Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

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25.1.2014

Bevölkerung ohne Schul- bzw. Berufsabschluss

Im Jahr 2012 hatten 3,8 Prozent der 15-jährigen und älteren Bevölkerung keinen allgemeinen Schulabschluss – das entsprach rund 2,7 Millionen Personen (ohne die Personen, die sich noch in schulischer Ausbildung befinden).

Bevölkerung ohne Schul- bzw. Berufsabschluss (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten

Jugendliche, die die Schule ohne einen allgemeinen Schulabschluss verlassen, haben sehr große Schwierigkeiten, einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz zu finden. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes beendeten im Abgangsjahr 2010 rund 53.100 Schüler ihre Schullaufbahn ohne einen Hauptschulabschluss – bezogen auf die einzelnen Altersjahrgänge des Abgangsjahres entsprach das einem Anteil von 6,5 Prozent (Männer: 8 Prozent / Frauen: 5 Prozent). Von den Schulabgängern ohne Hauptschulabschluss im Jahr 2010 hatten 57,1 Prozent eine Förderschule besucht (darunter erwarben mehr als vier Fünftel einen Abschluss für Lern- und Geistigbehinderte), 25,2 Prozent waren zuvor auf einer Hauptschule und 11,3 Prozent waren auf einer Schule mit mehreren Bildungsgängen (darunter 5,2 Prozent auf einer Integrierten Gesamtschule). Weiter hatten 4,9 Prozent der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss zuvor eine Realschule besucht, 1,2 Prozent ein Gymnasium und 0,3 Prozent eine Freie Waldorfschule.

Da ein Teil der Schulabgänger ohne Abschluss den Hauptschulabschluss an einer beruflichen Schule oder einer anderen Bildungseinrichtung nachholt, ist der Anteil der 15-jährigen und älteren Personen ohne Schulabschluss an der gleichaltrigen Gesamtbevölkerung niedriger als der oben genannte Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss an allen Schulabgängern: Nach Ergebnissen des Mikrozensus hatten im Jahr 2012 3,8 Prozent der 15-jährigen und älteren Bevölkerung keinen allgemeinen Schulabschluss – das entsprach rund 2,7 Millionen Personen (ohne die Personen, die sich noch in schulischer Ausbildung befinden). Damit weichen die Ergebnisse des Mikrozensus etwas von den Ergebnissen der 2011 durchgeführten Volkszählung (Zensus 2011) ab: Am Zensusstichtag (9. Mai 2011) hatten in Deutschland 4,7 Prozent der Bevölkerung über 15 Jahren – rund 3,2 Millionen Personen – keinen Schulabschluss (ebenfalls ohne Personen in schulischer Ausbildung).

Der Mikrozensus liefert tiefer gegliederte Ergebnisse zu den Personen ohne allgemeinen Schulabschluss. Im Jahr 2011 hatten bezogen auf die Bevölkerung im Alter von 25 bis unter 65 Jahren 3,8 Prozent keinen Schulabschluss, bei den Männern lag der entsprechende Anteil bei 3,6 Prozent, bei den Frauen bei 4,0 Prozent. Dabei ergeben sich große Unterschiede, wenn verschiedene Altersgruppen und der Migrationshintergrund betrachtet werden. Bei der Bevölkerung mit Migrationshintergrund lag der Anteil der Personen ohne allgemeinen Schulabschluss bei der Gruppe der 25- bis unter 65-Jährigen bei 13,1 Prozent. Der Anteil war damit gut achtmal so hoch wie bei der gleichaltrigen Bevölkerung ohne Migrationshintergrund (1,6 Prozent).

Bei der 15- bis unter 25-jährigen Bevölkerung ohne Migrationshintergrund lag der Anteil der Personen ohne Schulabschluss im Jahr 2011 bei 2,8 Prozent (Männer: 3,2 Prozent / Frauen: 2,4 Prozent), bei den 35- bis unter 45-Jährigen waren es 1,6 Prozent (1,8 Prozent / 1,5 Prozent) und bei den 55- bis unter 65-Jährigen lediglich 1,2 Prozent (1,3 Prozent / 1,1 Prozent). Bei der Bevölkerung mit Migrationshintergrund ist der Anteil der Personen ohne Schulabschluss nicht nur bei allen Altersgruppen deutlich höher, er nimmt auch mit steigendem Alter zu. So lag der Anteil der Personen ohne Schulabschluss bei den 15- bis unter 25-Jährigen mit Migrationshintergrund im Jahr 2011 bei 5,2 Prozent (Männer: 5,3 Prozent / Frauen: 5,1 Prozent), bei den 35- bis unter 45-Jährigen waren es 12,7 Prozent (11,4 Prozent / 13,9 Prozent) und bei den 55- bis unter 65-Jährigen 18,3 Prozent (15,3 Prozent / 21,1 Prozent). Dabei muss – unabhängig vom Migrationshintergrund – gerade bei den 15- bis unter 25-Jährigen die schulische Ausbildung noch nicht abgeschlossen sein.

