Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Geborene und Gestorbene

26.9.2012
Bis 1971 reichte die Zahl der Lebendgeborenen aus, um die der Gestorbenen zu kompensieren. Seit 1972 sind in Deutschland jedes Jahr mehr Menschen gestorben als geboren wurden.

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Fakten



Noch nie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs kamen in Deutschland weniger Kinder zur Welt als 2011. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren es 662.685. Im Jahr 2010 lag die Zahl bei 677.947 – neben 2011 war nur in den Jahren 2009 (665.000) und 2006 (673.000) die Geburtenzahl noch niedriger als 2010. Im ersten Nachkriegsjahr (1946) lag die Geburtenzahl bei rund 922.000. Danach setzte in beiden Teilen Deutschlands ein Anstieg der Geburtenzahl ein – im Wesentlichen ein Nachholeffekt, der nach Kriegs- und Krisenzeiten meistens zu beobachten ist.

Der als "Baby-Boom" bezeichnete Anstieg der Geburtenzahl erreichte mit 1,36 Millionen Geburten im Jahr 1964 seinen Höhepunkt. Durch eine veränderte Einstellung zur Familie und die Verbreitung der Antibabypille nahm die Zahl der Geburten seit Mitte der 1960er-Jahre ab. In Westdeutschland setzte sich der Geburtenrückgang bis Mitte der 1980er-Jahre fort – während von 1961 bis 1967 noch mehr als eine Million Kinder pro Jahr geboren wurden, schwankte die Zahl in den Jahren 1975 bis 1985 um 600.000. In den 1990er-Jahren kamen im Durchschnitt 680.000 Neugeborene zur Welt. Grund dafür war vor allem der Baby-Boom der 1960er-Jahre: Die Neugeborenen von damals sind die Eltern der 1990er-Jahre. Aber auch ein leichter Anstieg der durchschnittlichen Kinderzahl pro Frau trug dazu bei. Fast in jedem Jahr seit 1998 war die Geburtenzahl in Westdeutschland niedriger als im jeweiligen Vorjahr. Lediglich 2007 gab es 7.000 Lebendgeburten mehr als 2006 und 2010 waren es 9.000 mehr als 2009 (542.345 gegenüber 533.380).

In Ostdeutschland gab es wegen der rückläufigen Geburtenentwicklung in den 1970er-Jahren umfangreiche staatliche Fördermaßnahmen für Familien mit Kindern. Vom Ende der 1970er- bis Mitte der 1980er-Jahre stiegen die Geburtenzahlen zunächst wieder an. Dann ging auch hier die Zahl der Geburten allmählich wieder zurück. Dieser Rückgang wurde durch die Umbrüche nach der Wiedervereinigung beschleunigt. Von 1990 bis 1994 sank die Zahl der jährlich Geborenen in Ostdeutschland um mehr als die Hälfte – von 178.000 auf 79.000. Danach nahm die Zahl der Geburten wieder leicht zu. Seit dem Jahr 2000 kommen pro Jahr in Ostdeutschland rund 100.000 Kinder zur Welt. Zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung wurde in Deutschland rund jedes fünfte Kind in den ostdeutschen Ländern geboren, 1994 nur jedes zehnte, 2010 etwa jedes sechste (ohne Berlin).

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Geburtenzahl der deutschen Frauen – unabhängig von der Staatsangehörigkeit des Partners – mit Ausnahme einzelner Jahre kontinuierlich gesunken: von 722.000 im Jahr 1991 auf 564.500 im Jahr 2010 (minus 22 Prozent). Die Geburtenzahl der ausländischen Frauen stieg zwar zwischen 1991 und 1997 um 27 Prozent von 108.000 auf 137.000, danach ging aber auch sie zurück. Im Jahr 2010 lag die Zahl der Geburten ausländischer Mütter bei 113.500. Damit hatten im Jahr 2010 83 Prozent aller Neugeborenen eine deutsche und 17 Prozent eine ausländische Mutter.

Die Zahl der Gestorbenen ist zwischen 1950 und 1975 tendenziell gestiegen und in den darauffolgenden 30 Jahren tendenziell rückläufig gewesen – mit dem niedrigsten Wert 1950 (748.000) und den höchsten Werten 1975 (990.000) und 1969 (988.000). Seit 1998 liegt die Zahl der Gestorbenen durchgehend bei weniger als 860.000 pro Jahr, im Durchschnitt der Jahre 1998 bis 2010 lag sie bei 840.000. Die Zahl der Gestorbenen ist zwischen 2006 und 2010 viermal in Folge gestiegen – auf 858.768 im Jahr 2010. Im Jahr 2011 lag sie nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bei 852.328. Von den 854.544 Gestorbenen des Jahres 2009 starben 2.334 in ihrem ersten Lebensjahr (0,27 Prozent), darunter 1.220 in den ersten sieben Lebenstagen (0,14 Prozent). Die Zahl der Totgeborenen lag 2011 bei 2.387, 1950 waren es noch 24.857.

Bis einschließlich 1971 reichte die Zahl der Lebendgeborenen aus, um die der Gestorbenen zu kompensieren. Seit 1972 sind in Deutschland jedes Jahr mehr Menschen gestorben als geboren wurden ("Überschuss der Gestorbenen") – Bevölkerungszuwächse basieren seitdem also auf Zuwanderung. Den größten Überschuss an Gestorbenen – 207.000 – gab es bisher im Jahr 1975, an zweiter und dritter Stelle stehen die Jahre 2011 und 2009 mit jeweils rund 189.500.

