Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Einkommensverteilung

27.9.2013
Im Jahr 2010 hatte das Zehntel der Bevölkerung mit den niedrigsten Einkommen einen Anteil von lediglich 3,7 Prozent am gesamten bedarfsgewichteten Nettoeinkommen. Bei den 10 Prozent mit den höchsten Einkommen lag der entsprechende Wert bei 23,1 Prozent.

Verteilung der Nettoäquivalenzeinkommen auf die Bevölkerung.Klicken Sie auf die Grafik, um das PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten



Nach Angaben des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) hatte im Jahr 2010 das Zehntel der Bevölkerung mit den niedrigsten Einkommen (1. Dezil) einen Anteil von lediglich 3,7 Prozent am gesamten Nettoeinkommen (jeweils bedarfsgewichtet). Bei den 10 Prozent mit den höchsten Einkommen (10. Dezil) lag der entsprechende Wert bei 23,1 Prozent – der Anteil war damit höher als der Anteil der unteren vier Zehntel (1. bis 4. Dezil) zusammen (22,9 Prozent).

1991 lag der Einkommensanteil des obersten Zehntels noch bei 20,5 Prozent. Das entspricht einer Steigerung um 12,3 Prozent bis 2010. Während das oberste Zehntel seinen Anteil am Einkommen vergrößern konnte, ist bei allen anderen Dezilen der Einkommensanteil gegenüber dem Jahr 1991 gesunken. Dabei gilt: Je niedriger das Einkommen des jeweiligen Dezils 1991 war, desto stärker sank der Einkommensanteil in den Folgejahren. Zum Beispiel hatte das Dezil mit den niedrigsten Einkommen 1991 noch einen Anteil von 4,1 Prozent am gesamten Nettoäquivalenzeinkommen, bis 2010 sank der Anteil auf 3,7 Prozent (minus 11,2 Prozent). Insbesondere in den Jahren 1991 bis 2005 nahm die Einkommensungleichheit insgesamt zu, seitdem haben sich die Werte stabilisiert bzw. nahm die Einkommensungleichheit sogar leicht ab. 1991 war das Durchschnittseinkommen des obersten Dezils 5,0-mal höher als das des untersten Dezils, 2005 war es 6,9-mal höher, 2010 6,3-mal.

Ab wann eine Person oder ein Haushalt aufgrund des Einkommens als reich gilt, ist nach wie vor Gegenstand reger Diskussionen. Am gebräuchlichsten ist in der Wissenschaft die Einkommensgrenze von 200 Prozent des mittleren Nettoäquivalenzeinkommens (Median). Im Jahr 2010 bezogen laut SOEP 7,6 Prozent aller Personen ein solches Einkommen (mehr als 3.310 Euro pro Monat), dabei lag bei 1,9 Prozent das Einkommen sogar bei mehr als 300 Prozent des Medianeinkommens (mehr als 4.965 Euro pro Monat, wobei das SOEP grundsätzlich selbstgenutztes Wohneigentum berücksichtigt).

Datenquelle



SOEPv28, Personen in Privathaushalten; Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS): Lebenslagen in Deutschland. Armuts- und Reichtumsberichterstattung der Bundesregierung (Endfassung: 06.03.2013)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Für die Berechnung der Anteile am Einkommensvolumen nach Dezilen werden zunächst alle Einkommen aufsteigend nach der Höhe sortiert. Dann wird die Verteilung in 10 gleich große Teile (Dezile) zerlegt und für jedes Dezil die Summe der Einkommen berechnet. Anschließend wird der Einkommensanteil der einzelnen Dezile an allen Einkommen berechnet.

Um sowohl die unterschiedlichen Haushaltsstrukturen als auch die Einspareffekte zu berücksichtigen, die durch das Zusammenleben entstehen (durch gemeinsam genutzten Wohnraum, beim Energieverbrauch pro Kopf oder bei Haushaltsanschaffungen), werden die Einkommen bei der Einkommensberechnung gewichtet (Äquivalenzeinkommen).

Zur Ermittlung des Einkommens wird zunächst das von allen Haushaltsmitgliedern tatsächlich erzielte Haushaltseinkommen zusammengefasst. Dieses setzt sich zusammen aus dem Einkommen aus selbstständiger und unselbstständiger Erwerbstätigkeit, dem Einkommen aus Vermögen, Renten und Pensionen sowie empfangenen laufenden Sozialtransfers – wie zum Beispiel Arbeitslosengeld, Sozialhilfe oder Kindergeld. Direkte Steuern und Sozialbeiträge werden abgezogen.

