Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Entwicklung des Standardrentenniveaus (RV)

16.4.2014
Aufgrund der Verbreitung der gesetzlichen Rentenversicherung ist es gesellschaftspolitisch relevant, wie hoch ihr Beitrag zur Sicherung des Lebensstandards im Alter ist. Das Standardrentenniveau gibt an, wie sich die Durchschnittsrente zum Durchschnittseinkommen verhält.

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Fakten



Kein anderes Alterssicherungssystem in Deutschland ist so weit verbreitet wie die gesetzliche Rentenversicherung. Nach Angaben der repräsentativen Studie "Alterssicherung in Deutschland" (ASiD) bezogen im Jahr 2011 in Westdeutschland 89 Prozent der Männer und 86 Prozent der Frauen ab 65 Jahren eine eigene Rente der gesetzlichen Rentenversicherung. In Ostdeutschland lagen die Anteile jeweils bei 99 Prozent.

Aufgrund der Verbreitung der gesetzlichen Rentenversicherung ist es gesellschaftspolitisch relevant, wie hoch ihr Beitrag zur Sicherung des Lebensstandards im Alter ist. Das sogenannte Standardrentenniveau gibt an, wie sich die Durchschnittsrente zum Durchschnittseinkommen verhält. Dabei ist zu beachten, dass es sich beim Standardrentenniveau um eine Modellrechnung handelt, die auf einem Durchschnittsverdiener mit 45 anrechnungsfähigen Versicherungsjahren beruht.

In den 1970er-Jahren entwickelte sich das Verhältnis zwischen der Standardrente und dem Jahresarbeitsentgelt noch uneinheitlich. 1977 entsprach die Standardrente 59,8 Prozent des durchschnittlichen Jahresarbeitsentgelts – der bisherige Höchststand (Angaben liegen für die Jahre seit 1970 vor). Seitdem ist das Rentenniveau – abseits kleinerer Schwankungen im Zeitverlauf – stetig gesunken. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung Bund lag das Rentenniveau netto vor Steuern im Jahr 2012 bei 49,6 Prozent und damit erstmals bei weniger als der Hälfte des durchschnittlichen Arbeitsentgelts (Datenstand 05/2013).

Auch in den nächsten Jahren wird sich der Abstand zwischen Durchschnittsrente und Durchschnittseinkommen weiter vergrößern. Laut dem Rentenversicherungsbericht 2013 wird das Netto-Rentenniveau vor Steuern bis 2020 auf 47,5 Prozent bzw. auf 45,4 Prozent im Jahr 2027 fallen – modellhaft wird dabei allerdings auch ein vollständiger Ausgleich durch die geförderte zusätzliche Altersvorsorge (Riester-Rente) angenommen. Die festgelegte Untergrenze – nicht das angestrebte Sicherungsziel – beim Netto-Rentenniveau liegt nach der sogenannten Niveausicherungsklausel (§ 154 Abs. 3 SGB VI) bei 43 Prozent im Jahr 2030.

Bei einer Beurteilung der Entwicklung des Standardrentenniveaus sind mehrere Faktoren zu berücksichtigen. So weicht bei den meisten Versicherten die Zahl der Versicherungsjahre und/oder die Höhe des Jahresarbeitsentgelts von der Standardrente ab – entsprechend groß ist die Spanne bei den monatlichen Zahlbeträgen (siehe "Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen"). Auch die rund vier Millionen Rentner, die Mitte 2012 mehr als eine Rente erhielten, werden von dem Modell der Standardrente nicht erfasst. Und unter Berücksichtigung der Entwicklung der Verbraucherpreise ist die Standardrente zwar in den 1970er-Jahren noch deutlich gestiegen, aber in den 1980er-Jahren verlangsamte sich das Wachstum und in den 1990er-Jahren stagnierte es bereits. Seit 2003 ist die reale Standardrente rückläufig.

Schließlich beruht das Einkommen der älteren Bevölkerungsgruppe nicht nur auf den Voraussetzungen der Standardrente bzw. den Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung: Im Jahr 2011 stammten laut ASiD in Westdeutschland im Durchschnitt lediglich 58 Prozent des Bruttoeinkommensvolumens der 65-jährigen und älteren Personen aus der gesetzlichen Rentenversicherung. In Ostdeutschland lag der Anteil bei 91 Prozent. Nach der gesetzlichen Rentenversicherung waren andere Alterssicherungssysteme – zum Beispiel Betriebsrenten, Beamtenpensionen, Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst – und die private Vorsorge die wichtigsten Einkommensquellen (siehe "Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen").