Ein genaueres Bild entsteht, wenn die Bevölkerung mit Migrationshintergrund noch weiter unterteilt wird. So lag im Jahr 2011 der Anteil der 25- bis unter 65-Jährigen ohne Schulabschluss bei den Personen mit eigener Migrationserfahrung bei 14,0 Prozent. Bei den Personen ohne eigene Migrationserfahrung lag der Anteil bei lediglich 4,9 Prozent. Innerhalb der Gruppe der 25- bis unter 65-jährigen Bevölkerung mit eigener Migrationserfahrung hatte jeder fünfte Ausländer keinen Schulabschluss (20,0 Prozent), bei den deutschen (Spät-)Aussiedlern dieser Gruppe waren es lediglich 3,6 Prozent und bei den Eingebürgerten mit eigener Migrationserfahrung 11,0 Prozent. Obwohl die 25- bis unter 65-jährigen Ausländer mit eigener Migrationserfahrung im Jahr 2011 nur einen Anteil von 9,8 Prozent an der gleichaltrigen Gesamtbevölkerung hatten, stellten sie 51,0 Prozent der insgesamt 1,72 Millionen 25- bis unter 65-jährigen Personen ohne Schulabschluss.

Auch beim beruflichen Bildungsabschluss variiert der Anteil der Personen ohne Abschluss erheblich, wenn nach Alter oder Migrationshintergrund unterschieden wird. Im Jahr 2011 hatten laut Mikrozensus 14,3 Prozent der 25- bis unter 65-jährigen Bevölkerung keinen beruflichen Bildungsabschluss (ohne Personen in schulischer oder berufsqualifizierender Ausbildung). Bei den Männern lag der entsprechende Anteil bei 12,2 Prozent, bei den Frauen bei 16,4 Prozent. Von der 25- bis unter 65-jährigen Bevölkerung mit Migrationshintergrund hatte im Jahr 2011 mehr als ein Drittel keinen Berufsabschluss (35,4 Prozent). Der Anteil war damit fast viermal so hoch wie bei der gleichaltrigen Bevölkerung ohne Migrationshintergrund (9,2 Prozent).

Bezogen auf die 25- bis unter 35-jährige Bevölkerung ohne Migrationshintergrund lag der Anteil der Personen ohne Berufsabschluss im Jahr 2011 bei 8,9 Prozent (Männer: 9,3 Prozent / Frauen: 8,6 Prozent), bei den 45- bis unter 55-Jährigen waren es 9,0 Prozent (7,1 Prozent / 10,9 Prozent) und bei den 65-Jährigen und Älteren 26,9 Prozent. Der hohe Wert bei den 65-Jährigen und Älteren beruht vor allem auf dem hohen Anteil an Frauen ohne Schulabschluss in dieser Altersgruppe (38,9 Prozent gegenüber 10,8 Prozent bei den Männern). Bei der Bevölkerung mit Migrationshintergrund ist der Anteil der Personen ohne Schulabschluss bei allen Altersgruppen deutlich höher und er nimmt zudem mit steigendem Alter zu. So lag der Anteil der Personen ohne Schulabschluss bei den 25- bis unter 35-Jährigen mit Migrationshintergrund im Jahr 2011 bei 29,7 Prozent (Männer: 27,6 Prozent / Frauen: 31,8 Prozent), bei den 45- bis unter 55-Jährigen waren es 37,2 Prozent (33,9 Prozent / 40,5 Prozent) und bei den 65-Jährigen und Älteren besaß 2011 rund die Hälfte aller Personen keinen berufsqualifizierenden Bildungsabschluss (49,5 Prozent). Wie bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund war auch hier der Unterschied zwischen den Geschlechtern besonders groß (Männer: 39,3 Prozent / Frauen: 58,8 Prozent).

Auch beim berufsqualifizierenden Bildungsabschluss kann die Bevölkerung mit Migrationshintergrund noch differenzierter betrachtet werden. So lag im Jahr 2011 der Anteil der 25- bis unter 65-Jährigen ohne Berufsabschluss bei den Personen mit eigener Migrationserfahrung bei 36,6 Prozent. Bei den Personen ohne eigene Migrationserfahrung lag der Anteil mit 24,3 Prozent deutlich niedriger. Innerhalb der Gruppe der 25- bis unter 65-jährigen Bevölkerung mit eigener Migrationserfahrung hatte fast jeder zweite Ausländer keinen Berufsabschluss (45,7 Prozent), bei den deutschen (Spät-)Aussiedlern dieser Gruppe war es gut jeder Fünfte (20,9 Prozent) und bei den Eingebürgerten mit eigener Migrationserfahrung knapp jeder Dritte (32,5 Prozent). Obwohl die 25- bis unter 65-jährigen Ausländer mit eigener Migrationserfahrung im Jahr 2011 nur einen Anteil von 9,8 Prozent an der gleichaltrigen Gesamtbevölkerung hatten, hatten sie einen Anteil von 31,2 Prozent an den insgesamt 6,42 Millionen 25- bis unter 65-jährigen Personen ohne Berufsabschluss.

