Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Vermögensentwicklung

27.9.2013
Das Bruttovermögen der privaten Haushalte sowie der privaten Organisationen ohne Erwerbszweck lag im Jahr 2011 bei 11,8 Billionen Euro. Davon entfielen 6,1 Billionen Euro auf Sachvermögen (insbesondere Immobilien und Bauland) und 4,7 Billionen Euro auf Geldvermögen.

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Fakten



In Deutschland hatten die privaten Haushalte sowie die privaten Organisationen ohne Erwerbszweck bis zum Jahr 2011 ein Bruttovermögen von insgesamt 11,77 Billionen Euro aufgebaut. Davon entfielen 6,14 Billionen Euro beziehungsweise 52,2 Prozent auf Sachvermögen (insbesondere Immobilien und Bauland) und 4,71 Billionen Euro beziehungsweise 40,1 Prozent auf Geldvermögen. Weiter verfügten sie über ein Gebrauchsvermögen in Höhe von 917 Milliarden Euro – das entsprach einem Anteil von 7,8 Prozent am Bruttovermögen. Zum Gebrauchsvermögen gehören beispielsweise Möbel, Teppiche, hochwertige Küchengroßgeräte, Fahrzeuge, Fernsehgeräte, Foto- und Filmausrüstungen, Computer oder auch Uhren und Schmuck, sofern sie nicht als Wertaufbewahrungsmittel dienen.

Zwischen 1991 und 2005 hat sich der Anteil des Geldvermögens am Bruttovermögen stetig von 35,7 auf 42,2 Prozent erhöht. Parallel sank der Anteil des Sachvermögens von 53,0 auf 49,1 Prozent. In den Folgejahren kehrte sich diese Entwicklung jedoch tendenziell um. Der Anteil des Gebrauchsvermögens am Bruttovermögen reduzierte sich im Zeitraum 1991 bis 2011 kontinuierlich von 11,3 auf 7,8 Prozent. Insgesamt erhöhte sich das Bruttovermögen zwischen 1991 und 2011 von 5,39 auf 11,77 Billionen Euro – das entspricht einer Steigerung um 118 Prozent in nur zwanzig Jahren beziehungsweise von 4,0 Prozent pro Jahr. Das Geldvermögen erhöhte sich in dieser Zeit um 145 Prozent und damit stärker als das Sach- sowie das Gebrauchsvermögen (115 bzw. 51 Prozent).

Den Vermögenswerten standen im Jahr 2011 Kredite und sonstige Verbindlichkeiten in Höhe von 1,55 Billionen Euro gegenüber. Insgesamt verfügten die privaten Haushalte sowie die privaten Organisationen ohne Erwerbszweck demnach über ein Gesamtvermögen von 10,22 Billionen Euro. Mit einem jährlichen Anstieg um 3,2 Prozent in den Jahren 1991 bis 2011 erhöhten sich die Verbindlichkeiten vergleichsweise langsam. Insbesondere seit 2001 war der jährliche Anstieg gering, in den Jahren 2005 bis 2009 sank die Verschuldung sogar. Das steigende Bruttovermögen und das verlangsamte Schuldenwachstum führten dazu, dass die Nettovermögensposition der privaten Haushalte im Zeitraum 1991 bis 2011 um insgesamt 124 Prozent zunahm.

Das Geldvermögen hat sich zwischen 1991 und 2011 stärker erhöht als das Sach- und das Gebrauchsvermögen. Dabei hat sich auch die Struktur des Geldvermögens verändert. Neben den kurz- und mittelfristigen Präferenzverschiebungen bei den Anlageentscheidungen vollziehen sich seit Jahrzehnten strukturelle Änderungen in der Zusammensetzung. So sank der Anteil der Bankeinlagen am Geldvermögen in Westdeutschland von 60,7 Prozent im Jahr 1970 auf 48,5 Prozent im Jahr 1990. Dieser Trend setzte sich im wiedervereinigten Deutschland bis zum Jahr 2005 fort: Der Anteil von Bargeld und Einlagen schrumpfte von 48,1 Prozent im Jahr 1991 auf 35,5 Prozent 2005. Die Steigerung des Anteils in den Folgejahren – auf 40,9 Prozent im Jahr 2011 – hat auch mit der Entwicklung bei den Wertpapieren zu tun.

