Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Erwerbstätigkeit von Eltern nach Zahl der Kinder

14.6.2008
Sowohl in West- als auch in Ostdeutschland hat die Zahl der Kinder Einfluss auf die Erwerbstätigkeit der Mütter. Bei Vätern ist dieser Zusammenhang nicht so ausgeprägt.

Erwerbstätigkeit von Eltern nach Zahl der Kinder 2005Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (© AP) Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de/

Fakten



Im Jahr 2005 gab es in Deutschland 7,3 Millionen Mütter und 6,2 Millionen Väter im erwerbsfähigen Alter, die mit mindestens einem Kind unter 15 Jahren in einem gemeinsamen Haushalt lebten. Von den 7,3 Millionen Müttern waren 4,1 Millionen (56,5 Prozent) aktiv erwerbstätig. Bei den 6,2 Millionen Vätern waren es 5,4 Millionen (87,3 Prozent).

Die Erwerbstätigenquote der Mütter lag im Jahr 2005 in Westdeutschland mit 55,7 Prozent deutlich unter der der Mütter in Ostdeutschland mit 60,6 Prozent. Bei den Vätern verhielt es sich umgekehrt: Von den Männern in Westdeutschland übten 88,7 Prozent eine Erwerbstätigkeit aus, in Ostdeutschland waren es lediglich 80,0 Prozent.

Sowohl in West- als auch in Ostdeutschland hat die Zahl der Kinder im Haushalt Einfluss auf die Erwerbstätigenquoten der Mütter. Während im Jahr 2005 in Westdeutschland die Erwerbstätigenquote der Mütter mit einem oder zwei Kindern bei 58 Prozent lag, war sie bei Müttern mit drei und mehr Kindern mit 45,3 Prozent deutlich niedriger. Bei den Müttern in Ostdeutschland verringerte sich die Erwerbstätigenquote bei hoher Kinderzahl noch deutlicher: Während sie bei den Müttern mit einem bzw. zwei Kindern bei etwa 63 Prozent lag, waren von den Müttern mit drei und mehr Kindern lediglich 42,9 Prozent aktiv erwerbstätig.

Deutlich größer als bei den Erwerbstätigenquoten fallen die Unterschiede zwischen ost- und westdeutschen Müttern bei den Voll- und Teilzeitquoten aus: Im Jahr 2005 war die Vollzeitquote ostdeutscher Mütter mit 56,8 Prozent mehr als doppelt so hoch wie die Vollzeitquote westdeutscher Mütter mit 24,1 Prozent. Von den aktiv erwerbstätigen Müttern arbeitete also mehr als jede zweite ostdeutsche aber nur knapp jede vierte westdeutsche Mutter Vollzeit. Entsprechend lag die Teilzeitquote in Westdeutschland mit 75,9 Prozent deutlich höher als in Ostdeutschland mit 43,2 Prozent.

Unabhängig davon, ob die Mütter ein, zwei oder drei und mehr Kinder hatten, lag im Jahr 2005 die Vollzeitquote in Ostdeutschland in allen Fällen über der in Westdeutschland. Selbst die niedrigste Vollzeitquote bei den Müttern in Ostdeutschland – die der Mütter mit drei und mehr Kindern (47,6 Prozent) – lag noch weit über der höchsten Vollzeitquote in Westdeutschland – die der Mütter mit einem Kind (30,1 Prozent).

Deutlich häufiger als die Mütter üben erwerbstätige Väter sowohl in West- als auch in Ostdeutschland eine Vollzeittätigkeit aus. Und das unabhängig davon, mit wie vielen Kindern sie in einem Haushalt zusammen leben. Die Vollzeitquoten lagen im Jahr 2005 zwischen 91,0 Prozent (Väter mit 3 und mehr Kindern in Ostdeutschland) und 96,9 Prozent (Väter mit 2 Kindern in Westdeutschland).

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind die Motive für die Ausübung einer Teilzeittätigkeit bei Müttern und Vätern sehr unterschiedlich: Im Jahr 2005 schränkten 85 Prozent der teilzeittätigen Mütter – die entsprechende Angaben machten – ihren Beschäftigungsumfang wegen persönlicher bzw. familiärer Verpflichtungen ein. Bei Vätern spielte dieses Motiv eine eher untergeordnete Rolle (28 Prozent). Knapp die Hälfte der teilzeittätigen Väter (48 Prozent) gab als Grund an, dass eine Vollzeittätigkeit nicht zu finden war. Der Mangel an Vollzeitarbeitsplätzen war auch bei den ostdeutschen Müttern der Hauptgrund für eine Einschränkung des Beschäftigungsumfangs (40 Prozent). Andere Gründe für die Teilzeittätigkeit waren zum Beispiel Krankheit oder Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen.

