Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Eingebürgerte Personen

28.11.2012
In den Jahren 1990 bis 1999 wurden 2,30 Millionen Personen eingebürgert. Zwischen Januar 2000 (Einführung des neuen Staatsangehörigkeitsrechts) und Ende 2011 waren es weitere 1,54 Millionen.

Eingebürgerte PersonenKlicken Sie auf die Grafik, um das PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten



In den Jahren 1990 bis 1999 wurden 2.295.309 Personen eingebürgert – bezogen auf die bisherige Staatsangehörigkeit stammten dabei die meisten aus Russland und der Türkei. Seit Inkrafttreten des Gesetzes zur Reform des Staatsangehörigkeitsrechts am 1. Januar 2000 wurden weitere 1.541.113 Personen eingebürgert (Stand 31.12.2011). In den Jahren nach der Einführung des neuen Staatsangehörigkeitsrechts ist die Zahl der Einbürgerungen tendenziell gesunken – von 186.688 im Jahr 2000 auf 94.470 im Jahr 2008. Allerdings ist sie zwischen 2008 und 2011 dreimal in Folge gestiegen (2011: 106.897).

Die größte Gruppe der im Jahr 2011 Eingebürgerten waren – wie schon in den Jahren zuvor – Personen aus der Türkei (28.103). Allerdings ist die Zahl der Einbürgerungen von Personen mit türkischer Herkunft seit dem Jahr 2000 (82.861) deutlich zurückgegangen. Parallel sank ihr Anteil an allen Einbürgerungen von damals 44,4 Prozent auf 26,3 Prozent im Jahr 2011. Damit war der Anteil an den Einbürgerungen zuletzt nur wenige Prozentpunkte höher als der Anteil der türkischen Staatsangehörigen an der ausländischen Bevölkerung insgesamt (23,2 Prozent).

Mit großem Abstand folgten bei den Einbürgerungen im Jahr 2011 Personen aus dem Irak (4,5 Prozent), Polen und der Ukraine (jeweils 4,0 Prozent), Kosovo (3,1 Prozent), Marokko und Russland (jeweils 2,8 Prozent). Der Anteil der eingebürgerten Personen aus Serbien, dem Iran und Afghanistan lag bei 2,7, 2,6 und 2,5 Prozent. Bezogen auf die Personen aus den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) lag die Zahl der Einbürgerungen im Jahr 2011 bei gut 16.750 – das entsprach insgesamt einem Anteil von 15,7 Prozent an allen Einbürgerungen. Nach den Neubürgern aus Polen folgten Personen aus Rumänien (2,2 Prozent), Griechenland (2,1 Prozent) sowie Italien (1,6 Prozent). Weiter erhielten 2011 insgesamt 10.701 Personen aus Afrika die deutsche Staatsbürgerschaft – das entsprach einem Anteil von 10,0 Prozent an allen Einbürgerungen. Auf Südamerika, Mittelamerika und die Karibik entfielen zusammen 3,1 Prozent aller Einbürgerungen (3.291 Personen).

Etwas mehr als die Hälfte der im Jahr 2011 Eingebürgerten waren weiblich (51,3 Prozent). 28,7 Prozent aller eingebürgerten Personen waren unter 20 Jahre alt, zwei Drittel gehörten zur Gruppe der 20- bis unter 55-Jährigen (66,7 Prozent) und lediglich 4,6 Prozent waren 55 Jahre oder älter. Das Durchschnittsalter aller 106.897 Eingebürgerten lag 2011 bei 29,7 Jahren. Bezogen auf die in der Tabelle betrachteten Staaten war das Durchschnittsalter der Eingebürgerten aus dem Iran mit 37,5 Jahren mit Abstand am höchsten. Aber auch das Durchschnittsalter der eingebürgerten Personen aus den EU-Staaten sowie aus der Ukraine lag bei mehr als 33 Jahren und damit klar über dem Durchschnitt. Auffallend niedrig war hingegen das Durchschnittsalter der 2011 Eingebürgerten aus Vietnam (24,3 Jahre) und der Türkei (24,7 Jahre).

