Beleuchteter Reichstag
1|2|3|4|5|6 Auf einer Seite lesen
counter
1.9.2011 | Von:
Bogdan Musial

Der Bildersturm

Aufstieg und Fall der ersten Wehrmachtsausstellung

Die "Wehrmachtsausstellung", die in den Jahren 1995 bis 1999 in Deutschland und Österreich gezeigt wurde, löste – trotz (oder dank) der gravierenden Fehler – Emotionen aus, die ohne Beispiel in der deutschen Nachkriegsgeschichte waren. Ein Beitrag zur Rezeptionsgeschichte.

Einleitung

Der Leiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung, Jan Philipp Reemtsma, bei der Erläuterung von umstrittenen Bildern der Wehrmachtausstellung, 4. November 1999.Der Leiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung, Jan Philipp Reemtsma, bei der Erläuterung von umstrittenen Bildern der Wehrmachtausstellung, 4. November 1999. (© AP, Foto: Michael Probst)
Von April 1995 bis Oktober 1999 wurde in deutschen und österreichischen Städten die Wanderausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944" gezeigt, die das Hamburger Institut für Sozialforschung organisiert und finanziert hatte. Im November 1999 erklärte Jan Philipp Reemtsma, Leiter und Finanzier des Instituts, ein Moratorium für die Ausstellung, um sie auf etwaige sachliche Fehler zu überprüfen, die laut geworden waren.



Die Überprüfung dauerte mehrere Monate und erschütterte Reemtsma sichtbar, denn die sachlichen Mängel, Fehler und Manipulationen waren zahlreich und gravierend. So hatten die Ausstellungsmacher mehrere Dutzend Bilder mit "abweichenden Bildlegenden" (mindestens 45) versehen, das heißt mit selbst erfundenen und dazu auch falschen. Sie hatten mehrere Fotos, die jeweils verschiedene Ereignisse zeigten, zu Bildgeschichten/"Bildfolgen" montiert, die sie dann vielfach mit einheitlichen und falschen Bildlegenden versahen, wodurch "dramatische Effekte erzielt" und "das Geschehen visuell dramatisiert" wurde. Es gab mindestens 16 solche Bildgeschichten in der Ausstellung.

Ferner präsentierten die Aussteller Fotos zum selben Tatkomplex in verschiedenen Zusammenhängen und mit verschiedenen Begleittexten. Sie führten erpresste "Geständnisse" und andere zweifelhafte Dokumente als glaubwürdige Quellen an. Hinzu kamen besonders aussagekräftige Fotos, die Leichenberge zeigten, welche jedoch nicht Verbrechen der Wehrmacht dokumentierten, wie die Aussteller behaupteten, sondern sowjetische. In mindestens zwei Fällen verwechselten die Aussteller finnische Soldaten mit deutschen und vieles mehr.[1]

Die Beseitigung und Korrektur all dieser Mängel, Fehler und Manipulationen hätte die Ausstellung bis zur Unkenntlichkeit verändert. Jan Philipp Reemtsma stellte am 23. November 2001 fest, dass "weitreichende Eingriffe in Argumentationsweise und Ästhetik der alten Ausstellung nötig" wären, um die bestätigten Kritikpunkte zu berücksichtigten, so "daß gleichsam von selbst eine Transformation in eine neue stattfände."[2] Es verwundert daher nicht, dass er sich entschlossen hatte, die Wehrmachtsausstellung endgültig zu schließen und zugleich ihren Leiter, Hannes Heer, zu entlassen. An ihrer Stelle wurde eine neue Ausstellung von anderen Mitarbeitern des Hamburger Instituts konzipiert und gezeigt, die außer wenigen Bildern nichts mit der alten gemeinsam hatte. Der Titel lautete nun: "Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944.".[3]

Gleichwohl reduzieren manche Befürworter der alten Ausstellung bis heute die zahlreichen Fehler auf einige wenige Fotos, die nicht korrekt zugeordnet worden seien. Die offenkundigen Manipulationen übergehen sie.[4] So lebt der Mythos der "wissenschaftlichen" Wehrmachtsausstellung weiter.

