Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Asyl

28.11.2012
Zwischen 1990 und Ende 2010 haben in Deutschland gut 2,36 Millionen Menschen politisches Asyl beantragt. Bis zum Ende der 1990er-Jahre stammten die meisten Asylbewerber aus Europa, ab dem Jahr 2000 aus Asien.

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Fakten



In Westdeutschland erhöhte sich die Zahl der Asylsuchenden zwischen 1972 und 1980 von 5.289 auf 107.818. In den drei Folgejahren ist die Zahl dreimal gesunken – auf unter 20.000 im Jahr 1983. Mit Ausnahme des Jahres 1987 nahm die Zahl der Asylsuchenden in Westdeutschland bzw. später in Deutschland zwischen 1983 und 1992 jedes Jahr zu. Mit 438.191 Asylsuchenden im Jahr 1992 wurde der bisherige Höchststand erreicht.

Durch die Asylrechtsreform 1992/1993, das Ende der Kriegshandlungen im ehemaligen Jugoslawien sowie die Stabilisierung Osteuropas und anderer Regionen sank die Zahl der Asylsuchenden auf 322.599 im Jahr 1993 bzw. auf unter 128.000 in den Jahren 1994/1995. In den Folgejahren ist die Zahl der Asylbewerber – bis auf eine leichte Steigerung 2001 – kontinuierlich gesunken. 1998 lag sie erstmals seit 1987 unter 100.000 und im Jahr 2007 erreichte die Zahl der Asylbewerber mit 19.164 den niedrigsten Stand seit 1977. Seit 2007 ist die Asylbewerberzahl allerdings vier Jahre in Folge gestiegen – auf 45.741 Asylbewerber im Jahr 2011.

Nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) haben in Deutschland zwischen 1990 und Ende 2010 gut 2,36 Millionen Menschen politisches Asyl beantragt. Bis zum Ende der 1990er-Jahre stammte der größte Teil der Asylbewerber aus Europa (einschließlich der Türkei und der UdSSR/Russland). Ab dem Jahr 2000 stellten dann jeweils mehr Antragsteller aus asiatischen als aus europäischen Herkunftsstaaten einen Asylantrag in Deutschland – dies jedoch bei insgesamt deutlich gesunkenen Asylbewerberzahlen.

Im Zeitraum von 2006 bis 2010 stammten die meisten Asylbewerber aus dem Irak (19,3 Prozent). Darauf folgten Serbien bzw. Serbien und Montenegro (8,8 Prozent) sowie Afghanistan (8,2 Prozent). Viertstärkstes Herkunftsland war die Türkei (5,8 Prozent), gefolgt vom Iran (4,3 Prozent). Zusammen stammten aus diesen fünf Staaten 46,4 Prozent aller Asylantragsteller in den Jahren 2006 bis 2010. In den Jahren 2002 bis 2006 setzten sich die "Top 5" noch etwas anders zusammen: Türkei (12,0 Prozent), Serbien und Montenegro (11,7 Prozent), Irak (9,4 Prozent), Russland (6,3 Prozent) und Vietnam (4,0 Prozent).

Bei diesen Angaben ist allerdings zu berücksichtigen, dass zum Beispiel innerstaatliche Konflikte die ethnische Zusammensetzung der Gruppe der Asylsuchenden beeinflussen können. So hatten beispielsweise im Jahr 2009 die Kurden einen Anteil von 79,5 Prozent an allen Antragsstellern aus der Türkei und einen Anteil von 44,5 Prozent an allen Antragsstellern aus dem Irak. Weiter waren 45,9 Prozent aller Asylbewerber aus Russland Tschetschenen.

Im Jahr 2010 wurden fast zwei Drittel aller Erstanträge auf Asyl von Männern gestellt (63,3 Prozent). Im Jahr 2003 lag der Anteil noch bei 69,9 Prozent. Bezogen auf die Altersstruktur der Asylantragsteller im Jahr 2010 ist festzustellen, dass drei Viertel der Antragsteller jünger als dreißig Jahre waren (74,9 Prozent) und mehr als ein Drittel minderjährig war (37,4 Prozent).

