Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland
10.5.2018

Eingebürgerte Personen

In absoluten Zahlen, ab 2009 nach bisheriger Staatsangehörigkeit, 2000 bis 2016

Eingebürgerte Personen

Quelle: Statistisches Bundesamt: Einbürgerungen
Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

In den Jahren 1990 bis 1999 wurden rund 2,3 Millionen Personen eingebürgert – darunter die meisten mit zuvor russischer oder türkischer Staatsangehörigkeit. Zwischen 2000 bis 2016 wurden weitere 2,1 Millionen Personen eingebürgert. Von den Personen, die zwischen 2012 und 2016 eingebürgert wurden, hatte gut jede Fünfte vor der Einbürgerung die türkische Staatsangehörigkeit (22 Prozent). Knapp ein Viertel hatte zuvor die Staatsangehörigkeit eines EU-Staates (23,5 Prozent). Mehr als die Hälfte der Eingebürgerten im Jahr 2016 waren Frauen (54 Prozent) und die größte Altersgruppe war die der 25- bis unter 45-Jährigen (47 Prozent). Die vorherige Aufenthaltsdauer aller im Jahr 2016 Eingebürgerten lag im Durchschnitt bei 17 Jahren.

Fakten

In den Jahren 1990 bis 1999 wurden rund 2,3 Millionen Personen eingebürgert. Bezogen auf die bisherige Staatsangehörigkeit stammten dabei die meisten aus Russland und der Türkei. Nach Inkrafttreten des Gesetzes zur Reform des Staatsangehörigkeitsrechts am 1. Januar 2000 wurden bis 2016 weitere 2,1 Millionen Personen eingebürgert. Während die jährliche Zahl der Einbürgerungen zwischen dem Jahr 2000 und 2008 von knapp 187.000 auf gut 94.000 zurückging, nahm sie in den Folgejahren wieder zu. Seit 2012 schwankt die Zahl der Einbürgerungen um 110.000.

Von den Personen, die zwischen 2012 und 2016 eingebürgert wurden, hatte gut jede Fünfte vor der Einbürgerung die türkische Staatsangehörigkeit (21,7 Prozent). Mit großem Abstand standen an zweiter und dritter Stelle die Eingebürgerten, die bisher die polnische bzw. ukrainische Staatsangehörigkeit hatten (5,2 bzw. 3,6 Prozent). 24,0 Prozent der zwischen 2012 und 2016 eingebürgerten Personen hatten zuvor die Staatsangehörigkeit eines asiatischen Staates (vor allem des Iraks, Irans, Afghanistans, Syriens und Indiens). Weitere 23,5 Prozent hatten vor der Einbürgerung die Staatsangehörigkeit eines EU-Staates und 10,0 Prozent die eines afrikanischen Staates.

53,9 Prozent aller im Jahr 2016 Eingebürgerten waren weiblich. Von allen eingebürgerten Personen war jede zehnte unter 15 Jahre alt (10,4 Prozent) und gut jede fünfte Person gehörte zur Gruppe der 15- bis unter 25-Jährigen (22,4 Prozent). Fast die Hälfte war 25- bis unter 45-jährig (47,0 Prozent) und jede sechste eingebürgerte Person 45- bis unter 65-jährig (16,6 Prozent). Lediglich 3,6 Prozent waren 65 Jahre oder älter. Das Durchschnittsalter aller 110.383 im Jahr 2016 Eingebürgerten lag bei 33,1 Jahren.

Bezogen auf die in der Tabelle betrachteten Staaten (Top 20) war das Durchschnittsalter der Eingebürgerten aus dem Vereinigten Königreich mit 52,9 Jahren mit Abstand am höchsten. Die wichtigste Ursache hierfür dürfte der geplante EU-Austritt sein (von 2015 auf 2016 erhöhte sich die Zahl der Einbürgerungen von 622 auf 2.865). Auf das Vereinigte Königreich folgten die Eingebürgerten mit vorheriger Staatsangehörigkeit des Irans (Durchschnittsalter: 37,8 Jahre), der Ukraine (37,7 Jahre) sowie Italiens (37,4 Jahre). Auf der anderen Seite standen die Eingebürgerten mit vorheriger Staatsangehörigkeit des Kosovos (Durchschnittsalter: 25,4 Jahre), der Türkei (26,2 Jahre) sowie des Iraks (28,0 Jahre). Bei der mit Abstand größten Gruppe unter den Eingebürgerten – den Personen, die zuvor die türkische Staatsangehörigkeit hatten – war im Jahr 2016 mehr als die Hälfte der Eingebürgerten zwischen 15 und unter 25 Jahre alt (51,9 Prozent).

