Erzieherische Hilfe
14.6.2008
Zwischen 1991 und 2006 stieg die Zahl der Personen, die erzieherische Hilfe in Anspruch genommen haben, um 79,3 Prozent. Im Jahr 2006 erhielten insgesamt 651.361 unter 27-Jährige erzieherische Hilfe.
Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (© bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de/Fakten
In Krisensituationen (z. B. bei Erziehungsschwierigkeiten, Trennung oder Scheidung der Eltern, Gewalt unter Jugendlichen, Drogenkonsum) bietet die Kinder- und Jugendhilfe verschiedene Formen der Unterstützung. In Abgrenzung zu den Eingriffs- und Kontrollprinzipien des Jugendwohlfahrtsgesetzes aus Zeiten der Weimarer Republik orientiert sich die Kinder- und Jugendhilfe heute an präventiver, offener Arbeit.
Entsprechend der geänderten Perspektive wird den jungen Menschen heute zum größten Teil innerhalb ihrer Familie geholfen (ambulant). 2006 wurden fast drei Viertel der erzieherischen Hilfen innerhalb der Familie geleistet. Knapp ein Viertel der erzieherischen Hilfen fand außerhalb der Herkunftsfamilie statt (stationär). Knapp 4 Prozent der Hilfen wurden in einer Tagesgruppe geleistet (teilstationär). Seit 1991 erhöhte sich der Anteil der erzieherischen Hilfen innerhalb der Familie an allen Hilfearten um 17 Prozentpunkte.
Die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe richten sich an Personen, die noch nicht 27 Jahre alt sind. Von den 23,2 Millionen unter 27-Jährigen in Deutschland erhielten im Jahr 2006 insgesamt 651.361 erzieherische Hilfe (beendete und am Jahresende bestehende Hilfen). Das waren 66.000 mehr als 2001 und 288.000 mehr als 1991.
Zwischen 1991 und 2006 stieg die Zahl der Personen, die erzieherische Hilfe in Anspruch genommen haben, um 79,3 Prozent. Und dies obwohl parallel die Gesamtzahl der unter 27-Jährigen um rund 3 Millionen zurückging. Entsprechend hat sich der Anteil der unter 27-Jährigen, die erzieherische Hilfe in Anspruch nehmen, an allen Personen dieser Altersgruppe von 1,38 Prozent im Jahr 1991 auf 2,81 Prozent im Jahr 2006 erhöht.
Als Gründe für den deutlichen Anstieg der erzieherischen Hilfen wird eine Vielzahl von Faktoren diskutiert. Im Vordergrund stehen dabei die sich rasch vollziehenden gesellschaftlichen Veränderungsprozesse, die sich destabilisierend auf die Familien auswirken können, wie auch die individuelle Überforderung der Eltern. Daneben kommt ein positiver Imagewandel der Kinder- und Jugendhilfe selbst in Frage: so werden deren Leistungsangebote, insbesondere im ambulanten Bereich, häufig nicht mehr als Eingriff, sondern als Unterstützung empfunden und daher vermehrt nachgefragt.
Von allen Hilfearten wurde am häufigsten die Erziehungsberatung zur Klärung und Bewältigung individueller und familienbezogener Probleme in Anspruch genommen (47,7 Prozent). Die häufigsten Anlässe für die Erziehungsberatung waren Beziehungsprobleme, Schul-/Ausbildungsprobleme, Entwicklungsauffälligkeiten sowie die Trennung/Scheidung der Eltern. Minderjährige hatten 2006 einen Anteil von 91 Prozent an den jungen Personen in der Erziehungsberatung. Vor allem die Mütter nehmen den Kontakt zu den Beratungsstellen auf (2006: 66 Prozent der Kontaktaufnahmen; 1991: 59 Prozent). In 7 Prozent der Fälle gingen die Kinder und Jugendlichen selbst den ersten Schritt.
Die Betreuung einzelner junger Personen durch Erziehungsbeistand, Betreuungshelfer oder soziale Gruppenarbeit hatte im Jahr 2006 einen Anteil von 8,1 Prozent an allen Hilfearten. Der Anteil der sozialpädagogischen Familienhilfe, bei der sich die Hilfe an die ganze Familie richtet, lag bei knapp 18 Prozent.
Von den Hilfen außerhalb des Elternhauses hatte im Jahr 2006 die stationäre Unterbringung in Heimen oder einer sonstigen betreuten Wohnform den größten Anteil an allen Hilfearten (13,0 Prozent). An zweiter Stelle stand die stationäre Unterbringung in einer anderen Familie (Vollzeitpflege) mit 9,1 Prozent. Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuungen für junge Menschen mit besonderen Problemen (z. B. Jugendliche im Drogen- oder Prostituiertenmilieu, obdachlose Jugendliche) hatten einen Anteil von 0,6 Prozent an allen Hilfearten.
Insgesamt nahmen mehr Jungen als Mädchen erzieherische Hilfen in Anspruch. Die Geschlechterverteilung variierte 2006 zwischen 50:50 bei der Vollzeitpflege in einer anderen Familie und einem Anteil von 75 Prozent männlicher junger Menschen bei der sozialen Gruppenarbeit.
Zum Jahresende 2006 gab es rund 28.200 Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe (ohne Einrichtungen der Kindertagesbetreuung) – darunter Jugendzentren, Jugendräume, Familienferienstätten, Heime, Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstellen. Rund drei Viertel der Einrichtungen wurden von freien Trägern der Jugendhilfe betrieben. Die Zahl der Beschäftigten in den Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe (ohne Verwaltung) lag 2006 bei 141.400.
Datenquelle
Statistisches Bundesamt:
Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen
Bei den Angaben handelt es sich teilweise um vorläufige Ergebnisse des Statistischen Bundesamtes.
Die erzieherischen Hilfen werden wie folgt unterschieden:
Hilfen innerhalb der Familie (ambulante Erziehungshilfen)
Hilfen außerhalb des Elternhauses (stationäre und teilstationäre Erziehungshilfen)
Tabelle: Erzieherische Hilfe
Inanspruchnahme durch unter 27-Jährige in absoluten Zahlen, Veränderung zwischen 1991 und 2006 in Prozent, 1991 und 2006*
| Hilfeart | 1991 | 2006 | Veränderung, in Prozent |
| Sozialpädagogische Familienhilfe** | 32.814 | 116.545 | 255,2 |
| Intensive sozial-pädagogische Einzelbetreuung | 1.210 | 3.740 | 209,1 |
| Betreuung einzelner junger Menschen |
20.267 | 53.034 | 161,7 |
| Erziehung in einer Tagesgruppe | 10.094 | 23.514 | 133,0 |
| Institutionelle Beratung/ Erziehungsberatung*** |
154.483 | 310.561 | 101,0 |
| Vollzeitpflege | 55.620 | 58.980 | 6,0 |
| Heimerziehung | 88.750 | 84.987 | -4,2 |
| insgesamt | 363.238 | 651.361 | 79,3 |
* beendete und am Jahresende bestehende Hilfen
** Zahl der Kinder in Familien; Zahl der Familien mit sozialpädagogischer Familienhilfe 2006: 52.786, 1991: 13.027 (plus 305 Prozent)
*** nur beendete Hilfen
Quelle: Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung
