Beleuchteter Reichstag

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25.7.2012 | Von:
Cornelia Jabs

Ein Zufallsfund?

Der besondere Weg zu den Kurras-Akten

Die Enttarnung des Mannes, der Benno Ohnesorg erschoss, des West-Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras, als Inoffizieller Mitarbeiter des Ministerium für Staatssicherheit im Mai 2009 fand ein großes mediales Echo. So offenkundig die zeitgeschichtliche und geschichtspolitische Tragweite nach der ersten Durchsicht der Kurras-Akten war, so ungewöhnlich war der Weg zu ihnen.

Kurras' SED-MitgliedsausweisDie ersten Seiten des SED-Mitgliedsbuches von Karl-Heinz Kurras, BStU, MfS, GH 2/70, Bd. 17 (© BStU)
Die Enttarnung des Polizisten Karl-Heinz Kurras als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) und treues SED-Mitglied im "Deutschland Archiv"[1] hat im Mai 2009 ein großes mediales Echo gefunden. Kurras war nicht nur als Beamter der Abteilung 1 der West-Berliner Polizei, der sogenannten Staatsschutzabteilung, mit sensiblen Aufgaben wie der Suche nach gegnerischen Maulwürfen in den eigenen Reihen betraut gewesen, sondern hatte am 2. Juni 1967 bekanntlich eine geschichtsträchtige Rolle bei der Radikalisierung der landesweiten Studentenproteste gespielt. In der DDR war er das Sinnbild der von "Faschisten" untersetzten westdeutschen Polizei, die im wahrsten Sinne des Wortes in mörderischer Weise gegen demokratische Protestbewegungen vorginge – ein Feindbild, das im Westen eine Legitimationsbasis für die blutige "Gegengewalt" der "Rote Armee Fraktion" (RAF) lieferte, die den Interessen der DDR ebenfalls nicht entgegenstand. Seinen Kollegen und einzelnen Medien hingegen galt der Kriminalobermeister lange als ein Opfer fanatischer und vermeintlich gewaltbereiter Studenten, gegen die er sich hatte wehren müssen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) spendete 60.000 DM für seine erfolgreiche und bereits damals skandalträchtige Verteidigung vor Gericht.[2]

In einschlägigen Veröffentlichungen gilt der Fund der IM-Akten zu Karl-Heinz Kurras im Frühjahr 2009 als Zufallsfund. Die Frage ist, wie der Begriff Zufall ausgelegt wird, denn die Unterlagen wurden im Ergebnis systematischer Recherchen der Autorin in der Datenbank zur Erschließung von Sachakten (SAE) des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU) ermittelt. Die Recherchen standen im Zusammenhang mit einem Projekt zur Rolle des MfS bei der Verschleierung tödlicher Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze. Dabei dehnte sich das Forschungsthema auch auf das sogenannte Operationsgebiet West-Berlin aus. Aus dieser Sicht handelte es sich keineswegs um einen Zufallsfund nach dem Wünschelrutenprinzip. Doch so offenkundig die zeitgeschichtliche und geschichtspolitische Tragweite nach der ersten Durchsicht der Akten war, so ungewöhnlich war dennoch der Weg zu den Kurras-Akten.

