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16.5.2012 | Von:
Rüdiger Thomas

Antikommunismus zwischen Wissenschaft und politischer Bildung

Bundeszentrale für Heimatdienst und Ostkolleg

Publikationen der Bundeszentrale für Heimatdienst

Es gibt zwar einige wenige Beiträge, die sich mit der Geschichte der Bundeszentrale beschäftigen[15], aber bisher fehlen Studien, die sich auch inhaltsanalytisch orientieren, also die Publikationen der BZH in den Mittelpunkt rücken, mit denen diese unmittelbar Prozesse der Informationsvermittlung und der Urteilsbildung beeinflusst und mitgestaltet hat.

"Meinungsforschung in der Sowjetzone"Karikatur aus dem Hamburger Echo in der Wochenzeitung "Das Parlament", 1950er-Jahre (© Das Parlament)
Mit der Gründung der BZH war die Übernahme der zuvor seit September 1950 kommerziell herausgegebenen Wochenzeitung "Das Parlament" verbunden.[16] Die Wochenzeitung hatte ihren Schwerpunkt in der auszugsweisen Dokumentation von Bundestagsdebatten, doch wurden dort auch – betreut von einer Miniredaktion mit ursprünglich zwei Redakteuren – andere politische Themen einbezogen, zu denen die gelegentliche Berichterstattung über die "Sowjetzone" und die Auseinandersetzung mit dem Kommunismus gehörte. Hierzu erschienen bis 1963 zehn Themenausgaben.

Als Leitmedien der BZH, die sich mit einem deutlich differenzierten Anspruchsniveau einerseits an wissenschaftsorientierte bildungsqualifizierte Milieus, andererseits an eine breitere Öffentlichkeit, vorrangig aber an Adressaten in den Schulen wandte, sind die Wochenzeitschrift "Aus Politik und Zeitgeschichte" sowie die "Informationen zur politischen Bildung" von grundlegender Bedeutung. Dies gilt sowohl allgemein im Hinblick auf Konzepte und Inhalte einer demokratischen politischen Bildung als auch speziell für die geistig-politische Auseinandersetzung mit dem Kommunismus.

"Aus Politik und Zeitgeschichte"

"Aus Politik und Zeitgeschichte" (APuZ), die Beilage zur Wochenzeitung "Das Parlament", ist seit ihrer Gründung bis heute das anspruchsvollste publizistische Medium der Bundeszentrale. Die Zeitschrift erscheint seit Ende November 1953 regelmäßig (zuvor hatte es in der zweiten Hälfte desselben Jahres bereits acht Sonderbeilagen gegeben), sie wurde bis 1956 von Paul Franken persönlich mit nur einer Hilfsreferentin betreut.[17] In "APuZ" waren dabei Beiträge zur demokratischen Erziehung – etwa von Walter Dirks, Theodor Litt und Eduard Spranger –[18], zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus und zur Geschichte der NS-Diktatur zwar prioritär, doch wurde schon seit dem ersten Jahrgang auch die Auseinandersetzung mit dem Kommunismus häufig thematisiert.[19] Während Themen zur kommunistischen Ideologie überwiegend in Originalbeiträgen präsentiert wurden, stammten Analysen zum Ost-West-Konflikt in den ersten Jahrgängen fast ausschließlich von amerikanischen und britischen Autoren.

ApuZ, 23/1954Aus Politik und Zeitgeschichte, 23/1954 (© BpB)
Im Hinblick auf die kommunistische Ideologie fällt ein Beitrag von Helmut Gollwitzer über "Die geistige Auseinandersetzung mit dem Kommunismus als unsere Aufgabe"[20] besonders in den Blick, der im Juni 1954 publiziert wurde. Es handelt sich um einen Vortrag, den Gollwitzer vor Angehörigen der Dienststelle Blank gehalten hatte. Dieser Beitrag ist aus drei Gründen bemerkenswert und für die damalige Zeit – der KPD-Verbotsprozess war bereits drei Jahre zuvor initiiert worden – ganz erstaunlich: (1) Gollwitzer würdigt Karl Marx als einen "der großen Denker des 19. Jahrhunderts" und erklärt: "Ich könnte keinen Historiker, Sozialökonomen, Sozialpolitiker, aber auch keinen Pädagogen ernst nehmen, der nicht in irgendeiner Weise auch marxistische Gedanken in sein Denken aufgenommen hätte." (2) Er wendet sich entschieden gegen Gesinnungsschnüffelei: "Es ist im Marxismus in der Erkenntnis der Entwicklungsgesetze des Kapitalismus, in der schonungslosen Diagnose unserer Zeit soviel einzelnes Wahres, es hat sich auch soviel durchgesetzt, daß es nur borniert ist, etwa heute im Zuge der amerikanischen Hexenjagd nun auch einzelne Professoren zu durchleuchten, wieweit sie marxistische Gedanken aufgenommen haben". (3) Ideologiegeschichtlich akzentuiert Gollwitzer einen fundamentalen Unterschied zwischen der NS-Weltanschauung und dem Marxismus. Er erkennt in der marxistischen Weltsicht "die Stärke, daß sie auch dem Verstand entspricht und ihn befriedigt, die der Nationalsozialismus mit seinem Mystizismus nicht hatte." Im Ausblenden der sozialpolitischen Herausforderung des Marxismus sieht Gollwitzer den Grund dafür, dass China ein kommunistischer Staat geworden sei: "China ist das Ergebnis einer versäumten Sozialreform." In seinem Beitrag hebt er allerdings gleichzeitig den fundamentalen Unterschied hervor, den er zwischen Marx und den kommunistischen Diktaturen der Gegenwart konstatiert. Gollwitzer markiert dezidiert eine Kluft zwischen dem Marxschen Humanismus als "Aufbruch zur Befreiung des Menschen. Und am Ende steht das schlimmste Sklavensystem, das wir in der europäischen Geschichte kennen."

Stärker ausgeprägt als bei Gollwitzer verbindet sich in einem zwei Jahre später erschienenen Beitrag von Wenzel Jaksch[21] die Marx-Deutung mit dem politischen Interesse eines engagierten Sozialdemokraten, sich unmissverständlich vom Sowjetkommunismus abzugrenzen, ohne die ideengeschichtlichen Wurzeln der sozialistischen Bewegung zu verleugnen: "Die Schwäche der geistigen Widerstandsfront in Westdeutschland kommt entscheidend aus gewollten und ungewollten Mißverständnissen über die Identität von Marxismus und Sowjet-Kommunismus. (…) Meine Aussage ist, daß die üblichen antimarxistischen Schlagworte als geistige Waffen für die Auseinandersetzung mit dem Osten völlig untauglich sind. Marx ist nun einmal einer der größten Propheten des industriellen Zeitalters (…) Manche seiner Thesen sind heute überholt, aber in entscheidenden Punkten hat er recht behalten, nämlich, daß der Mensch des industriellen Zeitalters sein Leben bewußt gestalten muß, wenn er nicht zum Werkzeug unkontrollierbarer Kräfte herabsinken will."[22] Jaksch plädiert daher für ein "Programm der sozialen Aufrüstung", die er mit der Zielsetzung der deutschen Wiedervereinigung verbindet: "Die Sozialordnung Westdeutschlands und später Gesamtdeutschlands ist das Schaufenster der freien Welt gegenüber den Satelliten-Völkern."

Diese frühen Beispiele illustrieren einen Denkansatz in der Auseinandersetzung mit dem Kommunismus, der Marx' Ideen kritisch gegen den totalitären Staatssozialismus der kommunistischen Parteiherrschaft in Anschlag bringt.[23] Er antizipiert damit eine Form der Kritik am internationalen Kommunismus, der in der Systemauseinandersetzung seit den ausgehenden 1960ern bis zum Ende der 1980er-Jahre vorherrschend werden sollte.

Dieser Sichtweise steht eine andere Richtung entgegen, die den Marxismus als eine Art Opium für die westliche Intelligenz betrachtet und daher die Auseinandersetzung mit dem Kommunismus unter das Vorzeichen von Bedrohungsvorstellungen rückt. Ideologietheoretisch sind hier vor allem die Schriften von Joseph M. Bochenski und Gustav A. Wetter hervorzuheben.[24] Beide Autoren interessieren sich kaum für Marx, den Bochenski praktisch ignoriert, und behandeln die sowjetische Ausprägung der kommunistischen Ideologie und ihre politischen Implikationen.

