Beleuchteter Reichstag

Ungebunden, ungehorsam, ungezügelt. Zum Leben und Werk der Dichterin Helga M. Novak


7.3.2014
Am 24. Dezember 2013 ist die Dichterin Helga M. Novak gestorben. Den Großteil ihres Lebens verbrachte sie im selbstgewählten Exil. Obwohl Kritiker ihre eigenwillige Prosa und Lyrik feierten, wurde sie von der literarischen Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Ein Nachruf.

Porträt Helga M. Novak, Januar 1971.Helga M. Novak, Januar 1971. (© dpa)

Der Anfang (fast) mit dem Ende: Eine Farce an der Grenze



Dass in Deutschland, dem Land der Dichter und Denker, eine prosaische Bürokratie regiert, musste Helga M. Novak im Herbst 2004 am eigenen Leib erfahren: Als die deutsche Dichterin, die sich Ende der 1980er Jahre in die polnischen Wälder zurückgezogen hatte, in ihre Heimat zurückkehren will, gilt sie der Obrigkeit als erwerbslose Ausländerin ohne festen Wohnsitz, die keiner Aufenthaltsgenehmigung, geschweige denn eines deutschen Passes würdig sei. Die Behörden vermuten, dass die – Zitat Wolf Biermann – "größte lebende Dichterin in Deutschland" sich deutsche Sozialleistungen erschleichen möchte.[1] So weit, so komisch, zumal Novak nach öffentlichem Protest schließlich doch in die Gegend ihrer Kindheit, ins Märkische, ziehen darf. Doch was nach einer amüsanten Anekdote klingt, entpuppt sich beim näheren Hinsehen als lumpige Farce, als die sich Geschichte, frei nach Marx, stets wiederholt. "Schließlich", so schrieb Novak noch im Herbst 2013, "verbrachte ich die meiste Zeit meines Lebens im Ausland, weit mehr Jahre war ich im gezwungenen oder selbst gewählten Exil als in Deutschland. Möglicherweise konnte und musste ich nur schreiben, weil ich weit weg war, ewig auf Wanderung, sogar auf der Flucht vor meinem ,Vater,land."[2]

Die frühen Lehrjahre: Adoptivelternhaus, Vater Staat und Mutter Partei



Damit ist ein Grundzug einer (Werk-)Biografie umrissen, die sich in Zu- und Abneigung, in Annäherung und Distanzierung um dieses "'Vater'land" dreht – und das, buchstäblich, von der Wiege an. Geboren 1935, verbringt Helga M. Novak die ersten 18 Monate ihres Lebens in einem Heim für elternlose Kinder in Berlin, bis sich ein kinderloses, nazihöriges Ehepaar ihrer annimmt, das eine strenge preußische Erziehung mit einem Unmaß an Kälte paart. Nach Kriegsende flieht die Heranwachsende aus der Gewalt des Adoptivelternhauses in die Arme von Vater Staat und Mutter Partei, eines neuen Staats und einer neuen Partei selbstverständlich: Sie tritt in die sozialistische Freie Deutsche Jugend (FDJ) ein und zieht sechzehnjährig in ein Kaderinternat der DDR. Wie viel Hoffnung, wie viel Rettung in diesem Weg steckt, veranschaulicht Novaks erster autobiografischer Roman, der 1979 unter dem Titel "Die Eisheiligen" erscheint:
    "Hier fühle ich mich wohl. Hier brauchen sie mich. Hier werde ich anerkannt. Hier ist Aussicht auf Leben. Hier werde ich nicht unterworfen, hier bin ich nicht unterwürfig. Hier sind wir freundlich zueinander. Hier ist nicht alles umsonst. Hier ist Hoffnung. Hier lerne ich für den Sozialismus. Hier wird auf jeden von uns gebaut. Hier hat die Finsternis ein Ende. Hier wird gemeinsam gegessen. Hier wird auf das Leben losgegangen. Hier haben alle Schläge ein Ende. Hier bin ich nicht einsam. Hier hat die Angst ein Ende. Hier komme ich zu mir. Hier fange ich bei mir selber an. Hier wird nicht vorgeworfen und gedroht und erpreßt und bestraft. Hier ist Zuversicht. Hier bin ich richtig."[3]
Hier, in der Hoffnung auf ein sozialistisches Deutschland, beginnt auch der zweite autobiografische Roman, "Vogel federlos", erschienen 1982. Doch bröckelt auf der staatlichen Landesoberschule langsam die Aufbaueuphorie der "Hundertfünfzigprozentigen", die beim freiwilligen Arbeitseinsatz auf einer Großbaustelle ihrer jungen Republik noch vor Begeisterung in Tränen ausgebrochen war. Broschüren des jugoslawischen Staatschefs Josip Tito, die ihr in die Hände fallen, darf sie nicht gelesen haben. Zudem machen Gerüchte über Deportationen in der Sowjetunion die Runde. Kandidatin der Sozialistischen Einheitspartei (SED) wird Novak 1953 trotzdem, und zwar ausgerechnet an jenem Märztag, an dem der sowjetische Diktator Josef Stalin stirbt. Das ist, bis dahin, ein bemerkenswerter Lebenslauf. Noch bemerkenswerter ist allerdings die Art und Weise, in der Novak in ihren beiden autobiografischen Romanen davon erzählt: "Die Eisheiligen" und "Vogel federlos" sind "totale Autobiografien", eine kaum kommentierte Montage von Szenen, Gesprächen, Gedanken, Berichten, Gedichten und Zitaten, die nicht auf Einheit zielt, schon gar nicht auf Selbsterhöhung. Auf diese Weise schafft Novak nicht nur eine schonungslose Beschreibung ihres Lebens, sondern auch ein historisches Gegengedächtnis, das in der Radikalität, in der Kompromisslosigkeit an ihre Lyrik erinnert. Doch bevor sie zur Dichterin wird, gehen zunächst ihre Lehrjahre weiter, wovon der 2013 erschienene dritte autobiografische Band berichtet. Im Schwanenhals setzt im Juli 1954 in Leipzig ein, wo die Kaderschulabsolventin Diplomjournalistin werden will.

