Bevölkerung nach Bildungsabschluss
10.11.2008
Es sind vor allem sozioökonomische Faktoren, die die Bildungsunterschiede erklären. Insbesondere das Bildungsniveau der Eltern hat sehr großen Einfluss.
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Bezogen auf die allgemeine Schulausbildung verfügten im Jahr 2007 40,5 Prozent der über 15-Jährigen über einen Volks- bzw. Hauptschulabschluss – das entsprach 28,8 Millionen Personen. Der zweithäufigste Abschluss war mit 23,5 Prozent die Fachhochschul- bzw. Hochschulreife (16,8 Mio. Personen). Darauf folgten mit 20,8 Prozent die Personen, die über einen Realschul- oder einen gleichwertigen Abschluss verfügten (14,8 Mio.). Weitere 6,5 Prozent hatten die Polytechnische Oberschule, die allgemeine Schulform der DDR, abgeschlossen (4,7 Mio.) und 4,5 Prozent befanden sich noch in schulischer Ausbildung (3,2 Mio.). 3,3 Prozent der Personen besaßen gar keinen allgemeinen Schulabschluss (Männer: 3,1 Prozent; Frauen: 3,4 Prozent). Das entsprach mehr als 2,3 Millionen Personen.
In kaum einem anderen Staat der EU besitzt der Bildungsabschluss eine so große Bedeutung für die Erwerbstätigkeit wie in Deutschland. Vor diesem Hintergrund ist die hohe Zahl an Personen ohne allgemeinen Schulabschluss problematisch. Im Jahr 2006 verließen rund 76.000 Jugendliche die allgemeinbildenden Schulen ohne Hauptschulabschluss. Das waren 7,8 Prozent der insgesamt 969.000 Absolventen (Ostdeutschland: 9,6 Prozent; Westdeutschland: 7,4 Prozent). Da jedoch fast die Hälfte der Jugendlichen ohne Abschluss den Hauptschulabschluss nachträglich an einer beruflichen Schule oder einer anderen Bildungseinrichtung erhält, bleiben bei den jüngeren Jahrgängen letztlich weniger als 4 Prozent ohne Schulabschluss. Bei Migranten, die ausschließlich in Deutschland zur Schule gegangen sind und das deutsche Schulsystem vollständig durchlaufen haben, blieben allerdings 6,5 Prozent ohne allgemeinen Schulabschluss – bei der einheimischen Bevölkerung lag der entsprechende Wert bei lediglich 1,5 Prozent.
Personen mit ausländischem Pass hatten im Schuljahr 2006/2007 mit 19,2 Prozent einen überdurchschnittlich hohen Anteil an allen Abgängern ohne Abschluss (ihr Anteil an allen Absolventen/Abgängern allgemeinbildender Schulen lag bei 9,0 Prozent). Insgesamt sinkt der Ausländeranteil mit steigendem Bildungslevel. Entsprechend lag der Anteil an den Absolventen mit Hochschulzugangsberechtigung im Schuljahr 2006/2007 bei lediglich 3,6 Prozent.
Allerdings sind nicht alle Personen nichtdeutscher Herkunft hinsichtlich der erreichten Schulabschlüsse als benachteiligt anzusehen. Nach Angaben des Bildungsberichts 2008 erreichten beispielsweise die 18- bis unter 21-Jährigen aus den EU-Staaten, Ostasien und den USA signifikant häufiger die Hochschulreife als deutsche Jugendliche – bei den Jugendlichen aus den EU-Staaten waren es sogar mehr als zweimal so viele. Jugendliche aus der Türkei, Italien sowie den Staaten der ehemaligen Sowjetunion erreichen hingegen weniger als halb so oft die Hochschulreife wie Deutsche.
Es sind vor allem sozioökonomische Faktoren, die diese Unterschiede erklären. Insbesondere das Bildungsniveau der Eltern hat sehr großen Einfluss auf den Bildungsabschluss der Kinder: Hat die Familienbezugsperson anstelle des Hauptschulabschlusses ohne Berufsausbildung etwa einen Fachhochschul- oder Hochschulabschluss, ergibt sich für den Jugendlichen eine etwa dreimal so hohe Chance, im Alter von 18 bis unter 21 Jahren einen zur Hochschulreife führenden Bildungsgang zu besuchen bzw. erfolgreich beendet zu haben (Verhältnis 2,8 : 1). Eine bessere ökonomische Situation in der Familie verbessert ebenfalls die Chance auf den Erwerb des Abiturs: Jugendliche aus Familien mit geringerem Einkommen erwerben selbst bei gleicher beruflicher Stellung und gleichem Bildungsabschluss der Eltern seltener das Abitur. Werden die sozioökonomischen Lebensverhältnisse bei der Interpretation der Unterschiede zwischen den Nationalitäten berücksichtigt, relativieren sich diese nahezu vollständig.
