Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Armutsgefährdungsquoten von Familien

23.4.2013
Sowohl bei den Alleinerziehenden-Haushalten als auch bei Familien, in denen zwei Erwachsene leben, nimmt das Armutsrisiko mit steigender Kinderzahl zu.

Armutsgefährdungsquoten von Familien.Klicken Sie auf die Grafik, um das PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten



Kinder können das Armutsrisiko erhöhen, da Kinder einerseits den Bedarf des Haushalts unmittelbar steigern, andererseits die Betreuungsaufgaben einen Ausgleich durch Mehrarbeit erschweren oder sogar verhindern. Sowohl der Bedarf des Haushalts als auch die Betreuungsaufgaben nehmen mit steigender Kinderzahl zu. Nach den Ergebnissen des Mikrozensus waren im Jahr 2011 18,9 Prozent aller unter 18-jährigen Personen armutsgefährdet und damit ein deutlich höherer Anteil als in der Gesamtbevölkerung (15,1 Prozent).

Ausgehend vom durchschnittlichen Einkommen in Deutschland (Bundesmedian) lag laut Mikrozensus die Armutsgefährdungsquote von Haushalten mit zwei Erwachsenen und einem Kind unter 18 Jahren im Jahr 2011 in Westdeutschland bei 9,0 Prozent und in Ostdeutschland bei 13,6 Prozent. Bei zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 18 Jahren steigt die Quote auf 10,3 Prozent in West- und auf 16,4 Prozent in Ostdeutschland. In den Haushalten mit zwei Erwachsenen und drei oder mehr Kindern unter 18 Jahren war in Westdeutschland mehr als jede fünfte Person armutsgefährdet (21,8 Prozent), in Ostdeutschland war es sogar fast jede dritte (31,4 Prozent). Die Armutsgefährdungsquote der Haushalte, in denen lediglich ein Erwachsener mit Kind(ern) lebt, ist nochmals höher. In Westdeutschland lag die entsprechende Quote bei 40,2 Prozent, in Ostdeutschland bei 48,7 Prozent.

Wenn West- und Ostdeutschland für sich betrachtet werden, die Berechnung der Armutsgefährdungsquote also auf dem jeweiligen Durchschnittseinkommen basiert (regionaler Median), dann liegen die Armutsgefährdungsquoten für alle hier betrachteten Haushaltstypen in Ostdeutschland nicht über denen in Westdeutschland, sondern darunter: Die Armutsgefährdungsquote von Haushalten mit zwei Erwachsenen und einem Kind unter 18 Jahren lag im Jahr 2011 in Ostdeutschland bei 9,0 Prozent und in Westdeutschland bei 10,1 Prozent. Bei zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 18 Jahren steigt die Quote in Ostdeutschland zwar auf 10,5 Prozent, sie liegt damit aber immer noch unter der Quote in Westdeutschland mit 11,6 Prozent. In den Haushalten mit zwei Erwachsenen und drei oder mehr Kindern unter 18 Jahren war in Ostdeutschland mehr als jede fünfte Person armutsgefährdet (20,6 Prozent), in Westdeutschland war es fast jede vierte (24,5 Prozent). Schließlich ist bei dieser Berechnungsvariante auch die Armutsgefährdungsquote der Haushalte, in denen lediglich ein Erwachsener mit Kind(ern) lebt, in Ostdeutschland deutlich niedriger als in Westdeutschland (2011: 33,2 gegenüber 43,7 Prozent).

Festzuhalten bleibt, dass unabhängig davon, auf welcher Basis das mittlere Einkommen ermittelt wird, sowohl in West- als auch in Ostdeutschland gilt, dass sich die Armutsgefährdung für die hier dargestellten Haushaltstypen mit steigender Kinderzahl erhöht. Eine Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes zeigt für das Jahr 2005 auch für die Haushalte von Alleinerziehenden, dass das Armutsrisiko mit steigender Kinderzahl zunimmt: Die Armutsgefährdungsquote lag bei den Alleinerziehenden-Haushalten mit einem Kind unter 18 Jahren (und ggf. weiteren Kindern im Alter von 18 Jahren und mehr) bei 24,3 Prozent. Bei denen mit zwei Kindern steigt das Armutsrisiko auf 26,5 Prozent. Am höchsten war mit 42,0 Prozent die Armutsgefährdung der Alleinerziehenden-Haushalte mit drei oder mehr Kindern unter 18 Jahren.

