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29.11.2012 | Von:
Tanja Seeböck

Ulrich Müthers Schalenbauten im Bauwesen der DDR

Ulrich Müther wurde für die Konstruktion und den Bau extravaganter, dynamisch geschwungener Schalenbauten bekannt. Wie gelang es ihm mit seinen Betonschalenbauwerken eine derart dominierende Position in der staatlich gelenkten Bauwirtschaft der DDR einzunehmen?

I.

Die von Ulrich Müther (1934–2007) seit den frühen 1960er-Jahren konzipierten Betonschalen sind heute international bekannt und werden zunehmend (wieder) wertgeschätzt.[1] Seine elegant geschwungenen Betondächer nehmen eine herausragende Stellung innerhalb der Baukunst der DDR ein. Diese federleicht wirkenden Solitäre aus Beton, Stahl und Glas wurden als moderne städtebauliche Gestaltungsmittel eingesetzt: Viele von ihnen bildeten auflockernde Kontraste im stadträumlichen Gefüge des industriellen Wohnungsbaus, wo sie mit ihrer großen Spannweite und dynamischer Formensprache wie Großplastiken zwischen den typisierten Wohnblöcken wirkten. Andere von ihnen wurden etwa an hervorgehobener Stelle am Strand, am See oder im Park platziert und setzten dort weithin sichtbare Blickpunkte.

Die Gründe, warum in der DDR insbesondere in den 1960er- und 70er-Jahren viele Schalenbauten errichtet wurden, sind vor allem in ihren konstruktiven Vorteilen zu sehen: Mit ihnen lassen sich große Spannweiten stützenfrei überspannen, und sie verfügen trotz ihrer geringen Materialstärke über eine große Stabilität. Außerdem waren sie schnell und materialsparend herzustellen und überzeugten ästhetisch: Durch ihre Leichtigkeit der Struktur sowie ihre ausdrucksstarke und kraftvolle Form, welche mit Hilfe vielfältig variabler Wölbungen der Schalenfläche zustande kam, eigneten sich diese Konstruktionen insbesondere für repräsentative Bauaufgaben wie zum Beispiel Mehrzweckhallen, Gaststätten, Sakralbauten oder andere Gesellschaftsbauten, die Individualität und Modernität ausstrahlen sollten.

Der aus Binz auf Rügen stammende Ulrich Müther war Bauingenieur und leitete seit 1959 den väterlichen Baubetrieb in seiner Heimatstadt.[2] Mit diesem Betrieb hatte er sich auf die Planung, Berechnung und Ausführung von Betonschalentragwerken spezialisiert[3] und zwischen 1963 und 1991 mit seinem Team – bestehend aus Ingenieuren, Architekten und speziell geschulten Arbeitskräften – etwa 74 dieser geschwungenen Konstruktionen konzipiert und errichtet.[4]

Zu den bekanntesten Schalenbauten Müthers gehört zweifellos die am Ostseestrand des Rostocker Stadtteils Warnemünde gelegene Ausflugsgaststätte "Teepott".
Teepott in RostockRostock-Warnemünde, "Teepott", Ansicht von Osten, 1968 (© Müther-Archiv an der Hochschule Wismar)
Der dreigeschossige Rundbau wurde auf Beschluss des Rates der Stadt anlässlich der 750-Jahrfeier Rostocks im Jahr 1968 auf den Grundmauern seines ebenfalls zylindrischen Vorgängerbaus, dem 1928 erbauten und 1945 abgebrannten "Teepavillon", errichtet. Zusammen mit dem unmittelbar benachbarten, 1897/98 erbauten, 39 Meter hohen Leuchtturm bildet er am Ende der Strandpromenade direkt neben der Hafeneinfahrt einen markanten städtebaulichen Blickpunkt. Ulrich Müther entwarf die Schalenkonstruktion, die Architekten Erich Kaufmann, Hans Fleischhauer und Carl-Heinz Pastor vom Wohnungsbaukombinat Rostock waren für die Gestaltung und den architektonischen Entwurf der Gaststätte verantwortlich.[5]

Die städtebauliche Anbindung des Gebäudes an den Strand und den benachbarten Leuchtturm war ein wichtiger Bestandteil der Projektierung. Da der Bau zu allen Seiten eine ausdrucksstarke Gestaltung aufweisen sollte, wurde eine dreifach geschwungene Hyparschalenkonstruktion gewählt.[6] Die insgesamt 1.200 Quadratmeter große, nur sieben Zentimeter starke Schalenfläche besteht aus drei zusammengesetzten hyperbolischen Paraboloidschalen (kurz: Hypar- oder HP-Schalen)[7] mit gerundeten Kanten und ist an ihren drei Tiefpunkten auf Stützenpaaren gelagert. Diese bestehen aus jeweils einer senkrechten Stahlbetonstütze, welche die Vertikalkräfte aus den Schalen aufnimmt, sowie einer Schrägstütze, welche die "Windkräfte und andere unsymmetrischen Horizontalkräfte" in die Fundamente überträgt.[8] Die Fassaden des Obergeschosses und an der zur Seeseite orientierten Nordseite des Erdgeschosses waren vollständig mit einer Stahl-Thermoglas-Konstruktion versehen, während die Südfassade im Erdgeschoss durch eine bandartige Strukturwand aus Stahl des Berliner Bildhauers Achim Kühn gegliedert wurde.[9]

Im Inneren befand sich ein Restaurant mit 128 Plätzen im Erdgeschoss, ein Café mit 162 Plätzen im Obergeschoss, das mit einer zentral angeordneten, als Tanzfläche dienenden, offenen Zwischenebene durch Leichtbautreppen verbunden war, sowie eine Bar mit 90 Plätzen im Sockel-/Untergeschoss des Gebäudes. Restaurant und Café waren zur Seeseite hin orientiert und boten einen Panoramablick auf Strand, Meer und Hafeneinfahrt.[10] Im Jahr 1969 erhielt der "Teepott" den zweiten Preis in dem vom Ministerium für Bauwesen ausgelobten Architekturwettbewerb, bei dem insgesamt elf Bauwerke ausgezeichnet wurden, die im Jahr zuvor von Architekten der DDR realisiert worden waren und interessante Lösungen mit innovativen Konstruktionen zeigten.[11] Das Gebäude konnte nach einem etwa zehn Jahre währenden Leerstand im Jahr 2002 saniert[12] und einer Mischnutzung aus Gastronomie, Cocktailbar, Tanzsaal, Büros und Einzelhandelseinrichtungen zugeführt werden.

II.

Angesichts des umfangreichen Werks an Betonschalen stellt sich die Frage, wie es unter den Bedingungen der Bauwirtschaft der DDR überhaupt dazu kommen konnte, dass ein einzelner Betrieb seine unternehmerische Eigenständigkeit bewahren und in Eigenregie zahlreiche Projekte planen und realisieren konnte – wie Ulrich Müther es mit seiner Baufirma tat.[13] Weiterhin ist interessant, auf welche Art und Weise manche seiner Aufträge zustande kamen – hierzu gab Müther in persönlichen Gesprächen bereitwillig Auskunft.[14] Im Folgenden sollen diese Fragen näher erörtert werden.

Die Gründe für die exzeptionelle Stellung Ulrich Müthers im Bauwesen der DDR waren vielschichtig. Seine erfolgreiche Tätigkeit im Schalenbau war eng verknüpft mit seiner Biografie. In besonderem Maße erwies es sich als vorteilhaft, dass er sowohl Ingenieur als auch Leiter einer Baufirma war und daher die Projekte von der Planung bis zur Herstellung aus einer Hand anbieten konnte: Müther trug nicht nur die Verantwortung für die Konzeption und die Konstruktion, sondern auch für die Ausführung des Tragwerks. In dieser Eigenschaft glich er den großen Pionieren des Schalenbaus, etwa Pier Luigi Nervi (1891–1979) und Félix Candela (1910–1997), die ebenfalls Ingenieure und Bauunternehmer in einer Person waren.

Ulrich Müther wurde 1959 technischer Leiter der von seinem Vater gegründeten Binzer Baufirma und übernahm 1960 den Vorsitz des Betriebes, der in eine Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) umgewandelt worden war. Ab 1972, nach der Umwandlung der PGH Bau Binz in einen Volkseigenen Betrieb (VEB), wurde er Direktor der fortan VEB Spezialbetonbau Rügen genannten Firma[15] Es gelang Müther 1972, die Eingliederung in ein Kombinat zu verhindern.[16] Der VEB Spezialbetonbau Rügen, der 1972 etwa 100 Mitarbeiter hatte,[17] wurde zuerst vom Kreis Rügen geleitet, später vom Bezirk Rostock.[18] Nach der deutschen Vereinigung führte Müther die Baufirma, die an ihn rückübereignet worden war, bis zur Insolvenz im Jahr 1999 als Privatunternehmen weiter.[19]

Zunächst baute Müther in den 60er- und 70er-Jahren viele Schalen im eigenen Land, bevor er auch Auslandsprojekte realisierte. Das erste Projekt im Ausland war das mit einem Kulturzentrum verbundene Raumflugplanetarium im libyschen Tripolis, das die Firma 1979/80 realisierte.[20]

III.

Müthers erste Aufträge ergaben sich Stück für Stück aus seinem Lebensweg, der besonders von seiner Neigung zur Mathematik und durch sein unternehmerisches Talent geprägt war. Eine Schlüsselfunktion nimmt sein erstes Projekt ein, das aus seiner Diplomarbeit hervorging.
Haus der Stahlwerker in BinzHyparschalendach über dem Gesellschaftsraum im Ferienheim "Haus der Stahlwerker" in Binz, 1964 (© Müther-Archiv an der Hochschule Wismar)
Müther fertigte die Arbeit im Hinblick auf ein zu realisierendes Bauprojekt in seinem Heimatort Binz an: Die Dachterrasse auf dem Erweiterungsbau des Ferienheimes "Haus der Stahlwerker" des VEB Stahl- und Walzwerks Riesa sollte überdacht werden und einen Gesellschaftsraum erhalten. Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit der Abteilung Stadt- und Dorfplanung der Kreisverwaltung Rügen.[21] Müther berechnete die aus vier Hyparschalen bestehende Konstruktion in etwa 14 Monaten.[22] Die PGH Bau Binz errichtete das 14,20 x 14,20 Meter weit gespannte Hyparschalendach, das nach allen Seiten Stahl-Glas-Fassaden erhielt, im Jahr 1964.[23]

