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20.9.2012 | Von:
Uwe Sonnenberg

Marginalien?

Drei Blicke auf den westdeutschen linken Buchhandel (VLB)
und die DDR in den 1970er-Jahren

Sind die Beziehungen des linken Buchhandels in der Bundesrepublik zur DDR als Marginalie zu werten? Diese Frage wird beantwortet mit Blicken auf Umsatzzahlen und literarische Programme sowie abschließend anhand eines Perspektivenwechsels auf die linke Opposition in der DDR.
Trotz der Gründung beider deutscher Staaten, trotz des Kalten Krieges in seinen mal mehr, mal weniger heißen Phasen und trotz des kaum überwindbaren Eisernen Vorhangs verbanden beide Blöcke über den gesamten Zeitraum der Systemauseinandersetzung hinweg auch integrative Austausch- und Wechselbeziehungen miteinander. Christoph Kleßmann hatte diese in Bezug auf die DDR und die BRD bereits vor 30 Jahren auf den Begriff der "asymmetrisch verflochtenen Parallelgeschichten" gebracht. Diese Verflechtungen können auch als "Löcher in der Mauer" betrachtet werden.

Im vorliegenden Beitrag werden diese Löcher, ausgehend vom linken Buchhandel für die 1970er-Jahre, zunächst von der westdeutschen Seite betrachtet. Anders als es vielleicht zu vermuten ist, gab es auch hier feste Verbindungen. Einer einführenden Skizze des linken Buchhandels Westdeutschlands für die 1970er-Jahre folgt in einem Dreischritt der Versuch, sich der im Titel gestellten Frage differenziert anzunähern. Der Perspektivwechsel am Ende ergibt eine zusätzliche Überlegung zum wechselvollen Verhältnis zwischen den politischen Linken Ost und den politischen Linken West seit 1967/68.

Linker Buchhandel – der VLB

Beim linken Buchhandel der 1970er-Jahre handelte es sich um ein politisch-literarisches Feld von etwa 150 – 200 Verlagen, Vertrieben, Buchläden und Druckereien, von Projekten, die fest im linksalternativen Milieu[1] der Bundesrepublik und West-Berlin angesiedelt und mit gegeninstitutionellen oder fundamental-oppositionellen politischen Gruppen in dem gemeinsamen Bemühen verbunden waren, Gegenöffentlichkeit zu praktizieren und gesellschaftliche Veränderungen voranzutreiben. In ihrer alltäglichen Praxis versuchten sie auf alternativen Inseln inmitten des kapitalistischen Meeres selbstverwaltet, kollektiv organisierte Arbeit zu leisten. Zu ihrem großen Teil erwuchsen sie direkt aus den studentisch geprägten antiautoritären Revolten Ende der 1960er-Jahre. Einige ihrer wichtigen Vorläufer bestanden in der Raub- bzw. Nachdruckbewegung[2] der 1960er-Jahre, andere entwickelten sich direkt aus lokalen Gruppen des SDS heraus. Einen starken Schub erhielt der linke Buchhandel zusätzlich durch den Ausschuss der Literaturproduzenten, welche auf den turbulenten Frankfurter Buchmessen 1968ff. allen subversiven und innerhalb des Buchmarktes oppositionellen Strömungen als Plattform und Dach fungierte. Organisiert und repräsentiert wurde der linke Buchhandel Westdeutschlands durch den Verband des linken Buchhandels (VLB).

Der VLB gründete sich im Anschluss an die Frankfurter Buchmesse 1970. Sollte es beim ersten Treffen zunächst nur um konkrete Absprachen und die Koordination zwischen verschiedenen Raubdruckproduzenten gehen, so entwickelte sich in nur wenigen Monaten ein Verband mit eigenem Sekretariat sowie verbindlichen Produktions- und Distributionsrichtlinien für die assoziierten Verlage, Vertriebe und den politischen Buchläden, die zur damaligen Zeit in nahezu jeder westdeutschen Stadt mit Hochschulanbindung wie Pilze aus dem Boden schossen.[3] Die "Isolierung der vielen auf dem Buchhandelssektor arbeitenden linken Gruppen" sollte aufgehoben und "Linksgewinnlern" es in Zukunft unmöglich gemacht werden, "den linken Buchmarkt für ihre privaten Zwecke auszunutzen". Der VLB wollte "eine optimale finanzielle und agitatorische Hilfsfunktion" einnehmen "für die revolutionären Gruppen", die sich in der Ausdifferenzierung der radikalen Linken nach der Entmischung der außerparlamentarischen Opposition (APO) in Westdeutschland Ende der 1960er-Jahre gründeten.[4] Vom Branchenmagazin "Buchmarkt" wurde der Verband als neu gegründetes "Linkskartell" begrüßt. Sein Einfluss dürfe nicht unterschätzt werden.[5] Tatsächlich befanden sich kein Jahr nach seiner Gründung bereits die Adressen von 83 Buchläden, -verlagen, -vertrieben und -druckern auf der Mitgliederliste, darunter je eine aus den Niederlanden, aus Österreich und zwei aus der Schweiz.[6] Nach dem missglückten Versuch, den Zusammenschluss in Richtung eines Verbandes des kommunistischen Buchhandels zu vereinheitlichen, kam es jedoch 1972 zur Spaltung.

Während die Einen danach in großen Teilen zu dem 1973 gegründeten Kommunistischen Bund Westdeutschlands (KBW) übergingen, errichtete die übrig gebliebene Mehrheit unter dem Namen VLB ein strukturell loses Netzwerk, das bis Ende der 1970er-Jahre bundesweit Bestand haben sollte. Auch wenn sich hierin vor allem der buchhändlerischen Selbsthilfe gewidmet wurde, gingen daraus in Abgrenzung zum "bürgerlichen Buchhandel" vielfältige Kooperationen hervor und lebte in ihm der Geist der antiautoritären Revolten fort. Insbesondere im Kampf gegen politische Zensur wurde es zu einer wichtigen Adresse für die westdeutsche radikale Linke. Wichtigste Schaltstelle in der Kommunikation untereinander war die Frankfurter Sozialistische Verlagsauslieferung (SOVA). Jenseits von Staat einerseits und von Terrorismus andererseits repräsentierten ihre Projekte Mitte der 1970er-Jahre ein breites politisches Spektrum, dessen kleinster gemeinsamer Nenner eine antistalinistische Grundhaltung gewesen ist. Zu den bekanntesten Verlagen des VLB zählten: Neue Kritik, VSA, Karin Kramer, Wagenbach, Olle & Wolter, Nautilus, Politladen Erlangen, Trikont, Frauenoffensive, Rotbuch, Merve, Association und nicht zuletzt der Frankfurter Verlag Roter Stern, gegründet durch den früheren SDS-Vorsitzenden Karl Dietrich "KD" Wolff. Ihr Pluralismus schlug sich auch in der Sortimentgestaltung der assoziierten Buchläden wieder. Nachdem die unmittelbaren Revolutionshoffnungen verflogen waren, verstanden sie sich Mitte der 1970er-Jahre als parteiunabhängige Literaturdienstleister für die verschiedenen sozialen und politischen Bewegungen. Aus Agitationszentralen hatten sie sich zu fest installierten Kommunikationsorten und Nachrichtenbörsen innerhalb des linksalternativen Milieus Westdeutschlands entwickelt.[7]