Von den Personen, die 2011 eingebürgert wurden, hielten sich 38,2 Prozent zum Zeitpunkt der Einbürgerung neun bis 14 Jahre in Deutschland auf. Bei gut einem weiteren Fünftel waren es sogar 20 Jahre oder mehr (21,9 Prozent). Bei knapp einem Fünftel betrug die Aufenthaltsdauer 15 bis 19 Jahre (18,2 Prozent). Die verbleibenden 21,7 Prozent entfielen auf Eingebürgerte, die die deutsche Staatsbürgerschaft nach acht Jahren Aufenthalt (9,3 Prozent) oder weniger Jahren (12,5 Prozent) erhielten. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer aller Eingebürgerten lag im Jahr 2011 bei 15,6 Jahren.

Im Jahr 2011 wurden 50,4 Prozent aller Einbürgerungen unter Fortbestehen der bisherigen Staatsangehörigkeit vollzogen (Ausnahmeregelungen § 12 StAG). Bei der größten Einbürgerungsgruppe, den türkischen Staatsbürgern, lag der Anteil der Personen, bei denen die bisherige Staatsangehörigkeit fortbesteht, im Jahr 2011 bei 26,3 Prozent. Bei den nächstgrößeren Nicht-EU-Einbürgerungsgruppen war der entsprechende Wert sehr unterschiedlich hoch: Irak (72,9 Prozent), Ukraine (16,4 Prozent), Kosovo (15,6 Prozent), Marokko (100,0 Prozent) sowie Russland (31,9 Prozent) – dabei gehört Marokko zu den Staaten, die eine Entlassung aus ihrer Staatsangehörigkeit verweigern. Für EU-Bürger und Staatsangehörige der Schweiz gelten generelle Ausnahmeregelungen (§ 12 Abs. 2 StAG).

Datenquelle



Statistisches Bundesamt: Einbürgerungen; Bundesministerium des Innern: www.bmi.bund.de

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Mit der Reform des Staatsangehörigkeitsrechts durch Gesetz vom 15. Juli 1999 wurden wesentliche Neuerungen aufgenommen. Insbesondere die Ergänzung des Abstammungsprinzips durch das Geburtsortsprinzip sowie die Verkürzung der Aufenthaltszeiten für eine Einbürgerung.

Seit Inkrafttreten des Gesetzes am 1. Januar 2000 haben Ausländer bereits nach acht Jahren rechtmäßigen gewöhnlichen Aufenthalts in Deutschland bei Erfüllung bestimmter Voraussetzungen einen Anspruch auf Einbürgerung (§ 10 Abs. 1 StAG). Ehegatten und minderjährige Kinder können mit eingebürgert werden, auch wenn sie sich noch nicht seit acht Jahren im Bundesgebiet aufhalten (§ 10 Abs. 2 StAG). Weist ein Ausländer die erfolgreiche Teilnahme an einem Integrationskurs nach, wird die Frist auf sieben Jahre verkürzt. Bei Vorliegen besonderer Integrationsleistungen (insbesondere im Bereich der Sprachkenntnisse) kann die Frist auf sechs Jahre verkürzt werden (§ 10 Abs. 3 StAG).

Der Einbürgerungswillige muss sich außerdem zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung bekennen und erklären, dass er keine Bestrebungen verfolgt oder unterstützt, die gegen diese Grundordnung gerichtet sind. Zusätzlich muss er den Lebensunterhalt für sich und seine Familienangehörigen grundsätzlich selbst bestreiten können, prinzipiell seine bisherige Staatsangehörigkeit aufgeben und er darf nicht wegen einer Straftat verurteilt worden sein. Zudem muss er über ausreichende deutsche Sprachkenntnisse verfügen.

Ferner sollen Einbürgerungsbewerber – gemäß des am 28. August 2007 in Kraft getretenen Richtlinienumsetzungsgesetzes – ab dem 1. September 2008 auch Grundkenntnisse der Rechts- und Gesellschaftsordnung sowie der Lebensverhältnisse in Deutschland aufweisen. Diese sind durch einen Einbürgerungstest nachzuweisen (§ 10 Abs. 5 StAG).

