Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Schwangerschaftsabbrüche

9.11.2013
Im Jahr 1996 hatten 36,5 Prozent der Frauen, die sich für einen Schwangerschaftsabbruch entschieden, noch keine Lebendgeburt. Dieser Anteil stieg bis zum Jahr 2007 auf 41,0 Prozent und war dann in den Folgejahren leicht rückläufig.

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Fakten



In den Jahren 1996 bis 2002 lag die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland zwischen 130.000 und 135.000. Seit 2003 liegt die Zahl unter 130.000 und seit 2004 ist sie von Jahr zu Jahr gesunken. 2012 wurden 106.815 Schwangerschaftsabbrüche gemeldet.

Auch die Anzahl der Schwangerschaftsabbrüche je 10.000 Frauen im Alter von 15 bis unter 50 Jahren veränderte sich im Zeitverlauf. In den Jahren von 1996 bis 1999 war die Anzahl mit 66 leicht niedriger als 2000/2001 mit 68. Seitdem ist sie tendenziell gesunken und lag 2012 – nach vorläufiger Berechnung – bei 57 Schwangerschaftsabbrüchen je 10.000 Frauen. Dieser Rückgang geht im Wesentlichen auf die Verringerung der Schwangerschaftsabbrüche bei den unter 30-Jährigen zurück. So fiel die Anzahl der Schwangerschaftsabbrüche je 10.000 Frauen zum Beispiel bei den 18- bis unter 20-Jährigen zwischen 2001 und 2012 von 104 auf 79. Bei den 20- bis unter 25-Jährigen reduzierte sich die Anzahl im selben Zeitraum von 130 auf 104 und bei den 25- bis unter 30-Jährigen von 117 auf 101.

Bei einer Gliederung der Schwangerschaftsabbrüche nach Bundesländern ergeben sich erhebliche Unterschiede. In Deutschland standen im Jahr 2011 eintausend Lebendgeborenen 162,8 Schwangerschaftsabbrüche gegenüber – 2001 waren es noch 183,1 (jeweils bezogen auf die unter 55-jährigen Frauen). In Bayern lag der entsprechende Wert mit 118,9 am niedrigsten. Es folgten Rheinland-Pfalz mit 126,1 und Baden-Württemberg mit 133,8. Die höchsten Quoten hatten die Stadtstaaten Bremen (302,5) und Berlin (284,0) sowie die ostdeutschen Länder Sachsen-Anhalt (241,4) und Mecklenburg-Vorpommern (236,7). Allerdings fand in allen Ländern Ostdeutschlands zwischen 2001 und 2011 ein überdurchschnittlicher Rückgang der Quote statt. Am größten war der Rückgang in Berlin. 2001 entfielen dort auf 1.000 Geborene noch 405,4 Schwangerschaftsabbrüche. Am stärksten und entgegen dem bundesweiten Trend erhöhte sich in diesem Zeitraum die Quote in Schleswig-Holstein – von 148,7 auf 165,8 – und im Saarland – von 161,9 auf 171,7. Im Jahr 2012 ließen 6,3 Prozent der Frauen den Schwangerschaftsabbruch in einer Einrichtung außerhalb des Bundeslandes, in dem sie wohnen, vornehmen.

Knapp drei Viertel der Frauen, die im Jahr 2012 einen Schwangerschaftsabbruch durchführen ließen, entfielen auf die Gruppe der 18- bis unter 35-Jährigen (74,3 Prozent). Die 35- bis unter 40-Jährigen hatten einen Anteil von 14,5 Prozent. 7,6 Prozent der Frauen waren 40 Jahre und älter. Die unter 18-Jährigen hatten einen Anteil von 3,6 Prozent – der Anteil entsprach damit dem des Jahres 1996, allerdings war er bis zum Jahr 2004 auf 6,1 Prozent gestiegen und erst dann stetig gesunken. 97,4 Prozent aller Schwangerschaftsabbrüche wurden ambulant vorgenommen – 80,1 Prozent in gynäkologischen Praxen und 17,3 Prozent ambulant in Krankenhäusern.

Mit 96,9 Prozent wurden die meisten Eingriffe nach der Beratungsregelung vorgenommen. Eine medizinische oder kriminologische Indikation war in 3,1 Prozent der Fälle die Begründung für den Schwangerschaftsabbruch. In 7,5 Prozent aller Fälle wurde die Schwangerschaft vor der fünften Schwangerschaftswoche abge¬brochen. Allerdings bestehen dabei Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland: Im Jahr 2012 wurde in Westdeutschland bei 38,6 Prozent der gemeldeten Fälle die Schwangerschaft vor der siebenten Schwangerschaftswoche beendet. In Ostdeutschland lag dieser Anteil bei lediglich 33,2 Prozent. Der Anteil der Abbrüche in der neunten bis elften Woche war hingegen in Westdeutschland mit 23,2 Prozent niedriger als in Ostdeutschland mit 29,4 Prozent.

