Beleuchteter Reichstag

28.2.2018 | Von:
Christian Könne

Schwule und Lesben in der DDR und der Umgang des SED-Staates mit Homosexualität

Hinsichtlich der Rechte für Homosexuelle war die DDR fortschrittlicher als die Bundesrepublik. Doch in der Öffentlichkeit wurden sie kriminalisiert. Die Staatssicherheit überwachte die schwul-lesbische Szene noch in den 1980er Jahren.

Lothar Berfelde, alias Charlotte von Mahlsdorf, in der original nachgebauten „Mulackritze“ im Gutshaus Mahlsdorf. Die Ost-Berliner Kneipe wurde 1951 geschlossen und 1964 abgerissenLothar Berfelde, alias Charlotte von Mahlsdorf, in der original nachgebauten „Mulackritze“ im Gutshaus Mahlsdorf. Die Ost-Berliner Kneipe wurde 1951 geschlossen und 1964 abgerissen (© picture-alliance / ZB - Fotoreport, Foto: Hubert Link)

Der antifaschistische Anspruch der DDR hätte zu einer veränderten Homosexuellenpolitik getaugt. Denn schon in der Weimarer Republik waren die Vorgängerparteien der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) – die Sozialdemokratische und die Kommunistische Partei Deutschlands – für die Abschaffung des Paragrafen 175 des Strafgesetzbuches eingetreten, der das Instrument der Kriminalisierung und Verfolgung der Homosexuellen war und während der Zeit des Nationalsozialismus noch verschärft wurde.[1] Stattdessen übernahm die DDR – wie auch die Bundesrepublik – zunächst den Paragrafen, auch wenn man im Osten in den 1950er Jahren zu der vor der NS-Zeit gültigen, weniger restriktiven Version zurückkehrte.[2] Den homosexuellen Opfern der NS-Diktatur wurde die Mitgliedschaft in den Opferverbänden Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN)/Opfer des Faschismus (OdF) verwehrt.[3]

Umgang mit Homosexualität in der frühen DDR

In den 1950er Jahren setzte sich vor allem ein Mann für die Abschaffung des Paragrafen 175 ein: Rudolf Klimmer, Psychiater und in der NS-Zeit Opfer des Paragrafen 175.[4] Mit prominenter Unterstützung anderer homosexueller Männer wie Ludwig Renn, Kinderbuchautor und Nationalpreisträger der DDR, erreichte er, dass über eine Abschaffung diskutiert wurde.[5] Dank ihrer Initiative und mithilfe des SED-Landesvorsitzenden in Sachsen, Wilhelm Koenen, beschloss der Sächsische Landtag 1951, den Paragrafen 175 aufzuheben.[6] Doch das wurde nie umgesetzt. In der DDR bestand der Paragraf 175 bis 1968. Homosexuelle wurden verfolgt, wenngleich in deutlich geringerem Maße als in der Bundesrepublik.[7] Wie kam es zu dieser ablehnenden Haltung gegenüber einer umfangreicheren Strafrechtsreform?

Nach dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 ging es der SED vorrangig darum, ihre Macht zu sichern. Auch der Paragraf 175 wurde abermals gegen missliebige Männer angewandt, wie beispielsweise gegen den DDR-Justizminister Max Fechner. Dieser wurde zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt, später jedoch vollständig rehabilitiert.[8] Fechner hatte sich öffentlich für einen rechtsstaatlichen Umgang mit den Streikenden ausgesprochen. Im Partei- und Pressegebaren zum „Fall“ Fechner wurden Stereotype aus der NS-Zeit – teilweise bis auf die Wortebene – erneut verwandt.[9] Skandalisierungen wie diese waren in der frühen DDR gängige Verfahren.[10] Statt progressive Gesetzgebung zur Öffnung der Gesellschaft zu betreiben, nutzte man bestehende Ressentiments und Restriktionen des Rechts. Die Medien bedienten bewährte Feindbilder, um die ostdeutsche Gesellschaft von der des Westens abzugrenzen; Prostitution, Kriminalität, Drogenmissbrauch, Pädophilie, Spionage, nationalsozialistische Gesinnung und eben auch Homosexualität wurden variantenreich miteinander verbunden und vor allem im „Westen“ verortet.[11]

