Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Rauchgewohnheiten

9.11.2013
Neben Tabak werden noch andere "Alltagsdrogen" und auch illegale Drogen konsumiert. So ist beispielsweise der bestehende Alkoholkonsum bei etwa 9,5 Millionen Menschen in Deutschland gesundheitlich riskant, wobei davon rund 1,3 Millionen Personen als alkoholabhängig gelten.

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Fakten



Laut dem Drogen- und Suchtbericht 2013 verkürzt Tabakkonsum das Leben um durchschnittlich etwa zehn Jahre. Mit etwa 110.000 Todesfällen pro Jahr stellt das Rauchen das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko in Deutschland dar. Mehr als die Hälfte aller regelmäßigen Raucher stirbt vorzeitig an Lungenkrebs, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder einer anderen Atemwegserkrankung. Jeder zweite dieser vorzeitigen Todesfälle tritt bereits im mittleren Lebensalter ein.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes und bezogen auf die 15-jährige und ältere Bevölkerung lag der Anteil der Raucher im Jahr 2009 bei den Männern bei 30,5 Prozent und bei den Frauen bei 21,2 Prozent. 4,1 Prozent der Männer rauchten dabei gelegentlich, 26,4 Prozent regelmäßig (darunter 4,3 Prozent stark, also mindestens 20 Zigaretten am Tag). Bei den Frauen rauchten 3,5 Prozent gelegentlich, 17,6 Prozent regelmäßig (darunter 1,6 Prozent stark). Bei den Männern hatten die regelmäßigen Raucher den höchsten Anteil in der Altersgruppe der 25- bis unter 30-Jährigen (37,9 Prozent), bei den Frauen war der entsprechende Anteil bei den 20- bis unter 25-Jährigen sowie bei den 45- bis unter 50-Jährigen am höchsten (jeweils 26,8 Prozent). Laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat sich der Anteil der Raucher unter den 12- bis 17-Jährigen innerhalb von zehn Jahren mehr als halbiert (2001: 27,5 Prozent / 2011: 11,7 Prozent).

Neben Tabak werden noch andere "Alltagsdrogen" und auch illegale Drogen konsumiert. Hierzu geben der Drogen- und Suchtbericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung beziehungsweise die darin zitierten Studien einen umfassenden Überblick. So ist der bestehende Alkoholkonsum bei etwa 9,5 Millionen Menschen in Deutschland gesundheitlich riskant, wobei davon rund 1,3 Millionen Personen als alkoholabhängig gelten. Die volkswirtschaftlichen Kosten, die durch den erhöhten Alkoholkonsum entstehen, belaufen sich auf 26,7 Milliarden Euro, davon sind allein 7,4 Milliarden direkte Kosten im Gesundheitssystem. Jährlich sterben etwa 74.000 Personen direkt (durch Alkoholmissbrauch) oder indirekt (unter anderem durch alkoholbedingte Unfälle) an den Folgen des Alkoholkonsums.

Zwischen 2000 und 2011 stieg die Zahl der wegen einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingelieferten Personen von 54.041 auf 116.423 (Männer: 38.843/81.709; Frauen: 15.198/34.714). In keiner Altersgruppe gab es dabei so viele Fälle wie bei den 15- bis unter 20-Jährigen – und zwar sowohl bei den Männern (2011: 14.239) als auch bei den Frauen (2011: 7.936). Insgesamt erhöhte sich die Zahl der wegen einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingelieferten 15- bis unter 20-Jährigen zwischen 2000 und 2011 von 7.320 auf 22.175 (plus 203 Prozent). Die Zahl der 10- bis unter 15-Jährigen stieg im selben Zeitraum von 2.194 auf 4.174 (plus 90 Prozent) – sie lag damit aber unter dem bisherigen Höchstwert im Jahr 2008 mit 4.512 Fällen.

