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Gesundheit
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Fakten

Die Gesetzlichen Krankenkassen ermitteln jeweils zum 1. des Monats die Zahl der Pflichtmitglieder, die aufgrund einer Erkrankung arbeitsunfähig sind. Unberücksichtigt bleiben dabei Personen, für die in der Regel keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausgestellt wird (zum Beispiel Rentner, Behinderte, Studenten). Der Krankenstand – also der Anteil der arbeitsunfähig Kranken an allen Pflichtmitgliedern (ohne Rentner) – hat im Jahr 2007 einen historischen Tiefstand von 3,22 Prozent erreicht. Während sich der Krankenstand in Westdeutschland zwischen 1983 und 1991 noch von 4,44 auf 5,21 Prozent erhöhte, ist er seit 1995 tendenziell gefallen. In Ostdeutschland stieg der entsprechende Wert zwischen 1991 und 1995 von 4,01 auf 5,09 Prozent und ist seitdem ebenfalls stark rückläufig.

Nach Angaben des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) bestehen beim Krankenstand erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen: Die niedrigsten Ausfallzeiten entfielen im Jahr 2006 auf die Bereiche Datenverarbeitung (2,2 Prozent) und das Kreditgewerbe (2,7 Prozent). Die höchsten Ausfallzeiten hatten die Branchen Abfall- und Abwasserbeseitigung (6,1 Prozent), Metallerzeugung und -bearbeitung, Tabakverarbeitung sowie die Recyclingbranche (jeweils 5,2 Prozent). Generell sind die Ausfallzeiten bei den Personen überdurchschnittlich hoch, die besonderen physischen und psychischen Belastungen ausgesetzt sind – zum Beispiel Nacht- und Schichtarbeit, körperliche Schwerarbeit, Arbeit unter starken Witterungseinflüssen, Tätigkeiten mit hohem Unfallrisiko oder konzentrationsfordernde monotone Arbeiten.

Im Jahr 2006 waren die gut neun Millionen erwerbstätigen AOK-Mitglieder durchschnittlich 15,4 Kalendertage krankgeschrieben (2005: 16,0 Tage; 2007: 16,3 Tage). Die durchschnittliche Zahl an Arbeitsunfähigkeitstagen schwankte dabei zwischen 3,4 Tagen bei Naturwissenschaftlern und 26,5 Tagen bei Straßenreinigern bzw. Abfallbeseitigern. Insgesamt weisen ältere Beschäftigte deutlich höhere krankheitsbedingte Fehlzeiten auf als Jüngere. Der Anteil der Beschäftigten, die überhaupt nicht krank geschrieben waren, lag im Jahr 2007 bei 48,8 Prozent (2005: 48,5 Prozent; 2006: 50,7 Prozent).

Die meisten Ausfalltage waren im Jahr 2007 auf Muskel- und Skeletterkrankungen (24,2 Prozent), Verletzungen (12,8 Prozent), Atemwegserkrankungen (12,5 Prozent) und psychische Erkrankungen (8,1 Prozent) zurückzuführen. Entgegen dem Gesamttrend stiegen die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen seit 1997 um 62,3 Prozent. Dies liegt zum einen an einem Anstieg der Erkrankungsraten, zum anderen aber auch an veränderten Diagnosestellungen der Ärzte.

Fast zwei Drittel der Fälle von Arbeitsunfähigkeit (AU-Fälle) im Jahr 2007 gingen auf Erkrankungen mit einer Dauer von bis zu sieben Tagen zurück (65,4 Prozent). Demgegenüber machen Langzeiterkrankungen, die mehr als sechs Wochen dauern, nur einen kleinen Teil der AU-Fälle aus (4,2 Prozent). Allerdings verursachen Langzeiterkrankungen, auch wenn sie nicht häufig auftreten, den Großteil der AU-Tage (38,8 Prozent).

Neben den Veränderungen in der Beschäftigtenstruktur und einer verbesserten Gesundheitsvorsorge in den Betrieben sind auch andere Gründe für den Rückgang des Krankenstandes verantwortlich: Laut den Ergebnissen einer repräsentativen Befragung des WIdO kam es im Jahr 2006 bei knapp zwei Dritteln der Beschäftigten vor, dass sie zur Arbeit gingen, obwohl sie sich "richtig krank" fühlten. Jeder dritte Arbeitnehmer erschien sogar mit gesundheitlichen Beschwerden am Arbeitsplatz, obwohl der Arzt davon abgeraten hatte.