I

Kurras' VerpflichtungserklärungEigenhändige Verpflichtungserklärung Karl-Heinz Kurras' ("Otto Bohl") vom 26. April 1955, BStU, MfS, GH 2/70, Bd. 1, Bl. 19 (© BStU)
Eine der wichtigsten Besonderheiten im Fall Kurras ergibt sich unmittelbar aus den wirkungsvollen Konspirationsmethoden des MfS, die für den gesondert verwahrten Bestand der Geheimen Ablage (GH) galten, in dem auch die Unterlagen zu Kurras archiviert waren. Im Nachgang des Kurras-Fundes wurde die Geheime Ablage durch eine Arbeitsgruppe des Archivs des BStU näher untersucht. Erste jüngst publizierte Erkenntnisse der Arbeitsgruppe zeigen demnach, dass die Entfernung der zentralen F 16-Personenkarteikarten eine "übliche" Konspirationsmethode des MfS war, um Anfragen zu bestimmten bedeutsamen Personen, Aktionen und Ereignissen selbst innerhalb des Ministeriums zu verhindern und den Zugriff auf Akten der Geheimen Ablage zusätzlich zu reglementieren.[3] Wenn die F 16-Personenkarteikarte fehlte, galt die Person als nicht erfasst. Der Hinweis auf die ohnehin gesondert verwahrten Akten fehlte. Der darüber hinaus nur ausnahmsweise gestattete Zugang zu Informationen und Akten konnte effektiv auf einen kleinen Kreis berechtigter Leitungskader des MfS beschränkt werden. Routinemäßig von diversen MfS-Dienststellen durchgeführte Personenanfragen konnten so – nicht nur im Fall Kurras – solange ins Leere laufen, wie der besondere Geheimhaltungsgrund bestand. Bei näherer Betrachtung der nun "zufällig" einem größeren Fachkreis bekannt gewordenen einschlägigen MfS-Richtlinie liegen die Gründe für diese verschärften Geheimhaltungsinteressen auf der Hand.[4] So wie der Name des mit seinen 348 lfm relativ kleinen Aktenbestandes bereits nahelegt, sollten Unterlagen mit herausgehobener Bedeutung bis hin zu Staatsgeheimnissen verschlossen bleiben; nur der berühmte "Rote Koffer" mit kompromittierenden Unterlagen über den Staats- und Parteichef Erich Honecker, die der Minister für Staatssicherheit Erich Mielke im persönlichen Safe aufbewahrte, sei strenger gesichert gewesen.[5]

Seit der Auflösung des MfS war bekannt, dass das Auffinden brisanter Akten durch die gezielte Vernichtung der zentralen Personenkarteikarten wirksam verhindert werden konnte. In wie vielen Fällen diese Methode, die erst recht für den Bestand der Geheimen Ablage nahelag, in der Endphase der DDR angewandt wurde, bleibt offen. Angesichts der auffallenden strafrechtlichen Relevanz der GH schließt sich die Frage an, für wie viele bedeutsame MfS-Mitarbeiter und Parteikader die vom MfS bezweckte Strafvereitelung mittels gezielter Vernichtung von Personenkarteikarten bis weit nach dem Ende der DDR erfolgreich sein konnte. Denn bis zur endgültigen Erschließung der Akten war und ist für alle Recherchen des BStU der Aktenzugang über diese personen- und vorgangsbezogenen zentralen Karteien F 16 und F 22 grundlegend.[6] Die Untersuchungen sollten daher auch den Aspekt der gegebenenfalls beeinträchtigten Strafverfolgung einschließen.[7] Immerhin macht neben dem beachtlichen Anteil schwerer Straftaten durch hauptamtliche und inoffizielle MfS-Mitarbeiter der nicht weiter differenzierte Anteil von Vorgängen zu Spionage und Geheimnisverrat sowie zur Bearbeitung von "Feindorganisationen" bereits nach der Grobsichtung einen Anteil von 44 Prozent des Bestandes aus.[8]

Es ist allgemein bekannt, dass der überlieferte Zugang zu den Akten, den das MfS streng personenbezogen organisiert hatte, auch für Recherchen des BStU von zentraler Bedeutung ist. Die Standardrecherchen basieren deshalb nach wie vor im Wesentlichen auf den personenbezogenen Findmitteln des MfS. Im Zuge der kontinuierlich fortschreitenden Erschließungen werden zunehmend andere, vom BStU nach allgemeingültigen archivischen Grundsätzen angelegte Findmittel bedeutsam. Sie schließen wichtige Lücken, etwa bei der Feststellung, ob eine Person hauptamtlicher oder inoffizieller Mitarbeiter des MfS war, oder bei der Zuordnung ungeordnet übernommener Aktenbestände zu Personen und Sachverhalten. Vor allem ermöglichen sie die für Archive üblichen systematischen, unter anderem sachthematischen Zugänge zu den Archivalien.[9]

