Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Entwicklung der Erwerbstätigkeit

1.7.2013
Seit 2005 hat sich die Erwerbstätigenzahl Jahr für Jahr erhöht. 2008 lag sie das erste Mal bei mehr als 40 Millionen, 2011 das erste Mal bei mehr als 41 Millionen. 2012 erreichte die Erwerbstätigenzahl mit 41,61 Millionen ihren bisherigen Höchststand.

Entwicklung der ErwerbstätigkeitKlicken Sie auf die Grafik, um das PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten



In Westdeutschland stieg die Zahl der Erwerbstätigen zwischen 1950 und 1990 von 19,6 auf 30,4 Millionen beziehungsweise um 55,4 Prozent. Die Steigerung lag damit deutlich über dem Bevölkerungswachstum, das in diesem Zeitraum bei 25,1 Prozent lag – der Anteil der Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkerung hat sich also im Laufe der Zeit erhöht. Dabei verlief der Anstieg der Erwerbstätigenzahl wellenförmig, das heißt, dass es in diesem langen Zeitraum immer wieder Phasen mit rückläufigen Erwerbstätigenzahlen gab.

Im wiedervereinigten Deutschland ging die Zahl der Erwerbstätigen zunächst zurück. Zwischen 1991 und 1994 sank sie von 38,7 auf 37,7 Millionen. Nach einer Phase der Stagnation stieg die Zahl der Erwerbstätigen mit Arbeitsort in Deutschland zwischen 1997 und 2001 von 37,7 auf 39,5 Millionen. 2003 und 2005 fiel die Erwerbstätigenzahl zwar nochmals leicht unter die 39-Millionen-Grenze, seit 2005 erhöhte sich die Zahl jedoch Jahr für Jahr. 2008 lag sie das erste Mal bei mehr als 40 Millionen, 2011 das erste Mal bei mehr als 41 Millionen. 2012 erreichte die Erwerbstätigenzahl mit 41,61 Millionen ihren bisherigen Höchststand.

Im Zeitraum 2005 bis 2012 ist die Erwerbstätigenzahl in allen Bundesländern gestiegen. Trotzdem bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Relativ am stärksten stieg die Zahl der Erwerbstätigen in Berlin (plus 13,3 Prozent), Hamburg (plus 11,0 Prozent), Bayern (plus 9,2 Prozent) und Niedersachsen (plus 8,2 Prozent). Am niedrigsten war der Anstieg in Sachsen-Anhalt (plus 1,5 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (plus 1,8 Prozent), dem Saarland (plus 2,2 Prozent) sowie in Thüringen (plus 3,7 Prozent). In Westdeutschland stieg die Erwerbstätigenzahl zwischen 2005 und 2012 um 7,0 Prozent, in Ostdeutschland (ohne Berlin) waren es hingegen nur 3,6 Prozent (mit Berlin 5,7 Prozent). Deutschlandweit erhöhte sich die Zahl der Erwerbstätigen zwischen 2005 und 2012 um 6,8 Prozent. Das Wachstum der geleisteten Arbeitsstunden der Erwerbstätigen (am Arbeitsort) in Deutschland fiel im selben Zeitraum mit 4,2 Prozent jedoch schwächer aus. Die Erwerbstätigen arbeiteten also im Jahr 2012 im Durchschnitt weniger Stunden als im Jahr 2005. Dies hat auch damit zu tun, dass der Anteil atypischer Beschäftigungsverhältnisse – darunter Teilzeitbeschäftigung, befristete Arbeitsverhältnisse und Leiharbeit – in den letzten Jahren gestiegen und der Anteil der Normalarbeitsverhältnisse gesunken ist.

Auch in den einzelnen Wirtschaftsbereichen hat sich die Erwerbstätigenzahl sehr unterschiedlich entwickelt. Im Bereich "Land- und Forstwirtschaft, Fischerei" ging sie zwischen 2005 und 2012 um 0,7 Prozent zurück und im Produzierenden Gewerbe fiel der Zuwachs mit 1,2 Prozent gering aus. Auch in dem Bereich "Handel, Gastgewerbe und Verkehr" (plus 4,9 Prozent), im Baugewerbe (plus 5,5 Prozent) und in den "übrigen Dienstleistungsbereichen" (plus 5,6 Prozent) lag der Zuwachs unter dem Durchschnitt (6,8 Prozent). Lediglich im Bereich "Unternehmensdienstleister" ist die Zahl der Erwerbstätigen mit einem Plus von 26,7 Prozent in den Jahren 2005 bis 2012 überdurchschnittlich stark gestiegen und damit allein für den Gesamtzuwachs verantwortlich.

Ein Vergleich der Entwicklung der Erwerbstätigenzahl mit der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zeigt, dass Wirtschaftswachstum eine notwendige Bedingung für die Steigerung der Erwerbstätigenzahl ist. Allerdings gilt für den Zeitraum 1991 bis 2012, dass das reale Wachstum des BIP länger als ein Jahr bei rund zwei Prozent oder höher liegen muss, damit eine nennenswerte Erhöhung der Erwerbstätigenzahl erfolgt. Die Zunahme der Erwerbstätigenzahl setzt dabei teilweise mit einjähriger Verzögerung ein. Zuletzt erhöhte sich das reale BIP in den Jahren 2010/2011 um 4,2 beziehungsweise 3,0 Prozent, das Wachstum der Erwerbstätigenzahl folgte 2011/2012 mit 1,4 beziehungsweise 1,1 Prozent.