Bochenski-Gutachten zum KPD-VerbotsprozessDas Gutachten Joseph M. Bochenskis zum KPD-Verbotsprozess in der Ausgabe der Schriftenreihe der BZH (© BpB)
Bochenskis Sichtweise wird zuerst im Februar 1956 unter dem Titel "Die kommunistische Ideologie und die Würde, Freiheit und Gleichheit der Menschen im Sinne des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland vom 23.5.1949" publiziert. Es ist der Wortlaut seines im Auftrag der Bundesregierung verfassten (dem Bundesverfassungsgericht am 3. März 1955 vorgelegten) Gutachtens für den KPD-Verbotsprozess, ohne dass auf diesen Sachverhalt verwiesen würde. Bochenski lässt für seine Analyse nur die sowjetische Marx-Interpretation gelten: "Jeder Versuch, die Ideologie des Kommunismus aus anderen Quellen herzuleiten, muß als unwissenschaftlich abgelehnt werden. Insbesondere ist es ganz verfehlt, das Verständnis dieser Ideologie aus eigener Deutung der Schriften Marx' oder auf Grund einer der zahlreichen nicht-kommunistischen Interpretationen desselben Verfassers gewinnen zu wollen."[25]

Wetters Beitrag "Der dialektische Materialismus" bezieht sich im Wesentlichen auf die mentalen und sozialpsychologischen Wirkungen der sowjetkommunistischen Ideologie und die Risiken für die westlichen Gesellschaften: "Es ist nämlich dieser Lehre eigen, daß sie selbst ihre Gegner, selbst gegen ihren Willen und ohne daß sie es merken, bis zu einem gewissen Grade formt. (…) Was aber hier entscheidend ist, ist die Tatsache, daß hinter dieser Lehre ein totalitäres Machtsystem steht, welches seine gesamte politische Tätigkeit sowie das ganze kulturelle Leben des Landes nach dieser Lehre ausrichtet und jeder anderen die Möglichkeit entzieht, sich zu entfalten und auszubreiten." Wetter hebt die Funktion der kommunistischen Ideologie als "Religionsersatz" und als "Pseudoreligion" hervor und macht demgegenüber das Wertefundament des Westens aus Antike und Christentum geltend.[26]

Resümiert man die theoretischen Beiträge zum Kommunismus in "APuZ", dann zeigt sich, dass die beiden Grundansätze der geistig-politischen Auseinandersetzung mit dem Kommunismus, die auch in den folgenden Jahrzehnten in Erscheinung treten, bereits in den 1950er-Jahren präformiert worden sind: Während die Richtung einer aufgeklärten Marxexegese die Gegensätze zwischen Karl Marx und dem Sowjetkommunismus hervorhebt, vertritt die antikommunistische Fundamentalkritik die These, dass es zwischen Marx, Lenin und Stalin einen inneren Zusammenhang gebe, sodass die Realität der sowjetkommunistischen Diktatur in dieser Perspektive als Konsequenz des Marxschen Denkens gedeutet wird.

Auch zum Ost-West-Konflikt erscheinen bereits in den ersten "APuZ"-Jahrgängen zahlreiche Beiträge. Dabei fällt auf, dass deutsche Sichtweisen zunächst fast vollständig fehlen, die meisten Beiträge stammen von renommierten amerikanischen Autoren, darunter auch prominente Politiker; es handelt sich meist um übersetzte Nachdrucke aus renommierten Fachzeitschriften wie "Foreign Affairs". Es finden sich Beiträge von Politikern wie Winston Churchill (B 42/54) und John Foster Dulles (B 42/54 und 51/54), vor allem aber von führenden Kommunismusexperten wie George F. Kennan, Henry A. Kissinger und Richard Löwenthal.

In den vier letzten Ausgaben des Jahres 1954 bringt "APuZ" Vorabdrucke aus Kennans weit ausgreifendem Buch "Das Amerikanisch-Russische Verhältnis". Es schließt mit der Erkenntnis: "(…) gerade weil diese Spannung so tief im Werdegang unserer Epoche verwurzelt ist, soll man anerkennen, daß sie nicht auf einmal, nicht mit irgendeinem einzelnen Handgriff und erst recht nicht mit den fatalen Mitteln aggressiver Gewalt zu lösen ist."[27] Ähnlich argumentiert auch Roger Makins, britischer Botschafter in den USA, in seinem Beitrag "Die Welt nach dem Kriege: Die dritte Phase".[28] Gegenüber den beiden bedrohlichen Alternativen, einem totalen thermonuklearen Krieg oder einer Selbstpreisgabe des Westens durch Schwäche, gibt es für Makins in der gegenwärtigen, dritten Nachkriegsphase der Ost-West-Auseinandersetzung nur einen vernünftigen Weg: "Ich kann nicht glauben, daß das sowjetische System so vollkommen der menschlichen Psyche und wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeit entspricht, daß es sich nicht selbst widerlegt oder im Laufe der Zeit verändert, wenn wir nur unsere Stärke und den Glauben an unsere Ideale bewahren. (…) Nach meiner Ansicht müssen wir uns in der dritten Phase in dieser einzig annehmbaren politischen Richtung bewegen. Die (…) äußerste Wachsamkeit fordernde Form der Koexistenz ist keineswegs die Welt, die wir uns erhofften. Doch verfügen wir über genügend Kraft- und Energiequellen und über Schutzmöglichkeiten, um den uns am Herzen liegenden Dingen des Lebens weiter nachgehen zu können. Die beiden übrigen Alternativen sind unerträglich, weil wir die heiligsten Güter des Lebens aufgeben und uns selbst zerstören würden."

Ein Vierteljahr später begegnet uns der noch in London lebende Autor Richard Lowenthal (sic!) mit seinem Beitrag "Bedingungen für den Frieden".[29] Löwenthal kommentiert zum Kalten Krieg: "Er wäre durchaus zu beenden und die uns drückende militärische und seelische Last könnte gewiß verringert werden, auch wenn der ideologische Streit fortdauern sollte. Aber zu diesem Ergebnis kann es nur kommen, wenn die wichtigsten Streitfälle auf diplomatischem Wege beigelegt werden." Als "drei wichtige Gruppen ungelöster Fragen" nennt Löwenthal den asiatischen und den europäischen Komplex sowie das Abrüstungsproblem. Schließlich mahnt er, sich durch Bedrohungsvorstellungen nicht in der intellektuellen Freiheit auf der Suche nach Konfliktlösungen einschränken zu lassen: "Totalitäre Staaten unterdrücken nicht nur ihre unmittelbaren Opfer – die von ihnen ausgehende Gefahr wirft ihre beklemmenden Schatten über die Grenzen hinaus und erstickt jede freie Diskussion, die der Atem der Demokratie ist."

Wenig später kommt auch Henry A. Kissinger mit seinem Beitrag "Die amerikanische Politik und der Präventivkrieg" in "APuZ" zu Wort. Ein Kernsatz lautet: "Die Forderung eines Präventivkrieges ist also von einer Aura der Irrealität umgeben."[30] Der frühe Erfinder der "Eindämmungspolitik", George F. Kennan, perzipiert die Sowjetunion Mitte der 1950er-Jahre unter dem Vorzeichen ihrer Machtpolitik und sieht die ideologische Anziehungskraft des Kommunismus weltpolitisch als gering an: "In Wirklichkeit hat die ideologische Anziehungskraft des Kommunismus seit der Mitte der dreißiger Jahre allgemein nachgelassen. Seine Theorien sind in zunehmendem Maße als die Dogmen einer außergewöhnlich primitiven und starren Scheinwissenschaft erkannt und verurteilt worden, die sich heute in ihren meisten Hypothesen als falsch herausgestellt hat und deren Prophezeiungen in vielen Fällen von den tatsächlichen Ereignissen Lügen gestraft worden sind. Das Prestige der Sowjetunion fußt heute in zunehmendem Maße auf ihrer Fähigkeit zu rücksichtsloser Organisation, ihrer strengen Disziplin und der furchterregenden militärischen Stärke, was nichts mit geistigen Qualitäten zu tun hat." Die Politik der "Eindämmung" erfordert in dieser Sichtweise, "zu verhindern, daß infolge einer verhängnisvollen Naivität in bestimmten Ländern politische Elemente an die Macht kommen, die unmittelbar von Moskau kontrolliert werden."[31]

Der nüchtern-abwägende Realismus, der in solchen Analysen zur Geltung kommt, konnte auf die öffentliche Urteilsbildung durchaus als Korrektiv gegenüber Bedrohungsvorstellungen wirken, die seinerzeit vor allem auf die Atomwaffen fokussiert waren. Paul A. Hoffman konstatierte im Herbst 1955 in "APuZ": "Eine Meinungsbefragung ergab kürzlich, daß 73% aller Amerikaner einen Krieg für unvermeidlich halten. Ich fand dies bestürzend und deprimierend: denn gäbe es Krieg, so würde vermutlich die ganze Welt zerstört werden."[32]