Das Schalendach des "Hauses der Stahlwerker" nimmt eine Schlüsselfunktion im Werk Ulrich Müthers ein: Es war die erste Hyparschale, die er verwirklichte, und sie zog eine über 30 Jahre anhaltende Tätigkeit im Bereich Schalenbau nach sich. Außerdem zählt die heute nicht mehr erhaltene Konstruktion zu den frühesten Anwendungsbeispielen von HP-Stahlbetonschalen in der DDR.[24] Darüber hinaus stellt sie eine Pionierleistung Müthers in Bezug auf die weitere Entwicklung von monolithischen, individuell projektierten sowie handwerklich ausgeführten Betonschalen in der DDR dar.

Kinderferienlager in BorchtitzHyparschalendach des Speisesaals im Kinderferienlager Borchtitz, 1965 (© Müther-Archiv an der Hochschule Wismar)
Diese erste gebaute Schale eröffnete Müthers Karriere in der Schalenbaukunst der DDR: Gleich bei seinem zweiten Projekt, dem Dach für den Speisesaal eines Kinderferienlagers in Borchtitz auf Rügen, wandte er diesen Bautyp als leicht modifiziertes Wiederverwertungsprojekt an. Hier wurde 1965 ein ebensolches vierteiliges HP-Schalendach – allerdings mit geringen konstruktiven Abweichungen und mit 18 x 18 Metern Schalenfläche in etwas größeren Abmessungen – errichtet, das außerdem nach einer anderen Methode berechnet wurde.[25] Die Speisesaalüberdachung in Borchtitz ist die älteste noch erhaltene Schalenkonstruktion Müthers und veranschaulicht prinzipiell den Bautyp von dessen erster Konstruktion. Durch dieses Projekt lernte er einen der Auftraggeber, den Vorsitzenden des Rates des Bezirkes Rostock Karl Deuscher, kennen, der ihm wenig später den Auftrag für eine Messehalle in Rostock verschaffte.[26]
Gaststätte "Inselparadies" in BaabeGaststätte "Inselparadies" am Strand von Baabe, 1966 (© Müther-Archiv an der Hochschule Wismar)
Zuvor jedoch, im Jahr 1966, realisierte Ulrich Müther gemeinsam mit dem Berliner Architekten Ingo Schönrock seine dritte Betonschale, die 17,60 x 17,60 Meter weit gespannte Überdachung des Restaurants "Inselparadies" in Baabe auf Rügen, die zugleich seine erste in Form einer Pilzschale war.[27]

Müthers viertes Projekt, sein erstes außerhalb von Rügen, entstand gleichfalls 1966: die bereits erwähnte Halle "Bauwesen und Erdöl" für die alljährlich stattfindende Ostseemesse in Rostock, die er in Zusammenarbeit mit dem Rostocker Architekten Erich Kaufmann realisierte. Für sie erhielt Müther erstmals öffentliche Anerkennung.[28]
Messehalle Rostock-SchutowMessehalle "Bauwesen & Erdöl" in Rostock-Schutow, 1966 (© Müther-Archiv an der Hochschule Wismar)
Dieses Werk stellt – wie schon sein erstes – ein Schlüsselwerk für sein weiteres Schaffen dar, denn aus diesem Projekt ergaben sich die nächsten beiden großen Aufträge: der "Teepott" in Rostock-Warnemünde und die Mehrzweckhalle in Rostock-Lütten Klein.[29]

IV.

Im Zusammenhang mit dem Bau der Schalen in Rostock, insbesondere des prominenten "Teepotts" in Warnemünde, wurde der 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung von Berlin, Paul Verner, der als Mitglied der Parteispitze häufig an den Eröffnungen der Schalenbauten teilnahm, auf Müther aufmerksam. Verner setzte sich dafür ein, dass auch in der Hauptstadt eine "Müther-Schale" gebaut wurde – das "Ahornblatt".[30]

Bereits 1967 waren der Architekt Erich Kaufmann vom VEB Hochbauprojektierung Rostock und Ulrich Müther durch den Hauptplanträger, den Magistrat von Groß-Berlin, mit der Ausarbeitung einer Studie für eine "zentrale Betriebsgaststätte" in Ost-Berlin beauftragt worden.[31] Die Großgaststätte war Bestandteil des gesellschaftlichen Zentrums für das neue Wohnquartier "Fischerinsel", das zwischen 1967 und 1973 nach dem Flächenabriss der Altbausubstanz im südlichen Teil der in Berlin-Mitte gelegenen Spreeinsel mit sechs 21-geschossigen Wohnhochhäusern in Großtafelbauweise errichtet wurde.[32] Die städtebauliche Konzeption der Neubebauung beruhte auf Plänen des Architekten-Planungsstabs unter Leitung von Joachim Näther, dem Chefarchitekten von Groß-Berlin (also Ost-Berlin), sowie von Peter Schweizer und Manfred Zache.[33] Der Komplex des Versorgungszentrums des Wohngebiets, zu dem neben der eingeschossigen Gaststätte "Ahornblatt" auch ein baulich angeschlossener Flachbautrakt mit Großküche und einer Ladenpassage gehörte, wurde vom Generalauftragnehmer, dem Wohnungsbaukombinat Berlin, geplant: Die Architekten Gerhard Lehmann und Rüdiger Plaethe waren für den Entwurf verantwortlich, die städtebauliche Konzeption oblag dem Architekten Helmut Stingl.[34]

