Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland
1.4.2018

Asyl

Asylbewerber und Entscheidungen über Asylanträge in abs. Zahlen, Gesamtschutzquote in Prozent, 1975 bis 2017

Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF): Migrationsbericht, Schlüsselzahlen Asyl 2017, Asylgeschäftsbericht 12/2017; Statistisches Bundesamt: Datenreport
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Seit 1990 stellten rund 4,1 Millionen Menschen in Deutschland einen Erstantrag auf Asyl. Mit gut 438.000 Anträgen erreichte die Zahl der Asylbewerber 1992 einen ersten Höchststand. In den Folgejahren sank die Zahl kontinuierlich und erreichte im Jahr 2007 mit rund 19.000 den niedrigsten Stand seit 1977. Bis 2015 erhöhte sich die Zahl der Asylbewerber wiederum auf knapp 442.000 und im Jahr 2016 wurde mit mehr als 722.000 Asylbewerbern der bisherige Höchststand erreicht (2017: 198.317). Von den insgesamt 920.687 Asylbewerbern der beiden Jahre 2016/2017 stammten 34,2 Prozent aus Syrien, 15,6 Prozent aus Afghanistan und 12,8 Prozent aus dem Irak. 2016/2017 wurde über rund 1,3 Millionen Asylanträge entschieden. Dabei wurden 0,5 Prozent der Asylantragsteller als asylberechtigt anerkannt und 31,3 Prozent der Anträge abgelehnt. Die Gesamtschutzquote lag bei 53,5 Prozent.

Fakten

Seit 1953 stellten rund 5,6 Millionen Menschen in Deutschland einen Asylantrag, davon 4,7 Millionen seit 1990. In Westdeutschland erhöhte sich die Zahl der Asylbewerber zwischen 1972 und 1980 von gut 5.000 auf knapp 108.000. Nach dem Rückgang auf unter 20.000 im Jahr 1983 folgte ein stetiger Anstieg auf rund 438.000 Asylbewerber in Deutschland im Jahr 1992. Insbesondere durch die Asylrechtsreform 1992/1993, das Ende der Kriegshandlungen im ehemaligen Jugoslawien sowie die Stabilisierung Osteuropas sank die Zahl der Asylbewerber in den Folgejahren kontinuierlich. Im Jahr 2007 erreichte sie mit rund 19.000 den niedrigsten Stand seit 1977. Bis 2015 erhöhte sich die Zahl der Asylbewerber auf knapp 442.000 und im Jahr 2016 wurde mit mehr als 722.000 Asylbewerbern der bisherige Höchststand erreicht (2017: 198.317).

Von den insgesamt 920.687 Asylbewerbern der beiden Jahre 2016/2017 stammte rund jeder dritte aus Syrien (34,2 Prozent). Knapp jeder sechste Asylbewerber stammte aus Afghanistan, gut jeder achte aus dem Irak (15,6 bzw. 12,8 Prozent). An vierter und fünfter Stelle standen bei den Herkunftsländern der Iran und Eritrea (3,8 bzw. 3,2 Prozent). Zusammen entfielen auf diese fünf Staaten mehr als zwei Drittel aller Asylantragsteller 2016/2017 (69,6 Prozent). Bei den rund 835.000 Asylbewerbern der Jahre 2011 bis 2015 setzten sich die wichtigsten Herkunftsländer noch etwas anders zusammen: Syrien (26,2 Prozent), Afghanistan (7,7 Prozent), Albanien (7,6 Prozent), Serbien (7,0 Prozent) und Irak (6,0 Prozent). In den Jahren 2002 bis 2006 waren neben dem Irak und Serbien und Montenegro noch die Türkei, Russland sowie Vietnam unter den "Top 5 " – allerdings bei einer insgesamt deutlich niedrigeren Gesamtzahl an Asylantragstellern (rund 207.000).