Viele der Gründerinnen und Gründer dieser Buchhandelsunternehmen einte neben ihrer vergleichsweise undogmatischen Haltung innerhalb des Spektrums der radikalen Linken, Kinder der BRD zu sein und damit in der Breite auch das Phänomen, dass ihnen Rom vertrauter war als Dresden und ihnen Che Guevaras Guerilla-Zug durch die Wälder Boliviens Ende der 1960er-Jahre näher lag als ein reformkommunistisches Frühlingserwachen in Prag, welches zumindest für den osteuropäischen Raum ein neues Kettenkarussell aus Hoffnung und Enttäuschung in Bewegung setzte. Weder mit der als grau wahrgenommenen Wirklichkeit in der DDR wollten sie etwas anfangen, noch konnten sie als Neue Linke dem sowjetischen Kommunismusmodell etwas abgewinnen. Gerd Koenen meinte in Bezug auf diese, seine Generation, die DDR sei zu "einem weißen Fleck auf der Netzhaut ihres Weltbildes" geworden: "Was wirklich dort vor sich ging, ob in der DDR oder in China, wollten wir möglichst nicht so genau wissen."[8] Das war eine Grundkonstante, die sich bis 1989 zog und noch Jahre darüber hinaus bestehen blieb. Dennoch gab es auch unter ihnen eine starke Minderheit, die sich für die gesellschaftlichen Entwicklungen in der DDR interessierte oder konkrete politische Solidarität mit osteuropäischen oppositionellen Gruppen leistete.
Rudi Dutschke, Steffen Friedrich und Johannes RauRudi Dutschke bei einer Diskussion in Wattenscheid mit dem Kämmerer von Wanne-Eickel, Friedrich Steffen, und dem Wuppertaler Stadtrat Johannes Rau (v.l.), 4. Februar 1968 (© ddp/AP)
Rudi Dutschke, der sich 1968, kurz vor dem Attentat auf ihn, in Prag mit tschechischen Studenten traf, und die Gruppen des im Dezember 1973 gegründeten Sozialistischen Osteuropakomitees (SOK) seien hier stellvertretend genannt. Mit dem SOK war die Absicht verbunden, "sich speziell um die verfolgte Linke in den Staaten des 'real existierenden Sozialismus' zu kümmern – über sie zu informieren, ihnen eine Publikationsmöglichkeit in der BRD anzubieten."[9] Die Frage vor diesem Hintergrund lautet: Sind die Beziehungen des durch den VLB konstituierten linken Buchhandels mit der DDR als eine Marginalie anzusehen?

Ein erster Blick: Was sagen die Zahlen?

Für eine erste Antwort muss der Blick sofort auf die im Volksmund "Blaue Bände" genannten Marx-Engels-Werke (MEW) fallen. Von diesem Exportschlager der DDR konnten in der Renaissance des Marxismus an den westdeutschen Hochschulen linke Buchhandlungen jährlich mühelos Hunderte Exemplare absetzen. Einer Fieberkurve gleich stiegen die Produktionsziffern der MEW von 1968/69 über Nacht steil nach oben. Die erhöhte Temperatur hielt in diesem Fall ein volles Rotes Jahrzehnt lang an: Von 1968/69 bis 1979 druckte der Dietz Verlag in Ost-Berlin fast ebenso viele Exemplare von "Das Kapital" (305.800) wie in den 21 Jahren zuvor (311.000).[10] Ohne Zweifel wurde die weit überwiegende Mehrzahl davon in der DDR abgesetzt. Der Umfang der Ausfuhr der buchstäblich zur "Tonnenideologie" gewordenen MEW in die Bundesrepublik ist nicht bekannt. Die Nachfrage muss zwischenzeitlich jedoch so hoch gewesen sein, dass "Das Kapital" für einige linke Buchhändler um 1970 im Westen unkalkulierbar lange nicht lieferbar blieb.[11]

In Quellen und Dokumenten zum VLB findet sich für diese Zeit der Versuch einer direkten Kontaktaufnahme zu westdeutschen DDR-Verlagsauslieferungen und -Kommissionären. Das damalige Sekretariat des Verbandes wollte mit ihnen (Brückenverlag, Werbe- und Literatur-Vertriebs GmbH, Röderbergverlag und anderen) über Rabatte und Lieferbedingungen verhandeln. (Die dazu vom Sekretariat erhobenen Daten über den tatsächlichen Umsatz von DDR-Literatur in den VLB-Läden haben sich nicht erhalten. Einer in der Abteilung Verkehr beim Zentralkomitee der SED hinterlegten Notiz ist zu entnehmen, dass er 1972 bei etwa 500.000 DM gelegen habe.[12]) Die Gespräche scheiterten jedoch bereits im Ansatz, was wohl weniger der sich bereits abzeichnenden Spaltung des VLB geschuldet war, sondern vielmehr in der ideologischen Borniertheit der DDR-Offiziellen begründet lag. Denn in dem Maße, wie die westdeutsche Linke sich nach der Entmischung der APO auszudifferenzieren begann, gewannen auch die Vertreter der DDR in ihrer streng marxistisch-leninistisch geprägten Weltanschauung die Erkenntnis, dass es sich bei diesen Buchhändlerinnen und Buchhändlern des VLB um "Ultra-Linke" und somit um eine Art "Kinderkrankheit des Kommunismus" (Lenin) handeln müsse. Auf sie brauchte man weder außenpolitisch zu setzen noch musste man mit ihnen geschäftlich verhandeln. Schließlich gab es ja bereits seit 1969 auch jene von der DKP kontrollierte Arbeitsgemeinschaft sozialistischer und demokratischer Buchhändler und Verleger. Nach Recherchen des bundesrepublikanischen Verfassungsschutzes gehörten ihrem Netz Mitte der 1970er-Jahre 37 Buchläden und 17 Verlage an.[13] Sie erhielten ihre Lieferungen durch die DDR-Kommissionäre bevorzugt. Die zu Beginn der 1970er-Jahre ebenso entwickelte Idee, jene im VLB organisierten Verkaufsstellen gar zu sabotieren, wurde zugunsten eines differenzierten Vorgehens verworfen. Stattdessen sollten sie wie bürgerliche Buchläden behandelt werden.[14]

