Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

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27.9.2013

Relative Einkommensposition

Durch die Betrachtung der Einkommensschichtung können Aussagen darüber gemacht werden, wie gleich oder ungleich die Einkommen in der Bevölkerung verteilt sind.

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Fakten

Durch die Betrachtung der Einkommensschichtung können Aussagen darüber gemacht werden, wie gleich oder ungleich die Einkommen in der Bevölkerung verteilt sind. Bei der Einkommensschichtung wird das Einkommen jeder einzelnen Person in Beziehung zum mittleren Einkommen (Median) gesetzt. Bei der Berechnung der einzelnen Einkommen werden die unterschiedlichen Haushaltsstrukturen und die Einspareffekte, die durch das Zusammenleben entstehen, berücksichtigt. Dieses gewichtete Einkommen wird auch als Äquivalenzeinkommen bezeichnet.

Wenn das Einkommen einer Person bei 150 oder mehr Prozent des durchschnittlichen Äquivalenzeinkommens liegt, fällt diese Person in die einkommensstarke Gruppe und gehört damit zu den "Wohlhabenden". Zur einkommensschwachen Gruppe gehören nach der Kategorisierung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) alle Personen, deren gewichtetes Einkommen bei weniger als 70 Prozent des Medianeinkommens liegt. Entsprechend werden alle Personen, die ein Einkommen zwischen 70 und unter 150 Prozent des Medianeinkommens haben, als Mittelschicht bezeichnet.

Von 1992 bis 1998 reduzierte sich der Anteil des einkommensschwachen Bevölkerungsteils an der Gesamtbevölkerung von 20,3 auf 17,5 Prozent. Parallel erhöhte sich der Anteil der Mittelschicht von 62,6 auf 64,6 Prozent. Anders formuliert waren die Einkommen in Deutschland 1998 weniger ungleich verteilt als 1992. Und auch in Westdeutschland lag der Anteil der einkommensschwachen Gruppe in den Jahren 1983 bis 1991 durchgängig höher als in Deutschland im Jahr 1998.

In den Folgejahren kehrte sich diese Entwicklung um: Zwischen 1998 und 2011 erhöhte sich der Anteil des einkommensschwachen Bevölkerungsteils an der Gesamtbevölkerung von 17,5 auf 21,4 Prozent (plus 22,3 Prozent). Parallel stieg auch der Anteil der einkommensstarken Gruppe von 17,9 auf 18,5 Prozent (plus 3,4 Prozent). Der Bevölkerungsteil mit mittleren Einkommen reduzierte sich hingegen von 64,6 auf 60,2 Prozent (minus 6,8 Prozent). Bezogen auf Einkommensschichtung deutet sich hier das an, was unter dem Begriff der schrumpfenden Mittelschicht diskutiert wird: Während die Bevölkerungsanteile am unteren und am oberen Ende der Einkommensschichtung – zumindest bei einem Vergleich der Jahre 1998 und 2011 – zunehmen, gehen die entsprechenden Anteile in den mittleren Schichten zurück.

Werden nur die Bevölkerungsteile mit sehr niedrigen und sehr hohen Einkommen betrachtet, wird die Spreizung bei den Einkommensgruppen noch deutlicher: Die Personen, die von relativer Einkommensarmut betroffen sind – also die, die über weniger als 50 Prozent des durchschnittlichen Äquivalenzeinkommens (Median) verfügen – machten 1998 noch 5,6 Prozent der Bevölkerung aus. 2011 lag der entsprechende Anteil bei 7,7 Prozent – das entspricht einer Steigerung um 37,5 Prozent. Auf der anderen Seite erhöhte sich auch der Anteil der Personen, die in den Bereich des Einkommensreichtums fallen – also Personen, deren verfügbares bedarfsgewichtetes Einkommen bei mehr als 200 Prozent des Medianeinkommens liegt. 1998 verfügten laut S ozio-oekonomische Panel (SOEP) 6,3 Prozent der Bevölkerung über ein Einkommen in dieser Höhe, im Jahr 2011 waren es 7,6 Prozent – das entspricht einem Plus von 20,6 Prozent.

