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29.11.2012 | Von:
Tobias Michael Wolf

Bautyp DDR-Warenhaus?

Deutsche Warenhausarchitektur der Nachkriegszeit im Vergleich

Warenhäuser prägten die Innenstädte in Ost und West. Der Vergleich von Bauten dieser Gattung in der Bundesrepublik Deutschland und in der DDR für die Zeit zwischen 1949 und 1989 zeigt Einflüsse, Entwicklungslinien und Gegensätze auf und macht den Wert dieser architektonischen Zeugnisse deutlich.

Die Architekturgeschichte hat sich im vergangenen Jahrzehnt in Europa verstärkt der Erforschung der Bauten der Nachkriegszeit und dem Umgang mit diesen Zeugnissen gewidmet.[1] Dabei gerieten neben Monografien zu prägenden Architekten besonders unterschiedliche Bauperioden oder -gattungen ins Blickfeld der Forscher. Erstaunlicherweise unterblieb ein Vergleich von Bauten bestimmter Typen, der den gesamten Zeitraum vor dem Hintergrund des die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts prägenden Ost-West-Gegensatzes umfasst.[2]

Erste Ansätze für eine Gegenüberstellung lieferte Ralf Lange mit der Veröffentlichung des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz zu Architektur und Städtebau der 1960er-Jahre.[3] In jüngster Zeit hat die Arbeitsgruppe Inventarisation der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland mit einer Veröffentlichung zu Verwaltungsbauten der 1960er-Jahre für die Erforschung und Dokumentation von Bautypen Neuland beschritten.[4]

Ein entsprechender Ansatz bietet sich nach Abschluss der Untersuchungen zur Entwicklungsgeschichte der DDR-Warenhausarchitektur auch für diese Baugattung im Ost-West-Vergleich an, um Einflüsse, Entwicklungslinien und Gegensätze aufzuzeigen.[5] Dem hat Wolfgang Pehnt in seinem jüngsten Werk zur Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts gleichsam vorgegriffen, wo es heißt: "Vom Warenhaus, diesem Hort des Kapitalismus, unterschied sich die gleichartige Versorgungseinrichtung im Arbeiter- und Bauernstaat zwar im Angebot […], doch kaum in der äußeren Gestalt. Nach übereinstimmender Meinung der Manager hüben wie drüben hatte ein modernes Kaufhaus ohne Tageslicht auszukommen. […] Curtain Walls aus Glas und Metall wurden durch gitterförmige Dekorfassaden ersetzt, bei Horten und Hertie wie bei Centrum und Konsument."[6] Diese sehr pauschale Aussage gilt es im Folgenden zu prüfen.[7]

I.

Die Bauaufgabe Warenhaus entstand in Europa ab der Mitte des 19. Jahrhunderts aus den bereits rund ein Jahrhundert zuvor in Paris bekannten Passagen.[8] Anstelle mehrerer kleiner Geschäfte innerhalb eines Gebäudes trat dabei ein großes Geschäftshaus, das unterschiedliche Warengruppen in einem Laden vereinte. Der Siegeszug der Kaufhäuser setzte sich in Nordamerika und Europa mit einem Höhepunkt um 1900 fort. In Deutschland sind die Neubauten dieser Zeit, die sich zumeist um Lichthöfe gruppierten, mit Architekten wie Alfred Messel für die Berliner Wertheim-Bauten verknüpft. Eine neue Blüte erreichte diese Bauaufgabe mit dem Wirtschaftsaufschwung der 1920er-Jahre. Die Grundrisse wurden nun teilweise unter Verzicht auf die Lichthöfe zu großen Flächen zusammengefasst, während für die Fassaden unterschiedliche Lösungen vom Fensterband bis hin zur Rasterfassade Anwendung fanden, verbunden mit bedeutenden Architekten dieser Zeit wie Erich Mendelsohn, Bruno Paul oder dem Schüler Joseph Maria Olbrichs, Philipp Schaefer.

Mit der Regierungsübernahme durch die Nationalsozialisten in einzelnen deutschen Ländern ab 1930 setzten zusätzlich zur Weltwirtschaftskrise erste Restriktionsmaßnahmen gegen die Warenhauskonzerne in Form erhöhter Steuern ein.[9] Die "Machtergreifung" auf Reichsebene im Januar 1933 bedeutete für die Firmen einen weiteren herben Schlag. Das 1920 durch Adolf Hitler verkündete Parteiprogramm der NSDAP hatte von Anbeginn an in dem Punkt 16, der auf den Mittelstand abzielte, eine Zerschlagung und Kommunalisierung der Warenhäuser zum Schutz des angeblich "arischen" Einzelhandels vorgesehen. Die jüdischen Unternehmen waren nach vorherigen gewaltsamen Aktionen im März 1933 unmittelbar nach der Reichstagswahl von organisierten Boykottmaßnahmen betroffen. Im Juli 1934 folgte die Einführung einer Konzessionspflicht für alle Warenhäuser, die mit einer Veränderungssperre für die Bauten verbunden war. In den folgenden Jahren wurden die jüdischen Eigentümerfamilien durch massiven Druck zum Verkauf gezwungen, die Warenhäuser "arisiert". Die vollkommene Abwicklung der Warenhäuser unterblieb allerdings aus Gründen der Warenversorgung – insbesondere während des Zweiten Weltkriegs.

II.

Als richtungsweisend für die folgende Entwicklung der Warenhausarchitektur in Europa nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kann der Entwurf Willem Marinus Dudoks von 1942 für den Wiederaufbau des Warenhauses Bijenkorf in Rotterdam angesehen werden, das zwei Jahre zuvor durch deutsche Luftangriffe fast vollständig zerstört worden war.[10] Hier wurde erstmals in Europa die Gestaltung der Warenhausfassade als geschlossene Fläche vorgeschlagen, die mit einem Rautenmuster überzogen sein sollte. Damit konnten die dahinterliegenden Verkaufsflächen flexibel eingeteilt werden.

In Deutschland orientierte sich die Warenhausarchitektur der direkten Nachkriegszeit in West und Ost zunächst vor allem an den Vorbildern der Zeit vor 1933.[11] Allerdings boten besonders die Handelsbauten im städtischen Kontext vielfältige Möglichkeiten für die Übernahme internationaler moderner Tendenzen und die Entwicklung neuer Visionen. Vielfach wurden Bauten der Moderne wiederhergestellt. Auch in der DDR wurden Ruinen wiederaufgebaut, wie etwa an der Wilsdruffer Straße in Dresden, oder ältere Gebäude modernisierend überformt. Das Bauen lag zunächst noch in der Regie privater Bauherrn und der bereits im Dezember 1945 mit sowjetischer Erlaubnis wiederbegründeten Konsumgenossenschaften,
Rostock, HO-WarenhausRostock, HO-Warenhaus, erster Bauabschnitt (Kollektiv Ferdinand Gerlach), August 1952 (© Bundesarchiv, Bild 183-15878-0001; ADN-ZB)
dann ab Dezember 1948 auch durch die neugegründete staatliche Handelsorganisation HO, die zunehmend die Tätigkeit des privaten Einzelhandels erschwerte.