Trotz (oder dank) ihrer gravierenden Mängel war und ist die (erste) Wehrmachtsausstellung hinsichtlich der Emotionen, die sie auslöste, ohne Beispiel in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Es stellt sich nun die Frage, welche Faktoren dieses Interesse und diese Emotionen hervorgerufen haben mögen. Nicht wenige haben noch während des Bestehens der Ausstellung danach gefragt. Damals überwog die Auffassung, dass die Ausstellung ein Tabu gebrochen und die Legende von der "sauberen" Wehrmacht zerstört habe. Dies habe heftige und emotionale Abwehrreaktionen von Betroffenen, Hunderttausender noch lebender ehemaliger Soldaten, ausgelöst, die mit ihrer "Lebenslüge" von der "sauberen" Wehrmacht konfrontiert worden seien. Sie hätten die Ergebnisse der historischen Forschung, die in der Ausstellung präsentiert worden seien, nicht akzeptieren wollen.[5] Hannes Heer, der Leiter der Ausstellung, meinte, dass "da eine längst vernarbte Wunde wieder" aufgebrochen sei.[6] Auf der anderen Seite, so die Deutung, seien es die Angehörigen der jüngeren Generation gewesen, die einfach wissen wollten, wie der Krieg der Wehrmacht wirklich gewesen und was ihnen bislang vorenthalten worden sei.

Diese Deutungen gingen von der Prämisse aus, die Ausstellung präsentiere gesicherte wissenschaftliche Forschungsergebnisse und sei "faktentreu" gewesen. Helmut Konrad, ein Grazer Zeithistoriker, erklärte im Jahre 1997 laut Zeitungsberichten: "Alle Zeithistoriker mit Lehrstuhl stehen der Ausstellung positiv gegenüber und bescheinigen ihr wissenschaftliche Seriosität in der Bearbeitung des Themas." Und er führte weiter aus, "die Schau sei sorgfältig und sauber gearbeitet und sicher mit weniger Fehlern behaftet als praktisch jede andere historische Ausstellung."[7]

Dies war aber falsch, wie sich später herausstellen sollte. Insofern gingen die erwähnten Erklärungsansätze an den Tatsachen vorbei. Folglich müssen die Ursachen für den außergewöhnlichen Erfolg der Ausstellung woanders gesucht werden. Sie lassen sich auch nicht monokausal erklären. Vielmehr handelt es sich um ein Bündel von sich gegenseitig bedingenden Ursachen, Umständen und Elementen: das gesellschaftspolitische Klima (der geschichtspolitische Ort), der mediale Kontext, der Umgang der Aussteller mit der Öffentlichkeit sowie die Politisierung der Ausstellung und Polarisierung der öffentlichen Meinung.

Vergangenheitsbewältigung und Geschichtskultur der 1990er-Jahre

Der Umgang der deutschen Gesellschaft mit der NS-Vergangenheit hat sich von 1945 bis in die 1990er-Jahre grundlegend gewandelt. Nach einer kurzen Periode der von den Alliierten verordneten Abrechnung mit der NS-Vergangenheit folgte in den 1950er-Jahren kollektives Verdrängen. Ab Ende des Jahrzehnts zeichnete sich ein Wandel in der Einstellung breiter Kreise der deutschen Gesellschaft gegenüber der NS-Vergangenheit ab. Bis heute hat sich das Bild der NS-Zeit fundamental geändert. In das Zentrum der Betrachtung rückte allmählich der Mord an europäischen Juden, der heute sowohl in Deutschland als auch in den anderen westlichen Ländern die Diskussionen über die NS-Vergangenheit dominiert.

