Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Sozialbudget

11.6.2014
Nach dem Sozialbudget 2011 wurden insgesamt 768 Mrd. € für soziale Leistungen ausgegeben. Ohne Verwaltungsausgaben entfielen davon 303 Mrd. € auf die Bereiche Krankheit und Invalidität sowie 298 Mrd. € auf Alter und Hinterbliebene.

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Fakten



Die Bundesregierung gibt mit dem Sozialbudget jährlich einen Überblick über das Leistungsspektrum und die Finanzierung der sozialen Sicherung. Nach den vorläufigen Daten für das Sozialbudget 2011 wurden insgesamt 768,1 Milliarden Euro für soziale Leistungen ausgegeben (Schätzung für 2012: 782,4 Mrd. Euro). Ohne Verwaltungsausgaben entfielen davon 303,3 Milliarden Euro auf die Bereiche Krankheit und Invalidität, 297,6 Milliarden Euro auf Alter und Hinterbliebene sowie 81,9 Milliarden Euro auf die Bereiche Kinder, Mutterschaft und Ehegatten. Auf den Bereich Arbeitslosigkeit entfielen 34,3 Milliarden Euro, die Verwaltungsausgaben lagen bei 28,3 Milliarden Euro. Der Rest entfiel auf die Bereiche Wohnen (16,5 Mrd. Euro), allgemeine Lebenshilfen (3,9 Mrd. Euro) und Sonstiges (2,3 Mrd. Euro).

Ausgehend von den genannten Funktionsbereichen zeigt eine Gliederung des Sozialbudgets nach Institutionen, dass im Jahr 2011 der mit Abstand größte Teil der Leistungen (ohne Verwaltungs- und sonstige Ausgaben) über die Rentenversicherung (34,2 Prozent von insgesamt 737,4 Mrd. Euro) und die Krankenversicherung (22,8 Prozent) erbracht wurde. Weitere große Bereiche waren die Pensionen des öffentlichen Dienstes (6,0 Prozent), das Kindergeld und der Familienleistungsausgleich (5,6 Prozent), die Grundsicherung für Arbeitsuchende (5,0 Prozent), die Entgeltfortzahlung durch die Arbeitgeber (4,3 Prozent), die Kinder- und Jugendhilfe (3,6 Prozent) sowie die Sozialhilfe (3,5 Prozent) und die Arbeitslosenversicherung (3,5 Prozent).

Bei der Finanzierung der sozialen Sicherung entfiel im Jahr 2011 mit 41,4 Prozent der größte Anteil auf den Staat – also auf den Bund (23,2 Prozent), die Länder (8,7 Prozent) und die Gemeinden (9,5 Prozent). Die privaten Haushalte hatten (insbesondere über die Sozialbeiträge) einen Anteil von knapp einem Drittel (30,1 Prozent), die Unternehmen von gut einem Viertel (26,6 Prozent) an der Finanzierung. Der Rest entfiel vor allem auf private Organisationen. Gegenüber dem Jahr 1991 reduzierte sich der Anteil der Unternehmen um 8,5 Prozentpunkte, parallel nahm der Anteil der privaten Haushalte bzw. des Staates um 1,6 bzw. 6,9 Prozentpunkte zu. Allein der Anteil des Bundes erhöhte sich zwischen 1991 und 2011 um 4,9 Prozentpunkte von 18,3 auf 23,2 Prozent.

Insgesamt nahm das Sozialbudget zwischen 1991 und 2001 um 57,4 Prozent und zwischen 2001 und 2011 um 22,9 Prozent zu. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs in denselben Zeiträumen um 37,0 bzw. 24,2 Prozent. Abgesehen von der Phase direkt nach der Wiedervereinigung folgte die Entwicklung der Sozialleistungen im Zeitraum 1993 bis 2011 im Wesentlichen dem Wirtschaftswachstum.