Die späten Lehr- und frühen Wanderjahre: Debüt als Dichterin und Ausbürgerung



Allerdings geht in der journalistischen Kaderschmiede nicht alles seinen geplanten Gang. 1957 tritt Novak, enttäuscht über die Haltung der SED zum Ungarn-Aufstand, aus der Partei aus, wird exmatrikuliert und flüchtet mit ihrem isländischen Freund, der zum Studium in die DDR gekommen war, nach Reykjavík. Damit – und mit einer in der isländischen Handelsvertretung der DDR abgegebenen Selbstkritik, für die sie im Gegenzug das Versprechen erhält, bei einer Rückkehr nicht wegen Republikflucht ins Gefängnis zu müssen – beginnen ihre Wanderjahre. Über Island, Ostberlin, Island, Süditalien, Westdeutschland und noch einmal Island, nach Arbeit in einer Fernsehröhrenfabrik, als Heringssalzerin und in einer Teppichweberei, nach einer Heirat, einigen Liebschaften und der Geburt ihrer beiden Kinder, kehrt sie 1965 schließlich nach Leipzig zurück, ans Literaturinstitut Johannes R. Becher, wo der sozialistische Schriftstellernachwuchs ausgebildet werden soll. Sie hofft auf kulturelles Tauwetter, spielt aber letztendlich die Hauptrolle in einer Tragikomödie: Für die gleichen Gedichte, mit denen sie sich beim Becher-Institut erfolgreich beworben hatte, wird sie 1966 aus der DDR ausgebürgert. Dass die SED-Führung die letztmögliche Konsequenz zieht, hat aber noch einen weiteren Grund: Novak unterhält eine enge Beziehung mit Robert Havemann, der als Regimekritiker 1964 aus der Partei ausgeschlossen worden war und 1965 Berufsverbot erhalten hatte.[4]

Die Texte, die für das "Leseland DDR" offenbar zu gefährlich sind, können zumindest die westdeutschen Leserinnen und Leser mittlerweile schwarz auf weiß einsehen. 1965 war nämlich Novaks Debüt mit dem Titel "Die Ballade von der reisenden Anna" ausgerechnet im Luchterhand Verlag erschienen – ausgerechnet, weil das in Neuwied und Westberlin angesiedelte Unternehmen der Stammverlag von Günter Grass ist, der in der DDR-Kulturpolitik als "die literarische Unperson par excellence" gilt.[5] Noch problematischer als die Programmnachbarschaft und die Westpublikation sind allerdings die Texte selbst, in denen die Autorin an fast jedem Tabu des SED-Staats rüttelt: Sie kritisiert die Militarisierung der Gesellschaft, die Verbrechen des Stalinismus, die Mangelwirtschaft, ja sogar das Denunziantentum und die Stasi. So ruft in der "Tragoballade des Spitzels Winfried Schütze in platten Reimen" der besagte Winfried Schütze kurz bevor er sich erhängt: "der schlechtste Staat auf dieser Welt / ist der der sich die Spitzel hält."[6] Fast noch unverschämter war die Frage, die Novak "einem Funktionär ins Poesiealbum" schrieb: "ich habe am Ende / eine Frage: / wem gehört eigentlich / das Volkseigentum?"[7]

