PDF Version (141 KB) Fakten
Die tatsächliche steuerliche Belastung des Bruttoeinkommens wird als effektiver Steuersatz bezeichnet. Durch die so genannte Steuerprogression steigt die effektive Steuerbelastung mit steigendem Bruttoeinkommen. Nach Simulationsrechnungen führte das reichste Zehntel der Einkommensteuerpflichtigen (10. Dezil) im Durchschnitt 23,8 Prozent des Bruttoeinkommens an Einkommensteuer ab. Im Jahr 2007 hatten damit die obersten 10 Prozent der Einkommensteuerpflichtigen einen Anteil von 51,8 Prozent am gesamten Einkommensteueraufkommen. Bei den untersten 50 Prozent der Einkommensteuerpflichtigen (1. bis einschließlich 5. Dezil) lag der entsprechende Anteil bei lediglich 6,5 Prozent.
Laut einer aktuellen Studie des DIW Berlin zahlten die 450 Deutschen mit dem höchsten Einkommen im Jahr 2002 durchschnittlich 34,3 Prozent Einkommensteuer. Bei den obersten ein Prozent waren es 32,4 Prozent. Beide Werte liegen deutlich unter dem reinen Steuertarif. Ursache hierfür ist die große Lücke zwischen Bruttoeinkommen und zu versteuerndem Einkommen, die durch Steuerbefreiungen, Freibeträge, Abzugsbeträge oder andere Steuervergünstigungen entsteht.
Trotz der Gestaltungs- und Steuervermeidungsmöglichkeiten tragen die Einkommensbezieher mit den höchsten Einkommen einen Großteil der Steuerlast: Nach Angaben des BMF gab es 2003 mehr als 804.000 Einkommensteuerpflichtige, die mit dem Einkommensteuer-Höchstsatz besteuert wurden. Das waren 2,97 Prozent aller unbeschränkt Einkommensteuerpflichtigen. Diese knapp 3 Prozent bezogen 17,2 Prozent aller zu versteuernder Einkommen; ihr Anteil am Einkommensteueraufkommen lag mit 29,6 Prozent nochmals höher. Im selben Jahr hatten 28.077 Steuerpflichtige Einkünfte von 0,5 Millionen Euro oder mehr (1961: 1.641 Steuerpflichtige). Sie stellten 0,10 Prozent der Steuerpflichtigen, sie bezogen 3,95 Prozent aller Einkünfte und ihr Anteil am Einkommensteueraufkommen lag bei 7,94 Prozent. Der progressiv ausgestaltete Einkommensteuertarif dämpft also die Ungleichheit der Bruttoeinkommen. Allerdings sank laut DIW die effektive Steuerbelastung der Spitzenverdiener in den Jahren 1992 bis 2002 um 10 Prozentpunkte; für den Durchschnittsbürger blieb sie dagegen unverändert.
Datenquelle
Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS): Lebenslagen in Deutschland (PDF-Version: 1.640 KB); Simulationsrechnungen RWI und FiFo 2008; Bundesministerium der Finanzen (BMF): Datensammlung zur Steuerpolitik; Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin): Pressemitteilung
Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen
Für die Berechnung der Anteile am Einkommensteueraufkommen nach Dezilen werden zunächst alle Einkommensteuerleistungen der Einkommensteuerpflichtigen aufsteigend nach der Höhe sortiert. Dann wird die Verteilung in 10 gleich große Teile (Dezile) zerlegt und für jedes Dezil die Summe der Einkommensteuerleistungen berechnet. Anschließend wird der Anteil der Einkommensteuerleistung der einzelnen Dezile am gesamten Einkommensteueraufkommen berechnet.
Der effektive Steuersatz entspricht der tatsächlichen steuerlichen Belastung des Bruttoeinkommens. Der Durchschnittssteuersatz entspricht der steuerlichen Belastung des zu versteuernden Einkommens. Im Zusammenhang mit der Einkommensteuer gibt der Grenzsteuersatz an, mit welchem Steuersatz der nächste verdiente Euro besteuert wird.

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Einkommensteueranteile
Nach Dezilen, hochgerechnet auf das Jahr 2007*
| |
Bruttojahres- einkommen, in Euro |
Durchschnittlicher effektiver Steuersatz, in Prozent |
Anteile am Einkommen- steueraufkommen, in Prozent |
| 1. Dezil |
1.679 |
– |
– |
| 2. Dezil |
7.557 |
1,2 |
0,1 |
| 3. Dezil |
12.921 |
2,4 |
0,6 |
| 4. Dezil |
17.145 |
5,5 |
2,0 |
| 5. Dezil |
21.083 |
8,4 |
3,8 |
| 6. Dezil |
25.210 |
10,8 |
5,8 |
| 7. Dezil |
29.565 |
13,1 |
8,3 |
| 8. Dezil |
34.816 |
15,2 |
11,3 |
| 9. Dezil |
42.982 |
17,8 |
16,4 |
| 10. Dezil |
88.948 |
23,8 |
51,8 |
* Zur Einteilung der Dezile werden die Haushaltsbruttoeinkommen aus den Stichprobendaten der Einkommensteuerstatistik aus 2001 (FAST2001) berechnet. Dabei ist zum einen zu beachten, dass in den Daten nur diejenigen Steuerpflichtigen erfasst sind, die eine Steuererklärung abgegeben haben. Insbesondere in den unteren Dezilen wird deshalb nur ein Ausschnitt der Bevölkerung erfasst. Zum anderen sind in dem hier berechneten Bruttoeinkommen nur solche Einkünfte enthalten, die in der Einkommensteuerstatistik vorliegen. Das bedeutet, dass z. B. Kapitaleinkünfte unterhalb des Sparerfreibetrags nicht erfasst werden. Genauso wenig sind Angaben über Einkünfte, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen, systematisch zu ermitteln. Die Stichprobendaten geben lediglich Auskunft über die Höhe des sich aus dem Progressionsvorbehalt ergebenden Steuersatzes und das diesem Steuersatz unterliegende zu versteuernde Einkommen. Die zugrunde liegenden Daten geben den Stand des Jahres 2001 wieder und wurden erstmals im Jahr 2007 vom Statistischen Bundesamt zur Verfügung gestellt. Unter Berücksichtigung der Veränderungen der Bevölkerungs- und Einnahmenstruktur sowie der Änderungen im Steuerrecht sind sie auf das Jahr 2007 hochgerechnet worden. Aus diesen Gründen weichen die Ergebnisse leicht von den vom BMF für das Jahr 2007 veröffentlichten Werten ab. Danach beträgt der Beitrag der obersten 10% der Einkommensteuerpflichtigen zum Steueraufkommen 53% (BMF: Datensammlung zur Steuerpolitik, Ausgabe 2007). Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS): Lebenslagen in Deutschland; Simulationsrechnungen RWI und FiFo 2008
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