Signifikant für die sachliche Linie war der Warenhausneubau in Rostock, der als erster Bauabschnitt des dortigen Hauses der HO im August 1952 an der Breiten Straße eröffnet wurde. Eine Zäsur bedeutete für den zweiten, 1957 fertiggestellten Bauabschnitt an der Magistrale "Lange Straße" die Hinwendung zu den "Nationalen Bautraditionen", die von der sowjetischen Besatzungsmacht unter anderem über die Staatspartei SED ab 1950/51 durchgesetzt worden war.[12]

Für jede der Aufbaustädte wurde eine spezifische historische Bezugsebene für Stilanleihen gewählt, so für Dresden der Barockstil, für Neubrandenburg die Renaissance und für
HO-Warenhaus in RostockRostock, HO-Warenhaus, zweiter Bauabschnitt (Kollektiv Heinz Lösler), Dezember 1956 (© Bundesarchiv, Bild 183-40084-0001; ADN-ZB)
Rostock die Backsteingotik. Dabei wurden klassizistische Formalisierungen im Sinne der stalinistischen Kulturtheorie und die Einbindung in einen repräsentativen, teilweise monumentalen Städtebau angestrebt. Die in dieser Zeit für die staatliche HO errichteten Warenhäuser mussten sich den städtebaulichen Vorgaben unterordnen und treten daher nicht markant als Einzelgebäude in Erscheinung. Gemäß dieser Haltung fügt sich das von Alexander Künzer entworfene und 1956 fertiggestellte Kaufhaus an der Nordwestecke des Dresdner Altmarkts bruchlos in die reiche Platzarchitektur von Johannes Rascher und Herbert Schneider ein.

Der neuerliche Schwenk der gestalterischen Vorgaben nach Stalins Tod und der Rede Nikita Chruschtschows auf der Allunionskonferenz der Bauschaffenden in Moskau 1953 brachte mit einigen Jahren Verzögerung die erneute Hinwendung zur Moderne. Auf dem Gebiet der Warenhausarchitektur wird dies insbesondere am damals geplanten Kaufhaus in Neubrandenburg deutlich, dessen Gestaltung von einem Bau der nordischen Renaissance mit Volutengiebeln schrittweise zu einer Rasterfassade in strengen Formen reduziert wurde.

Gleichzeitig entstanden in der Bundesrepublik Deutschland innovative Neubauten. In enger Anlehnung an Willem Marinus Dudoks Warenhausentwurf für Rotterdam von 1942 erfolgte mit dem Bilka-Kaufhaus an der Joachimsthaler Straße in Berlin-Charlottenburg von Hanns Dustmann 1955/56 bis 1958 die Erstellung eines nach außen hin abgeschlossenen Baukörpers, der von Kritikern auch als "Warenhauskiste" rezipiert wurde.[13] In städtebaulich markanter Position wurde hier unweit des Bahnhofs Zoologischer Garten im Zentrum von West-Berlin ein Kubus mit rautenförmiger Fassade geschaffen, der von einer Kuppel überhöht wird. Wie verbreitet die neue Form zu dieser Zeit bereits in Architektenkreisen war, zeigt auch der prämierte Entwurf Ernst Mays für die Gestaltung der Umgebung des Fennpfuhls in Berlin-Lichtenberg im ersten gesamtdeutschen Architekturwettbewerb 1956/57.[14] Er schlug für das Kaufhaus im Bezirkszentrum einen kubischen Baukörper mit gewölbtem Dach vor.

Ein wesentliches gestalterisches Problem dieser fast hermetisch abgeschlossenen Warenhauskuben stellte der Umgang mit den Fassaden dar. An die Stelle von Natur- und Kunststeinverkleidungen, in die Fensteröffnungen eingeschnitten werden konnten, trat durch die Architekten Harald Loebermann und Helmut Rhode 1958 die Netzfassade aus Kunststein, hinter der alle Öffnungen der Obergeschosse verschwinden konnten. Der Fassadenentwurf des Duisburger Merkur-Warenhauses von Helmut Rhode, einem der Protagonisten des westdeutschen Warenhausbaus der Nachkriegsjahre, lieferte für andere das Vorbild.[15] So schuf Egon Eiermann nur wenig später mit den Horten-Häusern in Stuttgart und Heidelberg vergleichbare Lösungen.[16] Ab der Mitte der 1960er-Jahre wurde dann eine von Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg 1962 für das Warenhaus in Neuss entworfene Form unter dem Begriff "Horten-Fassade" zum Signet des Konzerns, wobei für die Ausführung sowohl keramische Werkstoffe als auch Leichtmetall verwendet wurden.

III.

Für die DDR ist für die Mitte der 1960er-Jahre im Warenhausbereich ein deutlicher Umbruch nachweisbar. Dieser Einschnitt basierte auf mehreren parallelen Prozessen. Zum Ersten wäre hier die Reorganisation und Zentralisierung des Warenhaushandels vor dem Hintergrund der ökonomisch ausgerichteten Wirtschaftsreform (Neues Ökonomisches System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft/NÖS) zu nennen. Hinzu kam die Auswertung der seit Anfang der 1960er-Jahre eingeführten Funktionsablaufuntersuchung der Warenhäuser im Vergleich zum ost- und westeuropäischen Ausland, die als Grundlage der Neuerungen im Warenhausbau angesehen werden kann. Vorgesehen war zudem die zentrale Projektierung aller Bauten dieses Typs durch den Volkseigenen Betrieb (VEB) Leipzigprojekt.

Zum Jahresbeginn 1965 wurden die volkseigenen HO-Warenhäuser durch Beschluss des Zentralkomitees der SED und des Ministerrates der DDR zur Vereinigung volkseigener Warenhäuser "CENTRUM" mit Sitz in Leipzig zusammengeschlossen. Sie unterstand direkt dem Ministerium für Handel und Versorgung der DDR.[17] Gleichzeitig erging an den 1949 gegründeten Verband deutscher Konsumgenossenschaften seitens des Ministeriums für Handel und Versorgung die Empfehlung, ebenfalls eine einheitliche Struktur für die Konsumwarenhäuser zu schaffen.[18] Dies wurde zum Jahresbeginn durch Bildung des Zentralen Unternehmens (ZU) "konsument" mit Sitz in Karl-Marx-Stadt vollzogen. Mit dieser Zentralisierung des Warenhaushandels ging der Beschluss für ein Warenhausneubauprogramm einher.[19]

Der mit den Neubauplanungen für beide Ketten betraute VEB Leipzigprojekt zeichnete für die ersten drei Neubauten in Cottbus, Hoyerswerda und Schwedt sowie einen herausragenden Umbau des Warenhauses am Brühl in Leipzig verantwortlich. Diese ersten Bauten stellten Experimente dar, mit denen die Entwicklung eines typisierten Warenhauses auf Grundlage bestehender Bausysteme vorangetrieben werden sollte.

Allerdings konnten die damals bereits bestehenden Typisierungstendenzen im Rahmen des industrialisierten Bauwesens für den Warenhaussektor vor dem Hintergrund der bezirksgeleiteten Stadtplanungen nicht wirksam werden. Hatte es mit dem Leipziger Büro zunächst noch einen zentralen Projektierungsbetrieb für Warenhäuser gegeben, so wurde das Bauwesen in der DDR ab 1967 im Rahmen seiner Industrialisierung dezentral in bezirksgeleitete Baukombinate umgegliedert.[20] Da gleichzeitig zu wenige Warenhäuser je Bezirk geplant waren und die Rahmenbedingungen durch lokale städtebauliche Vorgaben abwichen, war keine Typenprojektierung möglich, wie sie etwa für Wohnbauten und Schulen seit den 1960er-Jahren funktionierte. In allen Bereichen des Bauens entstanden bezirksweise unterschiedliche Lösungen, beispielsweise bei Garagen und der Wohnungsbauserie 70. 1971 erfolgte im Warenhausbereich durch die VVW CENTRUM eine Festlegung auf einen Prototyp für große Warenhäuser mit 10.000 Quadratmeter Verkaufsfläche: Es handelte sich um das CENTRUM-Warenhaus für die Prager Straße in Dresden, das durch den ungarischen Projektierungsbetrieb AETV Budapest entworfen wurde. Die Wiederverwendung des Entwurfs in Jena und Erfurt scheiterte an der verzögerten Ausführung und der geänderten Wirtschaftspolitik unter der Führung Erich Honeckers.