Datenquelle

Statistisches Bundesamt: Statistisches Jahrbuch 2013, Zensus 2011, Mikrozensus, Schulen auf einen Blick

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Informationen zum "Bildungsstand der Bevölkerung" erhalten Sie hier...

Informationen zur "Bevölkerung mit Migrationshintergrund" erhalten Sie hier...

Zum Stichtag 9. Mai 2011 wurde in Deutschland nach 24 Jahren wieder eine Volkszählung und eine Gebäude- und Wohnungszählung durchgeführt, der Zensus 2011. Damit hat das wiedervereinigte Deutschland erstmals – nach den Volkszählungen in der Bundesrepublik 1987 und in der DDR 1981 – genaue Einwohnerzahlen und Daten zur Struktur der Bevölkerung zum Beispiel nach Alter, Staatsangehörigkeit, Geschlecht, Bildungsstand und Erwerbsbeteiligung erhalten.

Bei den hier dargestellten Daten konnten die Ergebnisse des Zensus 2011 (nach denen unter anderem die Zahl der Ausländer deutlich geringer ausfällt als bisher angenommen) jedoch nicht ausreichend berücksichtigt werden, da noch kein Zahlenmaterial in der erforderlichen Tiefe zur Verfügung stand. Die vorhandenen "Ergebnisse des Zensus 2011 zum Thema Bevölkerung nach Schul- und Berufsabschluss" erhalten Sie hier...

Der Mikrozensus ist eine repräsentative Haushaltsbefragung der amtlichen Statistik in Deutschland. Rund 830.000 Personen in etwa 370.000 privaten Haushalten und Gemeinschaftsunterkünften werden stellvertretend für die gesamte Bevölkerung zu ihren Lebensbedingungen befragt. Dies sind ein Prozent der Bevölkerung, die nach einem festgelegten statistischen Zufallsverfahren ausgewählt werden. Die Befragung ist absolut vertraulich und die Daten werden nur für statistische Zwecke verwendet.

Tabelle: Bevölkerung ohne Schul- bzw. Berufsabschluss

Anteil der Bevölkerung ohne Schulabschluss bzw. ohne berufsqualifizierenden Bildungsabschluss an der gleichaltrigen Bevölkerung in Prozent, 2011

im Alter von …
bis unter … Jahren
ohne Schulabschluss
insgesamt Männer Frauen
Bevölkerung
25-65 3,8 3,6 4,0
Personen ohne Migrationshintergrund
15-25 2,8 3,2 2,4
35-45 1,6 1,8 1,5
55-65 1,2 1,3 1,1
25-65 1,6 1,8 1,4
Personen mit Migrationshintergrund
15-25 5,2 5,3 5,1
35-45 12,7 11,4 13,9
55-65 18,3 15,3 21,1
25-65 13,1 11,5 14,6
Personen mit eigener Migrationserfahrung
25-65 14,0 12,4 15,4
Ausländer mit eigener Migrationserfahrung
25-65 20,0 17,3 22,6
deutsche (Spät-)Aussiedler
mit eigener Migrationserfahrung
25-65 3,6 3,8 3,3
Deutsche durch Einbürgerung
mit eigener Migrationserfahrung
25-65 11,0 10,5 11,5
Personen ohne eigene Migrationserfahrung
25-65 4,9 4,5 5,4

 


im Alter von …
bis unter … Jahren
ohne berufsqualifizierenden Bildungsabschluss
insgesamt Männer Frauen
Bevölkerung
25-65 14,3 12,2 16,4
Personen ohne Migrationshintergrund
25-35 8,9 9,3 8,6
45-55 9,0 7,1 10,9
65 und mehr 26,9 10,8 38,9
25-65 9,2 7,4 10,9
Personen mit Migrationshintergrund
25-35 29,7 27,6 31,8
45-55 37,2 33,9 40,5
65 und mehr 49,5 39,3 58,8
25-65 35,4 31,9 38,8
Personen mit eigener Migrationserfahrung
25-65 36,6 33,1 40,0
Ausländer mit eigener Migrationserfahrung
25-65 45,7 40,9 50,2
deutsche (Spät-)Aussiedler
mit eigener Migrationserfahrung
25-65 20,9 19,1 22,6
Deutsche durch Einbürgerung
mit eigener Migrationserfahrung
25-65 32,5 30,2 34,7
Personen ohne eigene Migrationserfahrung
25-65 24,3 23,0 26,1

Quelle: Statistisches Bundesamt: Mikrozensus

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