Dass die weltpolitische Bedrohung durch die Sowjetunion ein wichtiges Argument für den europäischen Integrationsprozess darstellt, verdeutlicht der Beitrag des russischen Exil-Schriftstellers Michael Prawdin "Rußland, Sowjetrußland oder Europa?" exemplarisch und mit dramatischem Unterton. Prawdin konstatiert, "daß die russische Gefahr in der Form der Sowjetgefahr Europa gerettet hat, indem sie die europäischen Länder im 20. Jahrhundert zwang, ihre kleinlichen, widerstreitenden Interessen endlich zu vergessen und mit ihrer tausendjährigen Selbstzerfleischung aufzuhören, um sich zu einer kulturellen und administrativen Einheit zusammenzuschließen."[33] Hier wird ein Motiv erkennbar, das in der frühen Bundesrepublik große Bedeutung hatte: Der Antikommunismus war ein wichtiger Integrationsfaktor für eine demokratische Gesellschaft, die sich ihrer eigenen Werte erst noch vergewissern musste.

Als scharfer Kritiker der von Nikita S. Chruschtschow seit 1955 propagierten Politik der "friedlichen Koexistenz" erweist sich der demokratische amerikanische Präsidentschaftskandidat Averell Harriman 1956, der nachdrücklich und im alarmistischen Tonfall davor warnt, gegenüber der Sowjetunion in Illusionen zu verfallen: "Ihr Ziel ist die Zerstörung alles dessen, woran wir glauben, und die eventuelle Weltherrschaft des sowjetischen Kommunismus. (…) Die Männer des Kreml haben deutlich zu verstehen gegeben, daß es ihr Ziel ist, Feindschaft und Hader und selbst Krieg unter den anderen Nationen aufzurühren, den Nordatlantikpakt aufzubrechen und mittels wirtschaftlicher und politischer Manöver, Propaganda und vorsätzlicher Unruhestiftung die kommunistische Herrschaft über die ganze Welt auszudehnen."[34]

Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass in der Mitte der 1950er-Jahre in den Veröffentlichungen zum Ost-West-Konflikt wissenschaftlich fundierte Beiträge einer realistischen Schule, die auch heute noch durch ihre analytische Nüchternheit bestechen, im Vordergrund gegenüber propagandistisch aufgeladener Polemik stehen. Diese gewinnt jedoch nach dem Realitätsschock der sowjetischen Intervention gegen die ungarische Revolution und der von Chruschtschow seit Ende 1958 initiierten Berlin-Krise, die mit dem Mauerbau im August 1961 ihren desillusionierenden Abschluss findet, an Bedeutung.[35]

APuZ, 47/1953Der Beitrag von Herman(n) F. Achminow über "Die Oberschicht in der Sowjetunion" kann als exemplarisch für die Art und Weise der Auseinandersetzung mit Problemen der Sowjetunion in "APuZ" gelten. Diese Ausgabe war - trotz der irritierenden Zählung (47/1953), die jener der Wochenzeitung "Das Parlament" folgte, als deren Beilage "Aus Politik und Zeitgeschichte" bis heute erscheint - das erste "APuZ"-Heft überhaupt. (© BpB)
Probleme der innenpolitischen Entwicklung in der Sowjetunion werden umfangreich bereits seit der ersten regulären Ausgabe von "APuZ" behandelt. Bis Anfang der 1960er-Jahre sind dazu etwa 80 Beiträge publiziert worden. Dabei spielen die Zäsur des XX. Parteitages der KPdSU 1956, Ausmaß und Folgen der "Entstalinisierung", Wandlungen der Sowjetgesellschaft, Ansätze von Wirtschaftsreformen neben den Repressionsmechanismen des Überwachungssystems eine besondere Rolle.[36]

In diesem Zusammenhang sind auch verschiedene Erlebnisberichte über die sowjetischen Straflager hervorzuheben, die eine erfahrungsgeschichtliche Dimension, eingangs als empirischer Antikommunismus charakterisiert, einbringen. Neben Beiträgen von Wolfgang Leonhard, Joseph Scholmer,
APuZ, 22/1958Besonders bemerkenswert war die Publikation des Erfahrungsberichtes der ehemaligen Kommunistin Margarete Buber-Neumann in "APuZ", 22/1958. (© BpB)
Margarete Buber-Neumann und Albertine Hönig[37] soll hier vor allem auf einen Text von Aurel von Jüchen verwiesen werden, dessen schonungslose Nüchternheit in der retrospektiven Lektüre besonders eindrucksvoll wirkt. "Der Gefangene erfuhr in der tödlichen Abgeschiedenheit eines Lagers im Ural oder am Nördlichen Eismeer hinter hohen Palisaden und Stacheldrahtzonen viel, viel mehr von der Wirklichkeit der Sowjetunion als die Abgeordneten, die auf dem Wege des parlamentarischen Austauschs in die Sowjetunion fahren, oder als die Schriftsteller, die sich zu einem Treffen von Schriftstellern dorthin begeben."[38] Der evangelische Pfarrer, wegen kirchlicher Jugendarbeit aus der SED ausgeschlossen, 1950 verhaftet und zu 15 Jahren Zwangsarbeit in Workuta verurteilt, hat nach seiner Entlassung 1955 nicht verlernt, differenziert zu denken, indem er das Sowjetsystem als fundamentalen Abfall von den Ideen Marx' wahrnimmt und die Koexistenz als alternativlos betrachtet.

Die Situation in den anderen kommunistisch regierten Ländern in Europa, den als "Satellitenstaaten" charakterisierten Regimes, und im kommunistischen China findet dagegen erst nach 1956 Aufmerksamkeit. Dafür liefern die Entwicklungen in Polen[39] und Ungarn wichtige Anstöße. Der Jahrgang 1957 wird durch den Beitrag von Joseph Scholmer über "Die Revolution in Ungarn" eröffnet. Ihm steht als Motto ein Marx-Zitat ("New York Times", 12.4.1853) voran: "Rußland hat nur einen Gegner: die explosive Macht der demokratischen Ideen und den der Menschheit angeborenen Freiheitsdrang." Scholmers Resümee: "Die Bilanz der Sowjets in Ungarn zeigt einen militärischen Sieg und eine politische Niederlage. Moskau hat sich gegenüber den kommunistischen Parteien der freien Welt, den Satelliten und den farbigen Völkern als eine reaktionäre und imperialistische Macht demaskiert. Die vom Kreml propagierte Koexistenz ist unglaubwürdig geworden."[40] Drei Jahre später wird Henry Kissinger, damals Direktor des Internationalen Seminars der Harvard-Universität, offen formulieren, welche Schlussfolgerungen der Westen aus diesem schockierenden und desillusionierenden Vorgang ziehen muss: "Das Beispiel Ungarn hat schlüssig bewiesen, daß der Westen nicht bereit ist, Aufstände in den Ländern hinter dem Eisernen Vorhang mit eigenen Machtmitteln zu unterstützen."[41]

Ein Sonderfall in der Publikationspraxis von "APuZ" ist mit dem von Joseph M. Bochenski und Gerhart Niemeyer herausgegebenen "Handbuch des Weltkommunismus" (1958) verbunden: Der Titel des Werkes ist irreführend, handelt es sich doch um eine Darstellung, die fast ausnahmslos auf die Sowjetunion fokussiert ist. Das Buch, dessen Textteil 640 Druckseiten umfasst, wird in insgesamt zehn Ausgaben von "APuZ" mit geringfügigen Kürzungen nahezu vollständig vorabgedruckt.[42] Die Zielsetzung dieser Publikation wird von den Herausgebern in ihrem Vorwort umrissen: "Bisher fehlte ein relativ kurzes, allen Gebildeten verständliches Werk, das eine zuverlässige Darstellung der wichtigsten Aspekte des Kommunismus mit Belegen aus den Quellen und aus erstklassiger Literatur enthält."[43] Rückblickend wirkt dieses Handbuch mit seiner starken Akzentuierung auf die ideologische Programmatik reichlich abstrakt, weil darin die Analyse konkreter, mit empirischen Daten gestützter Entwicklungsprozesse weitgehend ausgeblendet bleibt.