Das BAMF hat zwischen 1990 und 2011 über rund 3 Millionen Asylanträge entschieden. Dabei wurden 136.870 Asylantragsteller vom BAMF als asylberechtigt anerkannt und 1,94 Millionen Anträge auf Asyl abgelehnt. Die Asylanerkennungsquote lag dabei durchgängig unter 10 Prozent, seit 1997 unter 6 Prozent. Im Jahr 2006 wurde mit 0,8 Prozent die bis dahin niedrigste Quote registriert. 2010 lag die Anerkennungsquote bei 1,3 Prozent, 2011 bei 1,5 Prozent.

Im Jahr 2011 hat das BAMF über 43.362 Asylanträge entschieden. Neben den 652 Personen (1,5 Prozent), die als Asylberechtigte anerkannt wurden, waren darunter 6.446 Personen (14,9 Prozent), die Flüchtlingsschutz erhielten. Darüber hinaus hat das BAMF bei 2.577 Personen (5,9 Prozent) ein Abschiebungsverbot festgestellt ("subsidiärer Schutz"). Abgelehnt wurden die Anträge von 23.717 Personen (54,7 Prozent). Die Anträge von 9.970 Personen (23,0 Prozent) erledigten sich anderweitig (zum Beispiel durch Verfahrenseinstellungen wegen Rücknahme des Asylantrags). Die Gesamtschutzquote – also der Anteil der Asylanerkennungen, der Gewährungen von Flüchtlingsschutz und der Feststellungen eines Abschiebeverbotes an der Gesamtzahl der Entscheidungen über Asylanträge – lag damit 2011 bei 22,3 Prozent (2010: 21,6 Prozent).

Zwischen 1996 und 2009 sank die Zahl der Empfänger von Regelleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz von 489.742 auf 121.235 Personen – dabei war sie jedes Jahr niedriger als im Vorjahr. Am Jahresende 2010 erhielten 130.297 Personen Regelleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, 2011 waren es 143.698 Personen. Parallel zur Empfängerzahl entwickelten sich auch die Bruttoausgaben nach dem Asylbewerberleistungsgesetz: Zwischen 1996 und 2009 reduzierten Sie sich von 2,88 auf 0,79 Milliarden Euro. Im Jahr 2011 lagen die Bruttoausgaben nach dem Asylbewerberleistungsgesetz bei 0,91 Milliarden Euro. Die Nettoausgaben lagen im selben Jahr bei 0,89 Milliarden Euro bzw. 11 Euro je Einwohner.

Datenquelle



Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF): Migrationsbericht 2006, 2009, 2010, www.bamf.de, Statistisches Bundesamt: Datenreport

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Nach Art. 16a Abs. 1 Grundgesetz (GG) genießen politisch verfolgte Ausländer das Recht auf Asyl in Deutschland. Damit ist das Asylrecht in Deutschland als individuell einklagbarer Rechtsanspruch mit Verfassungsrang ausgestaltet. Für die Prüfung der Asylanträge ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zuständig.

Das Grundrecht auf Asyl gilt allein für politisch Verfolgte, das heißt für Personen, die eine staatliche Verfolgung erlitten haben bzw. denen eine solche nach einer Rückkehr in das Herkunftsland konkret droht (Dem Staat stehen dabei solche staatsähnlichen Organisationen gleich, die den jeweiligen Staat ersetzt haben). Zur Begriffsbestimmung der politischen Verfolgung wird dabei auf Art. 1 A Nr. 2 der Genfer Flüchtlingskonvention zurückgegriffen (Verfolgung von Personen "wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung"). Neben dem Recht auf politisches Asyl existiert die Möglichkeit der Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention. Personen, die nicht die Voraussetzungen für eine Anerkennung als Asylberechtigte oder Flüchtlinge erfüllen, können subsidiären Schutz erhalten, wenn ihnen im Herkunftsland Gefahren drohen. Weitere Informationen zu den "verschiedenen Formen der Schutzgewährung" erhalten Sie »hier...«

Die Gesamtschutzquote entspricht dem Anteil der Asylanerkennungen, der Gewährungen von Flüchtlingsschutz und der Feststellungen eines Abschiebeverbotes an der Gesamtzahl der Entscheidungen über Asylanträge in einem bestimmten Zeitraum.

