Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

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3.6.2013

Arbeitslosengeld

Das Arbeitslosengeld (ALG) ist eine beitragsfinanzierte und in der Dauer befristete Lohnersatzleistung. Die Zahl der Arbeitslosengeld-Empfänger ging in den Jahren 2005 bis 2011 stark zurück: Von 1,73 Millionen auf 829.193 Personen (minus 52,0 Prozent).

ArbeitslosengeldKlicken Sie auf die Grafik, um das PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten

Das Arbeitslosengeld (ALG) ist eine beitragsfinanzierte und in der Dauer befristete Lohnersatzleistung. Arbeitslose Arbeitnehmer haben Anspruch auf Arbeitslosengeld, wenn sie sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet und die Anwartschaftszeit erfüllt haben. Die Regelanwartschaftszeit ist erfüllt, wenn die arbeitslose Person in den letzten zwei Jahren vor der Arbeitslosmeldung mindestens zwölf Monate in einem Versicherungspflichtverhältnis gestanden hat. Die Dauer des Anspruchs auf Arbeitslosengeld richtet sich nach der Dauer der versicherungspflichtigen Beschäftigung und dem Lebensalter. Für die Höhe des Arbeitslosengeldes ist das vor Eintritt der Arbeitslosigkeit erzielte Arbeitsentgelt maßgeblich. Nicht alle ALG-Empfänger sind arbeitslos. Die rechtlichen Grundlagen für das ALG enthält das Dritte Buch Sozialgesetzbuch (SGB III).

Im Gegensatz zum ALG ist das Arbeitslosengeld II (ALG II) eine Grundsicherung für Arbeitsuchende. Arbeitslosengeld II können alle Personen erhalten, die erwerbsfähig und hilfebedürftig sind und die das 15. Lebensjahr vollendet und die von Jahrgang zu Jahrgang verschiedene Altersgrenze zwischen 65 und 67 Jahren (§ 7a SGB II) noch nicht erreicht haben. Arbeitslosengeld II wird aus Steuern finanziert, nicht aus der Arbeitslosenversicherung. Eine versicherungspflichtige Beschäftigung ist somit keine Voraussetzung für den Bezug. Und auch die Höhe der Leistung wird nicht vom vorherigen Arbeitseinkommen bestimmt. Die rechtlichen Grundlagen für das ALG II enthält das Zweite Buch Sozialgesetzbuch (SGB II).

Die Zahl der Arbeitslosengeld-Empfänger ging in den Jahren 2005 bis 2011 stark zurück: Von 1,73 Millionen auf 829.193 Personen (minus 52,0 Prozent). Dabei reduzierte sich die Zahl der arbeitslosen Arbeitslosengeldempfänger im selben Zeitraum von 1,43 Millionen auf 727.690 (minus 49,0 Prozent). Bei diesen Angaben ist zu beachten, dass es sich bei den Arbeitslosengeld-Empfängern nicht um eine statische Gruppe handelt: 2011 gab es insgesamt 2,42 Millionen Zugänge und für 2,53 Millionen Personen endete der Arbeitslosengeldbezug.

Von den 829.193 ALG-Empfängern im Jahr 2011 waren 54,6 Prozent männlich und 45,4 Prozent weiblich. Der Anteil der deutschen ALG-Empfänger lag im selben Jahr bei 89,6 Prozent (Westdt.: 87,1 Prozent / Ostdt.: 96,6 Prozent), der der Ausländer bei 10,4 Prozent (Westdt.: 12,8 Prozent / Ostdt.: 3,4 Prozent). Lediglich 1,0 Prozent der ALG-Empfänger waren jünger als 20 Jahre, 11,6 Prozent gehörten zur Gruppe der 20- bis unter 25-Jährigen. Die über 50- bis 55-Jährigen hatten einen Anteil von 10,8 Prozent an allen ALG-Empfängern, die über 55-Jährigen einen Anteil von 28,2 Prozent.

Eine Sonderrolle haben die sogenannten Aufstocker. Diese Personen erhalten zusätzlich zum Arbeitslosengeld auch Arbeitslosengeld II, da das Arbeitslosengeld nicht ausreicht, um den Bedarf der Bedarfsgemeinschaft zu decken. Das Arbeitslosengeld wird um die entsprechenden Leistungen des SGB II "aufgestockt". Die Aufstocker werden statistisch sowohl beim ALG als auch beim ALG II erfasst und lediglich bei der Summe der Leistungsempfänger herausgerechnet. 2011 lag die Zahl der Aufstocker bei 81.839. Im Jahr 2010 waren es noch 102.945 und 2009 120.718.

Datenquelle

Bundesagentur für Arbeit (BA): Analytikreport der Statistik 07/2012, Arbeitsstatistik 2011, SGB II – Jahresbericht 2011, Arbeitsmarkt 2011

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Weitere Informationen zu den Themen "Anwartschaftszeit für einen Anspruch auf Arbeitslosengeld / Anspruchsdauer / Höhe des Arbeitslosengeldes" erhalten Sie hier...

Weitere Informationen zum "Arbeitslosengeld II (ALG II)" erhalten Sie hier...