APuZ, 22/1958Grundlegend für die Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen System der Volksrepublik China war der Beitrag von Karl F. Wittfogel in "ApuZ", 19/1958. (© BpB)
Das kommunistisch regierte China[44] wird 1957 noch als "Juniorpartner Moskaus" wahrgenommen.[45] In Beiträgen, die nach dem August 1958 erscheinen, als Mao Tse Tung mit der Propagierung der "Volkskommunen"[46] eine beschleunigte Entwicklung zum Kommunismus (den "Großen Sprung nach vorn") und damit mittelbar einen Vorrang gegenüber der Sowjetunion postuliert hatte, rückt der ideologische Gegensatz zur Sowjetunion zunehmend in den Vordergrund.[47] In diesem Zusammenhang ist ein erstaunlicher Vorgang zu registrieren: Erst- und einmalig druckt "APuZ" einen Artikel aus der sowjetischen Parteizeitung "Prawda" vom 12. Juni 1960 nach, der mit den chinesischen Ideologen indirekt, aber unmissverständlich abrechnet.[48] Dass es Ende der 1950er-Jahre vor allem wegen Chruschtschows Koexistenzpolitik auch weltpolitisch erhebliche Differenzen zwischen den beiden kommunistischen Vormächten gab, macht ein Beitrag von Georg Paloczi-Horvath deutlich: "Die Ereignisse des Jahres 1959, die tibetische Revolte, die chinesische Reaktion auf Chruschtschows Amerikareise und seine Friedenspolitik, Chruschtschows Weigerung, sich im chinesisch-indischen Grenzkonflikt eindeutig auf die chinesische Seite zu stellen: all dies sind Symptome für Meinungsverschiedenheiten."[49]

Auffällig ist, dass "APuZ" die SBZ/DDR in den ersten beiden Jahren ausblendet. Dies fiel in den Zuständigkeitsbereich des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen (BMG), das diesbezüglich mit Nachdruck eigene Zuständigkeit reklamierte[50] und mit dem "SBZ-Archiv" ein themenspezifisches Periodikum etabliert hatte.[51] Seit Mitte 1955 wird allerdings argumentiert, dass DDR-Themen von der BZH dann aufgegriffen werden könnten, wenn sie den Themenbereich der Ost-West-Auseinandersetzung einbeziehen würden. Der erste Beitrag hierzu, "Ursachen und Motive der Abwanderung aus der Sowjetzone Deutschlands"[52], ist die Kurzfassung einer "Ausarbeitung" von Johannes Kurt Klein für das BMG, eine faktenreiche Analyse der Entwicklung, offenbar durch das Ministerium angeregt, zeitlich in unmittelbarer Nähe zum zweiten Jahrestag des 17. Juni 1953 platziert. Auch wenn in der Folgezeit die Entwicklung in der DDR eher sporadisch in das Programm von "APuZ" aufgenommen wird[53], behält sich das BMG das prioritäre Informationsrecht für diesen Bereich, realisiert mit einer "zweigeteilten Publikationspraxis", mit eigenen Veröffentlichungen ebenso wie durch gezielte Förderung von antikommunistischen Verlagsprojekten, weitgehend selbst vor.[54]

Das Parlament, 29.8.1956Ausgabe der Wochenzeitung "Das Parlament" vom 29. August 1956 zum Ausgang des KPD-Verbotsprozesses (© Das Parlament)
Nach dem KPD-Verbot durch das Bundesverfassungsgericht vom 17. August 1956, das vom "Parlament" in einer Themenausgabe (35/1956) dokumentiert wird, rückt die Abwehr von kommunistischer Infiltration, Bedrohung und Propaganda kurzzeitig in den Fokus von "APuZ", durch offensichtlich vom BMI veranlasste anonyme Beiträge.[55] Nur zwölf Tage nach dem KPD-Verbot erscheint ein Text, der die staatlich erwünschte Nutzanwendung akzentuiert. Ausgehend von Bedrohungsvorstellungen werden Gegenstrategien gefordert, die den Eindruck vermeiden sollen, für bloße antikommunistische Propaganda zu plädieren: "Der Bürger der Bundesrepublik muß sich von der Vorstellung befreien, Kommunisten seien von außen zu erkennen, ihre Methoden seien primitiv. Er muß sich daran gewöhnen, daß die Kommunisten heute hinter jeder Maske auftreten und sich aller Erscheinungsformen des öffentlichen Lebens, aller gesellschaftlichen Schichten und Personen bedienen. (…) Es gilt (…), durch wissenschaftliche Tätigkeit und breite Information das deutsche Volk gegen die kommunistische Ideologie zu immunisieren, die Interessen der Arbeiterschaft stärker zu berücksichtigen, von der oberflächlichen Einschätzung und billigen Schwarz-Weiß-Agitation abzukommen und eine gründlich differenzierte Erziehungsarbeit, vor allem bei der Jugend, zu leisten. Es wird viel davon abhängen, durch Presse, Funk und Fernsehen wirkliche Sachkenntnis über die Politik der KPdSU und ihr System zu verbreiten und mehr als bisher die positiven Seiten der westlichen Demokratie ins Bewußtsein der Öffentlichkeit zu bringen."[56]

"Informationen zur politischen Bildung"

Die "Informationen zur politischen Bildung" wurden bereits im Startmonat der Bundeszentrale für Heimatdienst (November 1952) noch unter fremder Regie verlegt. Vom Staatsbürgerlichen Aufklärungsdienst Wiesbaden herausgegeben, wurden die ersten beiden Folgen als bloße Übernahmen deklariert. Ab Folge 3 ("Europa, was es ist und werden kann", Januar 1953) erschienen die zunächst nur jeweils vier Seiten umfassenden Informationsblätter, die für Schulen und Betriebe bestimmt waren, "im Einvernehmen mit der Bundeszentrale", ab Folge 12 (September/Oktober 1953) zeichnete die BZH selbst als Herausgeberin verantwortlich, ab Folge 20 wurde der Umfang sukzessive erweitert. In der Folge 4 wurde zum ersten Mal der Titel "Informationen zur politischen Bildung" verwendet.

Im Folgenden wird ein Überblick über Themen und Darstellungsweise der "Informationen" gegeben, die sich in den 1950er-Jahren im weiteren Sinn mit dem Kommunismus auseinandergesetzt haben. Auflagenhöhe und Adressatengruppen lassen es reizvoll erscheinen, einen Vergleich mit dem Programm von "APuZ" zu ziehen. Summarisch betrachtet wirken die Texte der "Informationen" eher
APuZ, 5/1962Im Februar 1962 publizierte "APuZ" ein Rundtischgespräch des NRD "mit einem kommunistischen Journalisten". (© BpB)
volkspädagogisch, zeichnen sich jedoch ganz überwiegend durch sachliche Informationsvermittlung aus, auch wenn sie qualitativ nicht mit dem anspruchsvollen Angebot von "APuZ" konkurrieren können.

Die "Informationen" haben bis 1963 zwei separate Adressatengruppen. In textgleichen Ausgaben sind die "Informationen zur politischen Bildung" (zunächst vorrangig für die "Hand des Lehrers" als Vermittlungsangebot gedacht) für die Schulen bestimmt, während sich die "Staatsbürgerlichen Informationen" in erster Linie an Betriebe (über Redakteure von Werkzeitungen etc.) richten.[57] Anregungen zu einer politischen Elementarbildung sollen die Arbeiterschaft als Zielgruppe erreichen. Bis Dezember 1962 wurden insgesamt 100 Ausgaben publiziert. Seit Ende 1963 erscheinen die "Informationen zur politischen Bildung" nur noch unter diesem Titel, sie werden zwar überwiegend in Schulen genutzt, stehen aber auch anderen Bestellern kostenlos zur Verfügung. Bereits 1964 nähert sich die Gesamtauflage pro Heft der Millionengrenze, das entspricht zum gleichen Zeitpunkt dem Zehnfachen der Auflage, die "APuZ" als wissenschaftlich fundiertes Informationsmedium aufweist.[58] Auch wenn für die "Informationen", von denen seit Anfang der 1960er-Jahre etwa vier neue Ausgaben pro Jahr erscheinen, ein deutlicher Anstieg des Anspruchsniveaus, eine erhebliche Ausweitung der Umfänge und die Einbeziehung oft umfangreichen kartographischen Materials registriert werden können, steht die Verständlichkeit der Texte für breite Nutzergruppen bis heute im Vordergrund.