II

Gerade hierfür ist der Fall Kurras ein hervorragendes Beispiel. Denn die IM-Akten zu Kurras waren unabhängig von den Standardrecherchen ausschließlich über die BStU-interne Datenbank SAE (Sachaktenerschließung) mittels einer erweiterten Recherche über mehrere Schlagwörter auffindbar.[10] In der Datenbank SAE war ein Tonband über eine Vernehmung verzeichnet, das den Kurras-Akten vor längerer Zeit von Archivmitarbeitern entnommen worden war. Die Vernehmung hatte der Kriminalobermeister Kurras bezüglich eines vermuteten Maueropfers durchgeführt. Der Datensatz in der SAE enthielt zwar keinen Hinweis auf die brisanten IM-Akten, denn zum Zeitpunkt der Entnahme des Tonbandes unterblieb eine genauere Aktenprüfung.[11] Er enthielt jedoch die Archivsignatur der dazugehörenden 17-bändigen Geheimen Ablage zu Kurras. Unter diesem Blickwinkel wird die Behauptung vom "Zufallsfund" umso erklärungsbedürftiger, als der Fund allein wegen des ungewöhnlichen Rechercheweges möglich wurde, der wiederum ein Ergebnis der mühsamen und kontinuierlichen Erschließungsarbeiten der Archivbeschäftigten war.

So eigentümlich es klingen mag, aber wegen des Vorliegens der 17 Akten und wegen der genauen Kenntnis der vom MfS entfernten F 16-Karteikarte hatte der sonst übliche Aktenzugang über die zentralen Findmittel F 16/F 22 in diesem Fall zunächst keine Bedeutung. Die Entfernung der ersten F 16-Karteikarte zu Kurras durch das MfS ist sehr wahrscheinlich mit Geheimhaltungsinteressen zu begründen, die mit den tödlichen Schüssen auf Benno Ohnesorg zusammenhängen. Sie ergab sich eindeutig aus der Aktenlage. Demnach war von einer anderen, nicht eingeweihten Dienststelle des MfS für den "Mörder Benno Ohnesorgs" eine Einreisesperre beantragt worden. Die dazu eingeleitete Karteiabfrage zu vorliegenden Erfassungen zu Kurras wurde von der Abteilung XII des Ministeriums negativ beschieden. Das bedeutete, dass Kurras innerhalb des MfS als nicht erfasst galt.[12]

Die dennoch veranlasste Karteiabfrage hatte für die Veröffentlichung der IM-Tätigkeit daher lediglich ergänzenden Charakter. Das Ergebnis war nach der Aktenlage überraschend und ungewöhnlich. Das MfS hatte zum Zeitpunkt der Pensionierung von Karl-Heinz Kurras im Jahr 1987 eine neue, zweite F 16-Karteikarte angefertigt, die zweifellos den direkten Zugriff auf die Akten ermöglicht hätte.[13]

An dieser Stelle drängte sich die damals wie heute legitime Frage auf, weshalb nicht schon viel früher die Akten im Zusammenhang mit zahlreichen einschlägigen Anträgen und Strafverfolgungsersuchen etwa im Zusammenhang mit dem Wirken der RAF, zur Untersuchung des Einflusses der Stasi auf die West-Berliner Polizei oder bei der Untersuchung des Schicksals von Fluchtopfern gefunden worden sind. Die damalige Bundesbeauftragte Marianne Birthler erklärte, es sei niemand auf die Idee gekommen, nach Kurras zu fragen, wie viele überraschte Zeitgenossen und namhafte Zeithistoriker denn auch einräumten.[14]

III

Der personenbezogene Aktenzugang über die zentralen Karteien bleibt bis zur vollständigen archivischen Erschließung der großen Überlieferungsmengen des MfS von zentraler Bedeutung.[15] Im Zuge der Erschließung wird im Archiv des BStU schrittweise die in Archiven übliche sachbezogene Recherche durch neue Findmittel ermöglicht. In welchem Ausmaß systematische Entfernungen bzw. gezielte Vernichtungen von Personenkarteikarten das Auffinden bedeutsamer Akten insbesondere im Archivbestand der Geheimen Ablage wirksam verhindern konnten, bleibt offen. Umso wichtiger ist es, dass der BStU die Erfassung der GH systematisch fortsetzt.

Unabhängig davon ist die Recherche der Kurras-Akten ein Beispiel dafür, dass die vom BStU erstellten Findmittel neue Zugänge zum Auffinden der Archivalien ermöglichen. Der fortschreitende Erschließungsstand und die Prüfung von Sicherheitsverfilmungen werden möglicherweise in diesem wie in anderen Fällen zu weiteren Erkenntnissen führen.

