Rechtsextreme Demonstranten bei einem Neonazi-Aufmarsch in Berlin am 1. Mai 2010.

13.6.2014

Film: Rechtsextremismus und Diskriminierung in deutschen Fußballstadien

"Es hat angefangen mit Ansagen, Pöbeleien und ist dann immer weiter gegangen"

In jüngster Zeit sind Neonazis in deutschen Fußballstadien wieder auf dem Vormarsch und prügeln und agieren gezielt gegen solche Fans, die sich gegen Diskriminierung einsetzen.



"Es hat angefangen mit Ansagen, Pöbeleien und ist dann immer weiter gegangen"

Rechtsextremismus und Diskriminierung im deutschen Fußball

In den 2000er Jahren war offen zur Schau gestellter Rechtsextremismus in den deutschen Profistadien rückläufig. Zum einen waren Ultras auf den Plan getreten und hatten rassistische Schmähgesänge verdrängt, zum anderen fand er sich in den Amateurligen wieder. Doch unterliegt diese Entwicklung jüngst einer Kehrtwende.

Vielerorts sind offene Konflikte zwischen antidiskriminierenden Fans und Ultras einerseits und Anhängern „alter Werte" andererseits ausgebrochen. Diese bestehen aus einer Melange von Rechtsextremen, rechtsaffinen Alt- und Junghooligans sowie rechtsoffenen Ultras. Sie versuchen antidiskriminierende Äußerungen im Stadion sowie in der Fanszene aktiv zu bedrohen und zu verhindern. Traditionelle Männlichkeit, körperliche Härte und territoriale Dominanz stellen zentrale Eckpfeiler ihres Wertekanons dar.

Auf der anderen Seite stehen Fans und Ultras, die sich für eine diskriminierungsfreie Fankurve einsetzen -- ohne Homophobie, Rassismus oder Sexismus, ohne das Recht der stärkeren Faust. Doch sie stehen unter konstanten gewalttätigen Angriffen. So verkündeten die Aachener Ultras (ACU) 2013 ihren Rückzug aus dem Stadion, da sie nicht mehr die Sicherheit ihrer Aktiven vor rechtsextremen Übergriffen gewähren konnten. In Braunschweig wurden die Ultras Braunschweig (UB) nach mehreren Konflikten mit lokalen Rechtsextremen vom Verein mit einem Auftrittsverbot für die Gruppe belegt und in Duisburg waren die antirassistisch engagierten Ultras der „Kohorte Duisburg" Ziel eines Angriffes einer Hooligangruppierung mit Überschneidungen zu den Autonomen Nationalisten. In mehr als 20 Städten schwelt dieser Konflikt.

Diese Auseinandersetzung um die Stimmungen und Haltungen in den Fankurven betrifft Stadien über die gesamte Bundesrepublik verteilt. Um das Thema von vielseitig zu beleuchten, kommen in dem Videobeitrag unterschiedliche Personen -- Fans, Fanbetreuer, Journalisten und Wissenschaftler -- zu Wort und stellen ihre Sicht der Dinge dar:

David, Mitglied der Aachen Ultras, die sich für eine diskriminierungsfreie Fankurve engagierten und 2013 aufgrund gewalttätiger Bedrohungen ihren "Rückzug" aus dem Stadion verkündeten.

Ronny Blaschke, freier Autor und Journalist, schreibt u.a. für die Süddeutsche Zeitung und verfasste das Buch "Angriff von Rechtsaußen -- Wie Neonazis den Fußball missbrauchen."

Daniela Wurbs, Mitarbeiterin des europaweiten, unabhängigen und demokratischen Netzwerkes "Football Supporters Europe", offizieller Ansprechpartner der UEFA für Fanrechte und Diskriminierungen.

Daniel Lörcher, Fanbetreuer von Borussia Dortmund, organisiert seit mehreren Jahren Gedenkstättenfahrten für BVB-Fans.

Robert Claus, Mitarbeiter der "Kompetenzgruppe Fankulturen und Sport bezogene Soziale Arbeit" (KoFaS) an der Leibniz Universität Hannover, die in den Bereichen Anti-Diskriminierung, Konfliktschlichtung und Gewaltprävention tätig ist.

Ein Film von #R99 und KoFaS in Zusammenarbeit mit FLMH. www.flmh.de mit Aufnahmen von: F95.Antirazzistas, Filmstadt Inferno, stpauli.tv und Aachen Ultras für die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb - www.bpb.de (Rechteinhaberin) Musik: Zeropage.

Mehr Informationen zur KoFaS unter www.sportwiss.uni-hannover.de/kofas.html.

Weitere Infos zum Thema extreme Rechte, Diskriminierung und Fußball im Dossier-Schwerpunkt.

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