Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

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7.12.2012

Elterngeld

Bezogen auf die im Jahr 2010 geborenen Kinder erhielt in Bayern, Sachsen und Berlin bei fast jedem dritten Kind (auch) der Vater Elterngeld. Die mit Abstand geringste Inanspruchnahme bei den Vätern gab es im Saarland.

ElterngeldKlicken Sie auf die Grafik, um das PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten

Das Elterngeld ist eine familienpolitische Leistung, die Familien nach der Geburt eines Kindes finanziell unterstützt. Es ersetzt das entfallende Nettoeinkommen des betreuenden Elternteils, wobei prinzipiell gilt: Je niedriger das Einkommen vor der Geburt des Kindes, desto höher die Ersatzrate. Bei Nettoeinkommen von 1.000 Euro bis 1.200 Euro werden 67 Prozent durch das Elterngeld ersetzt. Bei höheren Einkommen sinkt die Ersatzrate stufenweise auf 65 Prozent. Ist das Nettoeinkommen im Jahr vor der Geburt geringer als 1.000 Euro monatlich, wird die Ersatzrate von 67 Prozent auf bis zu 100 Prozent angehoben.

Das Elterngeld beträgt mindestens 300 Euro und höchstens 1.800 Euro. Wer mehr als 30 Stunden pro Woche arbeitet, hat keinen Anspruch auf Elterngeld. Das Einkommen aus Teilzeitarbeit wird in die Berechnung des Elterngeldes mit einbezogen. Bei Teilzeittätigkeit ersetzt das Elterngeld das entfallende Teileinkommen. Dabei wird die Ersatzrate angewendet, die für das Einkommen vor der Geburt gilt (als Einkommen vor der Geburt werden höchstens 2.700 Euro berücksichtigt).

Der Mindestbetrag von 300 Euro wird unabhängig davon gezahlt, ob der Elterngeldempfänger vor der Geburt erwerbstätig war oder nicht. Elterngeld gibt es demnach für Erwerbstätige, Beamte, Selbstständige, erwerbslose Elternteile, Studierende, Auszubildende, Ehe- oder Lebenspartner, Adoptiveltern und in Ausnahmefällen auch für Verwandte dritten Grades. Mehrkindfamilien mit kleinen Kindern erhalten einen Geschwisterbonus in Höhe von 10 Prozent des sonst zustehenden Elterngeldes, mindestens aber 75 Euro im Monat. Bei Mehrlingsgeburten erhöht sich das zustehende Elterngeld um je 300 Euro für das zweite und jedes weitere Mehrlingskind.

Das Elterngeld wird an Väter und Mütter für maximal 14 Monate gezahlt, wobei der Zeitraum frei untereinander aufgeteilt werden kann. Ein Elternteil kann dabei mindestens zwei und höchstens zwölf Monate für sich in Anspruch nehmen. Der Anspruch auf volle 14 Monate entsteht also nur dann, wenn sich beide Partner an der Betreuung des Kindes beteiligen und jedem Elternteil mindestens zwei Monate Erwerbseinkommen wegfällt ("Partnermonate"). Alleinerziehende, die das Elterngeld zum Ausgleich des wegfallenden Erwerbseinkommens beziehen, können aufgrund des fehlenden Partners die vollen 14 Monate Elterngeld in Anspruch nehmen.

Für Kinder, die im Jahr 2010 geboren wurden, haben zwischen Januar 2010 und März 2012 insgesamt 642.572 Mütter und 167.659 Väter Elterngeld bezogen – zusammen 810.231 Elterngeldbezieher. Unter Berücksichtigung der Mehrlingsgeburten ergibt sich eine Gesamtzahl von 171.736 Neugeborenen, bei denen der Vater Elterngeld in Anspruch genommen hat. Bei insgesamt 677.947 geborenen Kindern im Jahr 2010 entspricht dies einer Väterbeteiligung von 25,3 Prozent (Mütterbeteiligung: 96,2 Prozent).

Damit ist die Väterbeteiligung seit Einführung des Elterngeldes kontinuierlich angestiegen – 2007 lag der Anteil noch bei 18 Prozent, 2008 bei 21 Prozent und 2009 bei 24 Prozent. Und im Vergleich zum früheren Erziehungsgeld ist die Inanspruchnahme durch die Väter nochmals deutlich höher – hier lag der entsprechende Anteil zuletzt bei lediglich rund 3,5 Prozent.