Fußnoten

1.
Vgl. Helmut Müller-Enbergs/Cornelia Jabs, Der 2. Juni 1967 und die Staatsicherheit, in: DA 42 (2009) 3, S. 395–400; vgl. http://www.bpb.de/52044/.
2.
Die von Kurras bei seinem Führungsoffizier erbetene finanzielle Unterstützung für einen Rechtsbeistand ist ebenso wie die möglicherweise nicht ausgeschlossene Einflussnahme des MfS auf die Prozesse noch unerforscht: vgl. Funksprüche nach dem 2.6.1967, BStU, MfS, GH 2/70, Bd. 11, Bl. 258; Bd. 17, Bl. 238. Vgl. Uwe Soukup, Der Mann, der Benno Ohnesorg erschoss, http://www.stern.de/politik/geschichte/karl-heinz-kurras-der-mann-der-benno-ohnesorg-erschoss-701530.html [22.5.2009].
3.
Vgl. Karsten Jedlitschka, Die "Geheime Ablage" der Abteilung XII (Zentrale Auskunft/Speicher) des Ministeriums für Staatssicherheit, in: Irmgard Christa Becker (Hg.), Neue Strukturen – bewährte Methoden? Was bleibt vom Archivwesen der DDR, Marburg 2011, S. 107–125; ders., Arkanum der Macht. Die "Geheime Ablage" im Zentralarchiv der DDR-Staatssicherheit, in: VfZ 60 (2012) 2, S. 279–290. Das Folgende ebd.
4.
Richtlinie für die operative Erfassung und Statistik in den Organen des Staatssekretariats für Staatssicherheit des MdI der DDR v. 12.12.1953, BStU, BdL, Dok. 3032. – Demnach waren in der GH persönliche Arbeitsvorgänge von MfS-Mitarbeitern, die besondere Aufträge ausgeführt hatten, Personalakten und Vorgänge besonders wertvoller inoffizieller Mitarbeiter, mit welchen aus operativen Gründen die Verbindung zeitweilig abgebrochen wurde, Untersuchungsunterlagen aus Vorgängen, die große staatliche Bedeutung hatten, und besonders wichtige Vorgänge gesamtstaatlicher Bedeutung abzulegen, die nach Einschätzung des Leiters der Abt. XII den Rang von Staatsgeheimnissen hatten: ebd., S. 281.
5.
Ebd., S. 289.
6.
Bis zur Enttarnung Kurras' konnten daher die vom MfS bereits in der Abt. XII abgelegten Bestände, zu denen auch die GH zählt, weitgehend als für die Zwecke des StUG nutzbar gelten. Die Erschließung konzentrierte sich deshalb konsequent auf die ungeordnet übernommenen Archivalien, die ansonsten weder personen- noch sachbezogen genutzt werden können. Spätestens jetzt, nach der vorgenommenen Sichtung und der begonnenen Erschließung der GH, werden die nicht auszuschließenden Lücken in den Karteien sicherlich geschlossen werden.
7.
Differenzierte Angaben, ob die Akten durch die hierfür beim BStU zuständigen und sonst zuständigen externen Stellen genutzt worden sind, lassen sich z.B. den Aktenbenutzungsblättern entnehmen.
8.
Jedlitschka, Arkanum (Anm. 3), S. 284.
9.
Zu nennen sind insb. folgende Datenbankverfahren, die für personenbezogene Recherchen genutzt werden: Elektronische Personenregister (EPR); Hauptamtliche Mitarbeiter/Angehörige des Wachregiments (HM/WR); Hauptverwaltung Aufklärung, Hauptamtliche Inoffizielle Mitarbeiter, Offiziere im besonderen Einsatz (HHO); Rosenholz (RoHo). Für sachthematische Recherchen stehen auf der BStU-Homepage Findbücher, zahlreiche Aktenverzeichnissen und Bestandsinformationen zur Verfügung: http://www.BStU.bund.de/DE/Archive/_node.html. Darüber hinaus ist v. a. das Datenbankverfahren Sachaktenerschließung (SAE) für thematische Recherchen grundlegend. Aus rechtlichen Gründen ist SAE bisher nur BStU-intern verfügbar. Externe Nutzerinnen und Nutzer werden jedoch in die Recherchen so weit wie möglich einbezogen. Der BStU stellt darüber hinaus wichtige Grundsatzdokumente zu diversen Themen antragsunabhängig sukzessive online: http://www.BStU.bund.de/DE/Wissen/MfS-Dokumente/_node.html [22.5.2012]. Nicht zu vergessen sind die zahlreichen sachthematisch vom MfS angelegten und übernommenen Arbeitskarteien, die wertvolle thematisch orientierte Zugänge ermöglichen.