Das erste Heft der "Informationen zur politischen Bildung", das sich der deutschen Teilung widmet, wird im Mai 1953 (Folge 7) zum Thema "Berlin – Vorposten der Freiheit" publiziert. Knapp werden die Geschichte der politischen Spaltung Berlins wie auch die Berlin-Blockade referiert, ebenso der Rechtsstatus "Westberlins", bevor dieses als "Leuchtturm der Freiheit" und als "Sammelpunkt des Flüchtlingsstroms aus der Sowjetzone" mit statistischen Angaben für das Jahr 1952 gewürdigt wird, in dem Walter Ulbricht auf der 2. Parteikonferenz der SED den "Aufbau des Sozialismus" in der DDR angekündigt hatte, "d. h. die völlige Angleichung an die Verhältnisse in der Sowjet-Union". Seitdem flüchteten "mehr und mehr Menschen, denen es unerträglich geworden ist, sich weiterhin dem bis in die letzte private Sphäre hineinreichenden Terror zu beugen: Es sind (…) all jene, die sich bedroht fühlen, weil sie aus politischen oder religiösen Gründen nicht mitmachen können und wollen." (4)

Deutschlandkarte der BZHDeutschlandkarte der Bundeszentrale für Heimatdienst aus den 1950er-Jahren (© BArch, Plak 005-048-011 )
Es fällt auf, dass die "Informationen" frühzeitig einen Themenschwerpunkt setzen, der in "APuZ" bis 1958 ausgeblendet bleibt. Im September 1953 erscheint eine Ausgabe über "Die Gebiete jenseits der Oder und Neisse" (Folge 11), die nach einem kurzen historischen Überblick über die Geschichte des deutschen Ostens auf die Vertreibungen eingeht: "Der Versuch einer totalen Vertreibung der Deutschen aus dem östlichen Mitteleuropa, der sich im Schicksalsjahr 1945 abgespielt hat, ist nächst dem Dreißigjährigen Krieg vielleicht das tragischste Ereignis der deutschen Volksgeschichte." (2) Ausführungen über das kommunistische Regime in Polen werden nicht gemacht, vielmehr wird der Verlust der Oder-Neiße-Gebiete aus den territorialen Ansprüchen Stalins in Ostpolen erklärt. Die Lösung des Problems sei eine "Frage der Weltpolitik geworden, die nach menschlichem Ermessen durch internationale Regelungen entschieden werden wird". Hervorgehoben durch Sperrdruck ist der Satz: "Die Entfesselung eines dritten Weltkrieges zur Wiedergewinnung des deutschen Ostens wird vom deutschen Volk eindeutig abgelehnt." (6) Um diese Haltung zu unterstreichen, wird ausdrücklich auf die Charta der Heimatvertriebenen vom 5. Augst 1950 verwiesen, die "einer Politik der Rache und Vergeltung in feierlicher Form entsagt" (6). Mitte 1956 erscheinen zwei weitere Ausgaben über "Die deutschen Ostgebiete" (Folgen 42/43 und 44/45), die im ersten Teil "Geschichte und kulturelle Leistung", im zweiten Teil "Die wirtschaftliche Bedeutung" behandeln. Bezeichnend ist, dass ganz überwiegend auf die lange Historie eingegangen wird, während jeweils nur ein kurzer Schlussabschnitt die Zeit nach 1945 thematisiert. Die Resümees lauten: "Kein Deutscher wird einen Verzicht auf diesen Ostraum, die Heimat vieler Millionen Vertriebener, aussprechen. Nur eine aus freien Wahlen hervorgegangene gesamtdeutsche Regierung wird – entsprechend dem Völkerrecht – in einem kommenden Friedensvertrage zu bindenden Abmachungen über die Ostgebiete kommen können." (I, 8) Im Sinne der europapolitischen Orientierung der Bundesrepublik wird eine gemeinsame Interessenlage und Verantwortung auch im Hinblick auf den Verlust der deutschen Ostgebiete betont: "Durch die Sowjetisierung des ostdeutschen Wirtschaftsgebiets ist ein seit achthundert Jahren deutscher Kultur- und Wirtschaftsraum nicht nur dem deutschen Volke, sondern auch den Völkern Westeuropas entzogen worden. Vor der Tatsache, daß in die ostdeutschen Gebiete ein Wirtschaftssystem eingedrungen ist, das das Leben der freien Völker bedroht, darf die Welt die Augen nicht verschließen." (Folge II, 8) Im Herbst 1958 schließt sich eine weitere Ausgabe unter dem völkerrechtlich akzentuierten Titel "Die Ostgebiete des Deutschen Reiches unter fremder Verwaltung seit 1945" (Folge 70/71) an, die sich kritisch mit den Verhältnissen im kommunistischen Polen beschäftigt und unter Beifügung entsprechender Karten deutsche Ansprüche auf diese Gebiete unterstreicht, wobei der Friedensvertragsvorbehalt "für die territorialen und politischen Fragen der Oder-Neisse-Gebiete" im gleichen Sinne wie 1956 wiederholt wird.[59]

Informationen für politische Bildung, 19Informationen für politische Bildung, Folge 19 zum 1. Jahrestag des Volksaufstandes in der DDR (© BpB)
Das Parlament, 16.6.1954Ausgabe der Wochenzeitung "Das Parlament" vom 16. Juni 1954 zum 1. Jahrestag des Volksaufstandes in der DDR (© Das Parlament)
Eine Ausgabe zum "Volksaufstand des 17. Juni 1953" (Folge 19) erscheint im Mai/Juni 1954. Dem von einem knappen Vorwort eingeleiteten Text, der den Zwangscharakter des SED-Regimes hervorhebt und den Aufstand als Ausdruck des Freiheitswillens der Bevölkerung deutet, folgt eine Schilderung des konkreten Verlaufs der Aufstandsbewegung, die auch in den Zusammenhang der Gesamtentwicklung in Osteuropa gestellt wird: "(…) seit dem Tode Stalins, im März des Jahres 1953, ging ein unterirdisches Grollen und Beben durch den gesamten Herrschaftsbereich des Bolschewismus (…) Aber niemand dachte daran, daß es gerade Deutschland sein würde, wo der Funke überspringen, die seelische Erregung entzünden und zum Ausbruch bringen würde." (2)

Im Herbst 1954 erscheint eine 20 Seiten umfassende Doppelausgabe (Folge 22/23) über "Die Ost-West-Spannung in der Weltpolitik". Ausgehend von einer Darstellung der weltpolitischen Situation am Ende des Zweiten Weltkrieges wird die "Bolschewisierung Osteuropas" und die "Bildung des Ostblocks" unter sowjetischer Vorherrschaft thematisiert, die zentralen Ost-West-Konflikte, fokussiert um die Berlin-Blockade und den Korea-Krieg, werden dargestellt, schließlich wird die Gründung und Entwicklung der NATO behandelt und ein Überblick über gescheiterte Bemühungen um eine Konfliktbeilegung auf den Außenministerkonferenzen 1954 gegeben.

Im März 1956 beschäftigt sich – der vorherrschenden kultur- und wirtschaftshistorischen Ausrichtung folgend – eine Ausgabe der "Informationen" mit "Mitteldeutschland" (Folge 40/41), welche bezeichnenderweise die beiden Stifterfiguren des Naumburger Domes, Ekkehard und Uta, auf der Titelseite zeigt. Im Vorwort heißt es denn auch: "DEUTSCHLAND als Lebensraum unseres Volkes und seiner Kultur ist jedoch mehr als ein gegenwärtiger politischer oder wirtschaftlicher Zustand." Es gelte sich bewusst zu machen, dass ein Gesamtdeutschland, das durch die "politischen Hilfsbegriffe West-, Mittel- und Ostdeutschland" bestimmt werde, "nicht nur um uns, sondern auch in uns lebt und damit weitgehend unabhängig von zeitbedingten Territorialregelungen ist." Immerhin legt der Text das Schwergewicht auf die "Entwicklung Mitteldeutschlands nach 1945".