Informationen zur "Grundsicherung und zu den nicht erwerbsfähigen Hilfebedürftigen" erhalten Sie hier...

Personen sind arbeitslos, wenn sie
- nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen oder weniger als 15 Stunden pro Woche arbeiten,
- eine versicherungspflichtige zumutbare Beschäftigung suchen und dabei den Vermittlungsbemühungen zur Verfügung stehen und
- sich bei einer Agentur für Arbeit oder einem Jobcenter arbeitslos gemeldet haben.

Teilnehmer an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik gelten nicht als arbeitslos.

Aber nicht alle ALG-Empfänger sind arbeitslos: So wird Arbeitslosengeld beispielsweise als Leistungsfortzahlung bei Arbeitsunfähigkeit oder im Falle der Betreuung eines erkrankten Kindes gezahlt. Arbeitslosengeld wird auch an Personen gezahlt, die wegen einer mehr als 6-monatigen Leistungsminderung eine Beschäftigung nicht ausüben können und deren Erwerbsunfähigkeit vom Rentenversicherungsträger noch nicht festgestellt wurde. Auch während der Teilnahme an einer Maßnahme zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung wird Arbeitslosengeld gezahlt. Schließlich können auch Erwerbstätige, die 15 Wochenstunden oder mehr arbeiten, ALG beziehen, wenn sie eine andere, versicherungspflichtige Beschäftigung verloren haben.

Tabelle: Arbeitslosengeld und Arbeitslosengeld II

Leistungsempfänger in absoluten Zahlen und Leistungsempfängerquote in Prozent, 1994 bis 2011

  Leistungsempfänger* Arbeitslosengeldempfänger ALG II-/
Arbeitslosenhilfe-Empfänger**
Arbeitslose Leistungs-
empfänger-
quote,
in %***
insgesamt darunter
arbeitslos
insgesamt darunter
arbeitslos
insgesamt darunter
arbeitslos
1994 2.997.140 2.760.838 1.989.483 1.802.455 987.852 938.803 3.698.057 74,7
1995 2.873.641 2.618.103 1.851.440 1.653.485 1.021.002 963.427 3.611.921 72,5
1996 3.216.814 2.936.092 2.068.057 1.860.168 1.148.616 1.075.784 3.965.064 74,0
1997 3.648.695 3.309.925 2.240.743 2.005.379 1.407.949 1.304.542 4.384.456 75,5
1998 3.491.233 3.190.429 1.987.180 1.788.714 1.504.052 1.401.715 4.280.630 74,5
1999 3.323.406 3.031.005 1.828.729 1.648.818 1.494.677 1.382.187 4.100.499 73,9
2000 3.151.239 2.855.760 1.694.576 1.518.852 1.456.663 1.336.908 3.889.695 73,4
2001 3.202.013 2.868.993 1.724.543 1.527.249 1.477.471 1.341.744 3.852.564 74,5
2002 3.590.800 3.180.133 1.898.585 1.668.849 1.692.215 1.511.284 4.061.345 78,3
2003 3.913.522 3.450.116 1.919.078 1.658.216 1.994.444 1.791.899 4.376.795 78,8
2004 4.038.821 3.477.244 1.844.943 1.534.322 2.193.878 1.942.922 4.381.281 79,4
2005 6.562.978 4.016.520 1.728.045 1.427.514 4.981.748 2.725.846 4.860.909 82,6
2006 6.701.599 3.684.381 1.445.224 1.123.542 5.392.166 2.685.391 4.487.305 82,1
2007 6.246.171 3.131.114 1.079.941 769.299 5.277.556 2.445.672 3.760.076 83,3
2008 5.824.531 2.807.026 916.989 700.603 5.011.438 2.185.352 3.258.453 86,1
2009 5.925.812 3.018.157 1.140.982 967.302 4.909.085 2.147.459 3.414.531 88,4
2010 5.812.032 2.872.248 1.023.666 880.021 4.894.219 2.073.251 3.238.421 88,7
2011 5.359.563 2.653.543 829.193 727.690 4.615.057 1.992.069 2.975.823 89,2

* bis 1997 mit Eingliederungsgeld, aber durchgängig ohne Eingliederungshilfe, da diese überwiegend bei Sprachlehrgängen und Weiterbildung gewährt wird; bis Ende 2004 einschließlich Arbeitslosenhilfe, ab 2005 Empfänger von Arbeitslosengeld II. Ab 2005 ohne Doppelzählungen (Parallelbezug ALG und ALG II). Rückwirkend ab 2007 erfolgte die Datenaufbereitung mit einer neuen Informationstechnologie; zudem sind bei den Neuberechnungen Teilnehmer an Trainingsmaßnahmen nicht mehr in den Arbeitslosenzahlen enthalten. Vergleiche mit den Jahren davor sind deshalb nur eingeschränkt möglich.
** bis Ende 2004 Arbeitslosenhilfe, ab 2005 Empfänger von Arbeitslosengeld II
*** Anteil der Arbeitslosen, die Leistungen empfangen, an allen Arbeitslosen


Quelle: Bundesagentur für Arbeit (BA): Analytikreport der Statistik 07/2012

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