Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Öffentliche Ausgaben nach Aufgabenbereichen

10.11.2008
Den größten Ausgabenanteil hatte im Jahr 2005 mit 56,9 Prozent der Bereich der sozialen Sicherung. 7,8 Prozent entfielen auf Schulen, Hochschulen und das übrige Bildungswesen.

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Fakten



Die Finanzierung der vielfältigen Aufgaben von Bund, Ländern, Gemeinden und der Sozialversicherung spiegeln sich in den Ausgaben der öffentlichen Haushalte wider. Diese gaben im Jahr 2005 für die Erfüllung ihrer Aufgaben 1.002,24 Milliarden Euro aus. Pro Einwohner entsprach das 12.153 Euro.

Den größten Anteil an den Ausgaben im Jahr 2005 hatte mit 56,9 Prozent (571 Mrd. Euro) der Bereich der sozialen Sicherung, der unter anderem die Familien-, Sozial- und Jugendhilfe, die Arbeitsmarktpolitik und die Sozialversicherung beinhaltet. Weiter entfielen 7,8 Prozent auf Schulen, Hochschulen und das übrige Bildungswesen sowie 0,9 Prozent auf Wissenschaft, Forschung und Entwicklung außerhalb der Hochschulen. Die Bereiche öffentliche Sicherheit und Ordnung, Rechtsschutz bzw. Verteidigung hatten einen Anteil von 3,3 bzw. 2,4 Prozent. Auf die Wirtschaftsförderung entfielen 2,6 Prozent der Ausgaben. Unter den sonstigen Ausgaben waren auch Zinsausgaben in Höhe von 64 Milliarden Euro (6,4 Prozent).

Ein Vergleich der Ausgaben der öffentlichen Haushalte in den Jahren 1994 und 2005 zeigt, dass sich die Zusammensetzung verändert hat. Während die Ausgaben der Aufgabenbereiche öffentliche Sicherheit und Ordnung, Rechtsschutz (plus 27,9 Prozent) sowie soziale Sicherung (plus 25,9 Prozent) am stärksten stiegen, gingen die Ausgaben in den Bereichen Gesundheit, Umwelt, Sport und Erholung (minus 62,4 Prozent), Wohnungswesen und Raumordnung (minus 32,9 Prozent) sowie Wirtschaftsförderung (minus 26,9 Prozent) am stärksten zurück. Ebenfalls rückläufig waren die Ausgaben in den Bereichen Schulen, Hochschulen, übriges Bildungswesen (minus 4,1 Prozent), Verteidigung (minus 4,2 Prozent) sowie Verkehrs- und Nachrichtenwesen (minus 5,0 Prozent). Insgesamt stiegen die Ausgaben der öffentlichen Haushalte zwischen 1994 und 2005 um 10,2 Prozent.

Eine Erhöhung der Ausgaben im Bereich der sozialen Sicherung ist allerdings nicht immer gleichbedeutend mit einer Steigerung des Versorgungsniveaus. Wenn beispielsweise die Ausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung steigen, sich gleichzeitig aber auch die Zahl der Rentner erhöht, kann die Höhe der Leistungen pro Kopf trotz steigender Gesamtausgaben unverändert bleiben.

Auch dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen 1994 und 2005 mit 26,0 Prozent deutlich stärker gewachsen ist als die Ausgaben der öffentlichen Haushalte (10,2 Prozent), bedeutet nicht den kompletten Wegfall von Leistungen. Vielmehr gehen die Veränderungen auf zum Teil politisch gewollte Umstrukturierungen zurück. So wurden seit den 1980er Jahren zahlreiche Aufgaben aus den öffentlichen Haushalten ausgegliedert. Die Ausgliederungen bezogen sich zunächst vor allem auf die kommunale Ebene – zum Beispiel auf die Bereiche Abwasser- und Abfallbeseitigung –, haben sich dann aber auch auf die Bundes- und Landesebene ausgeweitet. In diesem Zusammenhang entstanden zahlreiche Fonds, Einrichtungen und Unternehmen, die sich mehrheitlich in öffentlicher Hand befinden. Das bedeutet: Bund, Länder oder Gemeinden besitzen unmittelbar oder mittelbar mehr als die Hälfte der Kapital- oder Stimmrechtsanteile.

Ende 2005 existierten 13.865 öffentliche Unternehmen, davon 90 Prozent auf kommunaler Ebene. Ihre Tätigkeitsbereiche waren das Grundstücks- und Wohnungswesen (15 Prozent), Abwasser- und Abfallbeseitigung sowie sonstige Entsorgungsaufgaben (14 Prozent). Hinzu kommen die Wasserversorgung (13 Prozent), Erbringung von wirtschaftlichen Dienstleistungen (10 Prozent), das Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen (9 Prozent) sowie die Energieversorgung (8 Prozent).

Datenquelle



Statistisches Bundesamt: PDF-Icon Statistisches Jahrbuch 2008 (PDF-Version: 8.210 KB)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Die öffentlichen Haushalte umfassen die staatlichen Haushalte des Bundes und der Länder, die kommunalen Haushalte und die Sozialversicherung. Je nach Erhebung können die öffentlichen Haushalte unterschiedlich abgegrenzt sein.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung), soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden.

Tabelle: Öffentliche Ausgaben nach Aufgabenbereichen



In absoluten Zahlen und Anteile in Prozent, 1994 und 2005*

  1994 2005**
in Mio. Euro Anteile, in % in Mio. Euro Anteile, in %
insgesamt 909.381 100,0 1.002.244 100,0
Verteidigung 24.758 2,7 23.710 2,4
öffentliche Sicherheit und Ordnung, Rechtsschutz 25.572 2,8 32.719 3,3
Schulen, Hochschulen, übriges Bildungswesen 81.377 8,9 78.029 7,8
Wissenschaft, Forschung, Entwicklung außerhalb der Hochschulen 8.499 0,9 9.331 0,9
kulturelle Angelegenheiten 7.416 0,8 8.127 0,8
soziale Sicherung 453.281 49,8 570.646 56,9
Gesundheit, Umwelt, Sport und Erholung 39.130 4,3 14.720 1,5
Wohnungswesen und Raumordnung*** 33.150 3,6 22.233 2,2
Wirtschaftsförderung**** 35.179 3,9 25.729 2,6
Verkehrs- und Nachrichtenwesen 23.838 2,6 22.635 2,3
sonstiges 177.181 19,5 194.365 19,4

* Bund, Lastenausgleichsfonds, ERP-Sondervermögen, Fonds "Deutsche Einheit" und Kreditabwicklungsfonds (1991 bis 1994), Bundeseisenbahnvermögen, Erblastentilgungsfonds und Entschädigungsfonds (ab 1995), Ausgleichsfonds "Steinkohle" (1996 bis 2000), Versorgungsrücklage (ab 1999), Fonds "Aufbauhilfe" (ab 2003), Länder und Gemeinden/Gv.; Sozialversicherungsträger, Bundesagentur für Arbeit, Zusatzversorgungskassen, kommunaler Zweckverbände, Finanzanteile der BRD an der EU.
** ohne Krankenhäuser und Hochschulkliniken mit kaufmännischem Rechnungswesen sowie ohne Zusatzversorgungskassen der Sozialversicherung
*** einschließlich kommunaler Gemeinschaftsdienste
**** Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Energie- und Wasserwirtschaft, Gewerbe, Dienstleistungen


Quelle: Statistisches Bundesamt: Statistisches Jahrbuch 2007, Statistisches Jahrbuch 2008


 
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