Seit Ende 1956 erscheinen bis 1961 insgesamt zehn Ausgaben, die sich mit Entwicklungen in verschiedenen osteuropäischen Ländern beschäftigen. Am Beginn stehen zwei Doppelhefte über die russische Revolution von 1917. Ihr Autor ist Hans Koch, Direktor des Osteuropa-Instituts München, der auch in die frühe Gründungsgeschichte des Ostkollegs seinerzeit prominent involviert war. Die beiden Folgen (48/49 und 50/51) sind faktenreich, ohne polemische Akzente in den Vordergrund zu rücken. Sie werden durchaus dem Anspruch substanzieller Information gerecht, der seit Mitte der 1950er-Jahre generell die Darstellung der "Informationen zur politischen Bildung" bestimmt.
Informationen für politische Bildung, 54/55Folge 54/55 der "Staatsbürgerlichen Informationen" über die Sowjetunion (© BpB)
Noch deutlicher tritt diese Akzentsetzung in zwei Ausgaben hervor, die jeweils "12 Karten mit Erläuterungen zur Geschichte Rußlands und der Sowjetunion" (Folge 54/55 Mai/Juni 1957) und genau zwei Jahre später "12 Karten und Textbeiträge zur Landes- und Wirtschaftskunde der Sowjetunion" (Folge 78/79) zum Inhalt haben. Es sind dies die ersten Ausgaben der "Informationen zur politischen Bildung" mit einem umfangreichen Kartenteil, später ein Markenzeichen von besonderem Gewicht in dieser Publikationsreihe. Anfang 1961 erscheint eine Ausgabe "Das Herrschaftssystem der Sowjetunion" (Folge 91).[60]

Sachlichkeit zeichnet das Anfang 1960 publizierte Heft aus, das "Die Entwicklung in Polen seit 1945" zum Thema hat.[61] Weniger umfangreich fällt im Herbst desselben Jahres eine Ausgabe über die Entwicklung in der Tschechoslowakei seit 1945 aus (Folge 89), die entschiedener politische Kritik äußert als das vorausgegangene Polen-Heft: "Die Entwicklung in der Tschechoslowakei ist seit dem Umsturz von 1948 durch eine weitgehende Kontinuität gekennzeichnet, ihre Phasen werden überwiegend von den Ereignissen in der Sowjetunion und denen der Weltpolitik bestimmt. (…) Es wäre aber eine Täuschung, wollte man glauben, daß die Bevölkerung in 'Moskaus treuestem Satellitenland' sich in großem Umfang zum Kommunismus bekennt." (20)

Über ein Jahr verteilt, sind drei Ausgaben seit März 1960 Südosteuropa gewidmet. Mit historischer Fundierung wird die Entwicklung im jugoslawischen Vielvölkerstaat unter Marschall Tito mit seinem eigenen "jugoslawischen Weg" dargestellt (Folge 86), ein weiteres Heft informiert über Rumänien, Bulgarien und Albanien (88), die dritte Folge betrifft Ungarn (Folge 92). Hier ist unter dem Eindruck der Niederschlagung der Revolution vom Oktober 1956 am bilanzierenden Schluss ein pessimistischer Grundton zu vernehmen: "Das madjarische Volk erträgt die nach dem Scheitern seines Freiheitskampfes wieder errichtete kommunistische Diktatur in stummer Ergebenheit. Vom Westen enttäuscht, der es nach seiner Meinung im Stich ließ, von seinem Schicksal erbittert, versucht es sein Dasein nach den gegebenen, unabänderlichen Umständen einzurichten. Aber es hat innerlich auf die Freiheit trotzdem nicht verzichtet, und es wird darauf auch nie verzichten!" (16)

Etwa ein Drittel der "Informationen", die im ersten Jahrzehnt (bis Ende 1962) erscheinen, sind Themen gewidmet, die sich mit dem Kommunismus beschäftigen.[62] Auffällig ist dabei der Vorrang länderkundlicher Darstellungen und das erhebliche Gewicht, das im Gegensatz zu "APuZ" den "deutschen Ostgebieten" zukommt. Nur eine Ausgabe widmet sich demgegenüber explizit dem Ost-West-Konflikt, und das für "APuZ" wesentliche Thema der kommunistischen Ideologie wird erstmals 1964 in zwei Ausgaben (Manuskript: Joseph M. Bochenski) aufgegriffen. Diese markante Differenz in den Publikationsprogrammen der beiden BZH-Leitmedien lässt sich einerseits durch die unterschiedlichen Adressatengruppen, andererseits durch die Bezugnahme der "Informationen" auf die Lehrpläne der Schulen erklären, doch sollte dabei auch der Einfluss der jeweiligen Fachreferatsleiter in der BZH nicht völlig außer Betracht bleiben.


