Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

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25.1.2014

Bildungsausgaben

Zwischen 1995 und 2010 erhöhte sich das Bildungsbudget um 47,0 Milliarden Euro beziehungsweise um 37,5 Prozent. Trotz dieser Steigerung hat sich das Budget im Vergleich zur wirtschaftlichen Entwicklung nur wenig erhöht.

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Fakten

Da die Ausgaben für Bildung die individuelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung beeinflussen, ist die Ausstattung des Bildungswesens mit Finanzmitteln, deren Verteilung auf die einzelnen Bildungsbereiche und deren Finanzierung durch Bund, Länder, Gemeinden und den privaten Bereich immer wieder Teil der bildungspolitischen Diskussion. Die gesamten öffentlichen und privaten Bildungsaufwendungen in Deutschland werden im sogenannten Bildungsbudget abgebildet, das jährlich vom Statistischen Bundesamt erstellt wird. Im Jahr 2010 betrugen die Ausgaben im Rahmen des Bildungsbudgets 172,4 Milliarden Euro (2011: 178,1 Mrd. Euro). Davon entfielen 34,9 Prozent auf allgemeinbildende Bildungsgänge, 6,1 Prozent auf die betriebliche Ausbildung im Dualen System und 5,0 Prozent auf berufliche Bildungsgänge. Der Elementarbereich – Kindergärten, Vorschulklassen, Schulkindergärten – hatte einen Anteil von 8,8 Prozent. 18,9 Prozent entfielen auf den Tertiärbereich, also auf Universitäten und Fachhochschulen, Fachschulen, Fachakademien, Berufsakademien, Schulen des Gesundheitswesens im Tertiärbereich, Studentenwerke sowie auf Forschung und Entwicklung an Hochschulen.

Zwischen 1995 und 2010 erhöhte sich das Bildungsbudget um 47,0 Milliarden Euro beziehungsweise um 37,5 Prozent. Trotz dieser Steigerung hat sich das Budget im Vergleich zur wirtschaftlichen Entwicklung nur wenig erhöht: 1995 entsprachen die Bildungsausgaben 6,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), 2010 und 2011 waren es jeweils 6,9 Prozent. Dabei verlief die Entwicklung in den einzelnen Bildungsbereichen zum Teil sehr unterschiedlich. Während sich beispielsweise die Ausgaben im Elementarbereich sowie für Forschung und Entwicklung an Hochschulen zwischen 1995 und 2010 um 65,9 beziehungsweise 71,6 Prozent erhöhten, nahmen die Ausgaben im Bereich der betrieblichen Ausbildung im Dualen System im selben Zeitraum um lediglich 1,9 Prozent zu. Die Förderung von non-formalen Weiterbildungsmaßnahmen reduzierte sich sogar um fast 80 Prozent von 5,3 auf 1,1 Milliarden Euro.

Das deutsche Bildungswesen ist im Schul- und Hochschulbereich durch eine öffentliche Finanzierungsstruktur geprägt. Im Elementarbereich, in der beruflichen Bildung und in der Weiterbildung sind Unternehmen, private Haushalte und private Organisationen ohne Erwerbszweck traditionell stärker an der Finanzierung beteiligt. Rund vier Fünftel der gesamten Bildungsausgaben wurden 2010 von Bund, Ländern und Gemeinden aufgebracht (zusammen 79,5 Prozent), das restliche Fünftel vom privaten Bereich (20,1 Prozent) sowie vom Ausland (0,3 Prozent). Der Bund finanziert, verteilt über alle Bildungsbereiche, 12,5 Prozent der Bildungsausgaben, auf die Länder entfallen 52,2 Prozent, auf die Gemeinden 14,8 Prozent.

Datenquelle

Statistisches Bundesamt: Bildungsausgaben. Budget für Bildung, Forschung und Wissenschaft 2010/2011

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Das Bildungsbudget fasst als Gesamtrechnungssystem die Ausgaben für Bildung zusammen und beinhaltet die Finanzierungsbeiträge der öffentlichen Haushalte (Bund, Länder, Gemeinden), des privaten Bereichs (Unternehmen, private Haushalte, private Organisationen ohne Erwerbszweck) sowie des Auslands.

Das Bildungsbudget besteht aus einem international abgegrenzten Teilbereich und aus zusätzlichen bildungsrelevanten Ausgaben in nationaler Abgrenzung.

Die Ausgaben für das Bildungsbudget in internationaler Abgrenzung stellen mit Abstand den größten Posten des Gesamtbudgets dar. Sie umfassen die Ausgaben für das formale Bildungssystem. Dazu zählen:
  • direkte Ausgaben für Bildungseinrichtungen – also Kindergärten, Schulen, Ausbildungsbetriebe, Hochschulen (darunter Ausgaben in den Bereichen Personal, Lehr-/Lernmittel, Heizung, Elektrizität, Reinigung, Erhaltung und Bau von Gebäuden sowie Ausgaben an Hochschulen für Forschung und Entwicklung),
  • Ausgaben für Bildungsdienste und Güter außerhalb von Bildungseinrichtungen (darunter Ausgaben der Bildungsteilnehmenden zum Beispiel für Nachhilfeunterricht, Anschaffung von Taschenrechnern, Büchern, Schreibwaren),
  • Ausgaben für die Förderung der Teilnehmenden an formalen Bildungsprogrammen (zum Beispiel BAföG, Kindergeld für volljährige Bildungsteilnehmende).
Die Abgrenzung des internationalen Teils orientiert sich an der internationalen Standardklassifikation des Bildungswesens (ISCED). Weitere Informationen zur ISCED erhalten Sie zum Beispiel bei der Europäischen Kommission.