Diese undogmatisch linke Schnoddrigkeit ist offensichtlich auch für die (westlichen, männlichen) Literaturkritiker zu viel. Stellvertretend sei der erst 22-jährige Lothar Baier zitiert, der sich später als exzellenter Kenner der DDR-Literatur einen Namen machen sollte. Sein Urteil über die "dümmliche[n] Invektiven", die in einer simplifizierenden, also verfälschenden Sprache verfasst seien, lautet: "Dem Rezensenten will scheinen, als habe sich der Verlag über einer imponierenden Biographie in der Bewertung seiner Autorin vergriffen. Es ist alles so gut gemeint in diesen Gedichten, aber, mit wenigen Ausnahmen, so schlecht gemacht."[8] Als Luchterhand nach dem zweiten Gedichtband "Colloquium mit vier Häuten" (1967) im Jahre 1968 einen schmalen Band von Novaks sprachlich schlichter Kurzprosa mit dem Titel "Geselliges Beisammensein" veröffentlicht, meldet sich auch der Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki zu Wort. Zwar handele es sich um "eine bestimmt nicht unbegabte Autorin", doch sei die werbende Ankündigung des Verlags mehr als überzogen: "[V]on einer 'Literatur von Rang' kann schon deshalb schwerlich die Rede sein, weil es oft zweifelhaft ist, ob wir es in diesem Fall überhaupt mit Literatur zu tun haben."[9]

Helga M. Novak und ihre Dichtung in der literarischen Öffentlichkeit



So entwickelte sich Helga M. Novak zu einer Schriftstellerin, die von ihren Kollegen und einem kleinen Fachpublikum hochgeschätzt, in der literarischen Öffentlichkeit aber kaum wahrgenommen wurde – und wenn, dann eher kritisch. Das hatte im Wesentlichen drei interdependente Gründe:

Erstens: Novak verweigerte sich der Kulturindustrie und ihren Normen. Selbst wenn sie geehrt werden sollte, entzog sie sich. Als sie beispielsweise 1968 den Bremer Literaturpreis erhielt, verließ sie ohne Dankesrede den Saal. Das war sicher ein Grund, warum Novak in den Folgejahren bei Preisverleihungen übergangen wurde.

Zweitens: Novak verletzte. Ihre Texte waren inhaltlich ungeniert und sprachlich rabiat, handelten von den Ausgestoßenen, Verlierern und Erniedrigten, passten zudem nicht ins Formgefüge der wechselnden literarischen Moden. In ihrer Wahrheitssucht war sie rücksichtlos, auch gegen sich selbst. Deswegen wirkte ihre Lyrik, so erklärte der 15 Jahre jüngere Autor Jürgen Fuchs, wie ein poetischer Vorschlaghammer, der den kleinen, gemütlichen Frieden zertrümmert, die Selbstlügen und faulen Kompromisse.[10] Dass das auch für die Leserinnen und Leser unbequem sein kann, äußerte sich nicht zuletzt in den Verkaufszahlen. Deswegen trennte sich Luchterhand Anfang der 1970er Jahre im Zuge einer "Programmverschlankung" von der Autorin, obwohl Novak unter den Verlagsmitarbeitern geradezu legendär war.

Drittens: Auch in der Lebenswelt der Bundesrepublik kam sie nie so richtig an, fügte sich nicht, blieb anarchisch, rebellisch. Zwar stürzte sie sich nach ihrer Ausbürgerung mit ihrem Gefährten Horst Karasek optimistisch in den Frankfurter Häuserkampf, wovon die 1970 erschienene Dokumentation "Wohnhaft im Westend" berichtet. Doch überwog bald die Enttäuschung über die konservative Trägheit der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft und die Staatsgewalt des Westens, die ihr nicht freundlicher als die im Osten erschien. Das, was Novak als Heimat empfand, im geografischen und utopischen Sinn, lag in der DDR. So hieß es beispielsweise in ihrem Gedicht "Bekenntnis", geschrieben 1966, aber ungebrochen aktuell: "ich bin deutsch und nicht nur / der Sprache nach / ich bin ostdeutsch solange / die Pfähle nicht morschen / solange Mißtrauen und Spitzel / die hausgemachten Soßen würzen / sitze ich an der kahlen Seite des Tisches // ich bin ostdeutsch und ziehe / einen Klumpen Hoffnung hinter mir her".[11] Diese Metapher lässt sich auch umdrehen: Der "Klumpen Hoffnung" zog auch die Autorin, und zwar überall dorthin, wo sich Hoffnung zeigte. Sie blieb Idealistin, ohne jemals Ideologin zu sein.

