PDF Version (126 KB) Fakten
Durch die Betrachtung der Einkommensschichtung können Aussagen darüber gemacht werden, wie gleich oder ungleich die Einkommen in der Bevölkerung verteilt sind. Bei der Einkommensschichtung wird das Einkommen jeder einzelnen Person in Beziehung zum Durchschnittseinkommen (arithmetisches Mittel) gesetzt. Bei der Berechnung der einzelnen Einkommen werden die unterschiedlichen Haushaltsstrukturen und die Einspareffekte, die durch das Zusammenleben entstehen, berücksichtigt. Dieses gewichtete Einkommen wird auch als Äquivalenzeinkommen bezeichnet.
Wenn das Einkommen einer Person beispielsweise bei 175 Prozent des durchschnittlichen Äquivalenzeinkommens liegt (2006: 1.437 Euro), fällt diese Person in die Einkommensgruppe "Relativer Wohlstand" (alle Einkommen zwischen mehr als 150 und 200 Prozent des arithmetischen Mittels). Als relativ arm gilt hier eine Person, deren gewichtetes Einkommen bei maximal 50 Prozent des arithmetischen Mittels liegt.
Von Anfang bis Mitte der 1990er Jahre hat sich der Anteil der Bevölkerung in der untersten und der in der obersten Einkommensgruppe verringert. Anders formuliert waren die Einkommen in Deutschland 1997 weniger ungleich verteilt als 1993. Auch die Einkommensverteilung in Westdeutschland in den Jahren 1985 und 1989 war ungleicher als 1997 in Deutschland.
Allerdings hat sich diese Entwicklung in den Folgejahren umgekehrt. Zwischen 1997 und 2006 erhöhte sich der Bevölkerungsanteil in der untersten Einkommensgruppe (Personen mit einem Einkommen von maximal 50 Prozent des arithmetischen Mittels) von 7,9 auf 11,4 Prozent. Parallel stieg der Bevölkerungsanteil in der obersten Einkommensgruppe (Personen mit einem gewichteten Einkommen von mehr als 200 Prozent des arithmetischen Mittels) von 3,4 auf 4,7 Prozent. Der Bevölkerungsumfang im mittleren Einkommensbereich ist nach einer kurzfristigen Zunahme gegen Ende der 1990er Jahre auf das langjährig weitgehend stabile Niveau zurückgegangen, um dann allerdings deutlich zu fallen.
Hier scheint sich das anzudeuten, was unter dem Begriff der schrumpfenden Mittelschicht diskutiert wird: Während die Bevölkerungsanteile am unteren und am oberen Ende der Einkommensschichtung – zumindest bei einem Vergleich der Jahre 1997 und 2006 – zunehmen, gehen die entsprechenden Anteile in den mittleren Schichten zurück.
Nach Angaben des SOEP lebten im Jahr 2006 13,9 Prozent der Bevölkerung in Deutschland in Armut (Personen in Haushalten mit einem Äquivalenzeinkommen von weniger als 60 Prozent des Median). Insgesamt 36,4 Prozent lebten im Niedrigeinkommensbereich (Personen in Haushalten mit einem Äquivalenzeinkommen von weniger als 75 Prozent des Median). Sowohl die Armuts- als auch die Niedrigeinkommensquote erreichten 2006 einen der höchsten Werte der letzten beiden Jahrzehnte. Zugleich haben sich die Einkommen der Armen immer weiter von der 60-Prozent-Armutsschwelle entfernt – die Intensität der Armut hat sich also erhöht.
Datenquelle
SOEP 1991 bis 2006
Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen
Um die unterschiedlichen Haushaltsstrukturen und die Einspareffekte, die durch das Zusammenleben entstehen, zu berücksichtigen, werden die Haushaltseinkommen gewichtet (Äquivalenzeinkommen).