Ergänzend zum internationalen Teil werden in das Bildungsbudget auch zusätzliche Ausgaben in nationaler Abgrenzung einbezogen. Sie umfassen Ausgaben für non-formale Bildungseinrichtungen wie die Ausgaben für Krippen und Horte, betriebliche Weiterbildung, Volkshochschulen, Einrichtungen der Lehrerfortbildung, Einrichtungen der Jugendarbeit. Zudem wird auch für den non-formalen Teilbereich des Bildungsbudgets die Förderung von Teilnehmenden an Weiterbildungsmaßnahmen erfasst.

Bei der Analyse der Ausgaben wird zwischen der Durchführungs- und Finanzierungsbetrachtung unterschieden. Bei der Durchführungsbetrachtung wird danach gefragt, welcher Bereich die Bildungs-, Forschungs- und Wissenschaftsleistungen erbringt. Bei der Finanzierungsbetrachtung geht es darum, wer die Ausgaben für Bildung, Forschung und Wissenschaft finanziert.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung), soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden. Das BIP ist gegenwärtig das wichtigste gesamtwirtschaftliche Produktionsmaß.

Tabelle: Bildungsausgaben nach Bildungsbereichen

In absoluten Zahlen und Anteile am Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Prozent, 1995, 2010 und 2011

in Mrd. Euro Anteile am BIP, in Prozent
1995 2010 2011 1995 2010 2011
Bildungsbudget insgesamt 125,4 172,4 178,1 6,8 6,9 6,9
Bildungsbudget in internationaler Abgrenzung1 103,9 151,5 157,1 5,6 6,1 6,1
davon:
Ausgaben für Bildungseinrichtungen in öffentlicher und privater Trägerschaft 94,8 131,6 137,0 5,1 5,3 5,3
davon:
ISCED 0 – Elementarbereich2 9,1 15,1 0,5 0,6
ISCED 1-4 – Schulen und schulnaher Bereich 63,2 81,7 3,4 3,3
darunter:
allgemeinbildende Bildungsgänge 45,9 60,2 2,5 2,4
berufliche Bildungsgänge3 5,4 8,6 0,3 0,3
betriebliche Ausbildung im Dualen System4 10,4 10,6 0,6 0,4
ISCED 5/6 – Tertiärbereich5 20,5 32,6 1,1 1,3
darunter:
Forschung und Entwicklung an Hochschulen 7,4 12,7 0,4 0,5
sonstige (keiner ISCED-Stufe zugeordnet)6 1,9 2,2 0,1 0,1
Ausgaben privater Haushalte für Bildungsgüter und -dienste außerhalb von Bildungseinrichtungen 4,3 5,6 5,6 0,2 0,2 0,2
Ausgaben für die Förderung von Bildungsteilnehmenden in ISCED-Bildungsgängen 4,9 14,3 14,4 0,3 0,6 0,6
 
zusätzliche bildungsrelevante Ausgaben in nationaler Abgrenzung 21,5 21,0 20,9 1,2 0,8 0,8
davon:
betriebliche Weiterbildung7 8,9 10,0 10,2 0,5 0,4 0,4
Ausgaben für weitere Bildungsangebote 7,3 9,9 9,8 0,4 0,4 0,4
davon:
Krippen und Horte in öffentlicher und
privater Trägerschaft
2,7 5,2 0,1 0,2
Einrichtungen der Jugendarbeit 1,3 1,7 0,1 0,1
Lehrerfortbildung 0,0 0,1 0,0 0,0
Volkshochschule 0,8 1,0 0,0 0,0
Bildungseinrichtungen der Tarifparteien, Kammern, Verbände 2,5 1,9 0,1 0,1
Förderung von Teilnehmenden an Weiterbildung8 5,3 1,1 1,0 0,3 0,0 0,0

1 abgegrenzt nach ISCED (International Standard Classification for Education)
2 Kindergärten, Vorschulklassen, Schulkindergärten
3 ohne Fachschulen, Fachakademien, Berufsakademien, Schulen des Gesundheitswesens im Tertiärbereich.
4 Ausgaben der betrieblichen, überbetrieblichen und außerbetrieblichen Ausbildung im dualen System ohne Berufsschulen, einschließlich ausbildungsrelevanter Zuschüsse der Bundesagentur für Arbeit.
5 ohne Ausgaben für die Krankenbehandlung, einschl. Ausgaben für Fachschulen, Fachakademien, Berufsakademien, Schulen des Gesundheitswesens im Tertiärbereich, Forschung und Entwicklung an Hochschulen, Studentenwerke.
6 Ausgaben sind den einzelnen ISCED-Stufen nicht zuzuordnen (einschließlich geschätzte Ausgaben für die Beamtenausbildung,Serviceleistungen der öffentlichen Verwaltung sowie Studienseminare).
7 Schätzung der Kosten für interne und externe Weiterbildung (ohne Personalkosten der Teilnehmenden) auf der Basis der Erwerbstätigen (ohne Auszubildende) laut Mikrozensus und der durchschnittlichen Weiterbildungskosten je Beschäftigten laut der Europäischen Erhebung zur beruflichen Weiterbildung (CVTS). Eventuelle Doppelzählungen bei externen Weiterbildungsmaßnahmen (z.B. in Hochschulen) konnten nicht bereinigt werden.
8 Zahlungen der Bundesagentur für Arbeit an Teilnehmende an beruflicher Weiterbildung; eventuelle Doppelzählungen (duale Ausbildung, Weiterbildung) konnten nicht bereinigt werden.


Quelle: Statistisches Bundesamt: Bildungsausgaben. Budget für Bildung, Forschung und Wissenschaft 2010/2011

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