Datenquelle



Statistisches Bundesamt: www.destatis.de; Statistische Ämter des Bundes und der Länder: www.statistik-portal.de; Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB): Daten zur kurzfristigen Entwicklung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt 03/2013

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Zu den Erwerbstätigen zählen in den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) alle Personen, die als Arbeitnehmer (Arbeiter, Angestellte, Beamte, geringfügig Beschäftigte, Soldaten) oder als Selbstständige beziehungsweise als mithelfende Familienangehörige eine auf wirtschaftlichen Erwerb gerichtete Tätigkeit ausüben beziehungsweise in einem Arbeits- oder Dienstverhältnis stehen. Die Zuordnung zu den Erwerbstätigen erfolgt dabei unabhängig von der Dauer der tatsächlich geleisteten oder vertragsmäßig zu leistenden Arbeitszeit. Auch ist nicht von Bedeutung, ob aus der Erwerbstätigkeit der überwiegende Lebensunterhalt bestritten wird. Personen mit mehreren gleichzeitigen Beschäftigungsverhältnissen werden nur einmal mit ihrer Haupterwerbstätigkeit erfasst (Personenkonzept). Je nach Verwendungszweck werden die Erwerbstätigen mit Wohnsitz in Deutschland (Inländerkonzept) oder mit Arbeitsort in Deutschland (Inlandskonzept) dargestellt.

Informationen zu den "Abweichungen zwischen Erwerbstätigenrechnung (im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen) und Mikrozensus bei der Zahl der Erwerbstätigen" erhalten Sie »hier...«

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung), soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden. Das BIP ist gegenwärtig das wichtigste gesamtwirtschaftliche Produktionsmaß.

Tabelle: Erwerbstätigkeit



Erwerbstätige mit Arbeitsort in Deutschland (Inlandskonzept) in absoluten Zahlen, 1950 bis 2012*

  Erwerbstätige, in Tsd. Veränderung gegenüber dem Vorjahr, in Prozent
Westdeutschland
1950 19.570 -
1955 22.500 -
1960 26.063 -
1965 26.755 -
1970 26.589 -
1975 26.248 -
1980 27.420 -
1985 27.608 -
1990 30.409 -
  Deutschland
1991 38.712 -
1992 38.183 -1,4
1993 37.695 -1,3
1994 37.667 -0,1
1995 37.802 0,4
1996 37.772 -0,1
1997 37.716 -0,1
1998 38.148 1,1
1999 38.721 1,5
2000 39.382 1,7
2001 39.485 0,3
2002 39.257 -0,6
2003 38.918 -0,9
2004 39.034 0,3
2005 38.976 -0,1
2006 39.192 0,6
2007 39.857 1,7
2008 40.348 1,2
2009 40.370 0,1
2010 40.603 0,6
2011 41.164 1,4
2012 41.613 1,1

* Jahresdurchschnittswerte

Quelle: Statistisches Bundesamt: www.destatis.de; Statistische Ämter des Bundes und der Länder: www.statistik-portal.de

 


Erwerbstätigkeit



Anteile an allen Erwerbstätigen in Prozent, 1991 bis 2012*

  Westdeutschland Ostdeutschland
1991 78,1 21,9
1992 80,0 20,0
1993 80,2 19,8
1994 79,8 20,2
1995 79,5 20,5
1996 79,7 20,3
1997 79,9 20,1
1998 80,2 19,8
1999 80,4 19,6
2000 80,9 19,1
2001 81,2 18,8
2002 81,4 18,6
2003 81,5 18,5
2004 81,5 18,5
2005 81,6 18,4
2006 81,6 18,4
2007 81,6 18,4
2008 81,6 18,4
2009 81,6 18,4
2010 81,5 18,5
2011 81,7 18,3
2012 81,8 18,2

* Jahresdurchschnittswerte

Quelle: Statistisches Bundesamt: www.destatis.de; Statistische Ämter des Bundes und der Länder: www.statistik-portal.de


Creative Commons License Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/de/

counter
 
zum Fragebogen >

Ihre Meinung ist uns wichtig


Vielen Dank für Ihren Besuch von bpb.de!

Wir wollen unseren Internetauftritt verbessern - und zwar mit Ihrer Hilfe. Dazu laden wir Sie herzlich zu einer kurzen Befragung ein. Sie dauert etwa 10-12 Minuten. Die Befragung führt das unabhängige Marktforschungsinstitut SKOPOS für uns durch.

Bitte unterstützen Sie uns mit Ihrer Teilnahme. Ihre Meinung ist uns sehr wichtig!

Ihre Bundeszentrale für politische Bildung

Information zum Datenschutz und zur Datensicherheit


Als unabhängiges Marktforschungsinstitut führt SKOPOS Institut für Markt- und Kommunikationsforschung GmbH & Co. KG im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung diese Befragung durch.

Zur Durchführung der Befragung erhebt SKOPOS Ihre IP-Adresse. Diese wird umgehend anonymisiert und getrennt von den Befragungsdaten verarbeitet, deshalb ist eine Identifizierung von Personen nicht möglich. Weitere personenbeziehbare oder personenbezogene Daten werden nicht erhoben.

Die Befragung entspricht den gesetzlichen Bestimmungen zum Datenschutz und den Richtlinien des Berufsverbandes Deutscher Markt- und Sozialforscher e.V. sowie der Europäischen Gesellschaft für Meinungs- und Marketingforschung. Es erfolgt keine Weitergabe an Dritte.

Weitere Informationen und Kontaktdaten finden Sie hier.