Die Großgaststätte "Ahornblatt" wurde 1970 errichtet und 1973 eröffnet.[35] Seine prägnante Gestalt erhielt das Gebäude durch die Dachkonstruktion, eine dünnwandige, nur sieben Zentimeter starke Betonschalenkonstruktion in Form eines Ahornblatts.
"Ahornblatt" in BerlinGaststätte "Ahornblatt" in Berlin-Mitte, 1973 (© Müther-Archiv an der Hochschule Wismar)
Mit seinen fünf fächerartig aneinandergefügten Schalen war das "Ahornblatt" ein besonders ausgefallenes Bauwerk.

Unter großem öffentlichen Protest wurde das Baudenkmal im Jahr 2000 abgebrochen. Durch den Abriss setzte jedoch eine neue Wertschätzung für das Werk des Schalenbaumeisters Müther ein.[36] Das "Ahornblatt" zählt einerseits aus konstruktiv-gestalterischen Gründen zu den Hauptwerken Müthers, andererseits übernimmt es aufgrund seiner Abrissgeschichte eine Schlüsselfunktion für die Rezeptionsgeschichte der "Müther-Schalen".[37]

V.

Einen bedeutenden Auftrag, die Rennschlittenbahn in Oberhof, erhielt Ulrich Müther im Zusammenhang mit der Spritzbetontechnologie, die in seiner Firma erprobt und weiterentwickelt wurde.[38] Die ersten Schalenbauten hatte die PGH Bau Binz mit Transportbeton und einer Betonpumpe hergestellt, bis Müther 1968 eine Spritzbetonmaschine von der westdeutschen Firma Torkret erhielt, die für das Trockenspritzverfahren geeignet war und die erstmals beim Bau der Mehrzweckhalle in Rostock-Lütten Klein zum Einsatz kam.[39]

Mit einer anderen Technik, dem Nassspritzverfahren, das sich auch für schalungsloses Spritzbetonieren eignete, erweckte Müther 1970 erneut große Aufmerksamkeit.
Rennschlitten- und Bobbahn in OberhofOberhof, Rennschlitten- und Bobbahn im Bau, 1970 (© Müther-Archiv an der Hochschule Wismar)
In Oberhof wurde durch Müthers Firma weltweit erstmalig eine Rennschlittenbahn schalungslos im Nassspritzverfahren hergestellt.[40] Dieser Umstand ist deshalb frappierend, weil Müther bis dahin noch kein Schalentragwerk ohne Schalung erbaut hatte, also über kein diesbezügliches Referenzobjekt verfügte. Seiner eigenen Aussage zufolge erhielt er diesen Auftrag, weil er "leichtsinnigerweise" einmal erklärt habe, seine Firma sei in der Lage, eine Rennschlittenbahn schalungslos in Spritzbeton herzustellen.[41] Daraufhin sei in einem Ministerratsbeschluss der DDR festgelegt worden, dass die PGH Bau Binz diese Bahn bauen werde. In Fachkreisen galt damals die Technik des schalungslosen Betonierens als innovativ.[42]

Die Initiative zur Anwendung des Nassspritzverfahrens bei diesem Projekt war von Müther selbst ausgegangen. Anhand einer Musterfläche hatte er festgestellt, dass seine Trockenspritzmaschine nicht leistungsstark genug war, um die Flächen in einer angemessenen Qualität herzustellen. Daraufhin erhielt Müther den Auftrag, sich um die Beschaffung einer "Hochleistungsmaschine" zu kümmern.[43] Er bekam von der zuständigen Bezirksbaudirektion Rostock eine Reisegenehmigung und besorgte – mithilfe einer Kontaktvermittlung durch den in West-Berlin lebenden Tragwerksplaner Stefan Polónyi – im hessischen Gelnhausen eine Nassspritzmaschine, mit der die Binzer Spezialisten das Tragwerk in Oberhof schließlich betonierten. Das in Oberhof praktizierte Herstellungsprinzip, zu dem neben Müthers Technologie die Erkenntnisse anderer Ingenieure in Bezug auf Statik und Aufbau der Konstruktion beitrugen, diente als Vorbild für weitere Rennschlittenbahnen im In- und Ausland.[44]

VI.

Ulrich Müthers Unternehmen war nicht das einzige, das in der DDR im Spritzbetonverfahren arbeitete. Auch andere Firmen verfügten über die notwendigen Geräte und setzten sie ein.[45]

Sein Alleinstellungsmerkmal gegenüber diesen Baufirmen war allerdings, dass Müther die Planung und Ausführung ambitionierter Schalenbauten aus einer Hand anbieten konnte. Er verfügte über umfassende Kenntnisse des internationalen Betonschalenbaus,[46] entwarf und berechnete die unterschiedlichsten Varianten, übernahm gewissermaßen die Funktion eines projektierenden Architekten und konnte den Bau mit seiner Firma auch selbst realisieren.