Mitte der 1970er-Jahre hatte sich in den meisten Städten ein einander ignorierendes Nebeneinander von DKP-kontrollierten und VLB-orientierten Buchläden entwickelt. Ein überparteilich gestaltetes Marburger AStA-Erstsemesterinfo empfahl schon 1972 präferenzlos sowohl den "Roten Buchladen" als auch den "Wissen und Fortschritt"-Buchladen der DKP für die Lektürewünsche der Studierenden.[15] Allerdings wird heute von Zeitzeugen immer wieder betont, dass man entweder in den einen oder in den anderen Buchladen ging. Unternommen wurden damit identitäre Schritte, für die am Ende auch die Umsatzzahlen sprachen: Vom Hannoveraner Buchladen "Internationalismus", einem Glutkern des VLB, ist der Jahresumsatz für das Geschäftsjahr 1975 überliefert – mit nur 4,23 Prozent war der Anteil der Bücher aus der DDR am Gesamtumsatz sehr gering.[16]

Die Zahlen sprechen für sich: Bei den Verbindungen des linken Buchhandels zur DDR handelte es sich eindeutig um eine Marginalie, sieht man einmal von den Exportschlagern der Blauen Bände ab. Doch selbst diese konnten sich Bundesbürgerinnen und Bundesbürger in den 1970er-Jahren so problemlos wie billig direkt aus der DDR mitbringen lassen.

Ein zweiter Blick: Väter und Söhne

Wird nun ein zweiter Blick direkt auf die Programme der linken "Gesinnungsverlage"[17] aus dem Spektrum des VLB geworfen, so ist aus den oben erwähnten Erwägungen heraus von vornherein kaum ein anderes Ergebnis zu erwarten. Für die zentralen Debatten der radikalen Linken Westdeutschlands nach 1968 spielten Stimmen aus der DDR kaum eine Rolle. Zudem standen für die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Sozialismus, der Sowjetunion oder des Ostblocks längst andere Publikationsorte zur Verfügung, insbesondere in den um 1968 von vielen etablierten Verlagen eilig aus dem Boden gestampften Reihen, die den gut bestückten "Markt für Marx"[18] bedienen sollten. So fanden in den Backlists der VLB-Verlage nur vereinzelt DDR-Autoren ihren Platz. Von dieser verlegerischen Leerstelle hoben sich einzig und allein die beiden auch literarisch ambitionierten Verlage Wagenbach und Rotbuch ab.

Klaus Wagenbach hatte seinen Verlag nach dem Bau der Berliner Mauer gezielt auch zur Förderung des deutsch-deutschen Literaturaustauschs begründet. Seine West-Ost-Projekte sind vergleichsweise breit rezipiert.[19] Auch der Rotbuch Verlag, nach einer Spaltung 1973 aus dem Hause Wagenbach hervorgegangen, agierte auf dieser Linie. Für das literarische Programm des Rotbuch Verlages zeichnete in den ersten Jahren der Schriftsteller Friedrich Christian Delius verantwortlich. Delius absolvierte in den 1960er-Jahren ein Germanistikstudium in West-Berlin. Nebenbei arbeitete er bei der Literatur-Zeitschrift "alternative". Bei Klaus Wagenbach absolvierte er ein Praktikum, als dieser noch beim Fischer Verlag angestellt war, und wurde im Wagenbach Verlag selbst zum Lektor. Für den Titel von Wolf Biermanns zweiter West-Veröffentlichung ("Mit Marx- und Engelszungen", 1968) fand er dort die entscheidenden Worte.[20] Nicht zuletzt Delius' Kontakten und seinen Talenten innerhalb des Verlagskollektivs war es zu verdanken, dass sich der Rotbuch Verlag bis in die 1980er-Jahre zu einer der ersten Anlaufstellen noch unbekannter Autoren und Dichter aus der DDR und aus Osteuropa entwickelte.[21] Die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller debütierte hier 1984 mit ihrer Anthologie "Niederungen".

Von Autoren aus der DDR erschienen bei Rotbuch in den 1970er-Jahren Stücke und Gedichte von Karl Mickel und Schriften von Paul Gratzik, dessen schroffes Portrait im Film "Vaterlandsverräter" jüngst für die Kinos gezeichnet wurde. Vom Dramatiker Heiner Müller, der in den 1970er-Jahren allenfalls als Geheimtipp gehandelt wurde, veröffentlichte Rotbuch in Zusammenarbeit mit dem westdeutschen Verlag der Autoren und dem ostdeutschen Henschel Verlag "Gesammelte Schriften", zum Teil unter Umgehung des DDR-Büros für Urheberrechte.
Thomas Brasch, "Vor den Vätern sterben die Söhne"Thomas Brasch, "Vor den Vätern sterben die Söhne": Statt eines Klappentextes setzte der Rotbuch Verlag erstmals ein Foto des Autors mit biografischen Angaben auf die Rückseite eines seiner Titel (© Rotbuch Verlag)
Zu den herausragenden literarischen Rotbüchern aus dieser Reihe gehörte Thomas Braschs Prosasammlung "Vor den Vätern sterben die Söhne". Sein Erstlingswerk blieb das einzige Buch, das er bei Rotbuch veröffentlichen sollte.