Eine Berufung auf das Grundrecht auf Asyl ist für Personen ausgeschlossen, die aus sicheren Drittstaaten einreisen (§ 26a AsylVfG). Dies gilt auch, wenn eine Rückführung in einen Drittstaat nicht möglich ist, etwa weil dieser mangels entsprechender Angaben des Asylbewerbers nicht konkret bekannt ist. Sichere Drittstaaten sind alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union, Norwegen und die Schweiz.

Tabelle: Asyl



1975 bis 2011

  Asylsuchende* Gesamtzahl der Entscheidungen über Asylanträge Asylberechtigte nach
Art.16/16a GG
Anerkennungs-
quote,
in Prozent
Abschiebungsschutz bzw. Flüchtlingsschutz gemäß
§ 51 Abs. 1 AuslG bzw.
§ 3 Abs. 4 AsylVfG i.V.m.
§ 60 Abs. 1 AufenthG
Westdeutschland
1975 9.627 2.928 22,2
1980 107.818 12.783 12,0
1985 73.832 11.224 29,2
  Deutschland
1990 193.063 148.842 6.518 4,4
1991 256.112 168.023 11.597 6,9
1992 438.191 216.356 9.189 4,2
1993 322.599 513.561 16.396 3,2
1994 127.210 352.572 25.578 7,3 9.986
1995 127.937 200.188 18.100 9,0 5.368
1996 116.367 194.451 14.389 7,4 9.611
1997 104.353 170.801 8.443 4,9 9.779
1998 98.644 147.391 5.883 4,0 5.437
1999 95.113 135.504 4.114 3,0 6.147
2000 78.564 105.502 3.128 3,0 8.318
2001 88.287 107.193 5.716 5,3 17.003
2002 71.124 130.128 2.379 1,8 4.130
2003 50.563 93.885 1.534 1,6 1.602
2004 35.607 61.961 960 1,5 1.107
2005 28.914 48.102 411 0,9 2.053
2006 21.029 30.759 251 0,8 1.097
2007 19.164 28.572 304 1,1 6.893
2008 22.085 20.817 233 1,1 7.058
2009 27.649 28.816 452 1,6 7.663
2010 41.332 48.187 643 1,3 7.061
2011 45.741 43.362 652 1,5 6.446

 

  Abschiebungs-verbot gemäß
§ 53 AuslG bzw.
§ 60 Abs. 2, 3, 5, 7 AufenthG
Gesamt-
schutzquote**,
in Prozent
abgelehnte Anträge Anteil der abgelehnten Anträge an allen Entscheidungen, in Prozent sonstige Verfahrens-
erledigung***
Deutschland
1990 4,4 116.268 78,1 26.056
1991 6,9 128.820 76,7 27.606
1992 4,2 163.637 75,6 43.530
1993 3,2 347.991 67,8 149.174
1994 10,1 238.386 67,6 78.622
1995 11,7 117.939 58,9 58.781
1996 12,3 126.652 65,1 43.799
1997 10,7 101.886 59,7 50.693
1998 7,7 91.700 62,2 44.371
1999 2.100 9,1 80.231 59,2 42.912
2000 1.597 12,4 61.840 58,6 30.619
2001 3.383 24,4 55.402 51,7 25.689
2002 1.598 6,2 78.845 60,6 43.176
2003 1.567 5,0 63.002 67,1 26.180
2004 964 4,9 38.599 62,3 20.331
2005 657 6,5 27.452 57,1 17.529
2006 603 6,3 17.781 57,8 11.027
2007 673 27,5 12.749 44,6 7.953
2008 562 37,7 6.761 32,5 6.203
2009 1.611 33,8 11.360 39,4 7.730
2010 2.691 21,6 27.255 56,6 10.537
2011 2.577 22,3 23.717 54,7 9.970

* vor dem Jahr 1993 fanden nicht alle Asylsuchenden Eingang in die allgemeine Zuzugsstatistik; seit einschließlich 1995 nur noch Erstanträge.
** Anteil der Asylanerkennungen, der Gewährungen von Flüchtlingsschutz und der Feststellungen eines Abschiebeverbotes an der Gesamtzahl der Entscheidungen über Asylanträge.
*** u.a. Rücknahme des Antrags (zum Beispiel wegen Rück- oder Weiterreise).


Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF): Migrationsbericht 2010, www.bamf.de; Statistisches Bundesamt: Datenreport


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