Das Verhältnis der Sozialleistungen zum BIP – die Sozialleistungsquote – erhöhte sich in Westdeutschland zwischen 1970 und 1975 von 20,2 auf 26,3 Prozent. In den Folgejahren reduzierte sich die Quote – abseits kleinerer Schwankungen im Zeitverlauf – stetig und lag 1990 bei 24,1 Prozent. Im wiedervereinigten Deutschland stieg die Sozialleistungsquote zwischen 1991 und 1996 von 25,9 auf 29,5 Prozent. Nach Angaben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) ergab sich dieser Anstieg "aus dem Integrationsprozess der neuen Länder (vor allem 1991/1992) und der Einführung der sozialen Pflegeversicherung und des neu geordneten Familienleistungsausgleichs (1995/1996)". Bis 2001 blieb die Sozialleistungsquote relativ stabil. Zwischen 2001 und 2003 führte die ungünstige Wirtschaftsentwicklung zu einem Anstieg der Quote von 29,7 auf 30,8 Prozent.

Laut BMAS führten Konsolidierungsanstrengungen im Bereich der Sozialversicherung und das sich ab 2003 beschleunigende Wirtschaftswachstum zu einem Rückgang der Sozialleistungsquote auf 27,8 Prozent im Jahr 2007 und damit auf den niedrigsten Stand seit 1992. Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise bzw. die daraus resultierende Rezession führte im Jahr 2009 zu einem deutlichen Anstieg der Sozialleistungen und zu einem ebenso deutlichen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts. In der Folge stieg die Sozialleistungsquote auf 31,5 Prozent (da zusätzlich seit 2009 wesentliche Teile der privaten Krankenversicherung erfasst werden, kann dieser Wert jedoch nicht mit den Werten früherer Jahre verglichen werden). 2010/2011 führten gute Konjunkturdaten und niedrige Leistungszuwächse zu einem Rückgang der Sozialleistungsquote. Im Jahr 2011 entsprachen die Sozialleistungen nach vorläufigen Ergebnissen 29,6 Prozent des BIP (Schätzung für 2012: 29,6 Prozent).

Ein Rückgang oder eine Erhöhung der Quote ist allerdings nicht immer gleichbedeutend mit einer Senkung oder einer Steigerung des Versorgungsniveaus. So führen beispielsweise Fortschritte bei der Unfallprävention zu einer Reduzierung der Leistungen im Bereich der Unfallversicherung, ohne dass sich dadurch das Versorgungsniveau verändert. Eine effizientere Mittelverwendung zum Beispiel im Verwaltungsbereich hat den gleichen Effekt. Andererseits können Zuwächse bei den Gesamtausgaben auch mit einer Absenkung des Leistungsniveaus pro Kopf einhergehen.

Datenquelle



Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS): Sozialbericht 2013

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung), soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden. Das BIP ist gegenwärtig das wichtigste gesamtwirtschaftliche Produktionsmaß.

Tabelle: Sozialbudget



Leistungen nach Arten und Funktionen, 2011*

insgesamt Anteile am Sozialbudget Einkommens-
leistungen
Sach-
leistungen
in Mio. Euro in Prozent in Mio. Euro in Mio. Euro
Krankheit 245.413 32,0 39.355 206.057
Alter 244.692 31,9 244.267 425
Kinder 77.684 10,1 50.937 26.746
Invalidität 57.879 7,5 38.237 19.643
Hinterbliebene 52.864 6,9 52.695 169
Arbeitslosigkeit 34.270 4,5 32.807 1.463
Wohnen 16.479 2,1 16.479
allgemeine Lebenshilfen 3.906 0,5 3.060 846
Mutterschaft 2.138 0,3 2.138
Ehegatten 2.080 0,3 2.080
Verwaltungsausgaben 28.319 3,7
sonstiges 2.348 0,3
insgesamt 768.071 100,0 465.577 271.827

* vorläufige Daten, Datenstand Mai 2013

Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS): Sozialbericht 2013


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