Neun von zehn Arbeitnehmern (93,0 Prozent) gingen auch dann zur Arbeit, wenn es ihnen "nicht so gut geht". Bagatellerkrankungen wie "eine leichte Erkältung oder Kopfschmerzen" waren für 77,0 Prozent kein Grund, sich krank zu melden. Bei erwerbstätigen Frauen ist der Anteil derer, die trotz Krankheit ihrer Arbeit nachgingen, deutlich höher als bei Männern (64,4 gegenüber 58,9 Prozent). Auch der Anteil der Frauen, die entgegen ärztlichem Rat zur Arbeit gingen, war erheblich höher als bei den Männern.

Als Beweggründe für das Arbeiten trotz gesundheitlicher Beschwerden wurden am häufigsten eine hohe Arbeitsbelastung (48,5 Prozent) und die Angst um den Arbeitsplatz (30,2 Prozent) angegeben. Weitere Gründe waren Verantwortung und Pflichtgefühl (13,3 Prozent), die Vermeidung von Ärger mit Kollegen (11,5 Prozent) sowie Probleme mit dem Arbeitgeber bei Krankmeldungen (9,2 Prozent).

Fast jeder Fünfte gab an, im vorangehenden Jahr zur Genesung Urlaub genommen zu haben. Viele warten das Wochenende ab, um sich auszukurieren. Die Mehrheit der Beschäftigten (82,4 Prozent) meldete sich nur mit ärztlichem Attest krank.

Datenquelle

Bundesministerium für Gesundheit (BMG): Gesetzliche Krankenversicherung: Krankenstand (PDF-Version: 800 KB); Wissenschaftliches Institut der AOK (www.wido.de): Pressemitteilungen; Badura/Schröder/Vetter (Hrsg.): Fehlzeiten-Report 2007

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Da die statistische Erfassung der Arbeitsunfähigkeit primär auf die AU-Bescheinigung des behandelnden Arztes abstellt, können insbesondere bei den Kurzzeitarbeitsunfähigkeiten Untererfassungen auftreten. Andererseits bescheinigt der Arzt nur die voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit; tritt jedoch vorher wieder Arbeitsfähigkeit ein, erhält auch in diesen Fällen die Krankenkasse nur selten eine Meldung.

Bei den Angaben zum Krankenstand ist weiter zu berücksichtigen, dass ein Stichtag, der auf einen Sonn- bzw. Feiertag oder in die Ferienzeit fällt, zu einem geringeren Krankenstand führen kann.

Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative-Commons-Lizenz
by-nc-nd/2.0/de lizenziert.

Krankenstand der Pflichtmitglieder in der GKV

Anteil der arbeitsunfähig kranken Pflichtmitglieder an allen Pflichtmitgliedern (ohne Rentner) in Prozent, jeweils am 1. des Monats, 1970 bis 2007

  Westdeutschland Ostdeutschland Deutschland
1970 5,6    
1971 5,3    
1972 5,5    
1973 5,86    
1974 5,55    
1975 5,30
1976 5,32
1977 5,39
1978 5,53
1979 5,65
1980 5,67
1981 5,27
1982 4,65
1983 4,44
1984 4,54
1985 4,66
1986 4,75
1987 4,83
1988 4,95
1989 5,07
1990 5,20
1991 5,21 4,01 4,89
1992 5,09 4,16 4,85
1993 4,85 4,39 4,73
1994 4,85 4,57 4,78
1995 5,06 5,09 5,07
1996 4,68 4,96 4,74
1997 4,12 4,38 4,18
1998 4,07 4,29 4,11
1999 4,20 4,48 4,26
2000 4,18 4,31 4,21
2001 4,16 4,25 4,18
2002 3,99 4,06 4,00
2003 3,58 3,65 3,60
2004 3,37 3,41 3,38
2005* 3,62 3,85 3,66
2006* 3,29 3,39 3,31
2007* 3,16 3,48 3,22

* ohne ALG II-Empfänger

Quelle: Bundesministerium für Gesundheit (BMG): Gesetzliche Krankenversicherung: Krankenstand




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