10.
In Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Heinz_Kurras [22.5.2012], wird behauptet, die Vf. hätte "zufällig erneut eine Geheimablage (GH) aus dem Jahr 1970" entdeckt, "die der siebzehnbändigen Akte von Kurras alias 'Otto Bohl' zugeordnet wurde." Das ist nicht korrekt. Die Aktenlage war klar; der Zugang zu den 17 Akten ergab sich ausschließlich aus dem SAE-Datensatz.
11.
Die Entnahme des Tonbandes erfolgte im Rahmen einer größer angelegten Aktion zur generellen Sicherung technischer Archivalien, die in den originären Akten zu einem Vorgang aufbewahrt worden waren. Daher fand zu diesem Zeitpunkt ähnlich wie bei der Paginierung keine weitere Prüfung der Akteninhalte statt. Die technischen Archivalien wurden den Akten entnommen und bei dieser Gelegenheit als sog. "Gegenstandsablage" in den BStU-Findmitteln gesondert verzeichnet.
12.
Vgl. BStU, MfS, GH 2/70, Bd. 17, Bl. 87. Dieser Quellennachweis wurde im Mai 2009 mehrfach BStU-intern kommuniziert und ist aktenkundig belegt worden.
13.
Jedlitschka, Die "Geheime Ablage" (Anm. 3), stellt eine diesbezügliche Fußnote von Müller-Enbergs/Jabs (Anm. 1) in den Mittelpunkt seiner Darstellung. Die von ihm eingeforderte Korrektur dieser Fußnote erübrigte sich jedoch bereits im Mai 2009, weil permanent neue Erkenntnisse über Kurras durch Medienveröffentlichungen nahtlos ergänzt worden sind: vgl. z.B. Sven Röbel u.a., Jäger und Gejagter, in: Der Spiegel, 23/2009, S. 34f.
14.
Vgl. u.a.: Armin Käfer, Das ist Stoff für weitere Legenden. Interview mit Otto Schily, in: Stuttgarter Zeitung, 22.5.2009; Maike Röttger, Schily überrascht, Ströbele fassungslos, in: Hamburger Abendblatt, 23.5.2009; Mario Dobovisek, Niemand hätte das für möglich gehalten. Interview mit Uwe Soukup, Deutschlandfunk, 23.5.2009. – Im rechten wie im linken Lager sorgte die Enttarnung Kurras' darüber hinaus für eine bis dahin undenkbare Feindbildstörung. Die Staatsschutzabteilung der Polizei hatte den Bock im eigenen Garten über viele Jahre nicht erkannt und ihn auch noch vor Gericht entlastet. Zufällig konnten erst im Jan. 2012 wichtige Beweismittel aufgefunden und Beweismittelmanipulationen nachgewiesen werden. Sie bestärken den bereits nach der Erschießung Ohnesorgs aufgekommenen und von einem studentischen Untersuchungsausschuss der APO genauestens dargelegten Verdacht, Kurras sei in verschwörerischer Weise gedeckt und so vor einer Verurteilung geschützt worden; Kurras wurde mangels Beweisen 1967 und 1970 vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen: vgl. u.a. Jürgen Dahlkamp u.a., Aus kurzer Distanz, in: Der Spiegel, 4/2012, S. 36–45; Uwe Soukup, Wie starb Benno Ohnesorg? Der 2. Juni 1967, Berlin 2007; Thomas Giefer/Hans-Rüdiger Minkow, Der 2. Juni 1967, Hamburg 2010.
15.
Der BStU verwaltet 111.000 lfm. schriftliche Überlieferungen des MfS, davon 12.000 lfm personenbezogene Karteien (etwa 39 Mio. Karteikarten), weiterhin 1,75 Mio. Fotodokumente, 2 800 Filme und Videos und 15.000 Behältnisse mit zerrissenen Unterlagen. Von den schriftlichen Überlieferungen sind 51.000 lfm mit den Findmitteln des MfS nach dem StUG personenbezogen zugänglich: vgl. http://www.BStU.bund.de/DE/Archive/UeberDieArchive/_node.html [22.5.2012].

Der 2014 verstorbene Polizist Karl-Heinz Kurras, der den Studenten Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 in Berlin erschoss, war Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi. Das beweisen Unterlagen der Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU).

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