Seine hervorgehobene Position in der Bauwirtschaft der DDR beschrieb Müther folgendermaßen: "Die PGH Bau hat dann überwiegend die Planung und Baudurchführung des Gebäudes als Generalauftragnehmer übernommen. Wir haben also das Komplettpaket gemacht, so ähnlich wie es in Frankreich üblich ist. Dort übernehmen die Baubetriebe auch die Architektenleistung mit. Und das war an sich mein Erfolgsrezept. Jeder, der mit Müther in Binz einen Vertrag machte, bekam ein fertiges Projekt und musste nachher nicht suchen, ob irgendjemand es ausführte, sondern es wurde so ausführt. Ob das immer gut geworden ist, ist die nächste Frage, aber auf jeden Fall habe ich gebaut."[47] Als Generalauftragnehmer konnte er rationelleres Arbeiten und eine schnellere Ausführung eines Projekts gewährleisten. Es entfiel die umständliche Abstimmung zwischen den planenden und ausführenden Betrieben. So stellte Müther beispielsweise in einem Brief an den Chefredakteur der "Ostseezeitung" klar, dass bei der Rostocker Messehalle "Erdöl & Bauwesen" die kurze Bauzeit von 150 Tagen inklusive der Projektierung nur möglich gewesen sei, "weil Projektierung und Bauausführung in einer Hand" lagen, der seinen.[48]

Die Sonderstellung Müthers steigerte zudem sein überregionales Ansehen und führte dazu, dass potentielle Auftraggeber auch selbst an ihn herantraten und ihn um Zusammenarbeit baten, sodass ein Auftrag nicht immer von Müthers eigenem Engagement abhing. Dies geht beispielsweise aus einem Schreiben des Wohnungsbaukombinates (WBK) Magdeburg an Müther hervor: Die Planungsabteilung des WBK wandte sich an ihn im Rahmen eines beabsichtigten Schirmschalenprojekts für ein Neubauwohngebiet und berichtete von der erfolglosen Suche nach einem Betrieb, der bereit wäre, Schalenbauwerke herzustellen. Das WBK erbat in dem Brief Müthers Expertenmeinung in Bezug auf herstellungstechnische Details.[49] Wie bei der mit Schirmschalen überdachten Speisegaststätte "Kosmos" im Wohngebiet Magdeburg-Reform deutlich wird, kam es einige Jahre später tatsächlich zur Zusammenarbeit.

Müther war allerdings nicht in alle Betonschalenprojekte in der DDR involviert. Zum Beispiel wurde 1978 eine Sporthalle in Kienbaum mit einer Zylinderschale aus Stahlbeton überdacht, die im Trockenspritzverfahren hergestellt wurde,[50] aber in den Archivalien Müthers nicht verzeichnet ist. Allerdings arbeiteten nicht viele Baufirmen in der DDR mit Betonspritzmaschinen in derselben Weise wie die Müthers. Zudem gab es niemanden, der vom Entwurf bis zur Realisierung alle Kompetenzen beherrschte. Der von Müther geleitete Baubetrieb hatte aufgrund dieser Faktoren eine unbestrittene Sonderstellung in Bezug auf den individuell projektierten, handwerklich hergestellten Betonschalenbau im Gesellschaftsbau der DDR inne. Mit seinen Entwürfen bediente er ein Bedürfnis nach baukünstlerischer Modernität: "Für den Schalenbau war in der DDR vieles möglich. Der Staat zeigte gern Neues und war in Bezug auf Bauen nicht so konservativ"[51], erklärte Müther.

Für seine Ausnahmestellung innerhalb des Bauwesens der DDR gab es weitere Gründe: Müther war politisch nicht aktiv. Auf die Frage, wie sich "ein solcher Individualist" wie er im "Einheitsstaat" DDR behaupten konnte, sagte Müther rückblickend im Jahr 2001: "Ich war immer parteilos. Wir haben aber erfolgreich gebaut und haben interessant gebaut. Und wir haben natürlich auch den ganz großen Vorteil gehabt: Wir waren in keinem Kombinat, wir waren ja so Außenseiter. Wir saßen an der Ostsee, auf der Insel Rügen, weit ab von Berlin, Rostock, Dresden. Und wir wurden etwas gebraucht. Einmal für die Auslandsbauten, einmal auch für diese Prestigebauten hier in der ehemaligen DDR."[52]