Thomas Brasch war 1945 in eine Familie des kommunistischen Hochadels hinein geboren worden. Sein Vater, Horst Brasch, stieg nach seiner Remigration aus Großbritannien in der DDR zum stellvertretenden Kulturminister auf. Thomas jedoch geriet – wie so viele Kinder der Nomenklatura – schon früh in Konflikt mit den Organen des Staates. Bereits vom Studium der Journalistik wegen "Verunglimpfung führender Persönlichkeiten der DDR" und "existenzialistischer Anschauungen" relegiert, wurde er 1968 nach seinem Protest gegen den Einmarsch der Staaten des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei wegen "staatsfeindlicher Hetze" zu zwei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Neben Arbeiten, in denen er sich unter anderem in der "Produktion bewähren" durfte, war er ab 1972 als freischaffender Schriftsteller tätig.[22] Den Kontakt zwischen ihm und dem Rotbuch Verlag vermittelte Heiner Müller. Im Zusammenhang mit dessen Werkausgabe besuchte Delius Müller über mehrere Jahre etwa zweimal im Monat in seiner Pankower Wohnung, wo er 1975 auf Brasch traf und sofort von den literarischen Qualitäten seiner Texte eingenommen war. Schon "nach wenigen Minuten der Lektüre" sei ihm klar gewesen: "Das müssen wir drucken! Eine so luzide, illusionslose, gestochene, mitreißende Prosa, besser als alles, was in den siebziger Jahren in der DDR auf diesem Feld geschrieben wurde, davon war ich überzeugt."[23] Und anders als viele andere westdeutsche Verlage, die es sich wegen der Causa Brasch nicht mit der DDR verscherzen wollten, stimmte der Lektoratsausschuss des Rotbuch Verlages der Aufnahme des Titels ins Verlagsprogramm zu.

Durch einen befreundeten westdeutschen Journalisten wurde das Manuskript über die Grenze geschmuggelt. Der Verlag versprach, den Text 1977 zu veröffentlichen, sah sich aber durch eine unvorhergesehene Dynamik der Ereignisse gezwungen, ihn doch früher und außerhalb des turnusmäßigen Wechsels vom Herbst- zum Frühjahrsprogramm auf den Markt zu bringen. Denn auch Brasch hatte seine Unterschrift unter eine Protestresolution gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns gesetzt. Seine berufliche Perspektive in der DDR schien nun vollends verbaut. Selbst der zuvor schon Bedenken tragende Rostocker Hinstorff Verlag war nicht mehr in der Lage, seine Texte zu veröffentlichen.
Thomas Brasch und Katharina ThalbachThomas Brasch und Katharina Thalbach nach ihrer Ausreise aus der DDR bei der Ankunft auf dem Stuttgarter Flughafen, 14. Dezember 1976 (© picture-alliance, Dick)
Im Dezember 1976 reiste Brasch zusammen mit seiner Lebensgefährtin Katharina Thalbach und ihrer Tochter Anna aus der DDR aus.

Die 8.000 Exemplare von "Vor den Vätern sterben die Söhne" erschienen zum Jahreswechsel 1977 und waren im Handumdrehen vergriffen. Innerhalb der nächsten zwölf Wochen wurde die Auflage des Buches jeden Monat erhöht. Es erhielt während dieser Zeit über 70 Rezensionen. Für das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" wurde ein Hintergrundgespräch arrangiert. Funk und Fernsehen Westdeutschlands sendeten Interviews und aktuelle Berichte. Im Februar 1977 wählten die 27 Kritiker des SWR das Buch auf Platz 1 ihrer Bestenliste. Das ZDF strahlte am Pfingstsonntag ein Portrait des Autors aus. Schließlich bekam Brasch am 16. Mai 1977 auch den Förderpreis des Hamburger Lessing-Preises verliehen.[24] Sein Buch über eine Jugend in der DDR, die keine Zukunft hatte, über Arbeiter in depravierten Lebenslagen und über einen Sozialismus, den nur noch seine Funktionäre für real hielten, sollte bis zu seinem Tode im Jahre 2001 sein erfolgreichstes bleiben – eines, das noch in den 1990er-Jahren als erstes mit ihm in Verbindung gebracht wurde.[25]

Mit diesen Beispielen vor Augen kann in Bezug auf den linken Buchhandel und die DDR nicht unbedingt von einer Marginalie gesprochen werden. Die Literaturproduktion linker Verlage im Westen war nicht zu vernachlässigen, wenn es darum ging, Einblicke in die DDR oder zumindest in die durch Literatur vermittelte Landschaft ihrer Opposition zu bekommen. Darüber hinaus wirkungsvoll konnte sie in diesem Zusammenhang werden, wenn sie als Tamisdat verstanden wurde, als "dort verlegt" bzw. "Dort-Verlag", um diesen eigentlich eher in Bezug auf die sowjetische Dissidenz der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gebräuchlichen Begriff zu benutzen.
Rudolf BahroRudolf Bahro bei einer Pressekonferenz in Bonn, Oktober 1979 (© ddp/AP)
In diese Rubrik fällt ebenso Rudolf Bahros "Die Alternative", 1977 durch die Europäische Verlagsanstalt veröffentlicht. Jene zeitgenössisch wohl bedeutendste Kritik am "real existierenden Sozialismus" erzeugte nicht nur im Westen ein gewaltiges Echo, als deren Verstärker auch Verlage aus dem Spektrum des VLB fungierten,[26] sondern lieferte auf verschiedenen Kanälen in die DDR transportiert enormen Diskussionsstoff zur Zukunft des Kommunismus[27].

Dritter Blick: Ein Perspektivwechsel



Der Begriff des Tamisdat führt in einem Perspektivwechsel schließlich hin zu den ostdeutschen Leserinnen und Lesern. Nach dem schönen Bild von Mark Lehmstedt tummelten sie sich zumeist "im Dickicht hinter der Mauer".[28] Abgesehen von den professionell staatlicherseits zur Lektüre Abgestellten: Wen haben die Publikationen der Verlage des westdeutschen linken Buchhandels erreicht? Für wen waren sie wichtig?

Rainer Eckert hat sieben Wege und Quellen der Literaturbeschaffung genannt. Letztlich sei es nach seiner Einschätzung in der DDR für jede und jeden möglich gewesen, ein jedes Buch zu bekommen, "wenn auch in langen Zeiträumen" und "unter schwierigen Bedingungen".[29] Diese Verbindungswege waren in den 1970er-Jahren vor allem jenen unabhängigen "Kommunikations- und Interaktionsgemeinschaften" der Kulturopposition und marxistisch sozialisierter Intellektueller bekannt, die sich seit 1967/68 im oppositionellen Milieu der DDR bildeten. Das Selbstverständnis dieser Gemeinschaften, zu denen ebenso Thomas Brasch zu zählen ist, war "die strukturelle Infragestellung und Delegitimierung des undemokratischen politischen Regimes sowie die Legitimität des Diskurses gesellschaftlicher Alternativen".[30] Sie vor allem interessierte die Produktion der westdeutschen linken Verlage; für ihre Gesprächsrunden wurde sie wichtig.