Prägend für die Zeit des Warenhausbauprogramms war die Hinwendung zur bereits oben so genannten "Warenhauskiste", einem weitgehend fensterlosen Kubus mit ausgedehntem Rechteckgrundriss und großen Spannweiten. Dies setzte den Einsatz moderner Haustechnik voraus und bot den Vorteil flexibel nutzbarer Verkaufsflächen im Innern bei Ausschaltung störender äußerer Faktoren. Der Übernahme der geschlossenen Warenhausbox als Bauform für die Warenhäuser von CENTRUM und konsument in der DDR ging die Entwicklung dieser Bauform in Westeuropa und besonders der Bundesrepublik Deutschland in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre voraus. Dass die dortigen Bauten von den Verantwortlichen in der DDR durch Publikationen und/oder persönliche Betrachtung rezipiert wurden, ist anzunehmen. So weist eine Studie für den Umbau des Warenhauses am Leipziger Brühl von 1961 auf die Tendenz zur Ausführung geschlossener Fassaden hin.[21] Dem Beitrag ist eine Broschüre des westdeutschen Aluminiumverbandes beigegeben. In den Archivbeständen der VVW CENTRUM ist für 1966 die Reise einer Expertengruppe in die Bundesrepublik dokumentiert.[22] Eine Forschungsarbeit widmet sich aber erst 1969 dem Thema.[23] Gleiches gilt für einen Ost-West-Vergleich durch das Ministerium für Handel und Versorgung der DDR.[24]

Allerdings wurden bereits 1965 für die Warenhäuser in Hoyerswerda, Cottbus und Leipzig durch den VEB Leipzigprojekt geschlossene Fassaden entworfen. Auch die Aufgabenstellung für das CENTRUM-Warenhaus am Berliner Alexanderplatz von 1966 zeigt die Planung einer geschlossenen Netzfassade.

Der Architekt Josef Kaiser legte 1967 in der Zeitschrift "Deutsche Architektur" seine Überlegungen zur Gestaltung ausführlich dar.[25] In Verknüpfung der Nutzeranforderungen an möglichst geschlossene Außenwände zur flexiblen Gestaltung des Inneren mit den Auflagen des Brandschutzes hinsichtlich Belüftung und Platzierung der Fluchtwege sowie den gestalterischen Überlegungen für eine einheitliche Fassadenausführung ergab sich daraus die Ausführung einer vorgehängten Netzfassade aus Metall. Hinter dieser konnten Fluchtbalkons angeordnet, aber auch die notwendigen Öffnungen verdeckt untergebracht werden. Von diesem Zeitpunkt an wurden alle geplanten Warenhausneubauten mit nicht durchsichtigen Vorhangfassaden projektiert.

IV.

In der Bundesrepublik wurden für die Warenhausbauten aufgrund der angestrebten großen Stützweiten Stahlbeton- oder Stahlkonstruktionen angewandt.[26] Die quadratischen Stützenraster variierten zwischen 9,6 und zwölf Metern. In der DDR wurden ebenfalls unterschiedliche Bauweisen erprobt. Die ersten Warenhausneubauten in Cottbus und Hoyerswerda basierten auf der normierten Stahlbetonskelett-Montagebauweise SK Berlin mit Stützrastern von sechs auf zwölf Metern.[27] Für die Wände kam das nichttragende System mit einem Maximalgewicht von zwei Megapond zur Anwendung. In Suhl konnte durch die Weiterentwicklung der Montagebauweise mittels eines Unterzugs ein Raster von zwölf Metern erreicht werden.

Am Berliner Alexanderplatz kam eine andere Lösung zur Ausführung. Die monolithische Stahlbetonkonstruktion erhielt ein Stützenraster von 12,20 auf 12,90 Metern Achsmaß mit Unterzügen in Nord-Süd-Richtung. Als Aussteifung dienten die beiden Treppenhäuser. Vier Dehnfugen verliefen diagonal durch das Gebäude. Der Vorteil dieser Lösung lag in der Verwendung vorgefertigter und wieder verwendbarer Schalungen. In Schwedt wurde ein Neun-Meter-Raster in Form von Geschossrahmen als individuelle Lösung in monolithischem Stahlbeton ausgeführt. Dabei wich man von der Vorgabe des Ministeriums für Bauwesen und der Deutschen Bauakademie zur Verwendung des Systems SK Berlin ab. Als Begründung wurde die angestrebte geringere Verkaufsraumfläche angegeben, die ein kleineres Stützenraster erforderte. Dies entsprach ausdrücklich nicht den 1964 erarbeiteten und seit Anfang des Folgejahres verbindlichen "Grundsätzen der baulich-funktionellen Gestaltung neuer Warenhäuser", die ein größeres Raster forderten und bereits die in Hoyerswerda und Cottbus aufgrund der technischen Möglichkeiten gewählte Form als Ausnahme ansahen.[28]

Erst der Magdeburger Bau mit seinem für die DDR einmaligen Stahlskelett erreichte wieder die Vorgaben hinsichtlich des Rasters, verursachte dabei aber so große Probleme im Bereich des Korrosions- und Brandschutzes, dass die Bauweise für den Warenhausneubau wenig interessant wurde.

Einen Lösungsansatz stellte das bereits oben erwähnte Dresdner Warenhaus dar. Hier wurde die Deckenkonstruktion als gewölbte Kappe in der Form eines Rotationsparaboloids ausgebildet. Dadurch wirkte die Deckenkonstruktion selbst als Aussteifung, was die bisher notwendigen Unterzüge überflüssig machte und damit Konstruktionshöhe einzusparen half. Diese Neuerung basierte auf den neuen leistungsstärkeren Datenverarbeitungssystemen, die erstmals solche Berechnungen zuließen. Das Manko des Dresdner Systems lag allerdings in der Anlage der vertikalen Erschließungen am Rand des Gebäudes, die durch die Konstruktion bedingt war. Da diese als nachteilig empfunden wurde, bestanden in den 1970er-Jahren Bestrebungen der Warenhausunternehmen zur Entwicklung von zwei neuen Typenprojekten für große und kleine Warenhäuser, die anhand der damals geplanten Bauten in Schwerin und an der Leninallee in Berlin konzipiert werden sollten.

V.

Die städtebauliche Positionierung der Warenhäuser war in der Bundesrepublik überwiegend durch die Einbindung in das städtebauliche Gefüge der Vorkriegszeit geprägt. Zudem kam es nicht zu durchgreifenden Veränderungen, weil das Privateigentum weitestgehend erhalten blieb. In der DDR wuchs die Bedeutung der Warenhäuser zusammen mit deren neuer herausgehobenen Stellung innerhalb des Handelsnetzes. Obwohl 1964 nur sehr grob umrissene Vorgaben für die Standortwahl vorlagen, die lediglich eine Platzierung in den Innenstädten und unter Berücksichtigung der überörtlichen Bedeutung die Verkehrsanbindung und Parkmöglichkeiten forderten, ergab sich in den einzelnen Orten ein klarer Rangzuwachs. Die Bauaufgabe rückte als "Gesellschaftsbau" für wenige Jahre unter die wichtigsten Bauaufgaben im sozialistischen Staat auf.[29] Ideologisch waren Warenhäuser weit mehr als Gebäude für den Verkauf von Waren. Sie rangierten im Schnittpunkt von Handelsfunktion, industrieller Fertigung, Stadtplanung und Bauwesen als idealtypische Verkörperung der Staatswirtschaft der DDR. Vielfach bildete die Errichtung der Warenhäuser den Auftakt zur sozialistischen Umgestaltung der Stadtzentren. Dabei nahmen die Bauten städtebaulich markante und zentrale Punkte ein, an zentralen Plätzen oder Gelenk- und Akzentpunkten wichtiger städtebaulicher Achsen. Dementsprechend wirkte die Verteilung der Bauten im Stadtensemble auch monumentaler. Dazu trug wesentlich die Fassadengestaltung bei.