Die in den Mikrozensus 2005 integrierte Arbeitskräfteerhebung (AKE) der Europäischen Union (EU) fragte auch nach den Gründen, warum Väter und Mütter keiner Erwerbstätigkeit nachgehen: 15 Prozent der Mütter und Väter im erwerbsfähigen Alter nannten als Hauptgrund, dass Kinderbetreuungsdienste nur zeitlich begrenzt zur Verfügung standen. 15 Prozent empfanden Kinderbetreuungsdienste als zu teuer, 12 Prozent standen keine Kinderbetreuungsdienste zur Verfügung oder sie erachteten diese als zu schlecht. Bei 58 Prozent der Eltern waren andere nicht näher erfragte Gründe ausschlaggebend.

Datenquelle



Statistisches Bundesamt: Mikrozensus, eigene Berechnungen, PDF-Icon Leben und Arbeiten in Deutschland (PDF-Version: 380 KB)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Hier werden nur Mütter und Väter im erwerbsfähigen Alter von 15 bis 64 Jahren mit mindestens einem Kind unter 15 Jahren betrachtet. Die Erwerbstätigenquoten von Müttern und Vätern sind als Anteil der aktiv erwerbstätigen Mütter und Väter an allen Müttern beziehungsweise Vätern definiert. Die Vollzeitquote entspricht dem Anteil der aktiv Erwerbstätigen, die sich selbst als Vollzeittätige einstufen, an allen aktiv Erwerbstätigen (Vollzeit- und Teilzeittätige). Die Teilzeitquote ist entsprechend definiert.

Die Definition von Erwerbstätigkeit richtet sich nach dem Labour-Force-Konzept der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).

Tabelle: Erwerbstätigkeit von Eltern nach Zahl der Kinder



Erwerbs-, Vollzeit- und Teilzeitquoten in Prozent, 2005

  Väter*
Erwerbstätigen-
quote**
Vollzeit-
quote***
Teilzeit-
quote***
Westdeutschland (ohne Berlin)
zusammen 88,7 96,3 3,7
mit 1 Kind 87,8 95,2 4,8
mit 2 Kindern 91,0 96,9 3,1
mit 3 und mehr Kindern 84,8 96,6 3,4
  Ostdeutschland (mit Berlin)
zusammen 80,0 93,6 6,4
mit 1 Kind 80,0 93,7 6,3
mit 2 Kindern 82,4 94,3 5,7
mit 3 und mehr Kindern 72,4 91,0 9,0

 

  Mütter*
Erwerbstätigen-
quote**
Vollzeit-
quote***
Teilzeit-
quote***
Westdeutschland (ohne Berlin)
zusammen 55,7 24,1 75,9
mit 1 Kind 58,0 30,1 69,9
mit 2 Kindern 58,1 19,7 80,3
mit 3 und mehr Kindern 45,3 21,9 78,1
  Ostdeutschland (mit Berlin)
zusammen 60,6 56,8 43,2
mit 1 Kind 62,7 59,7 40,3
mit 2 Kindern 63,2 54,9 45,4
mit 3 und mehr Kindern 42,9 47,6 50,8

* im Alter von 15 bis 64 Jahren mit im Haushalt lebendem jüngstem Kind unter 15 Jahren, auch Stief-, Pflege- und Adoptivkind
** Anteil der aktiv erwerbstätigen Väter/Mütter an allen Vätern/Müttern (ohne vorübergehend Beurlaubte, zum Beispiel wegen Mutterschutz, Elternzeit)
*** Anteil der vollzeit-/teilzeiterwerbstätigen Väter/Mütter an allen aktiv erwerbstätigen Vätern/Müttern; Abweichungen von 100 Prozent sind rundungsbedingt; Selbsteinstufung der Befragten


Quelle: Statistisches Bundesamt: Mikrozensus, Leben und Arbeiten in Deutschland, eigene Berechnungen


 
counter


Creative Commons License Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/2.0/de/