Neben den Aspekten der geografischen Randlage seines Betriebes und der Aufmerksamkeit, die er mit seinen außergewöhnlichen Konstruktionen erregte, erwähnte Müther in einem Gespräch mit der Regisseurin Margarete Fuchs rückblickend noch einen dritten Gesichtspunkt, nämlich dass er über gutes Personal verfügt habe, über Mitarbeiter, die gern etwas Ausgefallenes planen und bauen wollten: "Ich hatte an sich den Ruf, dass man in Binz etwas Außergewöhnliches machen kann und dann sind auch sehr gute Leute gekommen. Ich hatte sehr gute Mitarbeiter auch im technischen Bereich. Zum Beispiel einen Jan Müller, Bauingenieur, der hat mich mal nach einem Vortrag an der TU Dresden angesprochen und sagte, er wolle mal was Interessantes machen, und ist dann von Berlin nach Binz gekommen und hat bei uns im Konstruktionsbüro mitgemacht. Und ich habe mir einen ganz eigenwilligen Architekten geholt aus Weimar, der mich dort angesprochen hatte und von dem Freunde gesagt haben: 'Der kann was, der würde zu deinem Team passen.' […] Und so waren wir hier eine kleine Elite-Truppe an der Ostsee. Es war immer ein kleines Kollektiv, nie groß."[53]

Die Möglichkeit, seinen Betrieb unter den Bedingungen der sozialistischen Bauwirtschaft fast wie ein Privatunternehmen führen zu können, war Müthers Erfolgsgeheimnis. Dadurch, dass er in der Provinz lebte und nicht unter ständiger staatlicher Kontrolle stand, genoss er etwas mehr Freiraum als andere Betriebe und konnte sich seine Eigenständigkeit bewahren.

Obwohl Müther nicht als der alleinige Schöpfer der Schalenarchitekturen anzusehen ist, da er bereits im Entwurfsstadium fast immer mit Architekten zusammenarbeitete, kann trotzdem durchaus von "Müther-Schalen" gesprochen werden, da er mit seinem Betrieb die Projekte üblicherweise vom Entwurf bis zur Fertigstellung hauptverantwortlich betreute und die Kontrolle von der Tragwerksplanung bis zur -ausführung beibehielt.[54] Damit hatte er eine ähnliche Stellung inne wie ein heutiges projektleitendes Architektur- oder Planungsbüro. Durch seine Spezialisierung auf die Planung, Konstruktion und Durchführung von anspruchsvollen Betonschalentragwerken konnte er mit seinem "Unternehmen" als einziger ein Bedürfnis der damaligen Baupolitik bedienen: Die DDR brauchte ihn als Spezialisten für Sonderbauten.[55] In dieser Rolle hat Ulrich Müther eine Nische gefunden und sie genutzt.
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Fußnoten