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat 2016/2017 über rund 1,3 Millionen Asylanträge entschieden. Dabei wurden 6.479 Asylantragsteller als asylberechtigt anerkannt (0,5 Prozent) und gut 406.000 Anträge auf Asyl abgelehnt (31,3 Prozent). 28,8 Prozent der Asylbewerber bzw. rund 373.500 Personen erhielten Flüchtlings- und damit Abschiebungsschutz. Weiter hat das BAMF bei knapp 64.000 Personen (4,9 Prozent) ein Abschiebungsverbot festgestellt. Subsidiärer Schutz (nach § 4 Abs. 1 AsylG) wurde gut einer Viertelmillion Asylantragsteller gewährt (19,4 Prozent). Mehr als 197.000 Anträge (15,2 Prozent) erledigten sich anderweitig (zum Beispiel durch Verfahrenseinstellungen wegen Rücknahme des Asylantrags). Die Gesamtschutzquote lag 2016/2017 bei 53,5 Prozent (2006 bis 2015: 35,3 Prozent). Die Gesamtschutzquote entspricht dabei dem Anteil der anerkannten Asylgesuche, der Gewährungen von Abschiebe-/Flüchtlings- oder subsidiärem Schutz sowie der Feststellungen eines Abschiebeverbotes an der Gesamtzahl der Entscheidungen über Asylanträge.

Zwischen 1996 und 2009 sank die Zahl der Empfänger von Regelleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz stetig von 489.742 auf 121.235 – dabei war sie jedes Jahr niedriger als im Vorjahr. Von 2010 bis 2014 erhöhte sich die Zahl der Empfänger kontinuierlich von 130.297 auf 362.850. Im Jahr 2015 stieg die Zahl der Empfänger von Regelleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz sprunghaft an – auf 974.551. 2016 lag die Zahl der Empfänger bei 728.239. Entsprechend entwickelten sich auch die Bruttoausgaben für Asylbewerberleistungen: Zwischen 1996 und 2009 reduzierten sie sich von 2,9 Milliarden auf 789 Millionen Euro. Seitdem haben sich die Ausgaben jedes Jahr erhöht. 2016 lagen die Bruttoausgaben für Asylbewerberleistungen bei 9,4 Milliarden Euro. Davon entfielen 5,2 Milliarden Euro auf Leistungen in Einrichtungen und 4,3 Milliarden Euro auf Leistungen außerhalb von Einrichtungen.

Datenquelle

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF): Migrationsbericht, Schlüsselzahlen Asyl 2017, Asylgeschäftsbericht 12/2017; Statistisches Bundesamt: Leistungen an Asylbewerber, Datenreport

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Nach Art. 16a Abs. 1 Grundgesetz (GG) genießen politisch verfolgte Ausländer das Recht auf Asyl in Deutschland. Damit ist das Asylrecht ein individuell einklagbarer Rechtsanspruch mit Verfassungsrang. Eine Berufung auf das Recht auf Asyl ist für Personen ausgeschlossen, die aus sicheren Drittstaaten einreisen (§ 26a AsylG). Sichere Drittstaaten sind alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union, Norwegen und die Schweiz.

Für die Prüfung der Asylanträge ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zuständig. Personen, die als asylberechtigt anerkannt werden, erhalten eine auf drei Jahre befristete Aufenthaltserlaubnis, die nach drei Jahren in eine Niederlassungserlaubnis umgewandelt werden kann, wenn keine Anhaltspunkte für einen Widerruf vorliegen.

Das Grundrecht auf Asyl gilt allein für politisch Verfolgte, das heißt für Personen, die eine staatliche Verfolgung erlitten haben bzw. denen eine solche nach einer Rückkehr in das Herkunftsland konkret droht (dem Staat stehen dabei solche staatsähnlichen Organisationen gleich, die den jeweiligen Staat ersetzt haben).

Neben dem Recht auf Asyl existiert die Möglichkeit der Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention (§ 3 AsylG). Diese führt ebenfalls zu einer dreijährigen Aufenthaltserlaubnis, die nach dieser Zeit in eine Niederlassungserlaubnis übergehen kann.

Personen, die nicht die Voraussetzungen für eine Anerkennung als Asylberechtigte oder Flüchtlinge erfüllen, können subsidiären Schutz erhalten. Beispielsweise aus gesundheitlichen Gründen (Abschiebungsverbot gemäß § 60 Abs. 7 AufenthG) oder wenn den Ausländern im Herkunftsland ein ernsthafter Schaden droht. Dazu gehört zum Beispiel die Todesstrafe, Folter, unmenschliche/erniedrigende Behandlung, Bedrohung des Lebens oder die Bedrohung der Unversehrtheit einer Zivilperson infolge willkürlicher Gewalt im Rahmen eines internationalen oder innerstaatlichen bewaffneten Konflikts (§ 4 Abs. 1 AsylG).

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