In der Bundesrepublik fanden, wie schon dargelegt, unterschiedlichste Fassadengestaltungen Anwendung, die sich mit Ausnahme der Netzfassaden durch eine Weiterführung der Konzepte der 1920er-Jahre auszeichneten.[30] So kamen Lochfassaden und Curtain-Walls zum Einsatz. Die Firma Kaufhof ließ durch die hauseigene Bauabteilung unter Leitung von Herman Wunderlich Vorhangfassaden aus Aluminium mit grünen Glasfüllungen ausführen, während für die zur Firma Horten gehörenden Bauten die Netzfassade als einheitliches Erscheinungsbild verbindlich war. Am wenigsten festgelegt waren die Firmen Hertie und Karstadt, die sowohl Band- als auch Lochfassaden ausführen ließen.

Centrum-Warenhaus in MagdeburgMagdeburg, CENTRUM-Warenhaus (Kollektiv Karl-Ernst und Anne-Monika Zorn), 1970–1973 (© Bundesarchiv, Bild 183-M1202-010; Foto: Manfred Siebahn)
In der DDR wurde die Gestaltung der Fassaden in den 1960er-Jahren eng mit den städtebaulichen Vorstellungen verknüpft. So fand stets eine Abstimmung mit den Stadtarchitekten statt, um den Bauten die ihnen zugedachte Rolle innerhalb der sozialistischen Stadtzentren zuweisen zu können. Jede Fassade wurde individuell für das Haus und seine städtebauliche Situation entworfen, zumeist durch bildende Künstler.[31] Zu beachten war lediglich die Umsetzbarkeit und die Einhaltung der Kosten. Zudem sollten wartungsarme, langlebige Gebäudehüllen geschaffen werden. Alle ausgeführten Fassaden und auch das detailliert ausgearbeitete Projekt für den Neubau in Halle-Neustadt folgten der Idee, im Sinne der städtebaulichen Betonung der kubischen Baukörper, plastische, einheitlich wirkende und zusammenfassende Fassadengestaltungen zu schaffen. Dies wurde in Suhl, Berlin, Magdeburg und Halle-Neustadt durch vorgehängte Netze aus Leichtmetall realisiert.
CENTRUM-Warenhaus in DresdenDresden, CENTRUM-Warenhaus (Entwurf Kollektiv Ferenc Simon und Ivan Fokvari, Ausführungsplan und Bauleitung Werner Wunderwald) 1969–1978 (© Bundesarchiv, Bild 183-1982-0721-017; Foto: Ulrich Häßler)
Bei den übrigen Bauten kamen geschlossene Vorhangfassaden aus Beton mit Weißzementzuschlag wie in Cottbus oder eloxiertem Aluminium zur Ausführung. Im Verwaltungsgeschoss wurden Fensterbänder angeordnet. Nur in Dresden wurde die einheitliche, stark plastische, geschlossene Hülle über alle Obergeschosse gezogen. Die notwendige Belichtung der Verwaltungsräume konnte hier in Lichthöfen untergebracht werden.

Die expressiven Strukturen der plastisch gestalteten Fassaden markieren die Grenze der Kunstgattungen Architektur und Plastik. Nur für die ersten Bauten nach 1965 sind die Namen der Entwerfenden überliefert – für Leipzig, Cottbus und Hoyerswerda war Harry Müller aus Leipzig beauftragt, für Suhl Fritz Kühn und für Schwedt dessen Sohn Achim. Die Vergabe der Aufträge für die Fassadengestaltungen erfolgte durch direkte Kontaktaufnahme des Projektierungsbetriebs mit den Gestaltern.[32]
konsument-Warenhaus am Leipziger BrühlLeipzig, konsument-Warenhaus (Kollektiv Günter Walther, Siegfried Kurth, Peter Dick, M. Böhme und E. Winzer, Fassade von Harry Müller), 1966–1968 (© Bundesarchiv, Bild 183-G0823-0205-001; Foto: Wolfgang Kluge)
Ohne Einbindung in den baulichen Entwurfsprozess erhielten diese Pläne und Ansichten der Warenhäuser, wobei die zu gestaltenden Flächen weiß belassen waren. Diese Vergabepraxis lässt sich auf den durch das industrialisierte Bauwesen veränderten Entwurfsprozess und die damit verbundene Entwicklung des Architekten vom Baukünstler zum Projektanten zurückführen. Für die planenden Ingenieure standen Konstruktion und funktionale Aspekte sowie die Einhaltung von Normen bei den Warenhausfassaden im Vordergrund. Die Gestaltung blieb den Künstlern überlassen, wobei offenkundig im Sinne der funktionalistischen Architektur eine moderne serielle Gestaltung gewünscht war.



VI.

Städtebaulich unterschieden sich die Bauten der 1950er- und frühen 60er-Jahre in Ost- und Westdeutschland deutlich voneinander. Während in der Bundesrepublik oftmals kompromisslos moderne Solitäre entstanden, die ihre Funktion im Stadtbild anzeigten, war das Bauen in der DDR vom Wechsel politischer Leitbilder geprägt. Bis 1957 ordneten sich dort die Warenhäuser in die nach traditionalistischen Idealen gestalteten Ensembles ein. Erst in der Folgezeit sind wieder starke Parallelen zur westlichen Entwicklung erkennbar. Rücksichtloses Implantieren der Kaufhauskomplexe in die Innenstadtbereiche führte aber in der Bundesrepublik auch zu umfassenden Protestbewegungen, die ein Umdenken einleiteten.

Beginnend mit dem Karstadt-Warenhaus in der Altstadt von Celle, das ab 1965 nach Entwurf von Walter Brune errichtet wurde, strebte man nun eine verstärkte Einfügung in bestehende Stadtstrukturen an.[33] In den 1970er-Jahren verstärkte sich diese Tendenz der Einbindung in das umgebende Stadtgefüge und der Anpassung an den Baubestand.[34] Dies äußerte sich in der differenzierteren Gestaltung der Gebäudekubaturen von der Dachlandschaft bis hin zu gegliederten, kleinteiligeren Fassaden. Konstruktiv bildeten sich je nach Unternehmen unterschiedliche Typen heraus, denen lediglich die Konstruktion als monolithischer Stahlbetonbau gemein war.

Eindrucksvoll dokumentiert das Horten-Haus in Regensburg, das von der ersten Planung bis zur Fertigstellung 1973 13 Jahre brauchte, den Wandel der städtebaulichen Anforderungen an Warenhäuser.[35] Im Gegensatz zum ersten Entwurf wurde hier ein historisches Gebäude, die klassizistische Alte Wache, wenn auch als Fragment, integriert und die umgebende Gestaltung unter weitgehendem Verzicht auf die Horten-Fassade kleinteilig gestaltet. Einen weiteren Schritt zur städtebaulichen Einfügung ging der Karlsruher Architekt Heinz Mohl mit dem 1973 begonnenen Kaufhaus Schneider in der Altstadt von Freiburg im Breisgau in unmittelbarer Nähe zum Münster.[36] Der Neubau an der Schwelle vom Brutalismus zur Postmoderne nahm prägende Elemente der Altstadtarchitektur wie die Traufständigkeit der geneigten Dächer auf und gruppierte diese Formen mit schlichten modernen Fassaden zu einem stimmigen Bau.