Fußnoten

15.
Siehe dazu neben Widmaier (Anm. 6) Wolfgang Beywl, Die Bundeszentrale für politische Bildung, Mag.-arb., Bonn 1977; mit einseitig kritischer Tendenz für das Gründungsjahrzehnt Gudrun Hentges, Heimatdienst, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 47 (2002) 11, S. 1318–1321; dies., Die Bundeszentrale für politische Bildung im Umbruch, in: Christoph Butterwegge/dies. (Hg.), Politische Bildung und Globalisierung, Opladen 2002, S. 251–281; dies., Staat und politische Bildung: Gründung, Methoden, Zielstellungen und Konzeptionen der Bundeszentrale für politische Bildung (i. Ersch.).
16.
Zu Entstehungsgeschichte und Arbeitsweise: Willi E. Weber, Die ersten Jahre der Zeitung, in: Das Parlament, 38/1981, S. 8f: Der Hamburger Verlag Girardet & Co. hat die Wochenzeitung mit Unterstützung des BMI gegründet, Weber bezeichnet Ministerialrat Lüders als ihren "Erzeuger". Von den beiden Redakteuren war "einer der Regierungskoalition, der andere der Opposition im Bundestag zuzurechnen". Einem als Kontrollinstanz eingerichteten Beirat gehörte seit Januar 1952 auch Franken an.
17.
Bis einschl. 1958 waren die APuZ-Ausgaben römisch nummeriert, zur Vereinheitlichung werden hier arabische Ziffern verwendet. Bis 1962 wurden die Seiten jedes Jahrgangs durchlaufend gezählt.
18.
Exemplarisch: Walter Dirks, Politische Bildung, in: APuZ, B 51/53, S. 6–11; Theodor Litt, Die Selbsterziehung des deutschen Volkes, B 3/54, S. 25–34; Theodor Eschenburg, Die Richtlinien der Politik im Verfassungsrecht und in der Verfassungswirklichkeit, B 22/54, S. 278–285; Eduard Spranger, Gedanken zur staatsbürgerlichen Erziehung, B 48/56, S. 749–760. Mit Beiträgen zu Politik und Zeitgeschichte bis 1963 am häufigsten in APuZ vertreten waren Helmut Krausnick und Theodor Litt (je 7), Theodor Eschenburg, Hans Rothfels und Josef Wulf (6): vgl. Aus Politik und Zeitgeschichte. Gesamtverzeichnis 1953–1992, Hg. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1993.
19.
Der Anteil der APuZ-Ausgaben, die Beiträge zur Auseinandersetzung mit dem Kommunismus und zum Ost-West-Konflikt enthielten, stieg in den ersten fünf Jahren von 25% (1954) über 45% (1956) auf 50% (1958). Häufigste Autoren hierzu waren im ersten Jahrzehnt bis einschl. 1963 (Fortsetzungen und Vorabdrucke als ein Beitrag gezählt): Joseph M. Bochenski, John Foster Dulles, Henry Kissinger (je 7); Walter Grottian (6); Iring Fetscher, George Kennan, Wolfgang Leonhard, Richard Löwenthal, Boris Meissner, Günther Nollau, Georg Stadtmüller (je 5).
20.
In: APuZ, B 23/54, S. 289–294. Die folgenden Zitate ebd., S. 291f. – Der Theologe Helmut Gollwitzer, Schüler Karl Barths, war Mitglied der Bekennenden Kirche. Wegen seiner Kontakte zum Widerstand wurde er 1940 zeitweilig inhaftiert. Als Sanitäter an der Ostfront kam er in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Seine Erlebnisse verarbeitete er in dem Bestseller "… und führen wohin Du nicht willst" (1950; ein "großes historisches Dokument", Theodor Heuss), der eine pointierte Auseinandersetzung mit dem Sowjetkommunismus enthält. 1950–1957 war Gollwitzer Professor für Systematische Theologie in Bonn, was seinen Kontakt zu Paul Franken erklären mag.
21.
Wenzel Jaksch (1896–1966), sudetendeutscher Sozialdemokrat, seit Beginn des Zweiten Weltkrieges im britischen Exil, in Westdeutschland Vorsitzender der Seliger-Gemeinde (der vertriebenen sudetendeutschen Sozialdemokraten), war seit 1961 Vizepräsident der Sudetendeutschen Landsmannschaft und seit 1964 Vorsitzender des Bundes der Vertriebenen.
22.
Wenzel Jaksch, Der Kampf um Wiedervereinigung und Heimatrecht als sozialistische Aufgabe, in: APuZ, B 26/56, S. 396–404, hier 397 (Hervorhebung i. Orig.). Das Folgende ebd., S. 399. – Vgl. auch Stephan Thomas [Leiter der Organisationsabt. des SPD-Parteivorstandes], Sozialdemokratie und Kommunismus, in: APuZ, B 45/57, S. 753–773.
23.
Eine ähnliche Argumentation findet sich drei Jahre später bei Iring Fetscher, Die Freiheit im Lichte des Marxismus-Leninismus, in: APuZ, B 48/57, S. 817–835.
24.
Vgl. Joseph M. Bochenski, Der sowjetrussische dialektische Materialismus, München 1950; Gustav A. Wetter, Der dialektische Materialismus. Seine Geschichte und sein System in der Sowjetunion, Freiburg i. Br. 1952.
25.
In: APuZ, B 6/56, S. 77–95, hier 78.
26.
Gustav A. Wetter, Der dialektische Materialismus, in: APuZ, B 13/56, S. 217.
27.
George F. Kennan, Das Amerikanisch-Russische Verhältnis. Rückschau, in: APuZ, B 51/54, S. 669–673, hier 673.
28.
In: APuZ, B 50/54, S. 659–664. Das Folgende ebd., S. 663f.
29.
In: APuZ, B 7/55, S. 101–105. Das Folgende ebd., S. 105.
30.
In: APuZ, B 39/55, S. 589–594, hier 591.
31.
George F. Kennan, Die Sonne und der Nordwind. Gedanken zur Lösung der Ost-West-Spannung, in: APuZ, B 6/55, S. 89–95, hier 91 u. 93.
32.
Paul A. Hoffman, Der Friede, für den wir kämpfen, ist in Sicht und wir können ihn gewinnen, in: APuZ, B 39/55, S. 595–598, hier 595.
33.
Michael Prawdin, Rußland, Sowjetrußland oder Europa? Warum verstehen wir die Sowjets nicht?, in: APuZ, B 5/55, S. 73–86, hier 86.
34.
Averell W. Harriman, Der sowjetische Angriff auf die amerikanische Politik. Die unerkannte Gefahr, in: APuZ, B 28/56, S. 421–425, hier 421 u. 424.
35.
Siehe dazu APuZ, B 13/60 (mit Beiträgen von Adlai E. Stevenson, George F. Kennan u. Dean G. Acheson) sowie Nelson A. Rockefeller, Zielstrebigkeit in der Politik, in: APuZ, B 22/60, S. 337–347.
36.
Exemplarisch (als erster APuZ-Beitrag zur SU überhaupt): Herman F. Achminow, Die Oberschicht in der Sowjetunion, in: APuZ, B 47/53, S. 1–6; Boris Meissner, Die Ergebnisse des 20. Parteikongresses der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, B 30/56, S. 457–494; David Burg, Psychologische und soziale Folgeerscheinungen der Aufhebung des Terrors in der Sowjetunion, B 43/58, S. 569–579. – Wichtige Autoren zu diesem Komplex sind weiterhin u.a. (Verweis nur auf die jew. erste Veröffentlichung in APuZ): Bertram D. Wolfe (B 8/54), Walter Grottian (48/55), Jane Degras (25/56), Ossip K.Flechtheim (41/56), Wolfgang Leonhard (34/55), Walter Kolarz (31/57), Hermann Weber (43/57), Georg Paloczi-Horvath (36/60), Walter Laqueur (15/63) und Karl C. Thalheim (28/63).
37.
In ausführlichen Auszügen werden die beiden Bücher von Joseph Scholmer, Die Toten kehren zurück. Bericht eines Arztes aus Workuta (APuZ, B 15–17/55), und Wolfgang Leonhard, Die Revolution entlässt ihre Kinder (B 34 u. 35/55), vorgestellt. Eindrucksvoll ist auch die Dokumentation "Letzte Briefe aus Stalingrad" (Vorabdruck: B 52/55). Siehe auch Margarete Buber-Neumann, Schicksale deutscher Kommunisten in der Sowjetunion, B 22/58, S. 277–291; Albertine Hönig, Leben in Workuta, B 6–8/58, S. 61–111.
38.
Aurel von Jüchen, Was die Hunde heulen, Vorabdruck in: APuZ, B 36–39/58, S. 465–487 u. 489–512, zit. 466. Das Folgende ebd., S. 503.
39.
Vgl. vier Beiträge von Alfred Burmeister, in: APuZ, B 37/56, S. 573–586; B 47/56, S. 733–747; B 24/57, S. 371–382; B 47/58, S. 625–633. Vgl. auch bilanzierend Ernst Birke u.a., Die Sowjetisierung Ost-Mitteleuropas 1945 – 1957, in: APuZ, B 38/59, S. 477–497. "Bei einer Gesamtbilanz ist (…) die Ablösung dieses Gebietes von West- und Mitteleuropa und seine Angleichung an den Osten unverkennbar. Neben der wirtschaftlichen Eingliederung in das neue Sowjetimperium erfolgt auch eine kulturelle Enteuropäisierung, die vielfach durch die zwangsweise Entfernung der deutschen Bevölkerung als eine der wichtigsten Klammern zum Westen erleichtert wurde." (S. 483).
40.
Joseph Scholmer, Die Revolution in Ungarn, in: APuZ, B 1/57, S. 1–16, hier 16.
41.
Henry A. Kissinger, Auf der Suche nach Stabilität, in: APuZ, B 42/59, S. 554–564, hier 555.
42.
Vgl. im Jg. 1958 die Ausgaben 25, 26, 30, 32, 33, 34, 36, 37, 39, 40. Dieses außergewöhnliche Verfahren für ein Periodikum erklärt sich wohl auch aus dem Umstand, dass Werner Maibaum, seit 1956 wiss. Mitarbeiter Bochenskis für das "Handbuch", 1957 die APuZ-Redaktion übernommen hat.
43.
APuZ, B 25/57, S. 383.
44.
Ein grundlegender Beitrag zur Charakterisierung der VR China als "Apparatgesellschaft" stammt von dem renommierten Sinologen und Verfasser des Standardwerks "Die orientalische Despotie" (1957) Karl A. Wittfogel, Die chinesische Gesellschaft, in: APuZ, B 19/58, S. 229–239, hier 238: "Da die Herrscher ihre totale Macht durch eine Regierung ausüben, die (…) praktisch die gesamte wirtschaftliche und soziale Tätigkeit der Bevölkerung kontrolliert, stehen wir einer totalitären Apparatpartei gegenüber."
45.
Vgl. Anonym, Rotchina – der Juniorpartner Moskaus, in: APuZ, B 17/57, S. 271–282. – 1954–1961 erscheinen insg. 29 Beiträge mit der Autorenangabe "Anonym" oder "…" in APuZ (allein acht 1957), die überwiegend Themen aus dem Bereich der Auseinandersetzung mit dem Kommunismus behandeln. Seither ist diese für eine wissenschaftlich orientierte Zeitschrift dubiose Praxis aufgehoben.
46.
Vgl. dazu Max Biehl, Volkskommunen in China, in: APuZ, B 4/59, S. 33–36; G.f. Hudson, Mao, Marx und Moskau, B 42/59.
47.
An Yowev, Die ideologischen Gegensätze zwischen Chruschtschow und Mao Tse-tung, in: APuZ, B 26/60, S. 417–428; vgl. auch Boris Meissner, Der ideologische Konflikt zwischen Moskau und Peking, B 11/61, S. 131–147.
48.
Über den "linken Radikalismus, die Kinderkrankheit im Kommunismus", in: APuZ, B 26/60, S. 426–428.
49.
Georgi Paloczi-Horvath, Nikita Sergejewitsch Chruschtschow, in: APuZ, B 36/60, S. 573–588, hier 580 (Vorabdruck aus: ders., Chruschtschow, Frankfurt a. M. 1960).
50.
Vgl. dazu ausführlich Stefan Creuzberger, Kampf für die Einheit. Das gesamtdeutsche Ministerium und die politische Kultur des Kalten Krieges 1949–1969, Düsseldorf 2008. – Zwischen BMG und BZH bestand eine erhebliche Rivalität, weil das Ministerium gegenüber dem Ansatz Frankens, der eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Kommunismus postulierte, Methoden einer psychologischen Einflussnahme auf die Bewusstseinsbildung der westdeutschen Bevölkerung favorisierte. Grundlegende Meinungsverschiedenheiten veranlassten das BMG zu zunehmender Distanzierung von der BZH und zu einer verstärkten Kooperation mit dem Bundesvertriebenenministerium und dem Bundesministerium der Verteidigung. (Es ist bezeichnend, dass in dem informationsreichen, sorgfältig recherchierten Buch Creuzbergers Paul Franken im Register nicht verzeichnet ist.)
51.
"SBZ-Archiv" erschien i. A. und mit Finanzierung des BMG seit April 1952 als zweimal monatlich erscheinende Reihe. "Eigentlich sollte die Zeitschrift objektive Grundlagen für eine fundierte Beurteilung der Verhältnisse in der 'Zone' vermitteln. Aber zunächst standen Anklage, Aufklärung und politische Mobilisierung im Vordergrund; getreu dem Motto, das auf der Titelseite jedes Heftes abgedruckt war: 'Besinnt euch auf eure Kraft, der Westen ist stärker!'": Ilse Spittmann-Rühle, Drei Jahrzehnte Deutschland Archiv, in: Wolfgang Thierse u.a. (Hg.), Zehn Jahre Deutsche Einheit, Opladen 2000, S. 303.
52.
In: APuZ, B 24/55, S. 361–381.
53.
Etwa Jürgen Rühle, Die Kulturpolitik der Sowjetzone, in: APuZ, B 47/55, S. 709–720. – 1956/57 erscheinen zahlreiche Beiträge von anonymen Autoren, z.B. in B 12/56 ein Protokoll der 25. ZK-Tagung der SED sowie u.a. mit Dokumenten oder Analysen zur Situation in der DDR in: B 15/56, B 24/56, B 41/56, B 11/57, B 23/57, B 49/57. Hervorzuheben ist der Beitrag von Hermann Weber, Von Rosa Luxemburg zu Walter Ulbricht, B 31 u. 32/59, S. 389–427.
54.
Vgl. dazu Creuzberger (Anm. 51), S. 461–478. – Eine eingehende Inhaltsanalyse der Eigenpublikationen des BMG bis Mitte der 1960er-Jahre steht noch aus. Wichtige Vorstudien sind die Arbeiten von Klaus Körner, zuletzt: Die rote Gefahr. Antikommunistische Propaganda in der Bundesrepublik von 1950 bis 2000, Hamburg 2003.
55.
Anonym, Lenkung, Organisation und Methoden der kommunistischen Infiltration in der Bundesrepublik, in: APuZ, B 35/56, S. 545–560 (Der Vorspann hierzu bezieht sich ausdrücklich auf das KPD-Verbot und auf die "rege Diskussion […], ob der von der Bundesregierung gestellte Antrag außen- und innenpolitisch geschickt und ob es richtig gewesen sei, die Kommunistische Partei Deutschlands für illegal zu erklären."); Anonym, Kommunistische Untergrundarbeit in Deutschland, B 41/56, S. 643–647. Vgl. auch Wolfgang Leonhard, Die Parteischulung der SED (1945–1956), in: APuZ, B 44/56, S. 689–704.
56.
In: APuZ, B 35/56 [29.8.1956!], S. 560.
57.
"Dem Menschen im Betrieb galt die besondere Aufmerksamkeit unter dem Gesichtspunkt der Abwehr kommunistischer Infiltration.": Tätigkeitsbericht der BZH 1956/57, S. 8.
58.
"Informationen": Auflage 920.000, "Das Parlament" (mit "APuZ"): 100.000 Ex.: Tätigkeitsbericht der Bundeszentrale für politische Bildung für das Rechnungsjahr 1964, 11.2.1965, S. 42 u. 6.
59.
Das Thema Vertreibung und deutsche Ostgebiete wird in APuZ erst wesentlich später aufgegriffen. Dass es die Redaktion als heikel empfindet, zeigt der Vorspann zu Beiträgen, die zwischen Herbst 1958 und April 1960 erscheinen: "Wir beginnen heute mit dem Abdruck einer Reihe von Artikeln, die sich mit dem Polen von heute und mit der durch die Abtrennung der deutschen Ostgebiete geschaffenen Problematik auseinandersetzen. Autoren verschiedenster Anschauungen werden das Wort erhalten, so daß die Urteilsbildung dem Leser überlassen bleibt. In keinem Fall stellt ein Artikel die Meinungsäußerung der herausgebenden Stelle dar." (APuZ, B 45/58, S. 593). – Dokumentiert wird zunächst die Rede der nahezu unbekannten Kongressabgeordneten Carroll Reece, Das Recht auf Deutschlands Osten, in: APuZ, B 45/58, S. 593–612, die scharfe Töne anschlägt: "Wir sollten keinen Zweifel darüber lassen, daß die deutschen Provinzen östlich der Oder-Neiße, die seit 1945 unter provisorischer fremder Verwaltung stehen, bis heute und weiterhin rechtlich und gesetzlich ein Teil Deutschlands sind, der militärisch besetzt ist und jetzt unter gleichsam kriegsmäßiger Verwaltung der beiden kommunistischen Mächte steht."; "In der Tat, nur im Schutz der sowjetischen Armee kann Polen letztlich sicher sein, an seinem Kriegsraub festhalten zu können." (S. 595 u. 611) In derselben Ausgabe ruft der Göttinger Historiker Percy Ernst Schramm, Polen in der Geschichte Europas, ebd., S. 613–622, die Geschichte Polens als "Leidensweg" in Erinnerung, "härter als das [Leid] irgend eines anderen großen Volkes in Europa", und plädiert unter Ausklammerung der Grenzfrage für einen "Weg der Verständigung" (S. 616, 618 u. 622). Theodor Schieder, Die Ostvertreibung als wissenschaftliches Problem, B 17/60, S. 282–288, führt im April 1960 u.a. aus, die "Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost-Mitteleuropa", die seit 1954 erschien, solle "etwas von dem verspüren lassen, was wir als Gesamthaftung des deutschen Gesamtvolkes für seine Vergangenheit bezeichnen können und was als eine Konsequenz der früher so betonten nationalen Solidarität auf uns genommen werden muß." (S. 288).
60.
Die Beiträge beider Hefte hat Gerhard von Mende verfasst. Blickt man auf von Mendes Vergangenheit (vgl. Anm. 75), so trifft auf diese Texte zu, was Winfried Schulze (Deutsche Geschichtswissenschaft nach 1945, München 1989) als "Objektivität als Heilmittel" charakterisiert.
61.
Das Heft zieht in seinem reichhaltigen und fundierten Informationsangebot erkennbar aus dem 1959 publizierten "Osteuropa-Handbuch. Polen", Hg. Werner Markert, erheblichen Nutzen.
62.
Vgl. Gesamtverzeichnis der Veröffentlichungen 1952–1992, Hg. BpB, Bonn 1992, S. 97–99.

