Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

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7.12.2012

Erzieherische Hilfe

Im Jahr 2011 begann für rund 519.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland eine erzieherische Hilfe des Jugendamtes oder einer Erziehungsberatungsstelle.

Erzieherische HilfeKlicken Sie auf die Grafik, um das PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten

Die Hilfe zur Erziehung ist eine der grundlegenden Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe. Eltern und andere Sorgeberechtigte haben einen Rechtsanspruch auf Erzieherische Hilfe, sofern das Wohl des jungen Menschen gefährdet ist. Im Jahr 2011 begann für 519.172 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland eine erzieherische Hilfe des Jugendamtes oder einer Erziehungsberatungsstelle. Auf 418.827 Kinder und Jugendliche entfielen Einzelhilfen und 100.345 Kinder und Jugendliche wurden im Rahmen der 53.205 familienorientierten Hilfen erreicht.

Zwei Drittel aller neu gewährten erzieherischen Hilfen entfielen im Jahr 2011 auf die Erziehungsberatung (65,8 Prozent) – 310.813 junge Menschen nahmen sie in Anspruch. 50.759 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die 2011 eine Erziehungshilfe neu in Anspruch nahmen, wurden außerhalb des Elternhauses untergebracht. Für sie begann eine Vollzeitpflege in einer anderen Familie (15.264 Personen bzw. 3,2 Prozent aller Hilfen), eine Heimerziehung oder eine Unterbringung in einer sonstigen betreuten Wohnform (35.495 Personen bzw. 7,5 Prozent aller Hilfen). Während bei den im Jahr 2011 begonnenen Heimerziehungen oder sonstigen betreuten Wohnformen zwei Drittel der jungen Menschen 13 Jahre oder älter waren, war bei neu begonnenen Vollzeitpflegen in einer anderen Familie die Hälfte der jungen Menschen jünger als sechs Jahre. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lebte die Hälfte der jungen Menschen, die in einem Heim oder einer Pflegefamilie untergebracht wurden, zuvor mit einem alleinerziehenden Elternteil zusammen. Mehr als drei Viertel dieser Alleinerziehenden lebten ganz oder teilweise von Transferleistungen (77 Prozent).

Im Jahr 2011 begannen 25.919 junge Menschen eine Einzelbetreuung durch einen Erziehungsbeistand oder Betreuungshelfer (5,5 Prozent aller Hilfen). Dabei waren 47 Prozent der Hilfeempfänger zwischen 14 und 17 Jahre alt. Im selben Jahr begann für 8.348 junge Menschen eine Hilfe im Rahmen der Sozialen Gruppenarbeit. Durch diese Hilfe sollen Entwicklungsschwierigkeiten und Verhaltensprobleme (darunter Isolation, Weglaufen, Begehen von Straftaten, Drogen- oder Alkoholkonsum) durch soziales Lernen in der Gruppe überwunden werden. Nahezu drei Viertel der Hilfebeziehenden waren männlich (73 Prozent) – damit weist die Soziale Gruppenarbeit den höchsten Unterschied zwischen den Geschlechtern auf.

Bei der Sozialpädagogischen Familienhilfe werden nicht einzelne Personen betreut, sondern die ganze Familie. Dabei besuchen vom Jugendamt bestellte Familienhelferinnen und -helfer regelmäßig die Familien und bieten Hilfe an, um Alltagssituationen zu bewältigen. Typische Schwerpunkte der Hilfe sind neben der Unterstützung bei der Erziehung und Versorgung der Kinder auch Konfliktbewältigungen oder das Strukturieren von Haushaltstätigkeiten. Die Sozialpädagogische Familienhilfe ist eher langfristig angelegt. Die im Jahr 2011 beendeten Hilfen wurden durchschnittlich 16 Monate in Anspruch genommen.

In den 43.390 Familien, die im Jahr 2011 eine Sozialpädagogische Familienhilfe begannen, lebten rund 83.100 junge Menschen. In fast der Hälfte der Fälle wurden Familien mit einem Kind betreut (48 Prozent). Familien mit zwei Kindern hatten einen Anteil von 28 Prozent und Familien mit drei Kindern von 15 Prozent. Nur nahezu jede zehnte Familie hatte vier oder mehr Kinder. Von den Kindern, die zusammen mit ihren Familien 2011 eine Erziehungshilfe begonnen haben, hatte rund jedes fünfte Kind noch nicht das dritte Lebensjahr vollendet. Laut Statistischem Bundesamt waren knapp zwei Drittel der Familien auf den Bezug von Transferleistungen wie Arbeitslosengeld II, Sozialgeld, Sozialhilfe oder Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung angewiesen (66 Prozent).