Im Zuge der allgemeinen Denkmalbegeisterung in der Folge des Europäischen Denkmalschutzjahres 1975 entstanden schließlich in den späten 1970er-Jahren in Würzburg und Nürnberg zwei Warenhäuser, die nach außen nur noch reine Kulissenarchitekturen zeigten und damit ihre Funktion für den Betrachter unsichtbar machten.[37] In den 1980er-Jahren erhöhte sich der Wettbewerbsdruck auf die Warenhäuser durch neue Einkaufszentren in den Zwischenstädten und Stadtzentren. Daher mussten die Warenhäuser versuchen, ihre Attraktivität durch originelle Architektur und neue Verkaufskonzepte im Sinne einer "Erlebniswelt" zu steigern. Die Fassaden wollten nun an die Glanzzeit der Warenhäuser in den Jahren nach 1900 und in den 1920ern anknüpfen. Im Innern kam erstmals als Zitat des klassischen Atriums und der Lichthöfe der historischen Warenhausarchitektur ein zentraler Erschließungskern mit Rolltreppen zur Ausführung.

In der DDR besetzten die Bauten auch in den ausgehenden 1960er- und 70er-Jahren stadtbildprägende Positionen.[38] Einen Einschnitt bedeutete hier erst die unter Erich Honecker ab 1971 vollzogene Wirtschaftsreform unter dem Schlagwort der "Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik".[39] Dadurch wurde der Wohnungsbau forciert, die Gesellschaftsbauten mit wenigen Ausnahmen zurückgestellt. Insbesondere der Warenhaussektor war davon betroffen. Das 1970 begonnene CENTRUM-Warenhaus in Magdeburg, dessen Planung inklusive der Fassadengestaltung in den Händen des Architektenehepaares Karl-Ernst und Anne-Monika Zorn vom VEB Wohnungsbaukombinat Magdeburg lag, konnte bis 1973 ausgeführt werden.[40] Das im Bau befindliche CENTRUM-Haus an der Prager Straße in Dresden wurde nach Bauunterbrechung ab 1970 erst ab 1973 auf massiven Druck der SED-Bezirksleitung durch den VEB Dresdenprojekt unter Leitung von Werner Wunderwald fertiggebaut und konnte 1978 seiner Bestimmung übergeben werden.[41] In der Folgezeit wurden nur noch zwei klassische Warenhäuser neu errichtet – beide in Ost-Berlin, der "Hauptstadt der DDR".

Der staatliche Prestigebau CENTRUM in Friedrichshain, gegenüber dem Ostbahnhof, wurde durch den schwedischen Baubetrieb SIAB Byggen aus Stockholm entworfen und fällt durch seine mit verschiedenfarbigen Mosaiken aus italienischem Glas verkleideten Fassaden auf.[42] Im Innern wurde der Versuch unternommen, westeuropäische Verkaufsmodelle im Stil von Einzelboutiquen mit einem Verkaufssystem der Firma Umdasch aus Österreich umzusetzen. Das kleinere konsument-Warenhaus im Wohngebietszentrum am Fennpfuhl in Lichtenberg wurde als Typenprojekt für kleine Warenhäuser von beiden Firmen gemeinsam entwickelt.[43] Hier galt es, aus Mangel an Devisen die Haustechnik zu vereinfachen und auf das unbedingt erforderliche Mindestmaß zu reduzieren. Für die Konstruktion wurde die typisierte Stahlbetonskelett-Geschossmontagebauweise angewandt, wobei neue Zusatzelemente entwickelt werden mussten. Durch die lange Bauzeit aufgrund fehlender Baukapazitäten und daraus resultierende mehrfache Umprojektierungen ergaben sich für das Gesamtprojekt unangemessen hohe Kosten von über 100 Millionen Mark.

Vor diesem Hintergrund mussten beide Warenhausbetriebe neue Handelsformen entwickeln, um ihre Kernaufgabe, die Versorgung der Bevölkerung mit Industriewaren, überhaupt umsetzen zu können.[44] So entstand in Frankfurt (Oder) nach dem Scheitern aller Bemühungen um einen Warenhausneubau als Verlegenheitslösung ein konsument-Markt, der von einem polnischen Projektanten geplant wurde. Er bestand aus drei Fertigteilhallen, deren Aufteilung an westlichen Selbstbedienungsmärkten orientiert war.[45] Städtebaulich wurde durch die Errichtung der Hallen auf einem massiven Sockelgeschoss eine Einbindung versucht.

Auch der ab 1974 geplante Neubau des CENTRUM-Warenhauses zwischen Halle und Halle-Neustadt war eine Notlösung, da eigentlich für beide Städte gesonderte Neubauten vorgesehen waren.[46] Er wurde auf der Saale-Insel zwischen der Altstadt und der sozialistischen Neustadt nach einem Entwurf des örtlichen Wohnungsbaukombinates zwischen 1977 und 1981 ausgeführt. Eine einstöckige, langgestreckte Halle wurde dabei durch zwei höhere Kopfbauten eingefasst. Die Konstruktion setzte sich aus Fertigteilen zusammen.

Berlin, Warenhaus am Marzahner TorBerlin, Warenhaus Marzahner Tor (Kollektiv Wolf-Rüdiger Eisentraut), 1988 (© Bundesarchiv, Bild 183-1990-0305-340; Foto: Thomas Lehmann)
Als interessantester Neubau der letzten beiden Dekaden in der DDR auch im Hinblick auf sein neuartiges Konzept und die architektonische Qualität ist das HO-Warenhaus "Basar am Marzahner Tor" anzusehen. Die Planungen für den neuen Stadtteil im Nordosten der Hauptstadt basierten auf der Direktive des IX. Parteitags der SED 1976. Bereits 1977 konnte der Wohnungsbau im bis 1979 als 9. Stadtbezirk bezeichneten Marzahn beginnen. Der erste Entwurf für den zentralen Bereich stammte vom Chefarchitekten der Hauptstadt, Roland Korn, und dem Hauptarchitekten Heinz Graffunder. Er bildete die Grundlage detaillierter Überlegungen. Für den Verkauf von Industriewaren in dem Großwohngebiet war von Anfang an neben mehreren Kaufhallen und einem Kaufhaus auch ein Warenhaus vorgesehen. Zunächst war beabsichtigt, das gemeinsam durch VVW CENTRUM und ZU konsument projektierte Berliner Warenhaus wiederzuverwenden und 1979 mit den Bauarbeiten zu beginnen. Nach diversen Verzögerungen kam es bis 1983 zur Umplanung des Bezirkszentrums auf der Grundlage eines städtebaulichen Wettbewerbs. Er führte zur Aufgabe des Warenhausbaus in der vorgesehenen Form. Als Sieger des Wettbewerbs von 1979 entwarf das Kollektiv von Wolf-Rüdiger Eisentraut unter Einbeziehung der ursprünglichen Zentrumsplanungen Roland Korns und Heinz Graffunders ein neuartiges Konzept, das alle wichtigen Gesellschafts- und Versorgungsbauten an einer Fußgängermagistrale, der Marzahner Promenade, aufreihte.[47] Als Gliederung sah Eisentraut eine fast zwei Kilometer lange bandartige Struktur vor, die im Norden am Lindenring ein Stadtteilzentrum mit dem im Süden gelegenen Gebiet am Helene-Weigel-Platz verband.