Weiter gelten in Deutschland 1,4 bis 1,5 Millionen Menschen als medikamentenabhängig. Ein ganz überwiegender Teil der Betroffenen ist von Benzodiazepinen und Non-Benzodiazepinen abhängig – also von Medikamenten, mit denen unter anderem Schlafstörungen, Angstzustände sowie innere Unruhe und Anspannungen behandelt werden.

Vor allem ältere Menschen nehmen Beruhigungsmittel über einen problematisch langen Zeitraum ein, dabei Frauen deutlich häufiger als Männer. Etwa 5 Prozent aller Studierenden nehmen Schmerzmittel, Beruhigungsmittel, Psychostimulanzien oder Aufputschmittel zur Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit ein. Allerdings nimmt lediglich ein Prozent der befragten Studierenden solche Mittel häufig ein. Anders als Drogen- der Alkoholsucht verläuft die Abhängigkeit von Medikamenten meistens schleichend und unauffällig. In vielen Fällen wird die Abhängigkeit von Medikamenten weder von den Personen selbst noch von ihrem sozialen Umfeld als echte Erkrankung wahrgenommen.

Rund jeder vierte Erwachsene (2009: 26,5 Prozent) im Alter von 18 bis 64 Jahren hat schon einmal eine illegale Droge probiert. Dabei handelt es sich überwiegend um Cannabisprodukte. 7,4 Prozent der Erwachsenen probierten bereits andere illegale Substanzen wie Kokain, Amphetamine oder Heroin – der aktuelle Konsum (bezogen auf die letzten 30 Tage vor der Befragung) liegt mit 0,6 Prozent jedoch deutlich niedriger. Schätzungen zufolge konsumieren insgesamt etwa 200.000 Personen in Deutschland illegale Substanzen risikoreich (ohne Cannabis), die Mehrheit davon injiziert Heroin.

Bei den Kindern und Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren hat etwa jede vierzehnte Person (2011: 7,2 Prozent) bereits Erfahrungen mit illegalen Drogen gemacht. Dabei lag bei 4,9 Prozent der letzte Konsum nicht länger als zwölf Monate zurück, bei 2,0 Prozent waren es maximal 30 Tage (jeweils bezogen auf den Zeitpunkt der Befragung). Der Anteil der 12- bis 17-jährigen Jugendlichen, die in den letzten zwölf Monaten vor der Befragung Cannabis konsumiert haben, lag im Jahr 2011 bei 4,6 Prozent (2001: 9,2 Prozent). Bei den 18- bis 25-jährigen jungen Erwachsenen lag der entsprechende Wert bei 13,5 Prozent (2001: 13,8 Prozent). Ein regelmäßiger Konsum illegaler Drogen ist für etwa jeden hundertsten Jugendlichen festzustellen: Insgesamt 0,9 Prozent der 12- bis 17-Jährigen geben an, in den letzten zwölf Monaten eine illegale Droge (in den meisten Fällen Cannabis) mehr als zehnmal genommen zu haben.

Im Jahr 2012 verstarben 994 Menschen nach dem Konsum von illegalen Drogen – das ist der niedrigste Stand seit 1988. Von den Drogentoten waren 81 Prozent Männer und 19 Prozent Frauen. Das Durchschnittsalter lag 2012 bei gut 37 Jahren. Die Zahl der erstauffälligen Konsumenten sogenannter harter Drogen lag im Durchschnitt der Jahre 2003 bis 2012 bei 19.380 (2012: 19.559).