Datenquelle



Statistisches Bundesamt: Mikrozensus, Familienland Deutschland

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Zu den Kindern zählen hier Personen im Alter von unter 18 Jahren ohne Lebenspartner/-in und eigene Kinder im Haushalt.

Die Gruppe "ein(e) Erwachsene(r) mit Kind(ern)" umfasst hier nicht alle Alleinerziehenden-Haushalte, da in den Haushalten mit "zwei Erwachsenen mit Kind(ern)" auch ein alleinerziehendes Elternteil und ein Kind, das 18 Jahre oder älter ist, zusammen mit mindestens einem minderjährigen Kind leben können.

Die Armutsgefährdungsquote gibt an, wie hoch der Anteil der armutsgefährdeten Personen an einer Gesamtgruppe ist. Als armutsgefährdet gelten Personen, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens beträgt. Bei der Einkommensberechnung werden sowohl die unterschiedlichen Haushaltsstrukturen als auch die Einspareffekte berücksichtigt, die durch das Zusammenleben entstehen. Die Einkommen werden also gewichtet.

Um das mittlere Einkommen zu berechnen, wird der Median (Zentralwert) verwendet. Dabei werden hier alle Personen ihrem gewichteten Einkommen nach aufsteigend sortiert. Der Median ist der Einkommenswert derjenigen Person, die die Bevölkerung in genau zwei Hälften teilt. Das heißt, die eine Hälfte hat ein höheres, die andere ein niedrigeres gewichtetes Einkommen. 60 Prozent dieses Medianwertes stellen die Armutsgefährdungsgrenze dar.

Für die Berechnung von Armutsgefährdungsquoten kommen mehrere Datenquellen der amtlichen Statistik in Betracht. Auf europäischer Ebene und auf Bundesebene kann die Statistik "Leben in Europa" (EU-SILC) als Datengrundlage herangezogen werden. Für die Darstellung vergleichbarer Indikatoren auf Ebene der Bundesländer kann EU-SILC jedoch nicht verwendet werden, da die Stichprobe nicht groß genug ist, um auch für kleinere Bundesländer die entsprechenden Indikatoren auszuweisen. Die hier dargestellten Armutsgefährdungsquoten wurden daher auf der Grundlage der Ergebnisse des Mikrozensus 2011 berechnet. Der Mikrozensus ist eine repräsentative Haushaltsbefragung der amtlichen Statistik in Deutschland. Rund 830.000 Personen in etwa 370.000 privaten Haushalten und Gemeinschaftsunterkünften werden stellvertretend für die gesamte Bevölkerung zu ihren Lebensbedingungen befragt.

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Tabelle: Armutsgefährdungsquoten von Familien



Nach Haushaltstypen und Zahl der Kinder unter 18 Jahren*, gemessen am Bundesmedian sowie am regionalen Median**, in Prozent, 2011

Basis:
mittlere Einkommen**
auf Bundesebene
Basis:
mittlere Einkommen**
auf regionaler Ebene
Westdeutschland
1 Erwachsene(r) mit Kind(ern)
insgesamt 40,2 43,7
2 Erwachsene mit Kind(ern)
mit 1 Kind 9,0 10,1
mit 2 Kindern 10,3 11,6
mit 3 und mehr Kindern 21,8 24,5
Ostdeutschland
1 Erwachsene(r) mit Kind(ern)
insgesamt 48,7 33,2
2 Erwachsene mit Kind(ern)
mit 1 Kind 13,6 9,0
mit 2 Kindern 16,4 10,5
mit 3 und mehr Kindern 31,4 20,6

* zu den Kindern zählen Personen im Alter von unter 18 Jahren ohne Lebenspartner/-in und eigene Kinder im Haushalt.
** um das mittlere Einkommen zu berechnen, wird der Median (Zentralwert) verwendet. Dabei werden hier alle Personen ihrem gewichteten Einkommen nach aufsteigend sortiert. Der Median ist der Einkommenswert derjenigen Person, die die Bevölkerung in genau zwei Hälften teilt. Das heißt, die eine Hälfte hat ein höheres, die andere ein niedrigeres gewichtetes Einkommen. 60 Prozent dieses Medianwertes stellen die Armutsgefährdungsgrenze dar.


Quelle: Statistisches Bundesamt: Mikrozensus


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