Werden nicht die im Jahr 2011 begonnenen Hilfen betrachtet, sondern ein Stichtag, verschieben sich die Anteile der einzelnen Hilfen an allen Hilfen erheblich, da die Hilfen, die im Durchschnitt länger dauern (zum Beispiel die Vollzeitpflege in einer anderen Familie oder die Heimerziehung) dann stärker ins Gewicht fallen, als Hilfen, die im Durchschnitt weniger Zeit in Anspruch nehmen (zum Beispiel die Erziehungsberatung). Bei der Betrachtung des Stands am 31.12.2011 lag der Anteil der Erziehungsberatung an allen Hilfen entsprechend bei 33,7 Prozent. Bei der Heimerziehung oder der Unterbringung in einer sonstigen betreuten Wohnform beziehungsweise bei der Vollzeitpflege lagen die Anteile hingegen bei 15,8 bzw. 14,9 Prozent. Und auch der Anteil der Sozialpädagogischen Familienhilfe an allen Hilfen fällt bei der Betrachtung des Stands am 31.12.2011 deutlich höher aus als bei der Betrachtung der im Jahr 2011 begonnenen Hilfen (15,3 gegenüber 9,2 Prozent).

Nicht zur Erzieherischen Hilfe aber zur Kinder- und Jugendhilfe gehören die Inobhutnahmen und Sorgerechtsentzüge. Eine Inobhutnahme bietet die Möglichkeit einer vorläufigen und kurzfristigen Intervention in Notfällen, wenn eine dringende Gefahr für das Wohl des Kindes oder des Jugendlichen nicht anders abgewendet werden kann. Außerdem ist ein Jugendamt zur Inobhutnahme eines Minderjährigen verpflichtet, wenn er selbst darum bittet. Im Jahr 2011 wurden rund 38.500 Kinder und Jugendliche in Obhut genommen. In 31 Prozent der Fälle wurde die Maßnahme vom Jugendamt angeregt, in 26 Prozent durch die Minderjährigen selbst.

Der Entzug des Sorgerechts ist eine gerichtliche Maßnahme bei Gefährdung des Kindeswohls. Im Jahr 2011 wurde von den Familiengerichten in rund 12.700 Fällen der vollständige oder teilweise Entzug der elterlichen Sorge angeordnet – eine Steigerung um 70 Prozent gegenüber dem Jahr 2000. Jungen waren dabei etwas häufiger betroffen als Mädchen (53 gegenüber 47 Prozent). In rund 9.700 Fällen übertrugen die Gerichte das Personensorgerecht ganz oder teilweise auf die Jugendämter, in den übrigen Fällen einer Einzelperson oder einem Verein.

Datenquelle

Statistisches Bundesamt: Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe, Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Gesetze im Internet zu den Themen Kinder- und Jugendhilfe (darunter Hilfe zur Erziehung), Inobhutnahme und Gerichtliche Maßnahmen bei Gefährdung des Kindeswohls (darunter Entziehung der elterlichen Sorge)

Tabelle: Erzieherische Hilfe

Begonnene Hilfen zur Erziehung nach Hilfeart in absoluten Zahlen,
Anteil an allen Hilfen in Prozent, 2011

Hilfen zur Erziehung Anteil an
allen Hilfen
Anzahl in Prozent
Einzelhilfen 418.827 88,7
davon:
Erziehungsberatung 310.813 65,8
Heimerziehung,
sonstige betreute Wohnform
35.495 7,5
Erziehungsbeistand/ Betreuungshelfer 25.919 5,5
Vollzeitpflege in einer anderen Familie 15.264 3,2
Flexible Hilfe zur Erziehung (§ 27 SGB VIII) 10.904 2,3
Erziehung in einer Tagesgruppe 9.004 1,9
Soziale Gruppenarbeit 8.348 1,8
Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung 3.080 0,7
 
Familienorientierte Hilfen 53.205 11,3
davon:  
Sozialpädagogische Familienhilfe 43.390 9,2
Flexible Hilfe zur Erziehung (§ 27 SGB VIII) 9.815 2,1

Quelle: Statistisches Bundesamt: Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe

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