Oppositionelle Marxisten, so wie die im Mai 1975 gegründete Gruppe um Klaus Wolfram beispielsweise, die nach konspirativen Regeln nicht konforme Texte studierte. Als Einstiegswerk in ihre Diskussionen erwies sich Leo Trotzkis erstmals 1936 veröffentlichtes Werk über die "Verratene Revolution". Die Tante Wolframs schmuggelte es unterm Rock über die Grenze. Nach knapp zwei Jahren intensiver Textarbeit befand sich die Gruppe bereits im Übergang vom "staatsfeindlichen Lesen zum staatsfeindlichen Schreiben"[31] gegen die immer offensichtlicher werdende Verkrustung des real existierenden Sozialismus und flog am 22. Juni 1977 an einem abgelegenen Abschnitt der Transitstrecke Hamburg–Berlin auf, als sie sich auf einen Schlag 47 Bücher illegal aus der Bundesrepublik beschaffen wollte. Ein Spitzel innerhalb der Gruppe hatte den Kreis verraten. Über die damalige Bedeutung der Bücher konstatiert Inga Wolfram in der Rückschau, es sei "nur noch schwer nachvollziehbar, aber diese Bücher waren für die Gruppe der unbedingt notwendige Anschluss an den Lebensnerv der Geschichte, Instrumente und Handwerkszeug für die Entwicklung ihres Denkens und auch Licht am Ende des Tunnels. Man kam einfach nicht weiter, ohne sich zu vergewissern, dass es einen Ausweg aus der Sackgasse gab."[32]

In einem Interview gaben die beiden Zeithistoriker Thomas Klein und Bernd Gehrke weitere Beispiele. Beide waren sie seit den frühen 1970er-Jahren ebenfalls in verschiedenen oppositionellen Gruppen organisiert und am illegalisierten Literaturaustausch beteiligt, bis sie 1989 zu den Mitbegründern der Initiative Vereinigte Linke gehörten. Einander kennengelernt hatten sie sich am Zentralinstitut für Wirtschaftswissenschaften der Akademie der Wissenschaften der DDR, in dem sie sich unter anderem als Leser der Zeitschrift "Prokla" (Probleme des Klassenkampfs) bemerkten. Sich diesem damals führenden Diskussionsorgan der westdeutschen radikalen Linken zu widmen, konnte als Erkennungszeichen oppositioneller Grundeinstellungen fungieren. Klein gewöhnte sich in den 1970er-Jahren eine eigene Lesetechnik an. So lernte er die in der DDR überall frei zugänglichen DKP-nahen Einschätzungen über die politische Entwicklung der Ultralinken im Westen "über Bande" zu lesen. Intensiv studierte er die dort gesetzten Fußnoten und erfuhr von Büchern, die er sich für seine politisch-oppositionelle Praxis in der DDR notwendig anzuschaffen hatte.[33] Sein Fokus war auf die neue kritische Marx-Lektüre im Gefolge der westdeutschen Studentenbewegung und auf die in Ost wie West lange verschollenen Texte der marxistischen, sozialphilosophischen und psychoanalytischen Diskurse aus den 1920er- und 30er-Jahre gerichtet. Nach den Verheerungen des "Dritten Reiches", nach stalinistischen Denkverboten in der DDR und auch nach dem Antikommunismus der frühen Bundesrepublik waren letztere in Vergessenheit geraten, bis die Raub- und Nachdruckbewegung der 1960er-Jahre und der linke Buchhandel in Westdeutschland sie wieder in Erinnerung brachten. Weiterhin verfolgte Klein aufmerksam die durch den Rotbuch Verlag vertriebenen "Kursbücher" und bezog die "Info"-Ausgaben des Sozialistischen Osteuropakomitees, zu dem er auch persönliche Kontakte unterhielt. Als Klein 1979 wieder ein neues Bücherpaket empfangen sollte, schnappte auch für ihn eine Falle des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit zu.

Katalog sozialistischer Literatur"Das politische Buch". Der "Katalog sozialistischer Literatur" von 1972 (© Uwe Sonnenberg)
Bernd Gehrke kann aus seinem Bücherregal noch heute ein Jahrzehnte lang gehütetes, fast verlagsfrisches Exemplar des "Katalogs sozialistischer Literatur" hervorziehen. Mit diesem Katalog hatte der VLB 1972 "das aktuelle Sortiment des politischen Buchhandels in der BRD und Westberlin" zusammenzutragen versucht. Zwar fiel die Herausgabe dieser Aufstellung direkt in die Spaltungsphase des Verbandes und bestach in Aufmachung und Inhalt durch den auffallend sektiererischen Charakter der westdeutschen K-Gruppen, doch boten die rund 3.000 gelisteten Titel für Gehrke und seine Gruppengenossen eine unverzichtbare Informationsquelle und Orientierungshilfe. Erhalten hatte er den Katalog von einem westdeutschen Studenten, den Theateraufführungen am Berliner Ensemble in regelmäßigen Abständen nach Ost-Berlin führten.[34]

Miteinander verbunden waren die halb-, gegen- oder ersatzöffentlichen[35] "Kommunikations- und Interaktionsgemeinschaften" der DDR durch ein verdecktes "Netz der Bücherbeschaffung und -verteilung", in dem ein "systematischer Ost-West übergreifender Tauschring organisiert" war, bei dem nicht zuletzt auch die "Blauen Bände" wieder zum Einsatz kamen.[36] Sogar einzelne Untergrundbibliotheken sind inzwischen nachgewiesen, die auf diese Weise seit den 1970er-Jahren von den im Entstehen begriffenen Oppositionsgruppen aufgebaut wurden. In Kammern von "zuverlässigen, aber hinsichtlich von Hausdurchsuchungen […] weniger gefährdeten Personen" wurden sie untergebracht.[37] Die vermutlich größte dieser Bibliotheken übergab Anfang der 1990er-Jahre ein Mitbegründer des Neuen Forums der Robert-Havemann-Gesellschaft (Berlin).[38] Die statistische Auswertung der Bestandsliste vor Ort ergab 225 und damit über ein Drittel der insgesamt 633 bis zum Erscheinungsjahr 1989 aufgeführten Titel, welche direkt aus der Produktion des westdeutschen linken Buchhandels stammten. So befinden sich dort nicht nur 27 der 67 einzelnen Ausgaben aus der einflussreichen Reihe "Internationale Marxistische Diskussion" (IMD) des Merve Verlages. Auch verschiedene Bände zur linken Opposition in der Sowjetunion der 1920er-Jahre sowie eine größere Anzahl Rot- und "Kursbücher" sind darin aufgenommen. Selbst die durch den VLB angestoßene kollektive Neuherausgabe (1976) des zuvor in der Bundesrepublik kriminalisierten Buches von Michael "Bommi" Baumann, "Wie alles anfing", über seinen Werdegang hin zu und bei den westdeutschen Haschrebellen, fand ihren Weg in diese Untergrundbibliothek.[39]