Der Anteil der Wertpapiere (festverzinsliche Wertpapiere, Finanzderivate, Aktien, sonstige Beteiligungen und Investmentzertifikate) am Geldvermögen wuchs zwischen 1991 und 2000 zunächst von 24,3 auf 34,7 Prozent. Durch die unsicheren Entwicklungen am Aktienmarkt und den Börsencrash im Jahr 2002 reduzierte sich der Anteil der Wertpapiere am Geldvermögen auf 29,7 Prozent. Auch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 blieb nicht ohne Folgen für den Anteil der Wertpapiere am gesamten Geldvermögen: Von 2007 auf 2008 sank der Anteil von 30,3 auf 24,3 Prozent (2011: 22,6 Prozent).

Entsprechend dieser Entwicklungen stieg der Anteil der Ansprüche gegenüber Versicherungen und aus Pensionsrückstellungen sowie aus sonstigen Forderungen kontinuierlich. Bereits in Westdeutschland nahm der Anteil zwischen 1970 und 1990 von 19,8 auf 29,0 Prozent zu und erhöhte sich in Deutschland von 1991 bis 2011 weiter von 27,7 auf 36,5 Prozent.

In den Jahren 1991 bis 2011 kam es in nur zwei Jahren zu einem absoluten Rückgang des Geldvermögens – einmal ausgelöst durch den Börsencrash im Jahr 2002 und das zweite Mal im Jahr 2008, dem ersten Jahr der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise.

Datenquelle



Deutsche Bundesbank, Statistisches Bundesamt: Sektorale und gesamtwirtschaftliche Vermögensbilanzen; Allianz Dresdner Economic Research: Vermögen der privaten Haushalte in Deutschland

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Tabelle: Vermögensentwicklung



Vermögen der privaten Haushalte und privaten Organisationen ohne Erwerbszweck in absoluten Zahlen, 1991 bis 2011

1991 1993 1995 1997 1999 2001
in Mrd. Euro
Reinvermögen 3.953,6 4.535,3 4.954,6 5.466,9 6.032,0 6.407,0
davon:
Sachvermögen 2.856,9 3.232,5 3.546,1 3.801,0 4.055,1 4.336,0
Geldvermögen 1.926,0 2.287,9 2.563,7 2.961,8 3.445,0 3.606,9
davon:
Bargeld und Einlagen 925,7 1.089,0 1.127,6 1.210,2 1.265,8 1.262,4
Wertpapiere* 467,3 573,1 702,1 898,6 1.187,0 1.226,7
Ansprüche gegenüber Versicherungen,
aus Pensionsrückstellungen
sowie sonstige Forderungen
533,0 625,8 734,0 853,0 992,3 1.117,8
Kredite und sonstige Verbindlichkeiten 829,3 985,1 1.155,2 1.295,9 1.468,1 1.535,9
 
Gebrauchsvermögen** 608,7 700,2 746,9 784,1 823,9 851,4
insgesamt*** 4.562,3 5.235,5 5.701,5 6.251,0 6.855,9 7.258,4

 

2003 2005 2007 2009 2010 2011
in Mrd. Euro
Reinvermögen 6.855,0 7.512,0 8.264,3 8.618,8 8.966,4 9.304,4
davon:
Sachvermögen 4.618,1 4.881,5 5.342,0 5.678,0 5.842,6 6.139,4
Geldvermögen 3.805,9 4.199,1 4.469,2 4.470,9 4.657,7 4.714,5
davon:
Bargeld und Einlagen 1.399,1 1.492,3 1.620,8 1.788,1 1.860,8 1.927,5
Wertpapiere* 1.179,3 1.356,6 1.356,1 1.084,4 1.129,6 1.065,9
Ansprüche gegenüber Versicherungen,
aus Pensionsrückstellungen
sowie sonstige Forderungen
1.227,4 1.350,2 1.492,3 1.598,4 1.667,3 1.721,1
Kredite und sonstige Verbindlichkeiten 1.569,0 1.568,6 1.546,9 1.530,1 1.533,9 1.549,5
 
Gebrauchsvermögen** 864,9 868,9 892,0 908,4 904,4 917,0
insgesamt*** 7.719,9 8.380,9 9.156,3 9.527,2 9.870,8 10.221,4

* festverzinsliche Wertpapiere, Finanzderivate, Aktien, sonstige Beteiligungen und Investmentzertifikate
** darunter beispielsweise Möbel, Teppiche, hochwertige Küchengroßgeräte, Fahrzeuge, Fernsehgeräte, Foto- und Filmausrüstungen, Computer sowie Uhren und Schmuck sofern sie nicht als Wertaufbewahrungsmittel dienen.
*** Reinvermögen einschließlich Gebrauchsvermögen privater Haushalte


Quelle: Deutsche Bundesbank, Statistisches Bundesamt: Sektorale und gesamtwirtschaftliche Vermögensbilanzen


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