Von den Personen, die 2016 eingebürgert wurden, hielten sich 28,7 Prozent zum Zeitpunkt der Einbürgerung mindestens 20 Jahre in Deutschland auf. Bei einem Fünftel lag die vorherige Aufenthaltsdauer bei 15 bis unter 20 Jahren (20,1 Prozent) und bei gut einem Drittel bei 8 bis unter 15 Jahren (37,4 Prozent). Die verbleibenden 13,7 Prozent entfielen auf Eingebürgerte, die die deutsche Staatsbürgerschaft nach weniger als 8 Jahren Aufenthalt erhielten. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer aller im Jahr 2016 Eingebürgerten lag bei 17,0 Jahren.

Im Jahr 2016 wurden 57,8 Prozent aller Einbürgerungen unter Fortbestehen der bisherigen Staatsangehörigkeit vollzogen. Dieser Wert ist unter anderem deswegen so hoch, weil bei fast allen im Jahr 2016 in Deutschland eingebürgerten EU-Bürgern die bisherige Staatsangehörigkeit fortbesteht (99,2 Prozent). Bei der größten Einbürgerungsgruppe, den türkischen Staatsbürgern, behielten lediglich 16,4 Prozent auch nach der Einbürgerung die türkische Staatsangehörigkeit. Bei den nächstgrößeren Nicht-EU-Einbürgerungsgruppen war der entsprechende Wert sehr unterschiedlich hoch: Ukraine (11,7 Prozent), Kosovo (9,4 Prozent), Irak (78,5 Prozent), Iran (100,0 Prozent) sowie Serbien (40,4 Prozent). Dabei gehört der Iran zu den Staaten, die eine Entlassung aus ihrer Staatsangehörigkeit verweigern.

Datenquelle

Statistisches Bundesamt: Einbürgerungen; Staatsangehörigkeitsgesetz (StAG): https://www.gesetze-im-internet.de/rustag/BJNR005830913.html

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Mit der Reform des Staatsangehörigkeitsrechts durch Gesetz vom 15. Juli 1999 wurden wesentliche Neuerungen aufgenommen. Insbesondere die Ergänzung des Abstammungsprinzips durch das Geburtsortsprinzip sowie die Verkürzung der Aufenthaltszeiten für eine Einbürgerung.

Seit Inkrafttreten des Gesetzes am 1. Januar 2000 haben Ausländer bereits nach acht Jahren rechtmäßigen gewöhnlichen Aufenthalts in Deutschland bei Erfüllung bestimmter Voraussetzungen einen Anspruch auf Einbürgerung (§ 10 Abs. 1 StAG). So muss sich der Einbürgerungswillige unter anderem zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung bekennen und erklären, dass er keine Bestrebungen verfolgt oder unterstützt, die gegen diese Grundordnung gerichtet sind. Zudem muss er den Lebensunterhalt für sich und seine Familienangehörigen grundsätzlich selbst bestreiten können, prinzipiell seine bisherige Staatsangehörigkeit aufgeben, er darf nicht wegen einer Straftat verurteilt worden sein und muss über ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache verfügen.

Ferner müssen Einbürgerungswillige seit dem 1. September 2008 auch über Kenntnisse der Rechts- und Gesellschaftsordnung sowie der Lebensverhältnisse in Deutschland verfügen. Diese sind in der Regel durch einen Einbürgerungstest nachzuweisen (§ 10 Abs. 5 StAG).

Ehegatten und minderjährige Kinder können mit eingebürgert werden, auch wenn sie sich noch nicht seit acht Jahren im Bundesgebiet aufhalten (§ 10 Abs. 2 StAG). Weist ein Ausländer die erfolgreiche Teilnahme an einem Integrationskurs nach, wird die Frist auf sieben Jahre verkürzt. Bei Vorliegen besonderer Integrationsleistungen (insbesondere beim Nachweis von Sprachkenntnissen) kann die Frist auf sechs Jahre verkürzt werden (§ 10 Abs. 3 StAG).

Weitere Informationen zum Geburtsortsprinzip finden Sie hier:
https://www.bundesregierung.de/Content/DE/StatischeSeiten/Breg/IB2/Einbuergerung/gp-geburtsortsprinzip.html

Weitere Informationen zum Einbürgerungstest erhalten Sie hier:
http://www.bamf.de/DE/Einbuergerung/WasEinbuergerungstest/waseinbuergerungstest-node.html

Eingebürgerte Personen

In absoluten Zahlen, ab 2009 nach bisheriger Staatsangehörigkeit und nach Geschlecht, 1990 bis 2016