Weitere Informationen zum "Geburtsortsprinzip" erhalten Sie auf den Seiten der Bundesregierung...

Weitere Informationen zum "Einbürgerungstest" erhalten Sie auf den Seiten des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF)...

Tabelle: Eingebürgerte Personen



In absoluten Zahlen, ab 2008 nach bisheriger Staatsangehörigkeit und nach Geschlecht,
1990 bis 2011

  eingebürgerte Personen insgesamt ausgeschöpftes Einbürgerungspotential (aEP)*
1990 101.377
1991 141.630
1992 179.904
1993 199.443
1994 259.170
1995 313.606
1996 302.830
1997 271.773
1998 283.604
1999 241.972
2000 186.688 4,85
2001 178.098 4,43
2002 154.547 3,69
2003 140.731 3,17
2004 127.153 2,76
2005 117.241 2,79
2006 124.566 2,85
2007 113.030 2,57
2008 94.470 2,11
2009 96.122 2,12
2010 101.570 2,20
2011 106.897 2,28

 

  2008 2009 2010 2011
eingebürgerte Personen insgesamt 94.470 96.122 101.570 106.897
davon:        
männlich 47.033 47.573 49.723 52.082
weiblich 47.437 48.549 51.847 54.815
         
Türkei 24.449 24.647 26.192 28.103
Irak 4.229 5.136 5.228 4.790
Polen 4.245 3.841 3.789 4.281
Ukraine 1.953 2.345 3.118 4.264
Kosovo 419 1.423 3.117 3.331
Marokko 3.130 3.042 2.806 3.011
Russland 2.439 2.477 2.753 2.965
Serbien 6.267 4.174 3.285 2.878
Iran 2.734 3.184 3.046 2.728
Afghanistan 2.512 3.549 3.520 2.711
Vietnam 1.048 1.513 1.738 2.428
Rumänien 2.137 2.357 2.523 2.399
Griechenland 1.779 1.362 1.450 2.290
Israel 1.971 1.681 1.649 1.971
Kasachstan 1.602 1.439 1.601 1.923
 
Europäische Union (EU) 14.029 13.863 14.783 16.757
Gebiet der ehemaligen Sowjetunion** 8.293 8.336 10.109 11.986
Afrika 9.671 10.068 9.835 10.701
Gebiet des ehemaligen Jugoslawien*** 11.003 8.994 10.241 9.590
Südamerika, Mittelamerika und Karibik 2.922 3.182 3.342 3.291
staatenlos, ungeklärt und ohne Angabe 1.691 1.748 1.520 1.932

* in Abstimmung mit den Integrationsindikatoren des Bundes und der Länder werden die Einbürgerungen auf die Ausländer mit einer Aufenthaltsdauer von 10 Jahren und mehr zu Beginn des Berichtsjahres zu bezogen.
** Gebiet der ehemaligen Sowjetunion: Armenien, Aserbaidschan, Estland, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, Lettland, Litauen, Republik Moldau, Russische Föderation, Tadschikistan, Turkmenistan, Ukraine, Usbekistan, Weißrussland (Belarus) einschließlich Personen mit der Staatsangehörigkeit der ehemaligen Sowjetunion ohne nähere Angabe.
*** Gebiet des ehemaligen Jugoslawien: Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Serbien, Slowenien einschließlich Personen mit der Staatsangehörigkeit des ehemaligen Serbien und Montenegro und des ehemaligen Jugoslawiens ohne nähere Angabe.


Quelle: Statistisches Bundesamt: Einbürgerungen


Creative Commons License Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.

counter
 

Zahlen und Fakten 3D

Migration

Weltweit waren im Jahr 2010 mehr als 210 Millionen Menschen Migranten – sie lebten also in einem anderen Land als sie geboren wurden. Jeweils fast ein Viertel aller Migranten weltweit lebte in Nordamerika und Europa. Mit dem interaktiven Angebot "Zahlen und Fakten 3D" können Sie Regionen und Staaten der Welt miteinander vergleichen, Entwicklungen über mehrere Jahre oder Jahrzehnte hinweg verfolgen und so Infografiken nach Ihren eigenen Vorgaben erstellen. Weiter...