Datenquelle

SOEPv28, Personen in Privathaushalten; Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS): Lebenslagen in Deutschland. Armuts- und Reichtumsberichterstattung der Bundesregierung (Endfassung: 06.03.2013)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Um sowohl die unterschiedlichen Haushaltsstrukturen als auch die Einspareffekte zu berücksichtigen, die durch das Zusammenleben entstehen (durch gemeinsam genutzten Wohnraum, beim Energieverbrauch pro Kopf oder bei Haushaltsanschaffungen), werden die Einkommen bei der Einkommensberechnung gewichtet (Äquivalenzeinkommen).

Zur Ermittlung des Einkommens wird zunächst das von allen Haushaltsmitgliedern tatsächlich erzielte Haushaltseinkommen zusammengefasst. Dieses setzt sich zusammen aus dem Einkommen aus selbstständiger und unselbstständiger Erwerbstätigkeit, dem Einkommen aus Vermögen, Renten und Pensionen sowie empfangenen laufenden Sozialtransfers – wie zum Beispiel Arbeitslosengeld, Sozialhilfe oder Kindergeld. Direkte Steuern und Sozialbeiträge werden abgezogen.

Anschließend wird das verfügbare Einkommen gewichtetet bzw. das sogenannte Äquivalenzeinkommen ermittelt. Dazu wird das verfügbare Haushaltseinkommen unter Berücksichtigung eines Gewichtungsschlüssels (Äquivalenzskala) geteilt. Die Äquivalenzskala weist dabei der ersten erwachsenen Person stets das Gewicht 1 zu. Weitere Erwachsene und Kinder ab 14 Jahren erhalten das Gewicht 0,5, Kinder unter 14 Jahren das Gewicht 0,3.

Ein Beispiel: Eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren hat nach der Äquivalenzskala das Gesamtgewicht 2,1 (1 plus 0,5 plus 0,3 plus 0,3). Zu Berechnung des Äquivalenzeinkommens muss das verfügbare Haushaltseinkommen demnach durch 2,1 – und nicht durch die Anzahl der Personen – geteilt werden. Bei einem verfügbaren Haushaltseinkommen von beispielsweise 2.100 Euro hat jedes der vier Haushaltsmitglieder ein Äquivalenzeinkommen von 1.000 Euro.

Um das mittlere Einkommen zu berechnen, wird der Median (Zentralwert) verwendet. Dabei werden hier alle Personen ihrem gewichteten Einkommen nach aufsteigend sortiert. Der Median ist der Einkommenswert derjenigen Person, die die Bevölkerung in genau zwei Hälften teilt. Das heißt, die eine Hälfte hat ein höheres, die andere ein niedrigeres gewichtetes Einkommen. 60 Prozent dieses Medianwertes stellen die Armutsgefährdungsgrenze dar, bei weniger als 50 Prozent liegt relative Einkommensarmut vor. Bei 200 Prozent des Medianwertes – in manchen Veröffentlichungen auch 300 Prozent – liegt die Einkommensreichtumsgrenze.

Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist eine repräsentative Wiederholungsbefragung, die vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) beauftragt wird.

Tabelle: Relative Einkommensposition

Verteilung der Bevölkerung auf verschiedene Einkommensgruppen in Prozent, 1983 bis 2011*