1.
Zum Imagewandel und zur Rezeption der "Müther-Schalen" vgl. Tanja Seeböck, Die Betonschalen von Ulrich Müther zwischen Ablehnung und Wertschätzung – Imagewandel und Beispiele der gesellschaftlichen Rezeption, in: Mark Escherich (Hg.), Denkmal Ost-Moderne. Aneignung und Erhaltung des baulichen Erbes der Nachkriegsmoderne, Berlin 2012, S. 226–239; vgl. auch Jan Schröder, Denkmalpflege in der Hansestadt Rostock, in: Denkmalschutz und Denkmalpflege in Hansestädten Mecklenburg-Vorpommerns, Hg. Gehring Verlagsgesellschaft, Merseburg o. J. [2003], S. 5.
2.
Ingo Schönrock, "Ulrich Müther", unveröff. Vortragsms., Putbus 20.8.2008, Sammlung Schönrock, S. 2; Klaus Stiglat (Hg.), Bauingenieure und ihr Werk, Berlin 2004, S. 258.
3.
Die Betätigungsfelder des Baubetriebes, dem Müther vorstand, erstreckten sich auf mehrere Bereiche, einer davon der Schalenbau: Ulrich Müther, persönl. Mitteilung, Transkript, Binz 28.10.2006, S. 5.
4.
Zu den verschiedenen Bauaufgaben, die Müther mit seinen Schalen bediente, vgl. Seeböck, Betonschalen (Anm. 1), S. 226; dies., Die Betonschalenbauwerke von Ulrich Müther – Werk und Rezeption, (unveröff., noch nicht verteidigte) Diss. TU Berlin 2012, S. 115f. – Die Anzahl der "Müther-Schalen" war lange nicht bekannt. Die Angabe beruht auf eigener Ermittlung und ist das Ergebnis eines im Rahmen der Diss. d. Vf. erstellten Werkverzeichnisses: ebd.
5.
Erich Kaufmann/Ulrich Müther, "Teepott" Rostock-Warnemünde, in: Deutsche Architektur 18 (1969) 3, S. 157f.
6.
Ebd.
7.
Das hyperbolische Paraboloid ist eine doppelt gekrümmte Fläche, die in entgegengesetzter Richtung gekrümmt ist, also einerseits konkav und andererseits konvex. Der Vorteil einer HP-Schale besteht darin, dass sie aus lauter Geraden gebildet wird und sich infolgedessen auch mit geraden Brettern einschalen lässt: Jürgen Joedicke (Hg.), Schalenbau. Konstruktion und Gestaltung, Stuttgart 1962, S. 27.
8.
Kaufmann/Müther (Anm. 5), S. 159.
9.
Ebd.; Jastram + Buttler Architekten, Protokoll/Aktennotiz, Rostock 7.5.2002, Amt für Kultur und Denkmalpflege Rostock, Akte 2/4, S. 1.
10.
Kaufmann/Müther (Anm. 5), S. 158.
11.
O. Vf. (Red.), Preisträger im Architekturwettbewerb, in: Deutsche Architektur 18 (1969) 9, S. 515; Gerhard Krenz, Architekturwettbewerb 1969: Schöpferische Leistungen im Wettbewerb der "deutschen architektur" ausgezeichnet, in: Deutsche Architektur 18 (1969) 10, S. 585, 587.
12.
Matthias Grünzig, Der zweite Blick: "Teepott" in Rostock-Warnemünde, in: Deutsches Architektenblatt 34 (2002) 9, S. 37; Seeböck, Betonschalen (Anm. 1), S. 230f.
13.
Matthias Grünzig, Der zweite Blick: "Teepott" in Rostock-Warnemünde, in: Deutsches Architektenblatt 34 (2002) 9, S. 37; Seeböck, Betonschalen (Anm. 1), S. 230f.
14.
Rückblickende Gespräche, die Müther ab etwa 2000, als die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit seinem Werk einsetzte, mit verschiedenen Personen, etwa Architekten, Journalisten, Regisseuren oder d. Vf. führte.
15.
Kerstin Weinstock, Ulrich Müther. Vom 'Land-Baumeister' zum Schalenbauer, in: Deutsche Bauzeitung 133 (1999) 10, S. 156f; vgl. Holger Barth, Ulrich Müther, in: Barth u.a. (Anm. 15), S. 162.
16.
Kai Michel, Nach der Utopie, in: Brand Eins, 9/2003, S. 142.
17.
Ingo Schönrock, Unternehmensgeschichte Müther, Berlin 2008, unveröff. Ms., Sammlung Schönrock.
18.
Weinstock (Anm. 15), S. 157.
19.
Stiglat (Anm. 2), S. 260; Schönrock, Unternehmensgeschichte (Anm. 17); Müther, Mitteilung (Anm. 3), S. 6.
20.
Baudatum der Rohbauten, dat.: Gertrud Schille, Raumflugplanetarium in Tripolis, in: Architektur der DDR 31 (1982) 3, S. 150.
21.
Ulrich Müther, Brief, Binz 30.12.1963, Müther-Archiv an der Hochschule Wismar (Müther-Arch), o. Sig., S. 1; Ulrich Müther, Erläuterungen zum Vorentwurf, Binz 1963, ebd., Akte Gesellschaftsraum für das "Haus der Stahlwerker", o. Sig.
22.
Müther, Mitteilung (Anm. 3), S. 2; vgl. Weinstock (Anm. 15), S. 157. – Die Idee, eine Hyparschale zu realisieren, stammt von Müthers Studienfreund, dem Architekten Ingo Schönrock (1933–2009). Schönrock riet Müther von den vorgesehenen Tonnenschalen ab und schlug ihm vor, stattdessen eine HP-Schale zu errichten, da sie dem Kenntnisstand der Technik entspräche: Schönrock, "Müther" (Anm. 2), S. 2; vgl. Müther, Mitteilung (Anm. 3), S. 2.
23.
Müther, Brief (Anm. 21).
24.