In den 1970er- und 80er-Jahren entwickelte sich die kritische Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte zu einem der Grundprinzipien der deutschen Innen- und Außenpolitik. Auch die heutige Bundesrepublik definiert sich durch ihre kritische Distanz zur NS-Zeit, durch die Politik der sogenannten Vergangenheitsbewältigung, die sich nach Helmut Dubiel durch die "fast religiöse Sehnsucht nach einer radikalen Abkehr von der Vergangenheit" auszeichne.[8]

Man sprach sogar von einem "negativen Nationalismus", den Aleida Assmann wie folgt definierte: "Im Zentrum dieser Form des Nationalismus steht eine Sakralisierung des Holocaust, eine 'Holocaustfixierung', die die Vernichtung der Juden zur negativen Sinnstiftung deutscher Geschichte macht. [...] Der Nationalstolz findet eine Umkehrung im deutschen 'Schuldstolz' (G[yörgy] Konrad)."[9] Die "pathetischen Rituale des klassischen Nationalismus" ersetzten neue, die der Vergangenheitsbewältigung, die jedoch bald zu einer "mechanischen Ritualisierung" wurden, wie beispielsweise die jährlichen Gedenkveranstaltungen zum 8. Mai im Bundestag, so Helmut Dubiel im Interview mit der "taz".[10]

In den 1990er-Jahren bekam der ritualisierte Prozess der Vergangenheitsbewältigung einen neuen Schub, der sich durch hohe Emotionalisierung und Mobilisierung individueller Betroffenheit auszeichnete. Und gerade die Wehrmachtsausstellung entwickelte sich zu einem Symbol und einem festen Bestandteil dieser Etappe der deutschen Vergangenheitsbewältigung. Sie brachte neue Impulse in die eingefahrene und mechanische Routine der Vergangenheitsbewältigung der 1980er-Jahre ein. Die Ausstellung jagte "Schrecken" ein, setzte Emotionen frei und artete teilweise in eine kollektive Hysterie (so wurde es nötig, einen Seelsorge-Dienst für Ausstellungsbesucher einzurichten) und Krawalle aus.

Die Gegner und Befürworter der Ausstellung gründeten Förder-, Träger-, Initiativ- bzw. Anti-Wehrmachtsausstellung-Vereine, sie schrieben Petitionen und füllten Zeitungsspalten mit Leserbriefen, sie protestierten und demonstrierten, lieferten sich Rededuelle und zuweilen Straßenschlachten. Es gab Sachschäden, Verletzte, Verhaftete, Morddrohungen, Bombenanschläge und zahlreiche Anklagen und Gerichtsprozesse. Im Mittelpunkt all dieser Geschehnisse stand die Wehrmachtsausstellung. Sie wurde bald zu einem beinahe religiösen Kultobjekt und Symbol des Kampfes gegen die "Ewiggestrigen", gegen die "revisionistischen" Kräfte in Deutschland, welche die deutsche Schuld nicht akzeptieren wollten.

Die Eröffnungsveranstaltungen an den einzelnen Stationen der Ausstellung, an denen regelmäßig Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens teilnahmen, wurden immer feierlicher, sie zogen Tausende von Besuchern und Hunderte von Journalisten an. Ausstellungsorte entwickelten sich zu Pilgerstätten, zu denen ganze Schulklassen im Rahmen des Unterrichts geführt wurden. Jan Philipp Reemtsma stellte in einem Interview selbstkritisch fest: "Oft wurde die intellektuelle Auseinandersetzung verlassen, und der Ausstellungsbesuch bekam etwas Religiös-Bekenntnishaftes."[11]

Auch die Ausstellungsräume wurden immer repräsentativer, vom ehemaligen Fabrikgebäude Kampnagel in Hamburg, dem Foyer der Humboldt-Universität in Berlin, den Rathäusern in München, Bremen und Hannover, der Paulskirche in Frankfurt am Main bis zu Gebäuden des Schleswig-Holsteinischen Landtages in Kiel. Es gab sogar die Initiative, die Ausstellung im Bundestag zu zeigen, die jedoch im April 1997 scheiterte.[12]