Die späten Wanderjahre: Anerkennung und Eigensinn



Als 1975 ihre "Balladen vom kurzen Prozess" im Rotbuch Verlag erscheinen, hatte sich Novak mal wieder aus Deutschland verabschiedet, in diesem Fall, um die Nelkenrevolution in Portugal mitzuerleben. Davon zeugt 1976 die "Landnahme von Torre Bela". Den Deutschen Herbst erlebt sie 1977 im nordbayrischen Zonenrandgebiet. Was die dort manifestierte staatliche Spaltung für sie bedeutet, lässt das Gedicht "Versuchsfeld" erahnen: "Grenze bei jedem Wetter und ich denke / die ist längst durch mich hindurchgewachsen / ich fühle direkt die Spieße die Pfähle im Fleisch".[12]

Ein größeres Publikum erreichen diese Verse noch immer nicht. Wolf Biermann, zehn Jahre nach Novak aus der DDR ausgebürgert, doch als Medienprofi auf beiden Seiten der Mauer ungleich populärer, schreibt in diesem Sinne 1979 über seine Kollegin: "[D]iese Dichterin ist schlimmer als nur verkannt und ist schlimmer als nur vergessen. Sie blieb einfach unbemerkt – nicht den Literaten, aber für die schreibt sie wohl nicht."[13] Das soll sich noch im selben Jahr ändern: Zunächst erscheint ihr autobiografischer Roman "Die Eisheiligen" – übrigens wieder bei Luchterhand –, der viel diskutiert und ansprechend verkauft wird, dann gewinnt Novak als erste Frau den renommierten Stadtschreiberpreis von Bergen-Enkheim. 1982 erscheint schließlich der Band "Vogel federlos", an dem die Feuilletons ebenfalls Gefallen finden.

Obwohl Novak mit ihren autobiografischen Romanen, mit einer höchst eigenwilligen Prosaform also, erstmalig breite Anerkennung erfährt, konzentriert sie sich anschließend wieder auf ihr lyrisches Werk. 1983 erscheint mit "Grünheide Grünheide" ihre ganz eigene "Heimatdichtung", 1985 dann die sibirische Traumreise "Legende Transsib". Doch steht sie damit wieder am Rand des deutschsprachigen Literaturbetriebs, in poetischer Hinsicht, bald auch wieder in geografischer: Sie lebt für einige Zeit im jugoslawischen Korčula, bevor sie in die polnische Woiwodschaft Kujawien-Pommern umsiedelt, die sie landschaftlich an ihre märkische Heimat erinnert. Von dort aus verfolgt sie die Vereinigung der beiden deutschen Staaten. Als sich einige ihrer Schriftstellerkollegen über die Stasi-Dienste anderer Kollegen echauffieren und eine Verdächtigungswelle durch die geeinte Republik schwappt, schreibt Novak im Spiegel an Wolf Biermann, Jürgen Fuchs und Sarah Kirsch:
    "Wenn schon, denn schon – ich war auch mal ein Spitzel! […] Die Scham beißt ein Leben lang, aber sie ist auch eine energische Lehrerin. Ihr seid auch mal in der Partei gewesen, genau wie ich. Zwar habe ich mir erlaubt auszutreten, was damals ('57) noch verboten war, doch Komplizen waren wir alle. Das kriegt Ihr nie raus, was ich alles weiß über Leute, mit denen wir befreundet sind. Und eher will ich im polnischen Wald verbluten, als mich auf einen deutschen Richterstuhl setzen."[14]