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    DDR und Sowjetunion bekräftigen im 1.Staatsvertrag, dass die Beziehungen zwischen ihnen »auf völliger Gleichberechtigung, gegenseitiger Achtung der Souveränität und der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten« beruhen. Zeitweilig bleiben weiter... Weiter
  • 20. September 1961
    Das Verteidigungsgesetz regelt die Organisation der Verteidigungsund Sicherheitsmaßnahmen, deren »einheitliche Leitung« künftig dem Nationalen Verteidigungsrat (NVR) obliegt. Der Staatsrat erklärt den Verteidigungszustand. Weiter
  • 20. September 1982
    Beginn der Koalitionsgespräche: CDU, CSU und FDP vereinbaren, Schmidt am 1. 10. durch ein konstruktives Misstrauensvotum zu stürzen, Helmut Kohl zum Bundeskanzler zu wählen und am 6. 3. 1983 Bundestagsneuwahlen anzustreben. Zuvor hatte sich der CSU-Vorstand... Weiter
  • 20. September 1988
    Ein RAF-Kommando verübt in Bonn auf Hans Tietmeyer, Staatssekretär im Finanzministerium, einen Anschlag, der scheitert. Weiter
  • 20. September 1989
    Manfred Gerlach, Vorsitzender der LDPD und einer der Stellvertreter des Staatsratsvorsitzenden Honecker, fordert als erster führender DDR-Politiker Reformen; denn »Kinder der Revolution, hier erzogen und politisch gebildet«, begännen zu resignieren und zu... Weiter
  • 20. September 1990
    Der Einigungsvertrag wird mit den erforderlichen Zweidrittelmehrheiten verabschiedet: In der Volkskammer (299 gegen 80 Stimmen, 1 Enthaltung) sind die Fraktionen von PDS und Bündnis 90/Grüne gegen den Vertrag, im Bundestag (440 gegen 47 Stimmen, 3... Weiter
  • 20. September 1991
    In Hoyerswerda (Sachsen) greifen Rechtsextremisten ein Ausländerheim an. Etwa 30 Menschen werden verletzt. Weiter