1

eingebürgerte
Personen
insgesamt
ausgeschöpftes
Einbürgerungs-
potential (aEP) 1
2016 110.383
2015 107.317 2,15
2014 108.422 2,20
2013 112.353 2,30
2012 112.348 2,42
2011 106.897 2,28
2010 101.570 2,20
2009 96.122 2,12
2008 94.470 2,11
2007 113.030 2,57
2006 124.566 2,85
2005 117.241 2,79
2004 127.153 2,76
2003 140.731 3,17
2002 154.547 3,69
2001 178.098 4,43
2000 2 186.672 4,85
1999 248.206
1998 291.331
1997 278.662
1996 302.830
1995 313.606
1994 259.170
1993 199.443
1992 179.904
1991 141.630
1990 101.377

1

2013 2014 2015 2016 2012- 2016
eingebürgerte Personen
insgesamt
112.353 108.422 107.317 110.383 550.823
davon:
männlich 54.795 51.692 50.217 50.895 263.396
weiblich 57.558 56.730 57.100 59.488 287.427
 
Türkei 27.970 22.463 19.695 16.290 119.664
Polen 5.462 5.932 5.957 6.632 28.479
Ukraine 4.539 3.142 4.168 4.048 19.588
Kosovo 3.294 3.506 3.822 3.966 17.927
Rumänien 2.504 2.566 3.001 3.828 14.242
Italien 2.754 3.245 3.406 3.597 15.204
Irak 3.150 3.172 3.450 3.553 16.835
Griechenland 3.498 2.800 3.058 3.444 16.967
Kroatien 1.721 3.899 3.328 2.985 12.477
Vereinigtes Königreich 459 515 622 2.865 4.783
Iran 2.560 2.546 2.533 2.661 12.763
Serbien 2.586 2.223 1.941 2.596 11.957
Afghanistan 3.054 3.000 2.572 2.482 13.825
Marokko 2.710 2.689 2.551 2.450 13.252
Russland 2.784 2.743 2.329 2.375 13.398
Syrien 1.508 1.820 2.027 2.263 8.939
Vietnam 2.459 2.196 1.929 2.190 12.073
Bosnien und Herzegowina 1.801 1.598 1.719 1.971 8.954
Bulgarien 1.790 1.718 1.619 1.676 8.494
Indien 1.190 1.295 1.343 1.549 6.323
 
europäische Nicht-EU-Staaten 45.398 37.849 35.942 33.622 202.942
Asien 26.155 26.525 26.392 26.925 132.129
EU-Staaten 23.634 26.541 27.056 31.971 129.700
Afrika 10.872 11.169 11.641 11.416 55.002
Amerika 4.652 4.645 4.681 4.915 22.818

1

2009 2010 2011 2012
eingebürgerte Personen
insgesamt
96.122 101.570 106.897 112.348
davon:
männlich 47.573 49.723 52.082 55.797
weiblich 48.549 51.847 54.815 56.551
 
Türkei 24.647 26.192 28.103 33.246
Polen 3.841 3.789 4.281 4.496
Ukraine 2.345 3.118 4.264 3.691
Kosovo 1.423 3.117 3.331 3.339
Rumänien 2.357 2.523 2.399 2.343
Italien 1.273 1.305 1.707 2.202
Irak 5.136 5.228 4.790 3.510
Griechenland 1.362 1.450 2.290 4.167
Kroatien 541 689 665 544
Vereinigtes Königreich 254 250 281 322
Iran 3.184 3.046 2.728 2.463
Serbien 4.174 3.285 2.878 2.611
Afghanistan 3.549 3.520 2.711 2.717
Marokko 3.042 2.806 3.011 2.852
Russland 2.477 2.753 2.965 3.167
Syrien 1.342 1.401 1.454 1.321
Vietnam 1.513 1.738 2.428 3.299
Bosnien und Herzegowina 1.733 1.945 1.703 1.865
Bulgarien 1.029 1.447 1.540 1.691
Indien 897 928 865 946
 
europäische Nicht-EU-Staaten 38.902 42.791 45.308 50.131
Asien 27.146 27.713 27.205 26.132
EU-Staaten 14.398 15.466 17.419 20.498
Afrika 10.067 9.834 10.701 9.904
Amerika 3.781 4.149 4.204 3.925

1 das ausgeschöpfte Einbürgerungspotential (aEP) bezieht jeweils die Einbürgerungen auf die Ausländer mit einer Aufenthaltsdauer von 10 Jahren und mehr.

2 seit 2000 ohne Aussiedler, da diese die deutsche Staatsbürgerschaft seit Inkrafttreten des neuen Staatsangehörigkeitsgesetzes am 1.1.2000 durch einen anderen Rechtsakt erhalten.


Quelle: Statistisches Bundesamt: Einbürgerungen


Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.



counter