Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Unterbeschäftigung

3.6.2013
Die gesetzlich definierte Arbeitslosigkeit entspricht nicht in jeder Hinsicht der individuellen Wahrnehmung von Arbeitslosigkeit. Um diesen Unterschied auch statistisch zu erfassen, veröffentlicht die Bundesagentur für Arbeit zusätzlich zur Zahl der registrierten Arbeitslosen auch Daten zur sogenannten Unterbeschäftigung.

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Fakten



Die gesetzlich definierte Arbeitslosigkeit entspricht nicht in jeder Hinsicht der individuellen Wahrnehmung von Arbeitslosigkeit. Beispielsweise gelten Teilnehmer an Maßnahmen aktiver Arbeitsmarktpolitik aufgrund gesetzlicher Regelungen nicht als arbeitslos. Dieser Personenkreis wird jedoch von vielen als "arbeitslos" wahrgenommen. Um diesen Unterschied auch statistisch zu erfassen, veröffentlicht die Bundesagentur für Arbeit (BA) zusätzlich zur Zahl der Arbeitslosen auch Daten zur sogenannten Unterbeschäftigung in Deutschland. Diese enthält neben den registrierten Arbeitslosen auch Personen, die an bestimmten – aber nicht pauschal allen – Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik teilnehmen oder einen rechtlichen Sonderstatus aufweisen. Diese Personen befinden sich in unterschiedlicher Nähe zur gesetzlich definierten Arbeitslosigkeit. Ohne diese Regelungen würde die Zahl der Arbeitslosen entsprechend höher ausfallen.

Im Jahr 2011 machte die registrierte Arbeitslosigkeit 70,9 Prozent der Unterbeschäftigung aus (einschließlich Kurzarbeit). Entsprechend entfielen 29,1 der Unterbeschäftigung auf Personen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen. Für mehr als ein Viertel der Personen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen galten vorruhestands(ähnliche) Regelungen (27,5 Prozent), ein Fünftel nahm an Qualifizierungsmaßnahmen teil (20,2 Prozent) und 16,8 Prozent wurden am 2. Arbeitsmarkt gefördert (insbesondere "Arbeitsgelegenheiten"). 13,2 Prozent der Personen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen entfielen im Jahr 2011 auf den Bereich "Aktivierung und berufliche Eingliederung" (2011 ausschließlich Probebeschäftigung und Arbeitshilfe für behinderte Menschen nach § 46 SGB III), 11,1 Prozent hatten eine geförderte Selbständigkeit aufgenommen, 6,6 Prozent waren (kurzfristig) arbeitsunfähig und 4,5 Prozent entfielen auf den Bereich "Kurzarbeit" (Kurzarbeiter-Beschäftigtenäquivalent: Zahl der Kurzarbeiter multipliziert mit dem durchschnittlichen Arbeitszeitausfall).

Der Anteil Ostdeutschlands an den arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen lag im Jahr 2011 bei 29,9 beziehungsweise 30,1 Prozent (mit bzw. ohne Kurzarbeit), was in etwa dem Anteil an den registrierten Arbeitslosen entspricht (31,9 Prozent). Deutschlandweit erreichten Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung im Jahr 2011 den jeweils niedrigsten Stand seit 1991. Bezogen auf den hier betrachteten Zeitraum war die Zahl der Personen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen in den Jahren 2008 bis 2010 am höchsten. In dieser Zeit erhöhte sich der Anteil der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen an der Unterbeschäftigung auf rund ein Drittel, während er in den Jahren zuvor bei weniger als einem Viertel lag.

Während 2008 vorruhestands(ähnliche) Regelungen einen Anteil von 40,1 Prozent an den arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen hatten, fällt 2009 und 2010 die enorme Erhöhung des Anteils der Kurzarbeit auf: Während der Anteil im Durchschnitt der Jahre 2004 bis 2008 bei 3,7 Prozent lag, betrug er in den beiden Folgejahren 17,6 beziehungsweise 10,3 Prozent. Nicht zuletzt die globale Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 führte zur Ausweitung der Kurzarbeit von rund 46.000 im Jahr 2008 auf 320.937 im Jahr 2009 (jeweils Kurzarbeiter-Beschäftigtenäquivalent).