relative Einkommensposition, in Prozent des Median**
< 50% 50% bis
< 70%
70% bis
< 90%
90% bis
< 110%
110% bis
< 130%
130% bis
< 150%
150% bis
< 200%
≥ 200%
Westdeutschland
1983 6,4 13,3 20,0 20,0 14,7 9,8 10,9 4,8
1984 6,5 13,9 19,3 19,8 14,5 10,7 10,5 4,9
1985 5,8 14,2 20,2 19,1 15,1 10,3 10,8 4,5
1986 5,7 13,6 20,6 19,8 15,1 9,9 10,9 4,6
1987 5,2 13,0 20,7 20,1 14,9 10,1 10,9 5,2
1988 5,7 14,3 19,9 20,2 14,9 9,5 11,0 4,6
1989 4,8 14,5 19,8 20,1 14,9 10,4 10,6 5,0
1990 5,8 13,6 19,7 19,2 15,6 9,6 11,2 5,4
1991 5,5 14,1 20,2 19,4 13,9 8,9 12,3 5,7
Deutschland
1992 5,8 14,5 20,8 18,6 14,1 9,2 11,2 5,8
1993 5,5 14,3 20,6 18,4 14,2 9,4 11,5 6,1
1994 7,0 12,9 20,2 18,9 14,1 9,2 11,3 6,5
1995 6,4 12,9 20,8 19,3 13,3 10,0 11,5 5,9
1996 6,1 12,4 20,6 20,5 13,8 9,6 10,7 6,3
1997 5,9 12,5 20,6 20,4 14,2 8,9 11,2 6,4
1998 5,6 11,9 21,5 19,9 13,4 9,9 11,6 6,3
1999 5,4 12,3 20,6 20,8 13,5 8,8 12,1 6,4
2000 6,8 12,8 19,8 19,7 14,2 9,2 11,2 6,3
2001 7,1 12,4 20,5 18,9 14,6 9,3 10,8 6,4
2002 7,2 13,1 19,8 18,6 13,8 9,6 10,6 7,3
2003 7,6 13,1 19,8 18,5 13,7 9,7 10,7 6,9
2004 8,2 13,7 18,9 18,3 14,2 8,9 10,7 7,2
2005 8,4 13,9 18,7 17,9 13,5 9,3 10,4 7,9
2007 8,1 12,9 19,2 18,1 13,1 9,6 11,1 8,1
2008 7,9 13,8 19,5 17,6 13,2 9,8 10,2 8,1
2009 8,1 14,2 18,5 18,0 13,2 9,3 11,2 7,6
2010 9,0 13,9 18,4 17,5 13,4 9,1 11,4 7,4
2011 7,7 13,7 19,2 17,8 13,9 9,2 10,8 7,6

 

relative Einkommensposition,
in Prozent des Median**
einkommens-schwache Gruppe Mittelschicht einkommens-starkeGruppe
< 70% 70% bis < 150% ≥ 150%
Westdeutschland
1983 19,7 64,6 15,7
1984 20,3 64,3 15,4
1985 19,9 64,8 15,3
1986 19,2 65,3 15,5
1987 18,2 65,7 16,1
1988 20,1 64,3 15,6
1989 19,3 65,2 15,5
1990 19,4 64,0 16,6
1991 19,6 62,4 18,0
Deutschland
1992 20,3 62,6 17,1
1993 19,8 62,6 17,7
1994 19,9 62,4 17,8
1995 19,3 63,4 17,4
1996 18,5 64,5 17,0
1997 18,3 64,1 17,6
1998 17,5 64,6 17,9
1999 17,7 63,7 18,6
2000 19,6 62,9 17,5
2001 19,5 63,3 17,2
2002 20,4 61,8 17,9
2003 20,7 61,7 17,6
2004 21,8 60,3 17,9
2005 22,3 59,4 18,3
2007 21,0 59,9 19,1
2008 21,7 60,1 18,2
2009 22,3 58,9 18,8
2010 22,9 58,3 18,8
2011 21,4 60,2 18,5

* Personen in privaten Haushalten auf Grundlage des Median der bedarfsgewichteten verfügbaren Haushaltseinkommen.
** um den Median (Zentralwert) zu berechnen, werden hier alle Personen ihrem gewichteten Einkommen nach aufsteigend sortiert. Der Median ist der Einkommenswert derjenigen Person, die die Bevölkerung in genau zwei Hälften teilt. Das heißt, die eine Hälfte hat ein höheres, die andere ein niedrigeres gewichtetes Einkommen.


Quelle: SOEPv28, Personen in Privathaushalten

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