Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Einnahmen und Ausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung (RV)

16.4.2014
Die gesetzliche Rentenversicherung (RV) wird in erster Linie über Beitragseinnahmen und Bundeszuschüsse finanziert. Die Finanzierung basiert dabei auf dem sogenannten Umlageprinzip.

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Fakten



Die gesetzliche Rentenversicherung (RV) wird in erster Linie über Beitragseinnahmen und Bundeszuschüsse finanziert. Die Finanzierung basiert dabei auf dem sogenannten Umlageprinzip. Im Kern bedeutet dies, dass die Einnahmen eines Jahres für die Ausgaben desselben Jahres verwendet werden. Die jeweils aktiv erwerbstätige Generation finanziert dabei sowohl über Beiträge als auch über Steuern die gesetzlichen Renten der älteren Generation. Die Renten der heute gesetzlich Versicherten werden wiederum von den künftigen Steuer- und Beitragszahlern finanziert. Die genaue Ausgestaltung dieses "Generationenvertrags" ist allerdings auch von gesellschaftlichen Entwicklungen abhängig, da es kein Recht auf eine bestimmte Rentenhöhe gibt, sondern lediglich Ansprüche auf eine relative Beteiligung erworben werden.

Sowohl die Einnahmen als auch die Ausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung sind in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen. In Westdeutschland haben sich die Einnahmen und Ausgaben zwischen 1970 und 1990 mehr als vervierfacht (plus 302,7 bzw. 312,2 Prozent). Und in Deutschland stiegen die Einnahmen von 1991 bis 2012 von 139,5 auf 260,5 Milliarden Euro (plus 86,8 Prozent); die Ausgaben erhöhten sich im selben Zeitraum von 133,7 auf 255,4 Milliarden Euro (plus 91,0 Prozent).

Von den Einnahmen in Höhe von 260,5 Milliarden Euro im Jahr 2012 entfielen 193,7 Milliarden Euro auf Beiträge und 65,6 Milliarden Euro auf die Zuschüsse des Bundes zur allgemeinen (60,0 Mrd. Euro) und knappschaftlichen Rentenversicherung (5,6 Mrd. Euro). Von den Beitragseinnahmen entfielen rund 90 Prozent auf Pflichtbeiträge. Die Beitragssätze lagen im Jahr 2012 in der allgemeinen Rentenversicherung bei 19,6 Prozent (2011: 19,9 Prozent / 2013: 18,9 Prozent) und in der knappschaftlichen Rentenversicherung bei 26,0 Prozent (2011: 26,4 Prozent / 25,1 Prozent).

Der – entsprechend den gesetzlichen Vorschriften – an die allgemeine Rentenversicherung zu leistende allgemeine Bundeszuschuss lag im Jahr 2012 bei 39,9 Milliarden Euro. Der im Rahmen des Defizitausgleichs an die knappschaftliche Rentenversicherung zu zahlende Bundeszuschuss belief sich auf knapp 5,6 Milliarden Euro. Der zusätzliche Bundeszuschuss, dessen jährliches Volumen dem Steueraufkommen eines Mehrwertsteuerpunktes entspricht, betrug gut 9,8 Milliarden Euro. Weitere 10,3 Milliarden Euro flossen der gesetzlichen Rentenversicherung durch den Erhöhungsbetrag zum zusätzlichen Bundeszuschuss zu.

Von den Ausgaben der Träger der gesetzlichen Rentenversicherung in Höhe von 255,4 Milliarden Euro im Jahr 2012 entfielen 229,2 Milliarden Euro auf die Rentenausgaben. Die Ausgaben für die Beiträge und Zuschüsse zur Krankenversicherung der Rentner (KVdR) lagen im selben Jahr bei 16,2 Milliarden Euro. Die sogenannten Leistungen zur Teilhabe (darunter Leistungen zur medizinischen Rehabilitation sowie Leistungen zur Teilhabe behinderter oder von Behinderung bedrohter Menschen am Arbeitsleben) betrugen 5,7 Milliarden Euro. Die Verwaltungs- und Verfahrenskosten lagen 2012 bei 3,6 Milliarden Euro. Der Rest der Ausgaben entfiel auf Kindererziehungsleistungen, Beitragserstattungen und sonstige Ausgaben.

