934 24.857
1960 1.261.614 648.928 95.321 19.814
1970 1.047.737 537.922 75.802 10.853
1980 865.789 444.148 102.921 4.954
1990 905.675 465.379 138.755 3.202
2000 766.999 393.323 179.574 3.084
2001 734.475 377.586 183.816 2.881
2002 719.250 369.277 187.961 2.700
2003 706.721 362.709 190.641 2.699
2004 705.622 362.017 197.129 2.728
2005 685.795 351.757 200.122 2.487
2006 672.724

 

  Gestorbene***
insgesamt davon:
männlich im 1.
Lebensjahr
in den ersten
7 Lebenstagen
1950 748.329 375.323 67.175 .
1960 876.721 446.999 44.105 24.900
1970 975.664 482.696 23.547 15.958
1980 952.371 455.924 10.779 5.582
1990 921.445 425.093 6.385 2.488
2000 838.797 388.981 3.362 1.594
2001 828.541 383.887 3.163 1.498
2002 841.686 389.116 3.036 1.507
2003 853.946 396.270 2.990 1.494
2004 818.271 383.388 2.918 1.446
2005 830.227 388.554 2.696 1.330
2006 821.627

 

  Überschuss der
Geborenen bzw. Gestorbenen (-)
1950 368.372
1960 384.893
1970 72.073
1980 -86.582
1990 -15.770
2000 -71.798
2001 -94.066
2002 -122.436
2003 -147.225
2004 -112.649
2005 -144.432
2006 -148.903

* seit 1.7.1998 von nicht miteinander verheirateten Eltern
** ab 1.4.1994 Änderung der Berichtsgrundlage
*** ohne Totgeborene, nachträglich beurkundete Kriegssterbefälle und gerichtliche Todeserklärungen


Quelle: Statistisches Bundesamt: Statistisches Jahrbuch 2007, Lange Reihen


 
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