Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Reale und nominale Lohnentwicklung

27.9.2013
In den letzten 20 Jahren wurde die Steigerung der Bruttomonatsverdienste insgesamt durch die Steigerung der Verbraucherpreise aufgehoben. Im Zeitraum 1992 bis 2012 sanken die Reallöhne um 1,6 Prozent.

Einkommensverteilung (I).Klicken Sie auf die Grafik, um das PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten



Der Nominallohnindex bildet die Veränderung der durchschnittlichen Bruttomonatsverdienste einschließlich der Sonderzahlungen im Produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich ab. Er bezieht sich auf die vollzeit-, teilzeit- und geringfügig beschäftigten Arbeitnehmer. Der Verbraucherpreisindex spiegelt die Entwicklung der Preise wider. Der Reallohnindex berücksichtigt sowohl die Entwicklung der Verdienste als auch die Preisentwicklung. Bei einer positiven Veränderungsrate des Reallohnindex sind die Verdienste stärker gestiegen als die Verbraucherpreise, bei einer negativen Veränderungsrate ist es entsprechend umgekehrt. In den letzten 20 Jahren hat sich der Reallohnindex insgesamt nur wenig verändert – die Steigerung der Bruttomonatsverdienste wurde also im Wesentlichen durch die Steigerung der Verbraucherpreise aufgehoben. Zwischen 1991 und 2012 stieg der Index – abseits der Schwankungen im Zeitverlauf – von 98,6 auf 101,7. Das entspricht einem Plus von lediglich 3,1 Prozent. Wird der Zeitraum 1992 bis 2012 betrachtet, sank der Index sogar um 1,6 Prozent. Auf die Stagnation des Index in den Jahren 1999 bis 2003 (jeweils 102,1), folgte ein Rückgang auf 98,2 bis zum Jahr 2007. Erst in den Jahren nach 2007 stiegen die Bruttolöhne stärker als die Preise – bis 2012 erhöhte sich der Index auf 101,7, gegenüber dem Jahr 2007 entspricht das einem Plus von 3,6 Prozent.

Die nominalen Bruttomonatsverdienste aller Arbeitnehmer stiegen zwischen 2007 und 2012 im Durchschnitt um 12,2 Prozent. Allerdings bestehen Unterschiede zwischen den einzelnen Arbeitnehmergruppen. Beispielsweise sind die nominalen Bruttomonatsverdienste für Arbeitnehmer in leitender Stellung (plus 15,5 Prozent) und für herausgehobene Fachkräfte (plus 12,8 Prozent) überdurchschnittlich stark gestiegen. Fachkräfte (plus 10,9 Prozent), angelernte Arbeitnehmer (plus 10,0 Prozent) und ungelernte Arbeitnehmer (plus 9,8 Prozent) konnten zwar auch die Steigerung der Verbraucherpreise (plus 8,3 Prozent) kompensieren, die Verdienste nahmen aber trotzdem nur unterdurchschnittlich zu. Entsprechend hat sich der Lohnabstand zwischen den einzelnen Arbeitnehmergruppen von 2007 bis 2012 vergrößert.

Nicht nur die nominalen Bruttomonatsverdienste der einzelnen Arbeitnehmergruppen haben sich unterschiedlich entwickelt. Für den Zeitraum 2007 bis 2012 bestehen auch Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland (plus 11,9 Prozent / plus 13,9 Prozent), zwischen Männern und Frauen (plus 11,9 Prozent / plus 12,8 Prozent) und zwischen Voll- und Teilzeitbeschäftigten sowie geringfügig Beschäftigten (plus 11,9 Prozent / plus 13,7 Prozent / plus 8,3 Prozent).

Im Jahr 2012 lag der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst der vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmer in Deutschland bei 3.391 Euro pro Monat (Männer: 3.595 Euro / Frauen: 2.925 Euro). Sonderzahlungen – zum Beispiel Urlaubs- oder Weihnachtsgeld – sind dabei nicht berücksichtigt. Die Bereiche "Energieversorgung", "Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienst-leistungen" sowie "Information und Kommunikation" waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2012 die Bereiche mit den höchsten Verdiensten. Die durchschnittlichen Bruttoverdienste der Vollzeitbeschäftigten lagen hier zwischen 4.480 und 4.413 Euro pro Monat. Die niedrigsten Bruttomonats-verdienste wurden im "Gastgewerbe" mit 2.002 Euro gezahlt.