Datenquelle



Deutsche Rentenversicherung: www.deutsche-rentenversicherung.de; Statistisches Bundesamt: Verbraucherpreisindizes für Deutschland; Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS): Rentenversicherungsbericht 2013; BMAS/TNS Infratest Sozialforschung: Alterssicherung in Deutschland 2011 (ASiD 2011)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Informationen zu den "Renten nach monatlichem Zahlbetrag (RV)" erhalten Sie hier...

Informationen zum "Gesamteinkommen der Rentnerhaushalte " bzw. zur Studie "Alterssicherung in Deutschland (ASiD)" erhalten Sie hier...

Zur Errechnung des Standardrentenniveaus netto vor Steuern wird die Brutto-Standardrente abzüglich der darauf entfallenden Sozialabgaben (Eigenbeiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung) ins Verhältnis zum durchschnittlichen Jahresarbeitsentgelt gesetzt (netto vor Steuern, abzüglich des durchschnittlich zu entrichtenden Arbeitnehmersozialbeitrages und des durchschnittlichen Aufwands zur zusätzlichen Altersvorsorge).

Tabelle: Entwicklung des Standardrentenniveaus (RV*)



Allgemeine Rentenversicherung, 1970 bis 2027

durchschnittliches Jahresarbeitsentgelt Standardrente mit 45 Versicherungsjahren Rentenniveau** (nominal)
in Euro in Prozent
brutto netto vor Steuern*** brutto netto vor Steuern*** brutto netto vor Steuern***
Westdeutschland
1970 6.822 6.118 3.376 3.376 49,5 55,2
1971 7.634 6.817 3.561 3.561 46,6 52,2
1972 8.352 7.437 3.965 4.091 47,5 55,0
1973 9.354 8.280 4.380 4.380 46,8 52,9
1974 10.421 9.229 4.874 4.874 46,8 52,8
1975 11.150 9.808 5.417 5.417 48,6 55,2
1976 11.931 10.402 6.015 6.015 50,4 57,8
1977 12.754 11.112 6.644 6.644 52,1 59,8
1978 13.417 11.685 6.958 6.958 51,9 59,5
1979 14.155 12.329 7.271 7.271 51,4 59,0
1980 15.075 13.124 7.562 7.562 50,2 57,6
1981 15.799 13.711 7.865 7.865 49,8 57,4
1982 16.463 14.236 8.317 8.317 50,5 58,4
1983 17.022 14.680 8.549 8.506 50,2 57,9
1984 17.533 15.067 8.931 8.751 50,9 58,1
1985 18.041 15.454 9.217 8.870 51,1 57,4
1986 18.727 16.017 9.489 9.028 50,7 56,4
1987 19.289 16.482 9.807 9.262 50,8 56,2
1988 19.887 16.960 10.140 9.542 51,0 56,3
1989 20.484 17.456 10.444 9.799 51,0 56,1
1990 21.447 18.306 10.763 10.071 50,2 55,0
1991 22.712 19.465 11.184 10.486 49,2 53,9
1992 23.939 20.503 11.605 10.889 48,5 53,1
1993 24.633 21.050 12.027 11.248 48,8 53,4
1994 25.126 21.275 12.492 11.655 49,7 54,8
1995 25.905 21.918 12.732 11.822 49,2 53,9
1996 26.423 22.255 12.825 11.885 48,5 53,4
1997 26.660 22.248 12.992 12.011 48,7 54,0
1998 27.060 22.619 13.127 12.129 48,5 53,6
1999 27.358 22.948 13.244 12.235 48,4 53,3
2000 27.741 23.341 13.373 12.356 48,2 52,9
2001 28.231 23.785 13.541 12.512 48,0 52,6
2002 28.626 24.083 13.817 12.746 48,3 52,9
2003 28.938 24.244 14.037 12.925 48,5 53,3
2004 29.060 24.341 14.110 12.891 48,6 53,0
2005 29.202 24.389 14.110 12.821 48,3 52,6
2006 29.494 24.501 14.110 12.796 47,8 52,2
2007 29.951 24.907 14.148 12.781 47,2 51,3
2008 30.625 25.425 14.264 12.840 46,6 50,5
2009 30.506 25.101 14.515 13.055 47,6 52,0
2010 31.144 25.632 14.688 13.232 47,2 51,6
2011 32.100 26.441 14.761 13.253 46,0 50,1
2012 32.928 27.139 14.996 13.465 45,5 49,6
 
2015 48,0
2020 47,5
2025 46,0
2027 45,4

* gesetzliche Rentenversicherung
** Verhältnis der Standardrente zum Jahresarbeitsentgelt (Quotient aus Standardrente und Jahresentgelt x 100)
*** verfügbare Größen vor Steuern, vgl. § 154 Abs. 3 SGB VI


Quelle: Deutsche Rentenversicherung: www.deutsche-rentenversicherung.de; Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS): Rentenversicherungsbericht 2013


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