In diesem Zentrum wurde ein HO-Kaufhaus eingeplant, wobei zur Kosteneinsparung und Bauzeitverkürzung industrielle Bauelemente aufgenommen wurden, deren Sortimente um standortbezogene Elemente erweitert werden konnten. Dies betraf in Marzahn vor allem die Entwicklung eines 45-Grad-Eckriegels für die angewendete Stahlbetonskelett-Montagebauweise. Zudem übernahm man modifizierte Bauelemente, wie Sheddächer, aus dem Industriebau. Bei der Gebäudetechnik wurden weitgehende Einsparungen durch den Verzicht auf Klimatisierung und Rolltreppen erreicht. Entgegen den Vorgaben der Warenhausunternehmen zu funktionellen Abläufen und baulicher Gestaltung wurde erstmals in der DDR die Verkaufsfläche auf zwei spiegelsymmetrische Bauten verteilt. Faktisch bestand das von der HO-Stadtorganisation betriebene Warenhaus am Marzahner Tor also aus zwei dreigeschossigen Häusern, nämlich einem Bekleidungshaus im Westen und einem Haus für Hauswirtschaft und Technik im Osten. Zwischen den Bauteilen platzierte Eisentraut einen viergeschossigen Gelenkbau, in dem mehrere Gaststätten untergebracht wurden. Im Erdgeschoss gewährleistete eine verglaste Passage die wettergeschützte Verbindung beider Warenhausflügel. Die schräggestellten, in drei Stufen aufsteigenden Restaurants mit ihren Glasfronten markierten wirkungsvoll den Eingang des Warenhauses, dessen niedrigere Baukörper mit vorgefertigten strukturierten Platten aus Weißzement verkleidet waren; sie wurden von gelbgerahmten Fenstererkern unterbrochen. Eine wesentliche Neuerung neben dem Verzicht auf einen Kompaktbau für alle Sortimente war die Belichtung und Erschließung des Gebäudes. Die Grundrisse der beiden Warenhausteile waren um zentrale Lichthöfe gruppiert. Jeder Hof wurde durch eine Aussparung von vier Feldern des vorgefertigten rechteckigen Stahlbetonrasters erreicht. In Erd- und Obergeschoss befanden sich die durch den Lichthof und Fenster in den Fassaden belichteten Verkaufsräume. Die Fensterflächen dienten auch als Be- und Entlüftungen, um den Aufwand für Lüftungstechnik gegenüber konventionellen Warenhäusern zu verringern. – Das Warenhaus wurde 2003 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.

Die parallel entwickelten Entwürfe für weitere Neu- und Erweiterungsbauten der beiden großen Warenhausunternehmen wurden angesichts der schwierigen Wirtschaftslage zu Makulatur. Allerdings zeigen die aufwendige Restaurierung des historischen CENTRUM-Warenhauses in Görlitz in der ersten Hälfte der 1980er-Jahre wie auch die seit den frühen 1970er-Jahren für Berlin entwickelten Passagenprojekte am Marx-Engels-Forum und in der Friedrichstraße, dass die Auswirkungen der Freizeitgesellschaft auch im sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat Einkaufserlebnisse wichtig werden ließen.[48] In der Zeitschrift "Architektur der DDR" wurde die Renaissance der Passagen vorausgesehen, deren Funktion im "realexistierenden Sozialismus" nicht auf reinen Kommerz beschränkt sein durfte, sondern im Kontext neuer urbaner Konzepte in Verbindung von Wohnen, Arbeiten und Freizeit stehen sollte.[49] Im Kern sah man das klassische Warenhaus in seiner durch die hermetischen Fassadengestaltungen bedingten Abgeschnittenheit vom öffentlichen Stadtraum als überholt an.

In der Bundesrepublik hatte diese Entwicklung bereits mit dem Bau des Main-Taunus-Zentrums zwischen Frankfurt am Main und Wiesbaden im Jahr 1964 begonnen. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands setzte sie sich im ganzen Land in Form der nun die Innenstädte und autobahnnahen Stadtrandlagen prägenden Einkaufszentren fort. Mit diesem Prozess ging der Niedergang des Warenhauses als Verkaufseinrichtung einher.

VII.

Wie gezeigt, blieben die westeuropäischen Entwicklungen bei der Konzeption von Warenhäusern in der DDR nach der Umstrukturierung dieses Handelsbereichs 1965 nicht ohne Einfluss im Hinblick auf Organisation und Gestaltung der Neubauten. Allerdings war die Umsetzung von den wirtschaftlichen Möglichkeiten und städtebaulichen Vorgaben abhängig. Die fensterlose Gestaltung ergab sich aufgrund der veränderten Nutzungsanforderungen. Gleiches gilt auch für die Baukonstruktion, die möglichst große Spannweiten bei optimierten Raumhöhen erreichen sollte. Die gesellschaftliche Bedeutung der Warenhäuser als Versorgungsstätten und Orte der Freizeitbeschäftigung wurde auch in der gegenüber den zuvor entstandenen Bauten hervorgehobenen städtebaulichen Platzierung deutlich. Den Warenhäusern als größten Verkaufsstätten wurden dabei häufig zentrale Gelenkfunktionen innerhalb der modernen sozialistischen Stadtzentren zugewiesen, die in ihrer großflächigen Form durch den Wegfall des Privateigentums an Grund und Boden möglich wurden. Dabei bekamen die Warenhäuser neben anderen wichtigen Gesellschaftsbauten eine stadtbildprägende Wirkung, die sich in der propagandistischen Verwertung der Bauten für die Repräsentation der Erfolge von Partei und Staat niederschlug. Diese Wirkung wurde, solange die Bauten in ihrer ursprünglichen Form noch existierten, durch die hochwertige Gestaltung der Fassaden gesteigert, die teils von namhaften Künstlern entworfen wurden. In diesem Kontext muss auch auf die architekturbezogene Kunst als Nische für abstrakte Künstler hingewiesen werden, da die Kunstpolitik der SED bis zum Schluss am Konzept des "sozialistischen Realismus" festhielt und sich dabei nur schwer von einer dogmatischen Auslegung lösen konnte.[50]

Die Aufgabe der Warenhäuser im sozialistischen Staat bestand in der Versorgung der Bevölkerung mit Industriewaren, was aufgrund der Mangelwirtschaft nicht im gewünschten Maße möglich war. Die Warenhäuser wurden dennoch zu Identifikationspunkten im industriellen Bauwesen und hoben sich durch ihre einzigartigen Aluminiumhüllen von ihrer Umgebung ab. Gleichzeitig stellten "Kistenform" und Vorhangfassade ein wesentliches Merkmal dar. Eine vergleichbare Vereinheitlichung der Warenhäuser hinsichtlich ihrer städtebaulichen Funktion und ihrer Baugestaltung wurde trotz entsprechender Ansätze weder im sozialistischen Ausland noch in der Bundesrepublik Deutschland erreicht, wo eine Hinwendung zu dem städtebaulichen Kontext angepassten Architekturen in kleinteiligen Formen erfolgte. Zudem wurden dort Fassadenelemente als Firmenlogos verwendet, die jedoch je nach Ort völlig unterschiedliche Baukörper verkleideten. Die einzelnen Bauten waren durch die Auftraggeber und den städtebaulichen Kontext geprägt, sodass dort keine Typenentwicklung möglich war. Dies zeigt sich auch an den diversen parallel genutzten Fassadengestaltungen. Sie folgten keiner übergeordneten künstlerischen Planung, sondern zielten auf die Entwicklung von Markenzeichen ab. Insofern kann in Abgrenzung von anderen Ländern für die Blütezeit des Warenhausbaus in der DDR ab 1965 bis Ende der 1970er-Jahre durchaus von einem "Bautypus sozialistisches Warenhaus" gesprochen werden, der funktional, konstruktiv und gestalterisch ganz klar in der Tradition der Moderne steht.
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Fußnoten

