Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Erwerbstätige nach Wirtschaftszweigen

1.7.2013
Von den insgesamt 41,6 Millionen Erwerbstätigen im Jahr 2012 arbeiteten 18,8 Prozent im produzierenden Gewerbe. Lediglich 1,6 waren im Bereich Land- und Forstwirtschaft, Fischerei beschäftigt. Die Mehrheit der Erwerbstätigen – 73,7 Prozent – entfiel auf den Dienstleistungssektor.

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Fakten



Bei einer einfachen Klassifizierung wirtschaftlicher Tätigkeiten werden lediglich drei Sektoren unterschieden: Der primäre Sektor umfasst die Bereiche Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, der sekundäre Sektor das produzierende Gewerbe und der tertiäre Sektor den Dienstleistungsbereich sowie die übrigen Wirtschaftsbereiche. 1970 waren noch 8,4 Prozent aller Erwerbstätigen im primären Sektor tätig, 1990 lag der Anteil bei 3,5 Prozent und im Jahr 2012 waren es nur noch 1,6 Prozent. Auch der sekundäre Sektor hat an Bedeutung verloren: Entfielen 1970 noch 46,5 Prozent der Erwerbstätigen auf das produzierende Gewerbe, verringerte sich der Anteil bis 1990 kontinuierlich auf 36,6 Prozent. Im Jahr 2012 war nur noch knapp jeder vierte Erwerbstätige im sekundären Sektor tätig (24,7 Prozent). Entsprechend dieser Entwicklungen hat sich die Bedeutung des tertiären Sektors für die Beschäftigung stetig erhöht. Der Anteil der im tertiären Sektor Beschäftigten an allen Erwerbstätigen stieg von 45,1 Prozent 1970, über 59,9 Prozent im Jahr 1990, auf 73,7 Prozent 2012.

Von den insgesamt 41,61 Millionen Erwerbstätigen im Jahr 2012 arbeiteten 7,84 Millionen im produzierenden Gewerbe (ohne Baugewerbe) – das entspricht einem Anteil von 18,8 Prozent. Der wichtigste Bereich des produzierenden Gewerbes – das auch den Bergbau, die Energie- und Wasserversorgung sowie die Betriebe des produzierenden Handwerks umfasst – ist das verarbeitende Gewerbe mit 7,28 Millionen Erwerbstätigen (17,5 Prozent aller Erwerbstätigen). Im Baugewerbe waren im selben Jahr 2,46 Millionen Erwerbstätige beschäftigt (5,9 Prozent), im Bereich Land- und Forstwirtschaft, Fischerei waren es 671.000 (1,6 Prozent). Die Mehrheit der Erwerbstätigen – 30,65 Millionen – war 2012 im Dienstleistungssektor beschäftigt (73,7 Prozent). 9,57 Millionen Beschäftigte des tertiären Sektors arbeiteten dabei im Bereich Handel, Gastgewerbe und Verkehr (23,0 Prozent). 5,47 Millionen Erwerbstätige entfielen auf die Unternehmensdienstleister (13,1 Prozent). Die Dienstleistungsbereiche Information und Kommunikation (3,1 Prozent), Finanz- und Versicherungsdienstleister (2,9 Prozent) sowie Grundstücks- und Wohnungswesen (1,1 Prozent) spielten eine untergeordnete Rolle. Bei öffentlichen und sonstigen privaten Dienstleistern (zum Beispiel in den Bereichen Gesundheits- und Sozialwesen, öffentliche Verwaltung, Erziehung und Unterricht) arbeiteten 12,69 Millionen Erwerbstätige (30,5 Prozent).

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren Ende Juni 2011 28,38 Millionen Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Davon 13,03 Millionen Frauen und 15,36 Millionen Männer (45,9 bzw. 54,1 Prozent). Im Gegensatz zu dieser nahezu ausgeglichenen Verteilung ergeben sich bei einer sektoralen Betrachtung erhebliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Im primären Sektor hatten die Frauen im Jahr 2011 einen Anteil von 32,2 Prozent an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Von den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im sekundären Sektor waren 2011 lediglich 22,6 Prozent weiblich. Dabei lag der Frauenanteil in beschäftigungsstarken Wirtschaftszweigen wie dem Baugewerbe, dem Fahrzeug- und Maschinenbau mit 12,9, 15,6 und 15,8 Prozent nochmals deutlich niedriger. Allerdings gibt es auch Beispiele für beschäftigungsstarke Wirtschaftszweige des sekundären Sektors mit einem hohen Frauenanteil: Im Bereich Herstellung von Nahrung, Getränken und Tabakerzeugnissen stellten die knapp 319.000 Frauen 48,5 Prozent der im Jahr 2011 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.