Anschließend wird das verfügbare Einkommen gewichtetet bzw. das sogenannte Äquivalenzeinkommen ermittelt. Dazu wird das verfügbare Haushaltseinkommen unter Berücksichtigung eines Gewichtungsschlüssels (Äquivalenzskala) geteilt. Die Äquivalenzskala weist dabei der ersten erwachsenen Person stets das Gewicht 1 zu. Weitere Erwachsene und Kinder ab 14 Jahren erhalten das Gewicht 0,5, Kinder unter 14 Jahren das Gewicht 0,3.

Ein Beispiel: Eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren hat nach der Äquivalenzskala das Gesamtgewicht 2,1 (1 plus 0,5 plus 0,3 plus 0,3). Zu Berechnung des Äquivalenzeinkommens muss das verfügbare Haushaltseinkommen demnach durch 2,1 – und nicht durch die Anzahl der Personen – geteilt werden. Bei einem verfügbaren Haushaltseinkommen von beispielsweise 2.100 Euro hat jedes der vier Haushaltsmitglieder ein Äquivalenzeinkommen von 1.000 Euro.

Um das mittlere Einkommen zu berechnen, kann statt des arithmetischen Mittels (Durchschnittswert) auch der Median (Zentralwert) verwendet werden. Dabei werden alle Personen/Haushalte ihrem gewichteten Einkommen nach aufsteigend sortiert. Der Median ist der Einkommenswert der Person/des Haushalts, der die Bevölkerung/Gruppe aller Haushalte in genau zwei Hälften teilt. Das heißt, die eine Hälfte hat ein höheres, die andere ein niedrigeres gewichtetes Einkommen. 60 Prozent dieses Medianwertes stellen die Armutsgefährdungsgrenze dar, 200 Prozent – in manchen Veröffentlichungen auch 300 Prozent – die Einkommensreichtumsgrenze.

Das Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) ist eine repräsentative Wiederholungsbefragung, die vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) beauftragt wird.

Tabelle: Verteilung des verfügbaren bedarfsgewichteten Haushaltseinkommens



Anteile am Einkommensvolumen nach Dezilen (Zehnteln), in Prozent, 1991 bis 2010*

1. Dezil 2. Dezil 3. Dezil 4. Dezil 5. Dezil
1991 4,1 5,8 6,8 7,7 8,6
1992 4,1 5,8 6,8 7,6 8,5
1993 4,1 5,8 6,8 7,6 8,5
1994 3,8 5,7 6,7 7,6 8,5
1995 3,9 5,7 6,8 7,7 8,5
1996 4,0 5,9 6,9 7,7 8,5
1997 4,0 5,9 6,9 7,7 8,5
1998 4,1 5,9 6,8 7,7 8,5
1999 4,1 5,9 6,9 7,7 8,5
2000 3,9 5,7 6,8 7,7 8,5
2001 3,8 5,7 6,8 7,6 8,5
2002 3,7 5,5 6,6 7,5 8,4
2003 3,7 5,5 6,6 7,5 8,4
2004 3,6 5,4 6,5 7,5 8,4
2005 3,5 5,3 6,3 7,3 8,2
2006 3,6 5,3 6,4 7,3 8,2
2007 3,6 5,3 6,4 7,3 8,2
2008 3,6 5,3 6,4 7,3 8,3
2009 3,6 5,3 6,4 7,3 8,3
2010 3,7 5,4 6,5 7,4 8,3

 

6. Dezil 7. Dezil 8. Dezil 9. Dezil 10. Dezil
1991 9,5 10,6 12,1 14,3 20,5
1992 9,5 10,5 12,0 14,2 21,1
1993 9,5 10,6 12,0 14,1 21,1
1994 9,5 10,6 12,0 14,2 21,4
1995 9,4 10,6 12,0 14,1 21,4
1996 9,4 10,5 11,9 14,1 21,1
1997 9,4 10,4 11,9 14,1 21,2
1998 9,4 10,5 12,0 14,2 21,0
1999 9,4 10,5 12,0 14,2 21,0
2000 9,4 10,5 11,9 14,1 21,4
2001 9,4 10,4 11,9 14,0 21,9
2002 9,3 10,4 11,9 14,1 22,6
2003 9,3 10,4 11,8 14,1 22,7
2004 9,3 10,4 11,8 14,2 22,8
2005 9,2 10,3 11,7 14,1 24,1
2006 9,2 10,4 11,8 14,3 23,5
2007 9,2 10,3 11,8 14,1 23,9
2008 9,2 10,4 11,9 14,2 23,3
2009 9,3 10,5 12,0 14,2 23,2
2010 9,3 10,4 11,9 14,2 23,1

* Nettoäquivalenzeinkommen nach Einkommensjahr

Quelle: SOEPv28, Personen in Privathaushalten


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