Zur Ermittlung des Nettoäquivalenzeinkommens wird zunächst das von allen Haushaltsmitgliedern tatsächlich erzielte Haushaltseinkommen zusammengefasst. Anschließend wird das verfügbare Einkommen gewichtet bzw. das Äquivalenzeinkommen ermittelt. Dazu wird das verfügbare Haushaltseinkommen unter Berücksichtigung eines Gewichtungsschlüssels (Äquivalenzskala) geteilt. Die Äquivalenzskala weist dabei der ersten erwachsenen Person stets das Gewicht 1 zu. Weitere Erwachsene und Kinder ab 14 Jahren erhalten das Gewicht 0,5, Kinder unter 14 Jahren das Gewicht 0,3.
Ein Beispiel: Eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren hat nach der Äquivalenzskala das Gesamtgewicht 2,1 (1 plus 0,5 plus 0,3 plus 0,3). Zu Berechnung des Äquivalenzeinkommens muss das verfügbare Haushaltseinkommen demnach durch 2,1 – und nicht durch die Anzahl der Personen – geteilt werden. Bei einem verfügbaren Haushaltseinkommen von beispielsweise 2.100 Euro hat jedes der vier Haushaltsmitglieder ein Äquivalenzeinkommen von 1.000 Euro.
Zur Berechnung des Durchschnittseinkommens (arithmetisches Mittel) wird hier die Summe aller gewichteten Einkommen durch die Anzahl aller gewichteten Einkommen geteilt.
Zur Berechnung des Median (Zentralwert) werden hier alle Personen ihrem gewichteten Einkommen nach aufsteigend sortiert. Der Median ist der Einkommenswert derjenigen Person, die die Bevölkerung in genau zwei Hälften teilt. Das heißt, die eine Hälfte hat ein höheres, die andere ein niedrigeres gewichtetes Einkommen.

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Relative Einkommensposition
Verteilung der Bevölkerung auf verschiedene Einkommensgruppen in Prozent, 1985 bis 2006
| Einkommensgruppen* |
1985** |
1989** |
1993 |
1997 |
Anteile der Bevölkerung, in Prozent |
Höherer Wohlstand (>200 %) |
3,8 |
3,6 |
3,8 |
3,4 |
Relativer Wohlstand (>150 bis 200 %) |
7,2 |
7,3 |
8,5 |
7,6 |
gehobene Einkommenslage (>125 bis 150 %) |
11,6 |
11,5 |
9,8 |
10,1 |
mittlere bis gehobene Einkommenslage (>100 bis 125 %) |
18,5 |
18,5 |
18,5 |
18,3 |
untere bis mittlere Einkommenslage (>75 bis 100 %) |
25,8 |
27,2 |
27,1 |
28,8 |
Prekärer Wohlstand (>50 bis 75%) |
24,0 |
23,7 |
23,6 |
23,9 |
Relative Armut (≤50%) |
9,1 |
8,3 |
8,8 |
7,9 |
| Einkommensgruppen* |
2001 |
2005 |
2006 |
Anteile der Bevölkerung, in Prozent |
Höherer Wohlstand (>200 %) |
3,9 |
4,2 |
4,7 |
Relativer Wohlstand (>150 bis 200 %) |
8,5 |
8,3 |
8,1 |
gehobene Einkommenslage (>125 bis 150 %) |
9,0 |
9,8 |
9,5 |
mittlere bis gehobene Einkommenslage (>100 bis 125 %) |
18,4 |
16,6 |
16,1 |
untere bis mittlere Einkommenslage (>75 bis 100 %) |
28,3 |
26,4 |
25,2 |
Prekärer Wohlstand (>50 bis 75%) |
22,7 |
23,9 |
25,0 |
Relative Armut (≤50%) |
9,1 |
10,8 |
11,4 |
* nach Haushaltsnettoeinkommen pro Monat, äquivalenzgewichtet, in Prozent des arithmetischen Mittels ** nur Westdeutschland Quelle: SOEP 1991 bis 2006
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