Die Schau wurde zum Gegenstand zahlreicher zum Teil bewegender Landtagsdebatten (in Bremen, Wiesbaden, Hannover, Kiel, Saarbrücken und Hamburg) und löste beinahe eine Regierungskrise in Bremen aus.[13] Sogar im Bundestag diskutierten die Abgeordneten über die Ausstellung, und dies gleich zweimal: am 13. März und am 24. April 1997. Angesichts dessen verwundert es kaum, dass 81 Prozent der befragten Ausstellungsbesucher in Frankfurt am Main angaben, die Ausstellung sei wichtig für das nationale Selbstverständnis der Deutschen.[14] Die Diskussion im Bundestag machte die Ausstellung beinahe sakrosankt, was von nicht wenigen Parlamentariern beabsichtigt war. So beantragte die PDS am 12. März 1997 einen Beschluss, der die Kritik an der Ausstellung im Endeffekt verbieten sollte, setzte sich damit jedoch nicht durch.[15]

Eine wichtige Etappe in dem Wandel der Ausstellung zum fast religiösen Kultobjekt des vereinigten Deutschlands war die Verleihung der Carl-von-Ossietzky-Medaille der Internationalen Liga für Menschenrechte an die Ausstellungsmacher im Dezember 1997.

Der Vorsitzende des Hamburger Institus für Sozialforschung Jan Philipp Reemtsma, und die Kuratoriumsmitglieder des Vereins zur Foerderung der Ausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944" Franz Vranitzky, Ex-Bundeskanzler Österreichs, mitte, und der ehemalige Vorsitzende der SPD Hans-Jochen Vogel auf einer Pressekonferenz am Dienstag, 22.Juni 1999, in Hamburg.Der Vorsitzende des Hamburger Institus für Sozialforschung Jan Philipp Reemtsma, und die Kuratoriumsmitglieder des Vereins zur Foerderung der Ausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944" Franz Vranitzky, Ex-Bundeskanzler Österreichs, mitte, und der ehemalige Vorsitzende der SPD Hans-Jochen Vogel auf einer Pressekonferenz am Dienstag, 22.Juni 1999, in Hamburg. (© AP, Foto: Michael Probst)
Mit der Gründung des "Vereins zur Förderung der Ausstellung Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944", der am 1. August 1999 die Ausstellung vom Hamburger Institut für Sozialforschung übernahm, fand diese Entwicklung ihren vorläufigen Höhepunkt. Zu den Mitglieder des Trägervereins gehörten unter anderen der damalige Bundesinnenminister Otto Schily, Ignatz Bubis, Hans Koschnick, Hans-Jochen Vogel und Franz Vranitzky. Dem Verein stand ein wissenschaftlicher Beirat aus 22 Historikern zur Seite, die der Ausstellung das Siegel der Wissenschaftlichkeit verliehen. Auf Provinzebene bildeten sich ähnliche Vereine, etwa in Düsseldorf.[16]

Paradoxerweise wurde eine Ausstellung, die darauf abzielte, den Mythos von der "sauberen" Wehrmacht zu zerstören, selbst zu einem Mythos.[17] Folglich entwickelte sich die Auseinandersetzung um die Wehrmachtsausstellung zur Konfrontation von zwei konträren Mythen: der Legenden von der "sauberen" Wehrmacht und von der "wissenschaftlich sauberen" Ausstellung. Unter diesen Umständen war eine sachliche Debatte kaum möglich.

Noch im Sommer 1999 glaubten viele, dass "die Ausstellung die Wahrnehmung deutscher Geschichte und Gegenwart in den kommenden Jahren nachdrücklich bestimmen" werde, und zwar nicht nur in Deutschland.[18] Für Dezember 1999 war eine englische Version der Ausstellung geplant, die in New York und anschließend in anderen Weltmetropolen gezeigt werden sollte. Dazu kam jedoch nicht mehr, denn wenige Wochen davor wurde die Ausstellung suspendiert und ein Jahr später endgültig geschlossen.