Neben den stoffgebundenen Süchten gibt es auch die nicht-stoffgebundenen Süchte wie zum Beispiel Spiel- oder Esssucht. Glücksspiel ist im Alltag weit verbreitet. Rund jeder zweite Erwachsene (45 Prozent) spielt im Verlauf eines Jahres eines oder mehrere der öffentlich angebotenen Glücksspiele. Am häufigsten werden die staatlichen Lotterien und Sofortlotterien/Rubbellose genutzt, gefolgt von anderen Lotterien und dem Glücksspiel an Geldspielautomaten. Das Suchtpotenzial unterscheidet sich je nach Art des Spiels, wobei dieses Risiko an Geldspielautomaten am höchsten ist. Problematisch ist in diesem Zusammenhang, dass die Anzahl der aufgestellten Automaten in Gaststätten und Spielhallen im Jahr 2010 auf 235.000 Geräte gestiegen ist (2009: 227.000 Geräte). Verschiedene Studien gehen von etwa 264.000 Glücksspielabhängigen und 274.000 problematischen Spielern in Deutschland aus.

Nach Schätzungen galten 2011 rund 560.000 Menschen in Deutschland als internetabhängig, 2,5 Millionen hatten ein problematisches Nutzungsverhalten. Allein bei den 14- bis 24-Jährigen fielen etwa 250.000 in die Gruppe der Abhängigen, 1,4 Millionen zeigten ein problematisches Nutzungsverhalten. Bei den 14- bis 16-Jährigen gab es 100.000 Abhängige und 400.000 problematische Nutzer.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren nach dem sogenannten Body-Mass-Index im Jahr 2009 insgesamt 51,4 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland übergewichtig. Der Anteil Übergewichtiger ist im Vergleich zu 1999 bei den Männern von 56 auf 60 Prozent und bei den Frauen von 40 auf 43 Prozent gestiegen.

Im Jahr 2009 hatten 15,7 Prozent der Männer und 13,8 Prozent der Frauen starkes Übergewicht. Der Anteil Übergewichtiger ist bei jungen Erwachsenen bereits hoch, steigt aber mit zunehmendem Alter noch weiter an. Bereits bei den 20- bis 24-Jährigen waren 28,7 Prozent der Männer und 17,7 Prozent der Frauen übergewichtig. Bei den 70- bis 74-Jährigen erreichten die Fälle von Übergewicht jeweils ihre Spitzenwerte (Männer: 73,9 Prozent / Frauen: 62,5 Prozent).

Untergewicht ist in Deutschland weitaus weniger verbreitet als Übergewicht (2009: Männer: 0,7 Prozent / Frauen: 3,4 Prozent). Allerdings gilt dies nicht für alle Altersgruppen: Von den Frauen im Alter von 18 und 19 Jahren waren im Jahr 2009 12,5 Prozent untergewichtig, bei den 20- bis 24-Jährigen waren es noch 9,4 Prozent.

Nach Angaben der Kinder- und Jugendgesundheitsstudie KiGGS (2003-2006) weist mehr als jedes fünfte Kind zwischen 11 und 17 Jahren Symptome einer Essstörung auf – Mädchen fast doppelt so häufig wie Jungen (29 gegenüber 15 Prozent). Während von Kindern und Jugendlichen mit einem hohen sozialen Status 16 Prozent auffällig sind, steigt der entsprechende Anteil bei mittlerem beziehungsweise niedrigem Sozialstatus auf 21 beziehungsweise 28 Prozent. Neben anderen Symptomen sind insgesamt 15 Prozent der 3- bis 17-Jährigen übergewichtig (etwa 1,9 Mio. Personen). Davon leiden 6,3 Prozent – rund 800.000 Kinder und Jugendliche – unter Adipositas (Fettleibigkeit). Bereits bei den 3- bis 6-Jährigen gelten 9,3 Prozent der Mädchen und 8,9 Prozent der Jungen als übergewichtig.

Datenquelle



Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung: Drogen- und Suchtbericht 2013; Statistisches Bundesamt: Körpermaße der Bevölkerung; Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS): www.kiggs-studie.de

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Unter regelmäßigem Rauchen wird tägliches Rauchen verstanden, auch wenn es sich um geringe Tabakmengen handelt. Als starker Raucher wird entsprechend den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Raucher mit einem täglichen Zigarettenkonsum von mehr als 20 Stück bezeichnet. Als Alter bei Rauchbeginn ist das Alter angegeben, in dem erstmals mit regelmäßigem Rauchen angefangen wurde.