Bei den beruflichen Bildungsabschlüssen dominiert die Lehr- bzw. Anlernausbildung. Im Jahr 2007 verfügte mit 50,8 Prozent mehr als die Hälfte der 70,8 Millionen Personen, die Angaben zum beruflichen Bildungsabschluss machten, über eine Lehr- bzw. Anlernausbildung. Dieser hohe Anteil resultiert vor allem aus der Offenheit dieser Ausbildungsart für Abgänger aller Schulformen. Mit 20,9 Millionen Personen und einem Anteil von 29,4 Prozent war die zweitgrößte Gruppe die ohne beruflichen Bildungsabschluss (Männer: 24,2 Prozent; Frauen: 34,3 Prozent).
Weiter hatten im Jahr 2007 6,8 bzw. 4,5 Prozent der über 15-Jährigen einen Hochschul- bzw. Fachhochschulabschluss. 5,6 Prozent verfügten über einen Fachschulabschluss und bei 0,9 Prozent war die Promotion der höchste berufliche Bildungsabschluss. Bei allen vier Bildungsabschlüssen lag im Jahr 2007 der Anteil der männlichen über dem der weiblichen Personen. Während der Frauenanteil beim Hochschulabschluss 46,3 Prozent erreichte, lag er beim Fachschul- bzw. Fachhochschulabschluss bei nur 34,0 bzw. 34,8 Prozent. Mit 29,4 Prozent war der Frauenanteil bei den abgeschlossenen Promotionen am niedrigsten.
Allerdings bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen. So lag beispielsweise der Frauenanteil bei den 30 bis unter 35-Jährigen mit Fachschul- bzw. Fachhochschulabschluss bei 44,1 bzw. 42,0 Prozent. Auch an den promovierten Personen dieser Altergruppe hatten die Frauen einen Anteil von 44,6 Prozent. Bei den 30 bis unter 35-Jährigen mit Hochschulabschluss lag der Frauenanteil sogar bei 53 Prozent.
Datenquelle
Statistisches Bundesamt: »Mikrozensus«; »Bildung in Deutschland 2008«, »W. Bertelsmann Verlag«
Tabelle: Bevölkerung nach Bildungsabschluss
Personen im Alter von 15 Jahren und mehr, in absoluten Zahlen und Anteile in Prozent, 2007
| Personen, in Tsd. |
Anteile, in Prozent |
|
| insgesamt | 71.194 | – |
| allgemeine Schulausbildung | ||
| Personen mit Angabe zur allgemeinen Schulausbildung | 70.932 | 100,0 |
| noch in schulischer Ausbildung | 3.233 | 4,5 |
| Volks-/Hauptschulabschluss | 28.815 | 40,5 |
| Abschluss der polytechnischen Oberschule | 4.653 | 6,5 |
| Realschul- oder gleichwertiger Abschluss | 14.834 | 20,8 |
| Fachhochschul-/Hochschulreife | 16.764 | 23,5 |
| ohne Angabe zur Art des Abschlusses | 316 | 0,4 |
| ohne allgemeinen Schulabschluss | 2.318 | 3,3 |
| beruflicher Bildungsabschluss | ||
| Personen mit Angabe zum beruflichen Bildungsabschluss | 70.822 | 100,0 |
| Lehr-/Anlernausbildung* | 36.167 | 50,8 |
| Fachschulabschluss** | 3.987 | 5,6 |
| Fachschulabschluss in der ehemaligen DDR |
829 | 1,2 |
| Fachhochschulabschluss*** | 3.223 | 4,5 |
| Hochschulabschluss**** | 4.844 | 6,8 |
| Promotion | 676 | 0,9 |
| ohne Angabe zur Art des Abschlusses | 171 | 0,2 |
| ohne beruflichen Bildungsabschluss | 20.925 | 29,4 |
* einschließlich eines gleichwertigen Berufsfachschulabschlusses, Berufsvorbereitungsjahres oder eines beruflichen Praktikums
** einschließlich einer Meister-/Technikerausbildung sowie Abschluss einer Schule des Gesundheitswesens
*** einschließlich Ingenieurschulabschluss sowie einschließlich Verwaltungsfachhochschulabschluss
**** einschließlich Lehrerausbildung
Quelle: Statistisches Bundesamt: Mikrozensus