Im Jahr 1996 hatten 36,5 Prozent der Frauen, die sich für einen Schwangerschaftsabbruch entschieden, noch keine Lebendgeburt. Dieser Anteil stieg bis zum Jahr 2007 auf 41,0 Prozent und war dann in den Folgejahren leicht rückläufig. Im Jahr 2012 hatten 39,9 Prozent der Frauen zum Zeitpunkt des Schwangerschaftsabbruchs noch keine Kinder geboren. Bei den Frauen über 30 Jahren lag der entsprechende Anteil bei 17,3 Prozent, bei den über 35-Jährigen betrug er noch 13,2 Prozent. Auch in diesem Zusammenhang bestehen Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland (jeweils ohne Berlin; Auswertung nach dem Wohnsitz der Schwangeren). In Westdeutschland hatten 42,2 Prozent aller Frauen, die einen Abbruch vornehmen ließen, noch keine Lebendgeburt. In Ostdeutschland lag dieser Anteil mit 29,3 Prozent wesentlich niedriger. Deutschlandweit waren im Jahr 2012 38,1 Prozent der Frauen zum Zeitpunkt des Eingriffs verheiratet, 57,1 Prozent waren ledig, 4,5 geschieden und 0,2 Prozent verwitwet.

Datenquelle



Statistisches Bundesamt: Schwangerschaftsabbrüche; Gesundheitsberichterstattung des Bundes: www.gbe-bund.de

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Nach § 218 Strafgesetzbuch (StGB) ist ein Schwangerschaftsabbruch grundsätzlich für alle Beteiligten strafbar. Es gelten folgende Ausnahmen:

Beratungsregelung (§ 218a Abs. 1 StGB)
Ein Schwangerschaftsabbruch bleibt straflos, wenn
  • die Schwangerschaft innerhalb von 12 Wochen nach der Empfängnis durch einen Arzt abgebrochen wird,
  • die schwangere Frau den Abbruch verlangt und
  • sie dem Arzt durch die Bescheinigung einer anerkannten Beratungsstelle eine mindestens drei Tage zurückliegende Schwangerschaftskonfliktberatung nach § 219 StGB nachgewiesen hat.

    Indikationsstellung
    Ein Schwangerschaftsabbruch ist nicht rechtswidrig im Falle ...
    ... einer medizinischen Indikation (§ 218a Abs. 2 StGB), wenn der Schwangerschaftsabbruch unter Berücksichtigung der gegenwärtigen und zukünftigen Lebensverhältnisse notwendig ist, um Lebensgefahr oder die Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des körperlichen oder seelischen Gesundheitszustandes der schwangeren Frau abzuwenden; in diesen Fällen besteht keine zeitliche Begrenzung,

    ... einer kriminologischen Indikation (§218a Abs. 3 StGB) bis zur 12. Woche nach der Empfängnis, wenn dringende Gründe für die Annahme sprechen, dass die Schwangerschaft auf einem Sexualdelikt beruht (sexueller Missbrauch von Kindern, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung oder sexueller Missbrauch Widerstandsunfähiger).

    Tabelle: Schwangerschaftsabbrüche



    Nach Altersgruppen und Anzahl der vorangegangenen Lebendgeborenen, in absoluten Zahlen und
    Anteile in Prozent, 2012

    Alter der Frauen von ... bis
    unter ... Jahren
    insgesamt davon: mit ... vorangegangenen Lebendgeborenen
    keine 1 2 3 4 5 und mehr
    Anzahl
    unter 15 373 373
    15 - 18 3.462 3.453 8 1
    18 - 20 6.654 5.832 738 79 5
    20 - 25 25.625 15.942 6.793 2.372 433 67 18
    25 - 30 24.888 9.112 8.091 5.473 1.640 407 165
    30 - 35 22.199 4.782 6.457 7.288 2.557 751 364
    35 - 40 15.469 2.158 3.891 5.936 2.357 762 365
    40 - 45 7.440 876 1.791 2.964 1.233 378 198
    45 - 50 688 86 145 268 126 40 23
    50 und mehr 17 2 6 4 4 1
     
    insgesamt 106.815 42.616 27.914 24.387 8.355 2.409 1.134

     

    Alter der Frauen von ... bis
    unter ... Jahren
    Anteile an allen Abbrüchen,
    in Prozent
    davon: mit ... vorangegangenen Lebendgeborenen
    keine 1 2 3 4 5 und mehr
    Anteile an der jeweiligen Altersgruppe, in Prozent
    unter 15 0,3 100,0
    15 - 18 3,2 99,7 0,2 0,03
    18 - 20 6,2 87,6 11,1 1,2 0,1
    20 - 25 24,0 62,2 26,5 9,3 1,7 0,3 0,1
    25 - 30 23,3 36,6 32,5 22,0 6,6 1,6 0,7
    30 - 35 20,8 21,5 29,1 32,8 11,5 3,4 1,6
    35 - 40 14,5 14,0 25,2 38,4 15,2 4,9 2,4
    40 - 45 7,0 11,8 24,1 39,8 16,6 5,1 2,7
    45 - 50 0,6 12,5 21,1 39,0 18,3 5,8 3,3
    50 und mehr 0,02 11,8 35,3 23,5 23,5 5,9

    Quelle: Statistisches Bundesamt: Schwangerschaftsabbrüche


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