1.
Vgl. insb. Michael Hecker/Ulrich Krings (Hg.), Bauten und Anlagen der 1960er und 1970er Jahre. Ein ungeliebtes Erbe?, Köln 2011; Adrian von Buttlar/Christoph Heuter (Hg.), denkmal!moderne. Architektur der 60er Jahre, Wiederentdeckung einer Epoche, Berlin 2007.
2.
Die Untersuchung von Bautypen geht zurück auf die für das 19. Jahrhundert entwickelten Überlegungen von Nikolaus Pevsner, A History of Building Types. The A. W. Mellon Lectures in the Fine Arts, 1970, Washington D.C. 1979.
3.
Ralf Lange, Architektur und Städtebau der sechziger Jahre, Bonn 2003.
4.
Zwischen Scheibe und Wabe. Verwaltungsbauten der Sechzigerjahre als Denkmale, Hg. Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland, Wiesbaden 2012.
5.
Vgl. hierzu: Tobias Michael Wolf, Das sozialistische Warenhaus als Bautypus? Entwicklungsgeschichte der DDR-Warenhäuser 1949–1989, Dresden 2010. Weitere Aspekte des Themas behandeln auch die Aufsätze d. Vf.: Ders., Zeugnis der sozialistischen Zentrumsplanungen. Zum Umgang mit der DDR-Warenhausarchitektur, in: Thomas Klemm/Kathleen Schröter (Hg.), Strategien im Umgang mit sozialistischer Repräsentationsarchitektur, Teil 2, Leipzig 2009, S. 29–36, u. Bedrohtes Erbe. Zum Umgang mit der DDR-Warenhausarchitektur der Nachkriegsmoderne, in: Mark Escherich (Hg.), Denkmal Ost-Moderne. Aneignung und Erhaltung des baulichen Erbes der Nachkriegsmoderne, Berlin 2012, S. 212–225. Die archivalische Überlieferung zu den Warenhäusern konzentriert sich für die Zeit nach 1965 auf den gut erschlossenen Bestand der VVW CENTRUM im Sächs. Staatsarchiv Leipzig (StA-L), Bestand 20994, sowie die weitgehend ungeordnete und durch diverse Umlagerungen in ihren Provenienzen teilweise unklare Überlieferung des ZU konsument in den Archiven des Genossenschaftsverbandes Zentralkonsum in Berlin und Chemnitz. Da die DDR-Warenhausarchitektur im Gegensatz zu den westdeutschen Bauten dieses Typs weniger bekannt ist, wird nur ihre Entwicklung durch die ausgewählten Bilder beispielhaft illustriert.
6.
Wolfgang Pehnt, Deutsche Architektur seit 1900, Ludwigsburg, München 2005, darin zur Warenhausarchitektur S. 320.
7.
Als Grundlage dienen die Erkenntnisse aus der Diss. d. Vf.: Wolf, Das sozialistische Warenhaus (Anm. 5).
8.
Vgl. zur Geschichte der Warenhausarchitektur: Thomas Irrgang, Deutsche Warenhausbauten. Entwicklung und heutiger Stand ihrer Betriebs-, Bau- und Erscheinungsformen, Berlin 1980; Peter Erbstößer, Warenhaus und Stadtstruktur. Geschichte, funktionelle Anforderungen und umgebende Stadtstruktur dargestellt an den innerstädtischen Häusern der vier großen deutschen Warenhausgesellschaften, Hannover 1979; Christian Schramm, Deutsche Warenhausbauten. Ursprung, Typologie und Entwicklungstendenzen, Aachen 1995; Hans-Georg Pfeifer, Entstehung und Entwicklung der Kauf- und Warenhäuser von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts, in: Architektur für den Handel. Kaufhäuser, Einkaufszentren, Galerien, Geschichte und gegenwärtige Tendenzen, Basel u.a. 1996, S. 14–63; ders., Die Entwicklung von Kauf- und Warenhäusern in Deutschland von der Nachkriegszeit bis heute, in: ebd., S. 64–142.
9.
Vgl. zur Geschichte der Warenhausunternehmen im NS: Heinrich Uhlig, Die Warenhäuser im Dritten Reich, Köln/Opladen 1956; Erbstößer (Anm. 8), S. 7–86; Helmut Genschel, Die Verdrängung der Juden aus der Wirtschaft im Dritten Reich, Göttingen 1966.
10.
Schramm (Anm. 8), S. 138f.
11.
Vgl. zur Moderne in der frühen DDR: Andreas Butter, Neues Leben, neues Bauen. Die Moderne in der Architektur der SBZ/DDR 1945–1951, Berlin 2006, darin zu den Warenhäusern S. 351–365.
12.
Vgl. als Standardwerk zur Architekturgeschichte der DDR in den 1950er-Jahren: Werner Durth u.a., Architektur und Städtebau der DDR, 2. Bde., Frankfurt a. M./New York 1998.
13.
Rainer Haubrich u.a., Berlin. Der Architekturführer, 2. Aufl., Berlin 2005, S. 178.
14.
Florian Seidel/Ernst May, Städtebau und Architektur in den Jahren 1954–1970, München 2008, S. 39–42; Ausstellungskatalog Ernst May. 1886–1970, München u.a. 2011, S. 223 u. 299. Vgl. zum Wettbewerb: Durth u.a., Bd. 1 (Anm. 12), S. 476–480; Florian Seidel, "Städtebau ohne Zonengrenze"? Der deutsch-deutsche Wettbewerb zum Berliner Wohngebiet Fennfpuhl 1956/57, in: Horch und Guck, 77 (3/2012), S. 14–17; Prämiert und ausgeschieden. Dokumentation eines IRS-Sammlungsbestandes zu Städtebaulichen Wettbewerben in der DDR, Hg. Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS), Erkner 1998, S. 62.
15.
Marco Kieser, Vom Kettenhemd zur Wabe. Zur architekturgeschichtlichen Bedeutung des ehemaligen Merkur-Kaufhauses in Duisburg, in: Denkmalpflege im Rheinland 23 (2006) 4, S. 145–152; Schramm (Anm. 8), S. 139–142; Pfeifer (Anm. 8), S. 76–78.
16.
Die Zuschreibung der Erfindung der Horten-Fassade an Egon Eiermann wie u.a. bei Erbstößer (Anm. 8), S. 109–112, ist jedoch falsch. Allerdings entwickelte sich die Warenhausbox zum eigenen Typ: Vgl. Pfeifer (Anm. 8), S. 78–82; Schramm (Anm. 8), S. 156–159; Irrgang (Anm. 8), S. 176 u. 202.
17.
29. Sitzung des Präsidiums des Ministerrates der DDR v. 22.10.1964, BArch, DC 20/I/4, 1022, Bl. 36f, Pkt. 20; ebd., DC 20/I/4, 1025, Anl. 18; vgl. auch: Gerd Baron u.a., Warenhäuser. Entwicklung, Leitung, Organisation, Berlin 1966, S. 174f.
18.
ZK der SED, Protokoll der 5. Tagung des ZK der SED, 3.–7.2.1964, BArch, DY 30/2/1, 309, Bl. 274; Chronologie des Zentralen Unternehmens konsument, Vorbereitung zur Bildung des zentralen Konsum-Handelsbetriebes mit Beschluss Nr.46/64 des Vorstandes vom 28.9.1964, Zentralkonsum, Archiv Berlin. Vgl. auch: Baron u.a. (Anm. 17), S. 24.
19.
Warenhaus Cottbus, Zentralkonsum, Archiv Chemnitz, Bestand ZU alt, Nr. 109, S. 4; vgl. sonst auch: Horst Hufnagel, Warenhäuser. Entwicklung, Standortplanung, Städtebauliche Einordnung, Funktion und Gestaltung, Weimar 1970, S. 1 u. 71; Lothar Kwasnitza, Das Warenhauslager und sein Einfluss auf die Gestaltung des Warenhauses, Dresden 1972, S. 7f.
20.
Thomas Topfstedt, Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR, in: Holger Barth u.a., Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR, Dokumentation eines Sammlungsbestandes biografischer Daten, Erkner 2000, S. 18.