In deren Bestandsliste aufgeführt sind auch Bücher, die verschiedene Lesephasen in den ostdeutschen oppositionellen Gruppen nahelegen und auf eine zeitlich oder zeitversetzt parallele Entwicklung der Diskussionsprozesse oppositioneller Gruppen aus Ost- und Westdeutschland hindeuten: von der Wiederaneignung kritischer Marxismusdiskurse über die Kontroversen der Friedensbewegung bis hin zur Entdeckung neuer Umwelt- und Naturschutzgedanken. Sie können als Indiz für das Entstehen verschiedener Neuer Sozialer Bewegungen auch im oppositionellen Milieu der DDR gelten. In Standardwerken zur Opposition in der DDR ist bereits die Rede von ihnen[40], ihre Mobilisierungsformen und Strukturen waren jedoch (nicht nur unter dem Dach der Kirche) grundverschieden. Im Übergang zu den 1980er-Jahren verweist diese Entwicklung ebenso auf eine Zeit, in der die DDR bereits durch eine stetig wachsende Zahl von Grenzgängern und Auswanderern auf eigentümliche Weise in die BRD hineingewachsen war. Sie verweist weiterhin auf eine Zeit, in der sich auf westdeutscher Seite Die Grünen zum zentralen Akteur im oppositionellen innerdeutschen Literaturaustausch entwickelt hatten und in der auch der organisierte linke Buchhandel seine Bindungskräfte verlor. Das letzte bundesweite Treffen des VLB wurde im November 1980 einberufen. Regionale Gruppen trafen sich als VLB zuletzt in der Mitte der 1980er-Jahre.

Als Fazit der hier unternommenen Blicke durch das "Loch in der Mauer" hindurch kann für die 1970er-Jahre festgehalten werden: Indem er die oppositionellen Gesprächskreise der DDR mit immer neuem Lesestoff belieferte, half der Buchhandel des VLB zugleich mit, die geschlossene Gesellschaft der DDR einen Türspalt weit offen zu halten. Was wie eine Marginalie in der Geschichte des deutschen Buchhandels erscheint und in Bezug auf spezifische Einblicke in die literarische Landschaft der DDR als nicht unwichtig einzuschätzen war, erweist sich heute, 51 Jahre nach dem Bau der Berliner Mauer, als zweifellos ernst zu nehmender Faktor und Bindeglied in der noch nicht geschriebenen asymmetrisch verflochtenen Geschichte grenzübergreifender radikaler Opposition und widerständigen Handelns in beiden deutschen Nachkriegsstaaten.[41]
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Fußnoten