Der Body-Mass-Index (BMI) errechnet sich, indem das Gewicht (in Kilogramm) durch das Quadrat der Körpergröße (in Metern) geteilt wird. Die WHO stuft Erwachsene mit einem Body-Mass-Index über 25 als übergewichtig ein, mit einem Wert über 30 als stark übergewichtig und mit einem Wert von unter 18,5 als untergewichtig. Das Geschlecht und das Alter bleiben bei dieser Einteilung unberücksichtigt. So gilt beispielsweise ein 1,80 Meter großer Erwachsener, der mehr als 81 beziehungsweise 97 Kilogramm wiegt, als übergewichtig beziehungsweise stark übergewichtig. Weitere Informationen zum "BMI" erhalten Sie hier...

Tabelle: Rauchgewohnheiten



Nach Altersgruppen und Geschlecht, Anteile in Prozent, 2009*

Alter von ... bis unter ... Jahren Raucher Nichtraucher Durchschnitt-liches
Alter des Rauchbeginns
insgesamt gelegentlich regelmäßig insgesamt darunter
frühere
Raucher
insgesamt darunter stark
Anteile an allen Männern*, in Prozent Männer
15 - 20 19,9 4,4 15,5 0,7 80,1 1,3 15,6
20 - 25 39,9 6,0 33,8 2,5 60,1 5,7 16,0
25 - 30 44,3 6,4 37,9 4,1 55,6 11,6 16,4
30 - 35 42,5 6,0 36,5 5,0 57,5 15,1 17,0
35 - 40 39,0 5,1 33,9 5,9 61,0 17,7 17,3
40 - 45 38,3 4,7 33,7 6,6 61,7 20,1 17,2
45 - 50 38,9 4,6 34,3 7,0 61,1 23,7 17,1
50 - 55 36,7 4,0 32,7 7,4 63,3 27,1 17,3
55 - 60 30,7 3,7 27,0 5,7 69,2 32,5 17,8
60 - 65 24,9 3,1 21,8 4,3 75,1 36,8 18,0
65 - 70 17,0 2,3 14,7 2,4 83,0 39,8 18,5
70 - 75 12,5 1,9 10,6 1,3 87,5 41,8 18,7
75 und mehr 8,0 1,4 6,6 0,6 92,0 46,7 18,8
insgesamt 30,5 4,1 26,4 4,3 69,5 24,9 17,5
Anteile an allen Frauen*, in Prozent Frauen
15 - 20 15,0 3,3 11,7 0,4 85,0 1,6 15,2
20 - 25 32,8 6,0 26,8 1,5 67,2 7,7 15,7
25 - 30 32,2 6,2 25,9 1,9 67,8 14,8 16,2
30 - 35 28,3 5,3 23,1 2,0 71,7 16,1 17,1
35 - 40 27,9 4,4 23,6 2,3 72,0 15,5 17,4
40 - 45 30,3 4,6 25,7 2,8 69,7 17,2 17,4
45 - 50 31,1 4,3 26,8 3,0 68,9 18,6 17,6
50 - 55 28,3 4,2 24,2 2,6 71,7 20,2 18,0
55 - 60 22,2 3,4 18,7 2,1 77,8 20,0 19,1
60 - 65 16,8 2,7 14,1 1,6 83,2 19,2 20,2
65 - 70 11,0 1,9 9,2 0,8 89,0 15,9 21,9
70 - 75 6,7 1,4 5,3 0,5 93,3 12,5 23,2
75 und mehr 3,6 0,7 2,8 0,2 96,4 10,8 23,5
insgesamt 21,2 3,5 17,6 1,6 78,8 14,8 18,3

* insgesamt machten 80,8 Prozent der Befragten Angaben zu ihren Rauchgewohnheiten.

Quelle: Statistisches Bundesamt: Rauchgewohnheiten der Bevölkerung


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