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Armut
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Fakten

Je nach Definition schwankt die Zahl der überschuldeten Haushalte zwischen knapp unter bis weit über drei Millionen – exakte Angaben fehlen. Verlässliche Daten, die allerdings die Überschuldung nicht vollständig erfassen, liefern die Gerichte: So nutzten zwischen 1999 – dem Jahr der Einführung der neuen Insolvenzordnung – und 2007 etwa 400.000 Privatpersonen ein Verbraucherinsolvenzverfahren, um nach einer "Wohlverhaltensphase" von ihren restlichen Schulden befreit zu werden. Hinzu kommen 300.000 Personen, bei denen die Zahlungsunfähigkeit auf das Scheitern einer selbstständigen Tätigkeit zurückzuführen ist.

Die Gesamtzahl der Verbraucherinsolvenzen erhöhte sich von 3.357 im Jahr 1999 – über 33.609 im Jahr 2003 – auf geschätzte 105.000 im Jahr 2007. Dabei ist zu berücksichtigen, dass ein Grund für die Steigerung schlicht die zunehmende Bekanntheit der gerichtlichen Schuldenregulierung ist. Außerdem kann der Auslöser für die Überschuldung viele Jahre zurückliegen.

Nach Daten der Schuldnerberatungsstellen aus dem Jahr 2006 war der Eintritt der Arbeitslosigkeit – mit einem Anteil von 29,6 Prozent – der am häufigsten genannte Hauptgrund für die Überschuldung. Veränderungen der Lebensverhältnisse – Trennung, Scheidung oder Tod eines Partners, Unfälle, Krankheit oder Suchtprobleme – waren bei 21,7 Prozent der beratenen Personen der zentrale Auslöser. 12,8 Prozent nannten selbstverschuldete Zahlungsschwierigkeiten – beispielsweise aufgrund von unwirtschaftlicher Haushaltsführung, gescheiterter Immobilienfinanzierung oder Schadenersatz wegen unerlaubter Handlungen – als Hauptgrund. Da verhältnismäßig viele Selbstständige die Dienste der Beratungsstellen in Anspruch nehmen, wurde häufig die gescheiterte Selbstständigkeit als Hauptgrund für die Überschuldung angegeben (10,3 Prozent).

Während bei den Jüngeren vor allem Arbeitslosigkeit und die Änderung der Lebensumstände bestimmende Faktoren waren, sahen die über 55-Jährigen den Grund für ihre Überschuldung häufiger in unzureichender Kreditberatung und gescheiterter Immobilienfinanzierung. Auch wenn für die Statistik immer nur ein Hauptgrund maßgeblich war, waren in den meisten Fällen mehrere Faktoren für die Überschuldung verantwortlich.

Ein Großteil der beratenen Personen war zum Jahresende 2006 bei wenigen Gläubigern verschuldet: Über 40 Prozent hatten gegenüber höchstens vier Gläubigern finanzielle Verpflichtungen, bei 14 Prozent bestanden lediglich Forderungen eines Gläubigers. Nur in 9 Prozent der Fälle besaßen 20 und mehr Gläubiger Ansprüche gegenüber der überschuldeten Person.

Die in die Erhebung der Schuldnerberatungsstellen einbezogenen Personen hatten durchschnittlich 37.000 Euro Schulden. Bei überschuldeten Personen mit Immobilienbesitz beliefen sich die Schulden auf durchschnittlich 160.000 Euro. Personen, die aufgrund ihrer früheren Selbstständigkeit für Verbindlichkeiten aufkommen müssen, schuldeten ihren Gläubigern im Durchschnitt 96.000 Euro. Ohne die Personen mit Hypothekenverbindlichkeiten und ohne die ehemals Selbstständigen lag die Schuldenlast bei durchschnittlich 22.000 Euro.

39,2 Prozent der beratenen Personen waren mit weniger als 10.000 Euro bei ihren Gläubigern im Rückstand. Weitere 45,6 Prozent hatten Schulden von 10.000 bis 50.000 Euro. Bei 7,8 Prozent lagen die Verbindlichkeiten bei 100.000 Euro und mehr. Von den beratenen Personen hatten kinderlose Paare und die Altersgruppe der 55 bis unter 65-Jährigen im Durchschnitt Schulden von 53.000 bzw. 58.000 Euro angesammelt. Bei den unter 25-Jährigen beliefen sich die durchschnittlichen Schulden auf etwa 8.000 Euro.

Bei den beratenen Personen, die weder Verpflichtungen aus Hypothekenverbindlichkeiten hatten noch früher selbstständig waren, entfielen knapp die Hälfte aller Schulden auf Banken in Form von Raten- und Dispositionskrediten. Mit großem Abstand folgten die Schulden bei öffentlichen Gläubigern wie Finanzämtern (6 Prozent aller Schulden) sowie nicht geleistete Mietzahlungen (4 Prozent aller Schulden). Personen, die ihren Verpflichtungen für in Anspruch genommene Ratenkredite nicht mehr nachkommen konnten, standen bei ihren Banken im Durchschnitt mit 21.000 Euro im Soll. Hatte eine Person Schulden bei einer anderen Privatperson, so beliefen sich diese auf mehr als 10.000 Euro. Für nicht geleistete Unterhaltsverpflichtungen ergab sich ein durchschnittlicher Rückstand von 6.000 Euro.

Je nach Alter und Lebensform gibt es unterschiedliche Schwerpunkte, was die Art und Höhe der Schulden anbelangt. Beispielsweise hatten die unter 20-jährigen Überschuldeten von allen Altersklassen die höchsten durchschnittlichen Schulden bei Telefongesellschaften (1.900 Euro). Die 65 bis 70-jährigen Personen hatten unter allen Altersklassen mit durchschnittlich 3.900 Euro die höchsten Schulden bei Versandhäusern. Die höchsten Mietrückstände entfielen auf die 55 bis 65-Jährigen sowie alleinerziehende Frauen und Männer.

Unter der Annahme, dass die überschuldeten Haushalte, die keine Schuldnerberatungsstelle aufsuchen, ähnliche Schuldenstrukturen aufweisen wie die der beratenen Personen, liegt das gesamte Schuldenvolumen (ohne Selbstständige und Hypothekenschuldner) bei schätzungsweise 65 bis 70 Milliarden Euro. Dabei ist anzunehmen, dass der größte Teil der Forderungen uneinbringbar ist.

Datenquelle

Statistisches Bundesamt: Wirtschaft und Statistik 10/2007, Überschuldung privater Haushalte im Jahr 2006 (PDF-Version: 260 KB)

Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative-Commons-Lizenz
by-nc-nd/2.0/de lizenziert.

Überschuldung privater Haushalte

Anteil der Gründe* in Prozent, 2006

Arbeitslosigkeit 29,6
Trennung, Scheidung, Tod 13,1
gescheiterte Selbstständigkeit 10,3
unwirtschaftliche Haushaltsführung 8,5
Erkrankung, Sucht 8,3
gescheiterte Immobilienfinanzierung 3,8
unzureichende Kredit- oder Bürgschaftsberatung 3,4
Zahlungsverpflichtung aus Bürgschaft oder Mithaftung 1,5
Haushaltsgründung/Geburt eines Kindes 1,0
Schadenersatz wegen unerlaubter Handlungen 0,5
Unfall 0,3
Nichtinanspruchnahme von Sozialleistungen 0,2
sonstiges 19,5

* für die Statistik ist hier immer nur ein Hauptgrund maßgeblich.

Quelle: Statistisches Bundesamt: Wirtschaft und Statistik




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