Bezogen auf die im Jahr 2010 geborenen Kinder erhielt in Bayern (32,9 Prozent), Sachsen (32,7 Prozent) und Berlin (31,2 Prozent) bei fast jedem dritten Kind (auch) der Vater Elterngeld. Die mit Abstand geringste Inanspruchnahme bei den Vätern gab es – wie schon in den Vorjahren – im Saarland mit 15,3 Prozent. Aber auch in Bremen (18,6 Prozent), Nordrhein-Westfalen (19,2 Prozent) und Sachsen-Anhalt (19,3 Prozent) lag die Väterbeteiligung unter 20 Prozent. Die Väterbeteiligung ist allerdings in allen Bundesländern von 2008 auf 2009 und auch von 2009 auf 2010 gestiegen.

Von den Vätern, die Elterngeld beziehen, nehmen die meisten nach wie vor nur die "Partnermonate" in Anspruch. So bezogen mehr als drei von vier Vätern, deren Kinder im Jahr 2010 geboren wurden, für maximal zwei Monate Elterngeld (76,2 Prozent). Und nur rund jeder fünfzehnte Vater nahm die Leistung für ein Jahr in Anspruch (6,5 Prozent). Bei den Müttern ist es genau umgekehrt: Lediglich 0,8 Prozent bezogen maximal zwei Monate Elterngeld und bei 89,1 Prozent lag die Dauer des Elterngeldbezugs bei 12 Monaten. Entsprechend belief sich die durchschnittliche Bezugsdauer bei den Vätern auf 3,3 Monate und bei den Müttern auf 11,7 Monate.

Von den rund 810.000 Elterngeldempfängern, deren Kinder im Jahr 2010 geboren wurden, erhielten gut 535.000 Mütter und Väter Elterngeld auf Basis eines zuvor erzielten Einkommens (66,1 Prozent) – allerdings bekamen dabei rund 34.000 Elterngeldempfänger trotz vorheriger Erwerbstätigkeit nur den Mindestbetrag. Ein Drittel der Empfänger hatte vor der Geburt des Kindes kein anrechenbares Einkommen und erhielt entsprechend ebenfalls den Mindestbetrag (33,9 Prozent aller Elterngeldempfänger). Insgesamt erhielten damit rund 309.000 Mütter und Väter beziehungsweise 38,1 Prozent aller Elterngeldbezieher, deren Kinder im Jahr 2010 geboren wurden, den Mindestbetrag in Höhe von 300 Euro (gegebenenfalls zuzüglich Geschwisterbonus und/oder Mehrlingszuschlag). Dabei erhielten 43,1 Prozent aller Mütter den Mindestbetrag, bei den Männern waren es lediglich 19,0 Prozent.

Von den insgesamt 642.572 Müttern, deren Kinder im Jahr 2010 geboren wurden und die Elterngeld bezogen haben, erhielten zwei von drei weniger als 750 Euro im ersten Bezugsmonat (67,9 Prozent). Bei den 167.659 Vätern war es nur knapp jeder dritte (31,1 Prozent). Hingegen erhielten lediglich 6,6 Prozent der Mütter 1.500 Euro oder mehr im ersten Bezugsmonat. Bei den Vätern war es mehr als jeder vierte (26,2 Prozent). Entsprechend lag auch der durchschnittliche Elterngeldanspruch im ersten Bezugsmonat bei den Vätern bei 1.076 Euro und bei den Müttern bei 664 Euro (Durchschnitt insgesamt: 749 Euro).

Datenquelle

Statistisches Bundesamt: Elterngeld – Wer, wie lange und wie viel?; Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ): www.bmfsfj.de

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Für Nettoeinkommen von 1.240 Euro und mehr beträgt die Ersatzrate 65 Prozent. Bei Nettoeinkommen von 1.200 bis 1.240 Euro steigt die Ersatzrate um 0,1 Prozentpunkte für je zwei Euro, die das Einkommen 1.240 Euro unterschreitet (beispielsweise liegt die Ersatzrate bei 1.230 Euro bei 65,5 Prozent). Bei Nettoeinkommen von 1.000 Euro bis 1.200 Euro werden 67 Prozent durch das Elterngeld ersetzt. Ist das Nettoeinkommen im Jahr vor der Geburt geringer als 1.000 Euro monatlich, wird die Ersatzrate von 67 Prozent auf bis zu 100 Prozent angehoben (für je zwei Euro, die das Einkommen unter 1.000 Euro liegt, steigt die Ersatzrate um 0,1 Prozent).