Entsprechend des Anteils der Frauen im primären und sekundären Sektor hat der tertiäre Sektor die weitaus größte Bedeutung für die Frauen: Zum einen lag hier 2011 ihr Anteil an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit 56,3 Prozent deutlich bei mehr als der Hälfte, zum anderen entfielen 84,6 Prozent aller sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen auf den tertiären Sektor. In diesem Zusammenhang hat der Bereich Gesundheits- und Sozialwesen eine besondere Bedeutung innerhalb des Dienstleistungssektors: Von den 3,59 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Jahr 2011 waren 80,3 Prozent Frauen. Und auch beim Einzelhandel mit seinen 2,16 Millionen Beschäftigten lag der Anteil der Frauen mit 70,8 Prozent klar über dem Durchschnitt.

Der tertiäre Sektor fällt durch einen hohen Anteil an Teilzeitbeschäftigten auf: Gut jede vierte sozialversicherungspflichtig beschäftigte Person ging 2011 einer Teilzeitbeschäftigung nach (26,1 Prozent) – bei den Frauen lag dabei der Anteil mit 38,8 Prozent deutlich über dem Anteil der Männer mit 9,9 Prozent. Im primären Sektor waren hingegen nur 8,7 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Teilzeit beschäftigt (Frauen: 18,0 Prozent / Männer: 4,2 Prozent), beim sekundären Sektor waren es lediglich 6,2 Prozent (Frauen: 20,2 Prozent / Männer: 2,1 Prozent).

Bei den gemachten Angaben ist zu beachten, dass die Verteilung auf die verschiedenen Sektoren nicht immer mit der eigentlichen Tätigkeit eines Beschäftigten gleichgesetzt werden kann. So arbeiten Beschäftigte im produzierenden Gewerbe nicht notwendigerweise in der eigentlichen Produktion, sondern können auch in der kaufmännischen Abteilung eines Industriebetriebs tätig sein.

Datenquelle



Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB): Daten zur kurzfristigen Entwicklung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt 04/2013; Statistisches Bundesamt: www.destatis.de; Bundesagentur für Arbeit (BA): Arbeitsmarkt 2011

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Als Wirtschaftszweig oder Branche wird üblicherweise eine Zusammenfassung von Unternehmen beziehungsweise Betrieben bezeichnet, die sich hinsichtlich der ausgeübten wirtschaftlichen Tätigkeit, des Herstellungsverfahrens oder der hergestellten Produkte ähneln. Für statistische Zwecke wird die Vielfalt wirtschaftlicher Tätigkeiten ebenfalls über das Prinzip der Ähnlichkeit klassifiziert. Vom Statistischen Bundesamt wurde hierfür die »Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 2008 (WZ 2008)« entwickelt.

Weitere Informationen zur "Voll- und Teilzeitbeschäftigung" erhalten Sie hier...

Tabelle: Erwerbstätige nach Wirtschaftszweigen



Anteile in Prozent, Arbeitsort in Deutschland (Inlandskonzept), 1991 bis 2012

Land- und Forstwirtschaft, Fischerei produzierendes Gewerbe
(ohne Baugewerbe)
Bau-
gewerbe
Handel, Gastgewerbe und Verkehr Unter-
nehmens-
dienst-
leister
übrige Dienst-
leistungs-
bereiche
Anteil der Erwerbstätigen
im Dienst-leistungssektor an allen Erwerbstätigen,
in Prozent
Anteile an allen Erwerbstätigen,
in Prozent
1991 3,0 28,5 7,6 22,4 6,4 32,2 60,9
1992 2,7 26,7 8,0 22,7 6,6 33,3 62,6
1993 2,5 25,2 8,4 23,0 6,9 34,0 63,8
1994 2,4 24,0 8,8 22,9 7,2 34,6 64,8
1995 2,3 23,3 8,9 22,8 7,5 35,1 65,4
1996 2,1 22,7 8,7 22,9 7,9 35,6 66,5
1997 2,1 22,3 8,4 23,0 8,3 36,0 67,3
1998 2,1 22,1 8,0 23,1 8,7 36,1 67,8
1999 2,0 21,6 7,8 23,1 9,3 36,2 68,6
2000 1,9 21,3 7,4 23,3 9,7 36,3 69,4
2001 1,8 21,2 7,0 23,3 10,0 36,6 70,0
2002 1,8 20,9 6,6 23,4 10,2 37,2 70,7
2003 1,8 20,5 6,4 23,3 10,5 37,5 71,3
2004 1,8 20,2 6,2 23,5 10,8 37,6 71,9
2005 1,7 19,9 6,0 23,4 11,1 38,0 72,4
2006 1,6 19,6 5,9 23,3 11,5 38,0 72,8
2007 1,7 19,5 5,9 23,3 12,0 37,7 72,9
2008 1,7 19,6 5,8 23,2 12,3 37,4 72,9
2009 1,7 19,1 5,8 23,2 12,2 37,9 73,4
2010 1,6 18,7 5,9 23,1 12,6 38,1 73,8
2011 1,6 18,8 5,9 23,1 13,0 37,6 73,7
2012 1,6 18,8 5,9 23,0 13,1 37,5 73,7

Quelle: Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB): Daten zur kurzfristigen Entwicklung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt 04/2013


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