Die Ausstellung als Medienereignis

Von Beginn an war das Interesse der Medien an der Ausstellung groß, keineswegs aber konstant. Dies bezieht sich sowohl auf die Intensität als auch auf den Fokus der medialen Aufmerksamkeit. Bereits die Eröffnung der Ausstellung in Hamburg am 5. März 1995 stieß auf ein bemerkenswertes mediales Interesse, was auf die professionelle Öffentlichkeitsarbeit der Organisatoren hinweist. Zugleich zeigt dies die Bereitschaft der Medien, sich dieses Themas anzunehmen. Die wichtigsten deutschen Presseorgane wie "Die Zeit", "Der Spiegel", die "Frankfurter Allgemeine", "Die Welt", die "Frankfurter Rundschau", die "Süddeutsche Zeitung", die "taz" sowie Kulturkanäle in Rundfunk und Fernsehen berichteten darüber. Sogar die ausländische Presse fand es wichtig, ihre Leser darüber zu informieren.

In dieser Phase berichteten die Medien über die Thesen der Ausstellung und die Inhalte, also die gezeigten Bilder, ohne sie jedoch kritisch zu hinterfragen. Bald ließ jedoch das Interesse der überregionalen Medien nach, denn die Thesen und Inhalte waren nach einigen Monaten keine Neuigkeit mehr. Ab Mai/Juni 1995 beschränkte sich die Berichterstattung weitgehend auf regionale Medien in jenen Städten, wo die Ausstellung gerade gezeigt wurde. Auch hier wurde über Inhalte und Thesen der Ausstellung berichtet.

Im folgenden Jahr blieb die Ausstellung ein Thema vorwiegend für die regionale Presse. Immer häufiger wurde aber auch über die Proteste und Konflikte, die die Ausstellung auslöste, berichtet. Das Interesse der überregionalen Medien erwachte erneut Anfang 1997, als die Ausstellung in München weltweit Schlagzeilen machte. Der Anlass waren aber nicht mehr Thesen und Inhalte der Ausstellung, sondern der Konflikt um sie. Im Frühjahr 1997 berichteten regelmäßig alle Medien über die Demonstrationen gegen und für die Ausstellung, über Aufmärsche der Neonazis und Linksradikalen, Straßenschlachten, Krawalle, Polizeieinsätze, Verhaftete, Verletzte, Sachschäden. In dieser Zeit verschob sich der Fokus der medialen Aufmerksamkeit endgültig von den Inhalten und Thesen auf den Konflikt um die Ausstellung: Die Kontroverse wurde zu einem nationalen und sogar globalen Medienereignis.

In der Folgezeit verharrte die Aufmerksamkeit der überregionalen Medien auf einem hohen Niveau, denn der Konflikt um die Ausstellung deeskalierte keineswegs. Ab 1997 wurde sie auf all ihren Stationen von Aufmärschen, Krawallen, Protesten und heftigen Debatten begleitet. Sie war immer dort ein heißes Thema, wo sie gerade gezeigt wurde. Im Januar 1999 kam zu besonders gewalttätigen Auseinandersetzungen in Kiel (mit zehn Verletzten und hohen Sachschäden), am 9. März 1999 wurde in Saarbrücken ein Bombenanschlag auf die Ausstellung verübt.[19] "Die Welt" schrieb am 5. Juni 1999: "Nicht der wissenschaftliche Diskurs unter Historikern, sondern der Einsatz der Bereitschaftspolizei dominiert mittlerweile die Berichterstattung über die Ausstellung." Die Ausstellung wurde zu einem "Sensationsereignis".[20]

Parallel zu dem anschwellenden Medienecho stieg die Besucherzahl der Ausstellung. In Hamburg (7.3.–14.4.1995) waren es 7.000, in Potsdam (10.5.–22.6.1995) 2.500, in Stuttgart (10.9.–12.10.1995) etwa 10.000.[21] Bis zum Frühjahr 1997 pendelte sich die Besucherzahl auf 15.000–25.000 ein. In München (24.2.–6.4.1997) wuchs die Zahl der Besucher auf 90.000,
Besucherin in der Wehrmachtausstellung in Frankfurt am Main, April 1997.