Das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz ist zum 1. Januar 2007 in Kraft getreten und hat das Bundeserziehungsgeldgesetz abgelöst. Es gilt für alle ab dem 1. Januar 2007 geborenen Kinder.

Beim Elterngeld wird es ab dem 01. Januar 2013 "Änderungen bei der Einkommensermittlung" geben. Weitere Informationen erhalten Sie hier...

Das Elterngeld wird beim Arbeitslosengeld II, bei der Sozialhilfe und beim Kinderzuschlag vollständig als Einkommen angerechnet – dies betrifft auch den Mindestbetrag von 300 Euro. Es gibt aber eine Ausnahme: Alle Elterngeldberechtigten, die Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe oder Kinderzuschlag beziehen und die vor der Geburt ihres Kindes erwerbstätig waren, erhalten einen Elterngeldfreibetrag. Der Elterngeldfreibetrag entspricht dem Einkommen vor der Geburt, beträgt jedoch höchstens 300 Euro. Bis zu dieser Höhe bleibt das Elterngeld bei den genannten Leistungen anrechnungsfrei und steht damit zusätzlich zur Verfügung.

Der Elterngeldanspruch entfällt für Elternpaare, die im Kalenderjahr vor der Geburt ihres Kindes gemeinsam ein zu versteuerndes Einkommen von mehr als 500.000 Euro hatten. Für Alleinerziehende entfällt der Anspruch ab mehr als 250.000 Euro. Einnahmen, die nicht im Inland versteuert werden oder die nicht inländischen Einnahmen gleichgestellt sind, werden nicht mehr bei der Elterngeldberechnung berücksichtigt. Insbesondere in der EU versteuerte Einnahmen sind den inländischen Einnahmen gleichgestellt und werden entsprechend als Einkommen beim Elterngeld berücksichtigt.

Tabelle: Elterngeld

Nach Höhe des Elterngeldanspruchs im ersten Bezugsmonat, nach Geschlecht der Empfänger, bezogen auf beendete Leistungsbezüge für im Jahr 2010 geborene Kinder, Stand: 06/2012

von... bis unter ... Euro Anzahl der beendeten Leistungsbezüge für im Jahr 2010 geborene Kinder Anteile an den Leistungs-
bezügen nach Geschlecht,
in Prozent
Anteile an allen Leistungsbezügen,
in Prozent
insgesamt
insgesamt 810.231 100,0 100,0
300 208.527 25,7 25,7
300 bis 500 145.533 18,0 18,0
500 bis 750 134.702 16,6 16,6
750 bis 1.000 101.139 12,5 12,5
1.000 bis 1.250 81.412 10,0 10,0
1.250 bis 1.500 52.670 6,5 6,5
1.500 bis 1.800 38.645 4,8 4,8
1.800 und mehr 47.603 5,9 5,9
Mütter
insgesamt 642.572 100,0 79,3
300 183.454 28,5 22,6
300 bis 500 134.684 21,0 16,6
500 bis 750 118.435 18,4 14,6
750 bis 1.000 78.320 12,2 9,7
1.000 bis 1.250 55.330 8,6 6,8
1.250 bis 1.500 30.078 4,7 3,7
1.500 bis 1.800 21.038 3,3 2,6
1.800 und mehr 21.233 3,3 2,6
Väter
insgesamt 167.659 100,0 20,7
300 25.073 15,0 3,1
300 bis 500 10.849 6,5 1,3
500 bis 750 16.267 9,7 2,0
750 bis 1.000 22.819 13,6 2,8
1.000 bis 1.250 26.082 15,6 3,2
1.250 bis 1.500 22.592 13,5 2,8
1.500 bis 1.800 17.607 10,5 2,2
1.800 und mehr 26.370 15,7 3,3

Quelle: Statistisches Bundesamt: Elterngeld

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