Haushalte nach Zahl der Personen
14.6.2008
Die Haushalte in Deutschland werden tendenziell immer kleiner. Die Einpersonenhaushalte übertreffen zahlenmäßig mittlerweile alle anderen Haushaltsgrößen.
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Die Haushalte in Deutschland werden tendenziell immer kleiner. Dieser Trend ist seit Beginn der statistischen Erfassung Ende der 1950er Jahre zu beobachten. Eine Besonderheit in der Entwicklung der letzten drei Jahrzehnte besteht darin, dass die Einpersonenhaushalte zahlenmäßig alle anderen Haushaltsgrößen übertreffen – im Jahr 2006 lag ihr Anteil bei 38,8 Prozent aller Haushalte. Auch die Zahl der Zweipersonenhaushalte hat sich kontinuierlich erhöht. Die Zahl der Haushalte mit drei und mehr Personen sinkt dagegen beständig. Haushalte mit 5 und mehr Personen, die 1970 noch einen Anteil von 12,9 Prozent an allen Haushalten hatten, machten 2006 nur noch 3,7 Prozent aus.
Im Jahr 2006 lebten 15,4 Millionen Personen in einem Einpersonenhaushalt. In einem Zweipersonenhaushalt lebten 26,8 Millionen. Zu dritt bzw. zu viert in einem Haushalt wohnten im selben Jahr jeweils über 16 Millionen Personen. 7,9 Millionen lebten in einem Haushalt mit fünf oder mehr Personen.
Nach den Ergebnissen des Mikrozensus gibt es in Deutschland kaum noch Haushalte, in denen drei und mehr Generationen unter einem Dach zusammenleben. Im Jahr 2006 wohnten in nur 1 Prozent der Haushalte Eltern mit Kindern, deren Großeltern sowie in seltenen Fällen deren Urgroßeltern zusammen. 30 Prozent der Haushalte waren Zweigenerationenhaushalte, in denen Eltern mit ihren Kindern (auch Stief-, Pflege- und Adoptivkinder) oder Enkeln zusammen lebten. Doch auch deren Anteil an den Haushalten insgesamt nimmt ab (minus 8 Prozentpunkte gegenüber 1991).
Das Statistische Bundesamt benennt vielfältige Ursachen für diese Entwicklung: Zum einen demografische Faktoren wie den Rückgang der Geburtenziffer und die Zunahme der Lebenserwartung. Beide Entwicklungen tragen zur Verkleinerung der durchschnittlichen Haushaltsgröße bei. Die erste durch eine geringere Kinderzahl je Frau, die zweite durch die Zunahme der älteren Menschen, welche hauptsächlich in Ein- oder Zweipersonenhaushalten leben: Im Jahr 2006 wohnten in 23 Prozent der Haushalte ausschließlich Menschen im Seniorenalter ab 65 Jahren.
Zum anderen beeinflussen das Heiratsverhalten, die Familiengründungsprozesse und die Familienformen die Veränderung der Haushaltsgröße. Allein die Veränderungen von 1991 bis 2005 machen dies deutlich: Die Zahl der Eheschließungen sank in diesem Zeitraum um 14 Prozent, während die Zahl der Scheidungen um 48 Prozent zunahm. Das durchschnittliche Heiratsalter stieg für ledige Männer bzw. Frauen um 4,1 bzw. 3,5 Jahre. Im Jahr 1991 waren die Frauen bei der Geburt ihres ersten in der Ehe geborenen Kindes durchschnittlich 26,9 Jahre alt, im Jahr 2005 waren sie 29,6 Jahre. Schließlich wohnen immer mehr Kinder nur mit einem Elternteil zusammen: Die Zahl der Alleinerziehenden nahm von 1996 bis 2005 um 15 Prozent zu.
Weiter haben die starken Binnenwanderungsströme, welche vor allem durch Arbeitsplatzsuche ausgelöst werden, insbesondere in Ostdeutschland viele Mehrpersonenhaushalte geteilt. Und auch die rückläufige Zuwanderung von Spätaussiedlerfamilien und Familienangehörigen von in Deutschland lebenden Ausländern beeinflusst die Bildung von Mehrpersonenhaushalten negativ.
Für die künftige Entwicklung wird eine Fortsetzung des Trends zu kleineren Haushalten erwartet: Die weiter zunehmende Lebenserwartung führt zu mehr Ein- und Zweipersonenhaushalten mit Haushaltsmitgliedern im Seniorenalter. Hinzu kommen die niedrige Geburtenhäufigkeit und die sinkende Heiratsneigung der Bevölkerung, die Zunahme der Partnerschaften mit separater Haushaltsführung sowie die hohe berufliche Mobilität, was für kleinere Haushalte auch bei der Bevölkerung im jüngeren und mittleren Alter spricht.
Nach Vorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes wird der Anteil der Einpersonenhaushalte an allen Haushalten auf 41,2 Prozent im Jahr 2025 steigen. Zweipersonenhaushalte werden dann einen Anteil von 37,1 Prozent und Haushalte mit 3 Personen einen Anteil von 10,9 Prozent haben. Haushalte mit 4 und mehr Personen werden mit einem Anteil von 10,8 Prozent zur Ausnahme.
Datenquelle
Statistisches Bundesamt:
Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen
Als (Privat)Haushalt zählt hier jede zusammen wohnende und eine wirtschaftende Einheit bildende Personengemeinschaft sowie Personen, die allein wohnen und wirtschaften. Gemeinschaftsunterkünfte gelten nicht als Privathaushalte.
Die Ergebnisse für die Jahre 2020 und 2025 beziehen sich auf die Trendvariante der Haushaltsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes. Bei der Interpretation der Vorausberechnung für Haushalte ist zu berücksichtigten, dass diese von einer Vielzahl komplexer Wechselwirkungen beeinflusst wird und daher Unsicherheiten in sich birgt.
Grundlage für die Darstellung ist hier die Bevölkerung in Privathaushalten am Haupt- und Nebenwohnsitz.
Tabelle: Haushalte nach Zahl der Personen
In absoluten Zahlen und Anteile in Prozent, 1970, 2006 und 2025
| 1970* | 2006 | 2025** | ||||
| in Tsd. | in % | in Tsd. | in % | in Tsd. | in % | |
| insgesamt | 21.991 | 100,0 | 39.766 | 100,0 | 40.486 | 100,0 |
| Einpersonen- haushalte |
5.527 | 25,1 | 15.448 | 38,8 | 16.698 | 41,2 |
| Haushalte mit 2 Personen |
5.959 | 27,1 | 13.375 | 33,6 | 15.018 | 37,1 |
| Haushalte mit 3 Personen |
4.314 | 19,6 | 5.357 | 13,5 | 4.400 | 10,9 |
| Haushalte mit 4 Personen |
3.351 | 15,2 | 4.107 | 10,3 | 3.303 | 8,2 |
| Haushalte mit 5 und mehr Personen |
2.839 | 12,9 | 1.479 | 3,7 | 1.067 | 2,6 |
| Personen je Haushalt | ||||||
| durchschnittliche Haushaltsgröße | 2,74 | 2,08 | 1,95 | |||
| in Tsd. | ||||||
| Personen in Privathaushalten |
60.176 | 82.618 | 78.853 | |||
* Westdeutschland am 27.05.1970
** Ergebnisse der Haushaltsvorausberechnung 2007
Quelle: Statistisches Bundesamt: Statistisches Jahrbuch 2007, Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Entwicklung der Privathaushalte bis 2025