Im Jahr 2012 übertrafen in der allgemeinen Rentenversicherung die Einnahmen die Ausgaben um 5.097 Millionen Euro. Das Vermögen am Jahresende 2012 erhöhte sich auf rund 42,0 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr ist die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage zum Ende des Jahres 2012 um 5.394 Millionen Euro auf 29,5 Milliarden Euro gestiegen – das entsprach 1,70 Monatsausgaben im Jahr 2012 (2010: 1,1 / 2005: 0,1 / 2000: 1,0). In der knappschaftlichen Rentenversicherung waren aufgrund der Ausgestaltung des Bundeszuschusses (Defizithaftung des Bundes) Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen. Das Vermögen blieb gegenüber dem Vorjahr mit 300 Millionen Euro nahezu unverändert.

Datenquelle



Deutsche Rentenversicherung: www.deutsche-rentenversicherung.de

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Der Beitragssatz bezieht sich auf den Bruttoverdienst. Im Jahr 2013 lag der Beitragssatz in der allgemeinen Rentenversicherung bei 18,9 Prozent (knappschaftliche Rentenversicherung: 25,1 Prozent). Die Beitragsbemessungsgrenze ist der Höchstbetrag, bis zu dem Arbeitsentgelt und Arbeitseinkommen bei der Berechnung des Versicherungsbeitrags berücksichtigt werden. Für darüber hinausgehendes Einkommen sind keine Beiträge zu zahlen. Im Jahr 2013 lag die Beitragsbemessungsgrenze in Westdeutschland bei 5.800 Euro und in Ostdeutschland bei 4.900 Euro pro Monat (knappschaftliche Rentenversicherung: 7.100 Euro / 6.050 Euro).

Der Bund leistet zu den Ausgaben der allgemeinen Rentenversicherung Zuschüsse (§ 213 SGB VI). Diese werden aus Steuergeldern aufgebracht. Mit den Zuschüssen werden versicherungsfremde Leistungen finanziert (darunter zum Beispiel Kriegsfolgelasten, Renten wegen Arbeitslosigkeit, Kindererziehungszeiten). In der knappschaftlichen Rentenversicherung trägt der Bund zusätzlich den Unterschiedsbetrag zwischen Einnahmen und Ausgaben (Defizithaftung nach § 215 SGB VI).

Die Träger der allgemeinen Rentenversicherung halten eine gemeinsame Nachhaltigkeitsrücklage (früher "Schwankungsreserve"), der die Überschüsse zugeführt werden und aus der die Defizite zu decken sind. Das Verwaltungsvermögen gehört nicht zur Nachhaltigkeitsrücklage.

Tabelle: Einnahmen und Ausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung (RV)



In absoluten Zahlen, 1960 bis 2012

Einnahmen darunter: Ausgaben darunter:
Beiträge Bundes­zuschuss zusätzliche Bundes-zuschüsse Renten­ausgaben*
in Mio. Euro
Westdeutschland
1960 10.734 7.418 2.728 10.024 8.506
1965 17.105 12.118 4.127 16.139 13.319
1970 28.560 22.302 5.402 26.710 22.245
1975 51.417 39.889 9.596 51.670 41.158
1980 74.321 58.036 15.010 72.839 61.122
1985 90.169 71.787 17.155 89.449 78.333
1990 114.998 90.758 20.371 110.093 97.420
Deutschland
1991 139.452 108.688 25.808 133.735 117.912
1995 179.303 139.921 37.470 184.380 162.625
2000 214.566 163.367 40.717 9.078 213.986 190.198
2001 220.317 164.694 41.165 12.177 220.282 195.776
2002 223.593 165.481 42.178 14.479 227.719 202.355
2003 231.882 169.425 43.894 17.280 233.871 207.749
2004 232.468 169.399 44.131 17.264 235.433 210.522
2005 231.687 168.954 44.319 17.324 235.616 211.861
2006 243.099 180.545 43.895 17.463 235.537 212.421
2007 238.289 174.726 44.353 17.864 237.106 213.649
2008 244.205 180.028 44.329 18.190 240.430 216.182
2009 246.044 181.572 44.686 18.680 245.833 220.841
2010 251.254 185.288 45.791 19.095 249.197 224.352
2011 255.771 189.850 45.334 19.241 251.045 225.411
2012 260.467 193.687 45.446 20.123 255.370 229.231

* von 1999 bis 2010 ohne gem. § 291c SGB VI vom Bund erstattete einigungsbedingte Leistungen

Quelle: Deutsche Rentenversicherung: www.deutsche-rentenversicherung.de


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