Neben den Jahren 1973 bis 1979 war der Überschuss an Gestorbenen auch im Jahr 2003 und seit 2005 mit jeweils über 140.000 besonders hoch. Seit 1997 hat sich der Überschuss der Gestorbenen insgesamt deutlich erhöht. Im Jahr 2010 verzeichneten lediglich zwei Bundesländer einen Überschuss an Lebendgeborenen: Die Stadtstaaten Berlin und Hamburg, wo 1.159 bzw. 317 Menschen mehr geboren wurden als gestorben sind.

Datenquelle



Statistisches Bundesamt: Online-Datenbank: Natürliche Bevölkerungsbewegungen: Statistik der Geburten/Statistik der Sterbefälle (Stand: 06/2012), Statistisches Jahrbuch 2011, Lange Reihen: Geborene und Gestorbene, Geburten in Deutschland, 2012

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Die Geburtenstatistik erfasst lebend und tot geborene Kinder. Soweit nichts anderes erwähnt ist, bezieht sich der Text auf die lebend geborenen Kinder.

Die Anzahl der Geburten hängt nicht nur von der durchschnittlichen Kinderzahl je Frau ab, sondern wird auch durch den Umfang der Elterngeneration bestimmt. Durch das Geburtenverhalten der letzten Jahrzehnte hat die Zahl der Frauen zwischen 15 und 49 Jahren stetig abgenommen und wird auch in absehbarer Zukunft weiter abnehmen. Dies hat zur Folge, dass die Geburtenzahl – trotz des weitgehend unveränderten Geburtenverhaltens – weiter sinkt.

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Tabelle: Geborene und Gestorbene



In absoluten Zahlen, 1950 bis 2011

  Lebendgeborene Tot-
geborene
2
insgesamt davon:
männlich nichtehelich1
in abs. Zahlen Anteil,
in Prozent
in abs. Zahlen Anteil,
in Prozent
in abs. Zahlen
1950 1.116.701 578.191 51,8 117.934 10,6 24.857
1960 1.261.614 648.928 51,4 95.321 7,6 19.814
1970 1.047.737 537.922 51,3 75.802 7,2 10.853
1980 865.789 444.148 51,3 102.921 11,9 4.954
1990 905.675 465.379 51,4 138.755 15,3 3.202
2000 766.999 393.323 51,3 179.574 23,4 3.084
2001 734.475 377.586 51,4 183.816 25,0 2.881
2002 719.250 369.277 51,3 187.961 26,1 2.700
2003 706.721 362.709 51,3 190.641 27,0 2.699
2004 705.622 362.017 51,3 197.129 27,9 2.728
2005 685.795 351.757 51,3 200.122 29,2 2.487
2006 672.724 345.816 51,4 201.519 30,0 2.420
2007 684.862 351.839 51,4 211.053 30,8 2.371
2008 682.514 349.862 51,3 218.887 32,1 2.412
2009 665.126 341.249 51,3 217.758 32,7 2.338
2010 677.947 347.237 51,2 225.472 33,3 2.466
2011 662.685 339.899 51,3 224.744 33,9 2.387
 
  Gestorbene3
insgesamt davon:
männlich im 1. Lebensjahr in den ersten 7 Lebenstagen
in abs. Zahlen in abs. Zahlen Anteil,
in Prozent
in abs. Zahlen Anteil,
in Prozent
1950 748.329 375.323 67.175 8,98
1960 876.721 446.999 44.105 5,03 24.900 2,84
1970 975.664 482.696 23.547 2,41 15.958 1,64
1980 952.371 455.924 10.779 1,13 5.582 0,59
1990 921.445 425.093 6.385 0,69 2.488 0,27
2000 838.797 388.981 3.362 0,40 1.594 0,19
2001 828.541 383.887 3.163 0,38 1.498 0,18
2002 841.686 389.116 3.036 0,36 1.507 0,18
2003 853.946 396.270 2.990 0,35 1.494 0,17
2004 818.271 383.388 2.918 0,36 1.446 0,18
2005 830.227 388.554 2.696 0,32 1.330 0,16
2006 821.627 385.940 2.579 0,31 1.324 0,16
2007 827.155 391.139 2.656 0,32 1.424 0,17
2008 844.439 397.651 2.414 0,29 1.220 0,14
2009 854.544 404.969 2.334 0,27 1.220 0,14
2010 858.768 409.022 2.322 0,27
2011 852.328 407.628 2.408 0,28
 
  Überschuss der Geborenen bzw. Gestorbenen (-)
in abs. Zahlen
1950 368.372
1960 384.893
1970 72.073
1980 -86.582
1990 -15.770
2000 -71.798
2001 -94.066
2002 -122.436
2003 -147.225
2004 -112.649
2005 -144.432
2006 -148.903
2007 -142.293
2008 -161.925
2009 -189.418
2010 -180.821
2011 -189.643

1 seit 1.7.1998 von nicht miteinander verheirateten Eltern
2 ab 1.4.1994 Änderung der Berichtsgrundlage
3 ohne Totgeborene, nachträglich beurkundete Kriegssterbefälle und gerichtliche Todeserklärungen


Quelle: Statistisches Bundesamt: Online-Datenbank: Natürliche Bevölkerungsbewegungen: Statistik der Geburten/Statistik der Sterbefälle (Stand: 07/2012), Statistisches Jahrbuch 2011, Lange Reihen: Geborene und Gestorbene


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