21.
Werner Prendel, Technologie für die Rekonstruktion des Konsum-Warenhauses, Leipzig "Warenhaus des Friedens", Berlin, März 1961, Zentralkonsum, Archiv Chemnitz, Bestand ZU alt, Nr. 93 Warenhaus Leipzig Am Brühl 1961–64.
22.
Bericht über eine Studienreise in die BRD 1966, StA-L, Bestand 20994, Nr. 1850.
23.
Architekten BDA Sommerfeld (VVW) und Kalmer (ZU), Forschungsprojekte Bau/Technik für Warenhausneubauten, Forschungsthema 2: Fassaden, 8.12.1969, ebd., Nr. 1761.
24.
Weltstandsvergleich des Ministeriums für Handel und Versorgung, Arbeitsgruppe Warenhäuser 1969, ebd., Nr. 85.
25.
Josef Kaiser, Warenhaus. Bemerkungen zur Integration architektonischen Entwerfens, in: Deutsche Architektur 16 (1967) 1, S. 38–43.
26.
Josef Kaiser, Warenhaus. Bemerkungen zur Integration architektonischen Entwerfens, in: Deutsche Architektur 16 (1967) 1, S. 38–43.
27.
Vgl. zur Bauweise SK Berlin: Frieder Sieber/Hans Fritsche, Bauen in der DDR, Berlin 2006, S. 49.
28.
Institut für Handelstechnik, Grundsätze der baulich-funktionellen Gestaltung neuer Warenhäuser, Berlin 1964.
29.
Werner Prendel, Gesellschaftliche Bauten. Einrichtungen der Bildung, Kultur, Versorgung, Gesundheit und Erholung, Berlin 1974, S. 10.
30.
Vgl. zu den Fassadengestaltungen in der Bundesrepublik: Pfeifer (Anm. 8), S. 74–88; Schramm (Anm. 8), S. 128–160.
31.
Den Wandel des Architektenberufs stellt Topfstedt (Anm. 20), S. 7–23, anschaulich dar. Durch die spätere Hinwendung zum industriellen Bauen verstärkte sich dieser Effekt, auch wenn einzelne Architekten sich weiterhin als Baukünstler verstanden, wie Hermann Henselmann in seinen 1962 publizierten Tagebuchnotizen, in denen er zwischen Massenproduktion und Baukunst unterscheidet: vgl. Durth u.a., Bd. 1 (Anm. 12), S. 533.
32.
Vgl. die Ausführungen bei: Wolf, Bedrohtes Erbe (Anm. 5).
33.
Vgl. zum Karstadt-Haus in Celle: Schramm (Anm. 8), S. 146–148.
34.
Vgl. Irrgang (Anm. 8), S. 318f u. 345.
35.
Vgl. ebd., S. 169f; Pfeifer (Anm. 8), S. 90.
36.
Vgl. ebd., S. 100–102; Schramm (Anm. 8), S. 171–173.
37.
Vgl. ebd., S. 173–176. Vgl. auch: Pfeifer (Anm. 8), S. 94–98.
38.
Grundlegend zum Städtebau der DDR: Thomas Topfstedt, Städtebau in der DDR 1955–1971, Leipzig 1988.
39.
André Steiner, Von Plan zu Plan. Eine Wirtschaftsgeschichte der DDR, Bonn 2007, S. 165–196; Wilhelm Kaltenborn, Zwischen Resistenz und Einvernahme. Die Konsumgenossenschaften in der DDR, Versuch einer Bestandsaufnahme, Berlin 2002, S. 27f; Werner Abelshauser, Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945, München 2004, S. 394–398.
40.
Karl-Ernst Zorn, "CENTRUM"-Warenhaus in Magdeburg, in: Architektur der DDR 23 (1974) 10, S. 624–629.
41.
Werner Wunderwald/Lothar Jahn, CENTRUM-Warenhaus in Dresden, in: Architektur der DDR 28 (1979) 11, S. 669–675; Oliver Elser, Die Solitäre am Nordrand. CENTRUM-Warenhaus und Rundkino, in: Bauwelt 95 (2004) 11, S. 24–27; Cordula Zeidler, Geschichte der Prager Straße, in: ebd., S. 14f; Matthias Lerm, Prager Straße in Dresden 1965–72 … in die Jahre gekommen, in: Deutsche Bauzeitung 137 (2003) 4, S. 68–72.
42.
Die Grundsatzentscheidung für den Neubau erfolgte 1976, unmittelbar nach Fertigstellung des Warenhauses am Alexanderplatz, die Bauausführung bis 1979. Das Warenhaus wurde nicht in der Zeitschrift "Architektur der DDR" publiziert.
43.
Der Bau wurde ab 1974 projektiert und 1978–1985 nach Plänen des Bau- und Montagekombinates Ost ausgeführt. Eine Wiederverwendung des Typenprojektes war u.a. für Berlin-Marzahn und Schwerin vorgesehen. Vgl. zum Warenhaus u.a.: Ekkehard Böttcher, Das Konsument-Warenhaus Berlin, Leninallee-Fennpfuhl, in: Architektur der DDR 36 (1987) 7, S. 16–21.
44.
So wurde durch das ZU konsument bereits 1971 die Möglichkeit von konsument-Märkten untersucht: Konzeption zum Bau von "konsument"-Märkten mit 8.700 oder 5.000 m2 Verkaufsraumfläche, Karl-Marx-Stadt, 15.11.1971, Zentralkonsum, Archiv Berlin, Nr. 1552.
45.
Kaltenborn (Anm. 39), S. 60f; Abschrift des Schreibens des ZHU konsument, Büro für Rationalisierung an den Rat des Bezirkes Frankfurt (Oder), Abt. Handel und Versorgung, 21.10.1968; Schreiben des Bezirksbauamts an die Abt. Handel und Versorgung, 28.10.1968; Untersuchungen zur Entscheidungsfindung für den Bau eines "konsument"-Marktes […] in der Bezirksstadt Frankfurt/O., 17.7.1972; Stellungnahme der Stadt Frankfurt (Oder), 28.7.1972; Untersuchungen zur Entscheidungsfindung für den Bau eines "konsument"-Marktes […] in der Bezirksstadt Frankfurt (Oder), 23.8.1972, Brandenburg. Landeshauptarchiv Potsdam (BLHA), Rep. 601, Nr. 20768; Neubau konsument-Einkaufszentrum Frankfurt (Oder), 1976–1985, Zentralkonsum, Archiv Chemnitz, Bestand ZU konsument, Nr. 29/1; Dokumentation zur Grundsatzentscheidung für das "konsument"-Einkaufszentrum Frankfurt (Oder), ebd., Nr. 253/10; Warenhaus-Neubau Frankfurt (Oder), Berlin Leninallee 1983–1986, ebd., Nr. 137.
46.
Hartmut Leonhard u.a., "CENTRUM"-Warenhaus Halle/Halle-Neustadt, in: Architektur der DDR 31 (1982) 9, S. 542–548.
47.
Wolf-Rüdiger Eisentraut, Der gesellschaftliche Hauptbereich in Berlin-Marzahn. Ein neuer Stadtbezirk erhält seinen Mittelpunkt, in: Architektur der DDR 37 (1988) 12, S. 9–19.
48.
Vgl. zum Centrum-Warenhaus Görlitz: Andreas Bednarek/Hans-Jürgen Treppe, Historisches Warenhaus Karstadt Görlitz, 2. Aufl., Regensburg 2002. Vgl. zu den Passagen: Kwasnitza (Anm. 18), S. 42; Lange (Anm. 3), S. 9; Florian Urban, Berlin/DDR – neo-historisch. Geschichte aus Fertigteilen, Berlin 2007, S. 163 u. 172–177.
49.
Gerd Zimmermann, Passagen. Zur Wiederkehr eines Bautyps, in: Architektur der DDR 37 (1988) 8, S. 24–29.
50.
Grundlegend für die Auseinandersetzung mit abstrakter Kunst in der DDR sind: Peter Guth, Wände der Verheißung. Zur Geschichte der architekturbezogenen Kunst in der DDR, Leipzig 1995; Karl-Siegbert Rehberg/Paul Kaiser (Hg.), Abstraktion im Staatssozialismus. Feindsetzungen und Freiräume im Kunstsystem der DDR, Weimar 2003.

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