1.
Sven Reichard/Detlef Siegfried (Hg.), Das Alternative Milieu. Antibürgerlicher Lebensstil und linke Politik in der Bundesrepublik Deutschland und Europa 1968–1983, Göttingen 2010; Cordia Baumann u.a. (Hg.), Linksalternative Milieus und Neue Soziale Bewegungen. Außerparlamentarischer Protest und mediale Inszenierung in den 1970er Jahren in der Bundesrepublik und Westeuropa, Heidelberg 2011.
2.
Vgl. Albrecht Götz von Olenhusen, Handbuch der Raubdrucke – Bibliographie, Bericht, Dokumente, Freiburg i. Br. 2002.
3.
Zum Wandel dieser Buchläden vgl. Uwe Sonnenberg, Agitation und Aufklärung – Zur Geschichte linker Buchläden seit "1968", in: Marcel Bois/Bernd Hüttner (Hg.), Beiträge zur Geschichte einer pluralen Linken, Bd. 2, Berlin 2010, S. 16–19.
4.
VLB, Presseerklärung, dok.: Verband des linken Buchhandels & Theorie-Arbeitskreis Alternative Ökonomie in der AG SPAK, Selbstverwaltung am Beispiel des linken Buchhandels. Unterlagen für Sommerseminar 21.7.–25.7.1986.
5.
Horst W. Schors, "Linke Kooperation", in: Buchmarkt 8 (1970), S. 38.
6.
Stand: 27.9.1971, in: VLB-Info 7/71, Anhang.
7.
Vgl. Uwe Sonnenberg, Der Verband des linken Buchhandels (VLB) in den 1970er Jahren – Ein Netzwerk innerhalb der Netzwerke, in: Baumann u.a. (Anm. 1), S. 161–188.
8.
Gerd Koenen, Die APO, ihre Erben und die DDR, in: Hans-Joachim Veen u.a. (Hg.), Wechselwirkungen Ost-West. Dissidenz, Opposition und Zivilgesellschaft 1975–1989, Köln u.a. 2007, S. 129–138, hier 129 u. 137. Vg. z.B. die Aussage von Renate Fink, seit den frühen 1970er-Jahren in mehreren VLB-Buchladenkollektiven West-Berlins und Hamburgs engagiert: "Die DDR interessierte uns nie sonderlich, das waren Spießer, die machten es streng und billig, bieder und eng, und die permanente Revolution hat ja nicht stattgefunden", in: Die Zeit, 2.11.1990; vgl. auch Michael Müller, "Angelika Gerlach, wohnhaft in Erfurt". 68 und die DDR, in: Daniel Cohn-Bendit/Rüdiger Dammann (Hg.), 1968. Die Revolte, Frankfurt a. M. 2007, S. 203–221. Zum wechselhaften und problematischen Verhältnis zwischen Ost- und Westlinken grundlegend: Ferenc Fehér/Agnes Heller, Die Linke im Osten – Die Linke im Westen. Ein Beitrag zur Morphologie einer problematischen Beziehung, Köln 1986.
9.
Peter Offenborn, "Socialismus ano – okupace ne!" Aus der Arbeit des Sozialistischen Osteuropakomitees (SOK), in: Horch und Guck, 34 (2001), S. 37–39, hier 37f. Offenborn gehörte 1978 zu den Gründern des Hamburger Buchladens Osterstraße, der auf dem durch den VLB bereiteten Boden auch in den 1980er/90er-Jahren eine aktive Rolle spielen sollte.
10.
Tel. Auskunft v. Jörn Schütrumpf, Leiter des Karl Dietz Verlages, Berlin 27.1.2012.
11.
"Wir mußten auch große Lager haben […] weil die DDR ihre Ausgabepolitik so merkwürdig machte. Die haben alle drei Jahre mal den MEW 23 nachgedruckt und dann gab es mal längere Zeit wieder keinen. So mussten wir 300 Stück MEW auf Lager halten, damit halbwegs Kontinuität für die Belieferung da war.": Zusammenfassende Darstellung des Tonbandprotokolls vom Gespräch Roland Kreling mit dem Marburger Buchhändler Christian Boblenz, geführt im März 1985, in: Friedhelm Lyschik, "Roter Stern". Geschichte eines alternativen Projekts, unveröff. Diplomarb., Uni. Marburg 1988, S. 109–116, hier 113.
12.
Probleme der Entwicklung des progressiven Verlagswesens in der BRD, 25.10.1973, BStU, MfS, HA II 32220, Bl. 130. Allerdings ist dieser Mitteilung nicht zweifelsfrei zu entnehmen, ob sich diese Zahl tatsächlich nur auf den durch den VLB repräsentierten Buchhandel bezog.
13.
Unter ihnen z.B. die namhaften Verlage Pahl-Rugenstein, Röderberg und Weltkreis: Betrifft: Verfassungsschutz 1976 – Rechtsextremismus, Linksextremismus, Terrorismus, Spionageabwehr, sicherheitsgefährdende und extremistische Bestrebungen von Ausländern, Hg. Bundesminister des Innern, Bonn 1977, S. 89.
14.
"Die ultralinken Verlage und Buchhandlungen, die als Führungszentren linksopportunistischer Gruppierungen auftreten, sind grundsätzlich von jeder Belieferung durch die DDR und durch progressive Verlage der BRD auszuschließen (vollständiger Boykott). Die 'linken' Buchhandlungen, die darüber hinaus bestehen, können beliefert werden. Die Bezugsbedingungen sind wie bei den bürgerlichen Buchhandlungen zu gestalten": Zur Taktik gegenüber ultralinken Verlagen und Buchhandlungen, BStU, MfS, HA II 32220, Bl. 129.
15.
AStA Universität Marburg, Informationen für Erstsemester, Sommersem. 1972, als Auszug im Archiv des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, W2/7 4197.
16.
Chico, o. T., in: fragezeichen. Info für die hannoversche Linke, 5 (1976), S. 15.
17.
Zum Begriff "Gesinnungsverlage" vgl. Olaf Blaschke, Verleger machen Geschichte. Buchhandel und Historiker seit 1945 im deutsch-britischen Vergleich, Göttingen 2010, S. 285–287.
18.
Adelheid von Saldern, Markt für Marx. Literaturbetrieb und Lesebewegungen in der Bundesrepublik in den Sechziger- und Siebzigerjahren, in: AfS 44 (2004), S. 149–180.
19.
Vgl. Daniel Haufler, Das Volkseigentum wird streng bewacht. Klaus Wagenbachs West-Ost-Projekte, in: Mark Lehmstedt/Siegfried Lokatis (Hg.), Das Loch in der Mauer. Der Innerdeutsche Literaturaustausch, Wiesbaden 1997, S. 166–184; vgl. auch Klaus Wagenbach (Hg.), Warum so verlegen? Über die Lust an Büchern und ihre Zukunft, Berlin 2004, S. 11ff. – In Wagenbachs Verlagsprogramm lasse sich ein "Wandel von der Anerkennung der DDR-Literatur als einer zweiten deutschen Literatur zur programmatischen Orientierung auf eine neue Einheit der deutschen Literatur ablesen", so Helmut Peitsch, Nachkriegsliteratur 1945–1989, Göttingen 2009, S. 27f.
20.
Vgl. Kulturaustausch im Bereich der Ringbahn – Gespräch mit Friedrich Christian Delius, in: Roland Berbig (Hg.), Stille Post. Inoffizielle Schriftstellerkontakte zwischen West und Ost. Von Christa Wolf über Günter Grass bis Wolf Biermann, Berlin 2005, S. 172–187.
21.
Die Anekdoten, Zusammenhänge und ihre Hintergründe, zusammengefasst als "Mauer-Unterwanderungen", in: Friedrich Christian Delius, Als die Bücher noch geholfen haben. Biographische Skizzen, Berlin 2012, konnten hier nicht mehr eingearbeitet werden, bestätigen aber die vorgelegte Darstellung.
22.
Vgl. Christina Onnasch, Thomas Brasch, in: Karl Wilhelm Fricke u.a. (Hg.), Opposition und Widerstand in der DDR. Politische Lebensbilder, München 2002, S. 277–281.
23.