Datenquelle



Bundesagentur für Arbeit (BA): Arbeitsmarkt 2011, Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung 03/2012

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Arbeitslose sind nach § 16 SGB III Personen, die
- vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen oder nur eine weniger als 15 Stunden wöchentlich umfassende Beschäftigung ausüben,
- eine versicherungspflichtige, mindestens 15 Stunden wöchentlich umfassende Beschäftigung suchen,
- den Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters zur Verfügung stehen, also arbeitsfähig und -bereit sind,
- in der Bundesrepublik Deutschland wohnen,
- nicht jünger als 15 Jahre sind und die Altersgrenze für den Renteneintritt noch nicht erreicht haben,
- sich persönlich bei einer Agentur für Arbeit oder einem Jobcenter arbeitslos gemeldet haben.

Teilnehmer an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik gelten nicht als arbeitslos.

Arbeitsgelegenheiten gibt es in zwei unterschiedlichen Formen: der "Mehraufwandsvariante" und der "Entgeltvariante". Arbeitsgelegenheiten der Mehraufwandsvariante sind gemeinnützige Beschäftigungen, bei denen die teilnehmenden erwerbsfähigen Leistungsberechtigten zuzüglich zum Arbeitslosengeld II eine Mehraufwandsentschädigung in Höhe von ein bis zwei Euro je geleisteter Arbeitsstunde erhalten ("Ein-Euro-Jobs"). Arbeitsgelegenheiten sollen die Beschäftigungsfähigkeit sichern und durch eine sinnvolle Tätigkeit zur sozialen Integration in die Gesellschaft beitragen. Bei den Arbeitsgelegenheiten der Entgeltvariante handelt es sich um sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen (ohne Arbeitslosenversicherung), bei denen der Hilfebedürftige Arbeitsentgelt anstelle des ALG II erhält. Arbeitsgelegenheiten der Entgeltvariante müssen nicht im öffentlichen Interesse liegen, können also auch erwerbswirtschaftlich ausgerichtet sein.

Als Kurzarbeiter gelten sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer, bei denen wegen eines vorübergehenden Arbeitsausfalls mehr als 10 Prozent der betriebsüblichen Arbeitszeit ausfallen und die Anspruch auf Kurzarbeitergeld haben.

Im Gegensatz zu den Daten zur Unterbeschäftigung, die die Bundesagentur für Arbeit (BA) veröffentlicht, umfasst die sogenannte Stille Reserve, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) berechnet, weder Personen auf dem 2. Arbeitsmarkt noch Personen in geförderter Selbstständigkeit oder Personen in Kurzarbeit, da alle drei Personengruppen erwerbstätig sind. Weitere Informationen zur "Stillen Reserve" erhalten Sie hier...

Tabelle: Unterbeschäftigung



Komponenten der Unterbeschäftigung in absoluten Zahlen, 2004 bis 2011

2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
in Tsd.
Arbeitslose 4.381 4.861 4.487 3.760 3.258 3.415 3.238 2.976
Aktivierung und berufliche Eingliederung 122 83 84 81 82 171 225 161
Qualifizierung 258 149 146 149 200 271 275 247
Förderung von Beschäftigung am
2. Arbeitsmarkt
169 289 380 366 366 374 344 205
Förderung der Selbstständigkeit 234 323 305 245 180 145 154 136
vorruhestands(ähnliche) Regelungen 475 325 358 328 631 461 380 336
Arbeitsunfähigkeit 74 32 29 26 69 77 84 81
Kurzarbeit 74 63 35 36 46 321 168 55
arbeitsmarktpolitische Maßnahmen insgesamt 1.407 1.265 1.336 1.230 1.575 1.820 1.631 1.222
arbeitsmarktpolitische Maßnahmen insgesamt, ohne Kurzarbeit 1.333 1.202 1.301 1.194 1.529 1.499 1.463 1.167
Unterbeschäftigung insgesamt 5.789 6.126 5.823 4.990 4.833 5.234 4.869 4.198
Unterbeschäftigung insgesamt,
ohne Kurzarbeit
5.714 6.063 5.788 4.954 4.787 4.913 4.701 4.143

Quelle: Bundesagentur für Arbeit (BA): Arbeitsmarkt 2011


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