Es handelt sich hierbei aber nicht um den ersten Schalenbau bzw. Stahlbeton-Hyparschalenbau in der DDR, wie u.a. irrtümlich behaupten: Weinstock (Anm. 15), S. 157; Der Teepott Warnemünde. Kontrast zum Plattenbau, in: Forum, Hg. Rüdersdorfer Zement GmbH, 2/2003, S. 15; Rahel Lämmler/Michael Wagner, Ulrich Müther Schalenbauten in Mecklenburg-Vorpommern, Sulgen 2008, S. 40. Zu zeitlich früheren Stahlbetonschalen in der DDR zählen z.B. die 1961 in Erfurt erbaute Tankstellenüberdachung des Architekten W. Bärwolf (Manuel Sánchez Arcas, Form und Bauweise der Schalen, Berlin 1961, S. 67, 68) und die 1959–1961 errichteten Thermo-Kugellabore in Berlin-Adlershof (Bauten in Berlin Adlershof, Ein Rundgang, Hg. Wista-Management GmbH, Berlin o. J., http://www.adlershof.de/uploads/tx_psdokugalerie/bauten.pdf [17.1.2012], S. 16).
25.
Müther, Mitteilung (Anm. 3), S. 4; vgl. Stiglat (Anm. 2), S. 258.
26.
Müther, Mitteilung (Anm. 3), S. 3.
27.
Ulrich Müther, Statische Berechnung, Binz Feb. 1966, Müther-Arch, Akte HO-Gaststätte Inselparadies, o. Sig., S. 7. Die Reihenfolge der ersten vier Schalen ist nachgewiesen in: Ulrich Müther, Brief, Binz 24.5.1966, ebd., Akte Messehalle Bauwesen & Erdöl, o. Sig., S. 1.
28.
Vgl. z.B. Erich Kaufmann/Ulrich Müther, Messehalle in Rostock, in: Deutsche Architektur 15 (1966) 11, S. 676–679; o. Vf., Messehallen in Rostock, in: Deutsche Architektur 16 (1967) 8, S. 461.
29.
Müther, Mitteilung (Anm. 3), S. 4.
30.
Ebd.
31.
Joachim Näther, Protokoll, Berlin 5.9.1967, Müther-Arch, Akte "Ahornblatt" Berlin (1967), o. Sig.; Magistrat von Gross-Berlin, Brief, Berlin 5.9.1967, ebd., S. 1.
32.
Rüdiger Plaethe, Gesellschaftliches Zentrum Fischerinsel, in: Deutsche Architektur 22 (1973) 22, S. 726.
33.
Joachim Näther, Planung und Gestaltung des Wohngebietes Fischerkietz, in: Deutsche Architektur 16 (1967) 1, S. 55.
34.
Plaethe (Anm. 32), 726.
35.
Datierung des Schalenrohbaus: PGH Binz, Schreiben an VE WBK Berlin, 28.12.1970, Müther-Arch, Akte "Ahornblatt" Berlin (1969–1971), o. Sig., S. 1; Plaethe (Anm. 32), 726.
36.
Vgl. Seeböck, Betonschalen (Anm. 1), S. 229f.
37.
Vgl. Seeböck, Betonschalenbauwerke (Anm. 4), S. 6–8, 228–254 u. 254–290.
38.
Zur innovativen Anwendung des Spritzbetonverfahrens bei Müther vgl. ebd., S. 132–134.
39.
Stiglat (Anm. 2), S. 258f; Erich Kaufmann/Ulrich Müther, Mehrzweckhalle in Rostock-Lütten Klein, in: Deutsche Architektur 18 (1969) 2, S. 81.
40.
Lutz Grünke u.a., 15 Jahre Spezialbetonbau in der DDR 1963–1978, Loseblattsammlung, Binz 1978, Müther-Arch, o. Sig., Bl. Rennschlittenbahn Oberhof.
41.
Müther, Mitteilung (Anm. 3), S. 5.
42.
Wolfgang Möbius u.a., Rennschlittenbahn in Oberhof, in: Deutsche Architektur 21 (1972) 9, S. 543.
43.
Müther, Mitteilung (Anm. 3), S. 4f. Das Folgende ebd.
44.
Highlights im Eiskanal. Oberhof/Thüringen 1999–2000, Hg. Thüringer Schlitten- und Bobsportverband e. V., Oberhof 1999, S. 29.
45.
Nach Auskunft eines Mitarbeiters Müthers, des Bauingenieurs und Bauleiters Kurt Dabels, sei das Spritzbetonverfahren von verschiedenen Betrieben in der DDR zwar nicht im Schalenbau, jedoch für andere Betonarbeiten eingesetzt worden, z.B. im Tiefbau: Kurt Dabels, persönl. Mitteilung, Transkript, Altenkirchen 12.9.2010, S. 4.
46.
Müther gehörte der Internationalen Vereinigung für Schalen- und Raumtragwerke (IASS, International Association for Shell and Spatial Structures) an und stand im Austausch mit deren Experten: Helmut Graumann (Hg.), Persönlichkeiten aus Mecklenburg und Pommern, Schwerin 2001, S. 89; Katinka Corts, Müthers Freilichtmuseum, in: tec21 132 (2006) 22, S. 7; Müther, Mitteilung (Anm. 3), S. 6.
47.
Ebd., S. 1.
48.
Müther, Brief, 24.5.1966 (Anm. 27), S. 1.
49.
VEB WBK Magdeburg, Brief, Halberstadt 2.2.1968, Müther-Arch, Akte Hyparschalenkonstruktion "Rotes Horn", o. Sig., S. 1f.
50.
Frieder Siebert/Hans Fritsche, Bauen in der DDR, Berlin 2006, S. 185f.
51.
Müther, zit.: Corts (Anm. 46), S. 7.
52.
Beatrice Schaechterle, Ulrich Müther – ein Baumeister auf Rügen. Dokumentation über einen eigensinnigen Baumeister aus der DDR, dessen Solitäre aus Beton heute dem Verfall preisgegeben sind. Dokumentarfilm, Erstausstrahlung: N3/Radio Bremen 10.11.2001.
53.
Margarete Fuchs, Filmrohmaterial für den Film "Für den Schwung sind Sie zuständig", DV-Mini, Nr. 9, Protokoll d. Vf., S. 7. – Wen Müther mit dem Architekten aus Weimar meinte, ist ungeklärt: vgl. Dietrich Otto, persönl. Mitteilung, 13.9.2012; Martin Haase, dass., 20.9.2012.
54.
Die Frage nach dem jeweiligen Anteil Müthers am gestalterischen Entwurf der Schalenform ist strittig und ungeklärt. Sie beschäftigte bereits mehrere Autoren, z.B. Jörn Düwel oder Wilfried Dechau, und ist keinesfalls pauschal zu beantworten. Dabei widersprechen sich die Aussagen der damals Beteiligten in mancher Hinsicht. Zur Urheberschaft der architektonischen Form der Schalen und Müthers Anteil vgl. Seeböck, Betonschalenbauwerke (Anm. 4), S. 187–196.
55.
Zu Müthers Position im Bauwesen der DDR vgl. ebd., S. 170–178.

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