Innerhalb der Bereiche ist die Spannbreite bei den Verdiensten noch ausgeprägter. Die Branche "Gewinnung von Erdöl und Erdgas" (6.862 Euro) steht an der Spitze der Skala, vor "Kokerei und Mineralölverarbeitung" (5.244 Euro) sowie "Verwaltung und Führung von Unternehmen und Betrieben; Unternehmensberatung" (4.889 Euro). Am unteren Ende rangieren die Bereiche "Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften" (1.841 Euro), "Gastronomie" (1.968 Euro) sowie "Beherbergung" (2.032 Euro).

Datenquelle



Statistisches Bundesamt: Verdienste und Arbeitskosten, www.destatis.de

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Die Angaben beziehen sich – soweit nicht anders angegeben – auf das Produzierende Gewerbe und den Dienstleistungsbereich ohne Sonderzahlungen.

Das Statistische Bundesamt weist darauf hin, dass die "veröffentlichten Verdienstangaben arithmetische Mittelwerte sind. Wichtig für die Interpretation dieser Werte ist eine Vorstellung über die Verteilung der Beschäftigten um diesen Mittelwert: Aus der Verdienststrukturerhebung 2010 ist bekannt, dass knapp 2 von 3 Vollzeitbeschäftigten (62 Prozent) weniger verdienen als den gesamtwirtschaftlichen Durchschnittswert; nur ein gutes Drittel (38 Prozent) hat höhere Bruttoverdienste. Dieses Drittel hat so hohe Verdienste, dass der Durchschnittswert für alle Beschäftigten "nach oben" gezogen wird."

Tabelle: Reale und nominale Lohnentwicklung



Reallohnindex, Nominallohnindex sowie Verbraucherpreisindex, 1991 bis 2012

Reallohnindex* Nominallohnindex* Verbraucherpreisindex
2010 = 100 Veränderung zum Vorjahres-zeitraum,
in Prozent
2010 = 100 Veränderung zum Vorjahres-zeitraum,
in Prozent
2010 = 100 Veränderung zum Vorjahres-zeitraum,
in Prozent
1991 98,6 69,2 70,2
1992 103,4 4,9 76,3 10,3 73,8 5,1
1993 103,2 -0,1 79,6 4,3 77,1 4,5
1994 102,5 -0,7 81,1 1,9 79,1 2,6
1995 103,7 1,2 83,5 3,0 80,5 1,8
1996 103,6 -0,2 84,5 1,2 81,6 1,4
1997 101,6 -1,9 84,5 0,0 83,2 2,0
1998 101,4 -0,1 85,2 0,8 84,0 1,0
1999 102,1 0,7 86,3 1,3 84,5 0,6
2000 102,1 0,0 87,5 1,4 85,7 1,4
2001 102,1 0,0 89,2 1,9 87,4 2,0
2002 102,1 0,1 90,5 1,5 88,6 1,4
2003 102,1 0,0 91,5 1,1 89,6 1,1
2004 101,1 -1,0 92,0 0,5 91,0 1,6
2005 99,8 -1,3 92,3 0,3 92,5 1,6
2006 99,0 -0,7 93,0 0,8 93,9 1,5
2007 98,2 -0,8 94,4 1,5 96,1 2,3
2008 98,7 0,5 97,3 3,1 98,6 2,6
2009 98,5 -0,2 97,4 0,1 98,9 0,3
2010 100,0 1,5 100,0 2,7 100,0 1,1
2011 101,2 1,2 103,3 3,3 102,1 2,1
2012 101,7 0,5 105,9 2,5 104,1 2,0

* Datenquelle: Ab 2007 Vierteljährliche Verdiensterhebung, vor 2007 Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen zum Stand 2. Quartal 2012.

Quelle: Statistisches Bundesamt: Verdienste und Arbeitskosten


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