Friedrich Christian Delius, "Für meinen ersten Verleger", in: Martina Hanf/Kristina Schulz (Hg.), Das blanke Wesen. Thomas Brasch, Berlin 2004, S. 95–99, hier 95f.
24.
Vgl. Thomas Brasch – Zwischenbilanz nach 12 Wochen, in: Die Rotbuche, 4 (April 1977), unpag. [S. 3].
25.
Auch das Thema "Mauer" hat Brasch darin direkt aufgegriffen: In der ersten Erzählung der Sammlung trifft ein ausreisewilliger Robert – müde von den immer gleichen Ausführungen der Altvorderen – auf einen ehemaligen Spanienkämpfer, der am Ende des Bürgerkrieges in letzter Not sich über die französische Grenze hatte retten können. Robert wirft ihm vor: "Stell Dich nicht dümmer als Du bist […] Du hattest Deinen Text, jetzt habe ich meinen, und der heißt: Ich kann nicht machen, was Du konntest. Schließlich habt ihr um die schönen Häuser auch noch eine Mauer gebaut." Eine Mauer, an der Robert zugrunde gehen wird, wie sein Freund an anderer Stelle erklärt: "Als ich jetzt an die Mauer dachte, war sie für mich das Ende, und für Robert war sie nicht das Ende und darum war sie für ihn das Ende.": Thomas Brasch, Vor den Vätern sterben die Söhne, Berlin (W.) 1977, S. 18 u. 50.
26.
Z.B. durch den im Vorfeld des "Internationalen Kongresses für und über Rudolf Bahro" veröffentlichten Sammelband von Ulf Wolter (Hg.), Antworten auf Bahros Herausforderung des "realen Sozialismus", Berlin (W.) 1978. Auch die Protokolle des mit rund 10.000 Teilnehmern außergewöhnlich gut besuchten Solidaritätskongresses in West-Berlin, 16.–19.11.1978, wurde in dem linken Kleinverlag Olle & Wolter herausgegeben: Der Bahro-Kongress: Aufzeichnungen, Berichte und Referate, Hg. Komitee für die Freilassung Rudolf Bahros, Berlin (W.) 1979.
27.
Der Pfarrer und Philosoph Edelbert Richter erinnert sich: "Die breiteste Wirkung weit über oppositionelle Gruppen hinaus hat Rudolf Bahros 'Die Alternative' (1977) erzielt. Ich kenne überhaupt kein anderes Buch eines Intellektuellen aus der DDR, das international solchen Widerhall gefunden hat […]. Ich selber wurde in seiner Folge erstmals mit Zirkeln von kritischen SED-Genossen in Berlin bekannt. Wir trafen uns regelmäßig in wechselnden Wohnungen, um im Anschluss an Bahros Kritik zu klären, was das denn für eine Gesellschaft sei, in der wir lebten. Wir gingen die verschiedenen Theorien durch, die diesbezüglich damals vertreten wurden, und es waren lehrreiche Diskussionen für mich.": Der linke Flügel der DDR-Bürgerrechtsbewegung, in: Klaus Kinner (Hg.), Linke zwischen den Orthodoxien. Von Havemann bis Dutschke, Berlin 2011, S. 63–70, hier 64. Zu Bahro selbst vgl. Guntolf Herzberg/Kurt Seifert, Rudolf Bahro – Glaube an das Veränderbare. Eine Biographie, Berlin 2002.
28.
Mark Lehmstedt, Im Dickicht hinter der Mauer – der Leser, in: Ders./Lokatis (Anm. 19), S. 348–357.
29.
Corinna Buschow/Maria Drobner, Karl May von der Oma. Der Bücherschmuggler Rainer Eckert, in: Siegfried Lokatis/Ingrid Sonntag (Hg.), Heimliche Leser in der DDR. Kontrolle und Verbreitung unerlaubter Literatur, Berlin 2008, S. 113–118, zit. 113. Dazu gehörten im Einzelnen Westbesuche und -pakete, Antiquariate in Osteuropa, die klassische Samisdat-Produktion, Kontakt zu organisierten Gruppen bspw. unter dem Dach der Kirche oder der Zugang zu den Giftschränken bzw. Fernleihmöglichkeiten für DDR-Bürger in "Sonderversorgungssystemen".
30.
Bernd Gehrke, Die neue Opposition nach dem Mauerbau. Zu Ursprüngen und Genesis oppositionell-politischer Artikulationsformen in der DDR der 1960er Jahre und 1970er Jahre, in: Leonore Ansorg u.a. (Hg.), "Das Land ist still – noch!". Herrschaftswandel und politische Gegnerschaft in der DDR (1971–1989), Köln u.a. 2009, S. 203–225, zit. 204, 210 u. 209.
31.
Thomas Klein im Gespräch m. d. Vf., 24.6.2011.
32.
Vgl. Inga Wolfram, Verraten. 6 Freunde und Ein Spitzel, mein Land und ein Traum, Düsseldorf 2009, zit. S. 121.
33.
Klein (Anm. 31). Ein Beispiel für einen Titel, der ungewollt "über Bande" zurückwirkte, ist: Robert Steigerwald, Der "wahre" oder "konterrevolutionäre" Sozialismus. Was wollen Havemann, Dutschke, Biermann?, Frankfurt a. M. 1977.
34.
Mdl. Auskunft an d. Vf., 24.6.2011. Kleiner Roter Buchladen (Braunschweig) u.a., Das politische Buch – Katalog sozialistischer Literatur 1972, Köln 1972, zit. S. VII. – Zu Gehrkes damaligem politischen Engagement vgl. "… die linke Opposition innerhalb und außerhalb der SED zu vereinigen". Bernd Gehrke, geboren 1950, interviewt von Eva Völpel, in: Cornelia Siebeck u.a. (Hg.), Verlorene Zeiten? DDR Lebensgeschichten im Rückblick. Eine Interviewsammlung, Berlin 2010, S. 144–157.
35.
Thomas Klein, Gegenöffentlichkeit. Oppositionelle Wirkungsformen und staatliche Abwehrstrategien in der DDR, in: Ansorg u.a. (Anm. 30), S. 227–248.
36.
Gehrke, Die neue Opposition (Anm. 30), S. 207ff. Zur Funktionsweise des Tauschrings schreibt Gehrke, dass "größere Posten illegal in die DDR geschmuggelter Bücher und Schallplatten mit Hilfe des Schwarzmarktverkaufs der Westschallplatten finanziert wurden. Im Gegenzug kamen dafür Marx-Engels-Werke zum Einsatz, die man in den Westen ausführte, um die bestellte Westliteratur zu finanzieren": ebd., S. 209.
37.
Ebd.
38.
Handbibliothek: Dauerleihgaben (ehemalige illegale Bibliothek), Sondersammlung der Bibliothek der Robert-Havemann-Gesellschaft Berlin; ausführlich dazu vgl. ebd.
39.
Hinzugezählt wurden publizierte Titel aus allen Verlagen, die in den 1970er-/80er-Jahren auf dem durch den VLB konstituierten, politisch-literatischen Feld agierten. Da die Europäische Verlagsanstalt den VLB als "befreundeter Verlag" in seinen frühen Organisationsbemühungen eng begleitete, flossen auch die dort publizierten Bücher in die Zahl 225 ein. – Zur Kriminalisierung von Bommi Baumann, Wie alles anfing, München 1975, vgl.: Peter Arnold/Jürgen Schult (Hg.), Ein Buch wird verboten. Bommi Baumann Dokumentation, München 1979.
40.
Vgl. Ehrhart Neubert, Geschichte der Opposition in der DDR 1949–1989, 2. Aufl., Berlin 2000; Marc-Dietrich Ohse/Detlef Pollack, Dissidente Gruppen in der DDR (1949–1989), in: Roland Roth/Dieter Rucht (Hg.), Die sozialen Bewegungen in Deutschland seit 1945. Ein Handbuch, Frankfurt a. M./New York 2008, S. 363–390.
41.
Erste Umrisse davon zeichnete Bernd Florath, Opposition und Widerstand, in: Clemens Burrichter u.a. (Hg.), Deutsche Zeitgeschichte von 1945 bis 2000. Gesellschaft – Staat – Politik, Berlin 2006, S. 354–411.

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