Entwicklung der Erwerbstätigkeit
10.11.2008
Die gute konjunkturelle Entwicklung ließ die Zahl der Erwerbstätigen bis zum vierten Quartal 2007 auf 40,38 Millionen steigen – das war der bisher höchste Quartalswert in der Geschichte der Bundesrepublik.
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Die Zahl der Erwerbstätigen hat von 1970 bis heute deutlich zugenommen. Für Westdeutschland lassen sich bis 1991 drei Phasen mit steigender Beschäftigung feststellen: Zwischen 1970 und 1973 stieg die Zahl der Erwerbstätigen von 26,59 auf 27,18 Millionen. Bis 1976 sank die Zahl um rund eine Million. Ein neuer Höchststand wurde mit rund 27,5 Millionen Erwerbstätigen in den Jahren 1980/81 erreicht. Bis 1983 reduzierte sich die Zahl der Erwerbstätigen um rund 450.000. Seitdem stieg sie kontinuierlich und lag 1991 bei knapp 31,3 Millionen.
Im wiedervereinigten Deutschland war die Zahl der Erwerbstätigen zunächst rückläufig. Zwischen 1991 und 1993 sank sie von 38,62 auf 37,56 Millionen. Nach einer Phase der Stagnation bis 1997 stieg die Zahl der Erwerbstätigen zwischen 1998 und 2001 auf 39,3 Millionen. Dem leichten Rückgang um 600.000 in den Jahren 2002 und 2003 folgte eine zögerliche Zunahme der Erwerbstätigenzahl seit 2004. 2006 lag das Jahresmittel bei 39,1 Millionen Erwerbstätigen.
Die gute konjunkturelle Entwicklung ließ die Zahl der Erwerbstätigen mit Arbeitsort in Deutschland bis zum vierten Quartal 2007 auf 40,38 Millionen steigen – das war der bisher höchste Quartalswert in der Geschichte der Bundesrepublik. Im ersten Quartal 2008 lag die Erwerbstätigenzahl saisonal bedingt etwas niedriger bei 39,82 Millionen.
Zwischen dem ersten Quartal 2006 und dem ersten Quartal 2008 stieg die Zahl der Erwerbstätigen um 1,4 Millionen Personen bzw. um 3,7 Prozent. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes entstanden allein im Dienstleistungsbereich 1,1 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze binnen zwei Jahren. Auch im Produzierenden Gewerbe (plus 218.000) und im Baugewerbe (plus 104.000) wurden in diesem Zeitraum nach zuvor jahrelangem Arbeitsplatzabbau kräftige Beschäftigungsgewinne erzielt.
Ein Vergleich der Erwerbstätigenzahlen mit der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts zeigt, dass steigendes Wirtschaftswachstum nicht zu einer Zunahme der Erwerbstätigenzahl führen muss. So stand beispielsweise dem Wirtschaftswachstum zwischen 1993 und 1997 kein Anstieg der Erwerbstätigkeitzahl gegenüber. Ökonomen gehen davon aus, dass das reale Wachstum des Bruttoinlandsprodukts erst eine bestimmte Höhe erreichen muss, bevor es zu einer Beschäftigungszunahme führt. In allen Perioden mit steigenden Erwerbstätigenzahlen lag das reale Wirtschaftswachstum bei 2 Prozent oder mehr. Die Zunahme der Erwerbstätigenzahl setzt dabei teilweise mit einjähriger Verzögerung ein bzw. geht über die Phase eines zunehmenden Bruttoinlandsprodukts hinaus. Einzelne Jahre mit größerem Wirtschaftswachstum reichen dabei nicht aus, eine entsprechende Zunahme an Erwerbstätigen zu generieren.
Datenquelle
Statistisches Bundesamt: »Pressemitteilungen«, »STATmagazin: Arbeitsmarkt«; Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB):
Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen
Erwerbstätige sind Personen im Alter von 15 Jahren und mehr, die im Berichtszeitraum wenigstens eine Stunde für Lohn oder sonstiges Entgelt einer beruflichen Tätigkeit nachgehen bzw. in einem Arbeitsverhältnis stehen (Arbeitnehmer einschließlich Soldaten sowie mithelfende Familienangehörige), selbstständig ein Gewerbe oder eine Landwirtschaft betreiben oder einen freien Beruf ausüben. Je nach Verwendungszweck werden die Erwerbstätigen mit Wohnsitz in Deutschland (Inländerkonzept) oder mit Arbeitsort in Deutschland (Inlandskonzept) dargestellt.
Die Zahl der Erwerbstätigen weicht von früheren Veröffentlichungen ab, da das Statistische Bundesamt – im Rahmen der letzten Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) – die Erwerbstätigenzahlen bis zum Jahr 1970 neu berechnet hat.
Tabelle: Entwicklung der Erwerbstätigkeit
Erwerbstätige mit Arbeitsort in Deutschland (Inlandskonzept) in absoluten Zahlen und Anteile in Prozent, 1970 bis 2007*
| Erwerbstätige, in Tsd. |
Veränderung gegenüber dem Vorjahr, in Prozent | |
| Westdeutschland | ||
| 1970 | 26.589 | – |
| 1975 | 26.248 | – |
| 1980 | 27.420 | – |
| 1985 | 27.608 | – |
| 1991 | 31.261 | – |
| Deutschland | ||
| 1991 | 38.621 | – |
| 1995 | 37.601 | – |
| 1999 | 38.424 | 1,4 |
| 2000 | 39.144 | 1,9 |
| 2001 | 39.316 | 0,4 |
| 2002 | 39.096 | -0,6 |
| 2003 | 38.726 | -0,9 |
| 2004 | 38.880 | 0,4 |
| 2005 | 38.846 | -0,1 |
| 2006 | 39.088 | 0,6 |
| 2007 | 39.765 | 1,7 |
| Anteile an allen Erwerbstätigen, in Prozent | ||
| Westdeutschland | Ostdeutschland | |
| 1991 | 78,1 | 21,9 |
| 1995 | 79,6 | 20,4 |
| 1999 | 80,5 | 19,5 |
| 2000 | 80,9 | 19,1 |
| 2001 | 81,2 | 18,8 |
| 2002 | 81,4 | 18,6 |
| 2003 | 81,5 | 18,5 |
| 2004 | 81,5 | 18,5 |
| 2005 | 81,6 | 18,4 |
| 2006 | 81,6 | 18,4 |
| 2007 | 81,6 | 18,4 |
* Jahresdurchschnittswerte
Quelle: Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung; Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB): Daten zur kurzfristigen Entwicklung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt 06/2008