Die doppelte "Heimkehr": Obdach und Verwilderung



Ein Lebenszeichen aus den polnischen Wäldern erscheint 1997 im Schöffling Verlag, der sich der unbequemen Autorin mittlerweile angenommen hat. In "Silvatica" schlägt Novak einen neuen Ton an, schreibt über ein archaisches Leben, beschreibt Obdach und Verwilderung. Beides ist im famosen Gedicht "dieser Wald" zu spüren: "dieser Wald in dem ich nie alleine bin mit meiner / heilsamen Einsamkeit dieser Wald aus Jagen und Revieren / der sich hinzieht wie alte Liebe und streichelt / die gefurchte Stirn mein Heim und dauerndes Versteck".[15] Dort fühlt sich Novak zu Hause, "soweit man irgendwo zu Hause sein kann." Das hängt auch mit den Menschen zusammen, denen sie begegnet: "So eine geduldige Nachsicht habe ich in keinem Land erlebt. Und sie sind antiautoritär, anarchisch, nicht anarchistisch. Geborene Partisanen."[16]

Unter den polnischen Partisanen scheint die deutsche Partisanin schließlich zur Ruhe zu kommen, bis sie, auch wegen einer schweren Krankheit, 2004 nach Deutschland zurückkehrt – womit wir wieder bei der lumpigen Farce angelangt sind. Dass es in ihrem Leben und Werk aber keinen Seelenfrieden geben konnte, zeigen die letzten Zeilen des Gedichts "zerfallen": "wieviel Herzen habe ich pochen hören / Seelen keine und ich wünsche niemand / erlitte die Qual eine Art Herberge / meiner Seele später zu werden solche / Strafe hat wirklich keiner verdient / mein Herz aber wird zerfallen schade".[17] Am 24. Dezember 2013 ist eine der größten deutschen Dichterinnen verstorben.

Zitierweise: Konstantin Ulmer, Ungebunden, ungehorsam, ungezügelt. Zum Leben und Werk der Dichterin Helga M. Novak, in: Deutschland Archiv Online, 07.03.2014, Link: http://www.bpb.de/180114


Fußnoten

1.
Wolf Biermann, Wie man Verse macht und Lieder. Eine Poetik in acht Gängen, Köln 1997, S. 81.
2.
Helga M. Novak, Im Schwanenhals, Frankfurt am Main 2013, S. 328.
3.
Helga M. Novak, Die Eisheiligen, Darmstadt und Neuwied 1979, S. 339
4.
Vgl. Helga M. Novak, Im Schwanenhals (Anm. 2), S. 307.
5.
Daniela Dahn, Ästhetik der Zuständigkeit. Nachdenken über den abwesenden Herrn G., in: Klaus Pezold (Hg.), Günter Grass. Stimmen aus dem Leseland, Leipzig 2003, S. 9.
6.
Zitiert nach Helga M. Novak, Solange noch Liebesbriefe eintreffen. Gesammelte Gedichte, Erster Band, Frankfurt 2008, S. 106.
7.
Ebd., S. 85.
8.
Lothar Baier, Françoise Villon, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.1.1966, Beilage, unpaginiert.
9.
Marcel Reich-Ranicki, Darstellung der Arbeitswelt – wozu?, in: Die Zeit, 1.11.1968, S. 27.
10.
Jürgen Fuchs, Die mit dem dünnen Fell. Die mit den weichen Augen. Die mit dem derben Maul. Helga M. Novaks Gedichte 1955-1980, in: Helga M. Novak, Grünheide Grünheide. Gedichte 1955-1980, Darmstadt und Neuwied 1983, v.a. S. 6-8.
11.
Novak, Solange noch Liebesbriefe eintreffen (Anm. 6), S. 128.
12.
Ebd., S. 330.
13.
Wolf Biermann, Wem gehört eigentlich das Volkseigentum, in: konkret 23 (1979) 11, S. 40.
14.
Helga M. Novak, Offener Brief an Wolf Biermann, Sarah Kirsch und Jürgen Fuchs, in: Der Spiegel, 28.10.1991, S. 329. Novak hatte die Aufgabe, ihre isländischen Mitstudenten zu bespitzeln, was sie allerdings nicht tat. Die Angst vor der Stasi und der Macht, die diese wegen der unterzeichneten Erklärung über sie hatte, war einer der Gründe, warum sie mit ihrem Lebensgefährten kurz nach der Exmatrikulation nach Island floh.
15.
Novak, Solange noch Liebesbriefe eintreffen (Anm. 6), S. 723.
16.
Helga M. Novak und Bernd Dreiocker, Leben im Wald. Die Schriftstellerin Helga M. Novak, in: Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, 165 (1998) 22, S. 26.
17.
Novak, Solange noch Liebesbriefe eintreffen (Anm. 6), S. 756.
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Autor: Konstantin Ulmer für bpb.de
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