Fehlende Öffentlichkeit: Schwul-lesbisches Leben nach dem 17. Juni

In diesem Klima war kein Platz für Schwule und Lesben. Die Agrarwissenschaftlerin und lesbische Aktivistin Ursula Sillge spricht davon, dass es in den 1950er Jahren in Ost-Berlin und Dresden je eine Kneipe für Lesben gegeben habe.[12] Die traditionelle schwul-lesbische Kneipenszene um die Friedrichstraße in Berlin-Mitte war aufgrund der restriktiven Politik der SED infolge des 17. Juni 1953 kaum noch vorhanden. In den 1960er Jahren wandelten sich manche Kneipen im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg und rund um den Alexanderplatz zu inoffiziellen Treffpunkten.[13] Aber diese Lokale, die nur Eingeweihten bekannt waren, spielten als Treffpunkte zu Beginn der 1960er Jahre eine deutlich geringere Rolle als einschlägige Lokale in der Bundesrepublik. DDR-weit gab es davon außerhalb Ost-Berlins insgesamt eine Handvoll in Leipzig, Dresden, Halle und Cottbus.[14] Mitte der 1980er Jahre waren in Ost-Berlin drei bis vier Lokale bekannt.[15] Zum Vergleich: Bereits im Kaiserreich existierten allein in Berlin mehr als 20 solcher Wirtshäuser, über die es seit den 1880er Jahren schon spezielle Reiseführer gab.[16] Vor dem Ersten Weltkrieg sollen es in Berlin rund 40 gewesen sein.[17] In der Weimarer Republik wird dann von 90 bis 100 berichtet.[18] Für die 1950er Jahre wird allein für Frankfurt am Main von sechs Bars gesprochen.[19] In Hamburg gab es „18 Klappen und 17 einschlägige Lokale“.[20] Selbst in Ludwigshafen sind seit den 1960er Jahren sechs Treffpunkte belegt.[21] Die zwangsweise Schließung der bekannten Ost-Berliner Schwulenkneipe „Mulackritze“ wirft die Frage auf, inwieweit Gasthäuser, die bekannte Treffpunkte für schwule Männer waren, gezielt geschlossen wurden.[22]

Die DDR war praktisch ein Land ohne öffentliche Orte für Homosexuelle. Das Klima war geprägt von medialer Verunglimpfung, staatlicher Überwachung und polizeilicher Verfolgung, ähnlich der Situation in der UdSSR.[23] Auch schwul-lesbische Kontaktanzeigen durften erst Mitte der 1980er Jahre erscheinen.[24]

In der Bundesrepublik hingegen war die Kommunikation innerhalb einer Szene anhand eigenständiger Publikationen seit Ende der 1960er Jahre möglich. Zwar wurden bestehende Zeitschriften wiederholt verboten,[25] doch es gab hier die in der Schweiz erscheinende Zeitschrift Der Kreis.[26] Dadurch konnte im Westen an die Tradition der Zeitschriften und Druckerzeugnisse für Homosexuelle angeknüpft werden, wie sie mit Der Eigene im Deutschen Reich seit 1896 bestanden hatten. Eine vergleichbare Öffentlichkeit war in der DDR nicht vorhanden ¬und so war es schwer, Gleichgesinnte zu treffen oder untereinander zu kommunizieren.

Dieser Situation geschuldet nutzte man öffentliche Plätze, um in Kontakt zu treten: Öffentliche Toiletten, sogenannte Klappen, wurden zu Treffpunkten, Parks zu potenziellen Partnerbörsen. Diese Orte sind für Berlin[27] ebenso wie in Leipzig,[28] Dresden oder Erfurt belegt. Selbst Kontakte zu sowjetischen Soldaten sind überliefert, die diese Art von Treffpunkten aus der UdSSR kannten.[29] Wichtig für die Männer in der DDR war, dass aus den „flüchtigen Bekanntschaften“ auch feste Freundschaften werden konnten.[30] Die Notwendigkeit, sich dort zu treffen, führte – anders als in der UDSSR oder auch der Bundesrepublik, wo eher die Anonymität gesucht wurde – zu einem starken Gemeinschaftsgefühl.[31] Freilich waren auch diese Orte in der DDR nicht „geheim“, sondern als „Kriminalitätsschwerpunkte“ bei der Volkspolizei verzeichnet und wurden überwacht.[32] Ein öffentliches schwul-lesbisches Leben war in der DDR nicht vorhanden.[33] In der Bundesrepublik, zu der es bisher nur einzelne Lokalstudien gibt, fand man, trotz starker Repressionsmaßnahmen, versteckte Ansätze eines solchen Lebens.[34]

Rechtlich änderte sich die Lage 1968 mit dem neuen DDR-Strafgesetzbuch, in dem der Paragraf 175 durch den Paragrafen 151 ersetzt wurde. Fortan war Homosexualität zwischen Erwachsenen nicht mehr strafbar. Der homosexuelle Kontakt zu Jugendlichen wurde allerdings weiterhin unter Strafe gestellt, erstmals nun auch bei Frauen. Allerdings nutzten die DDR-Medien diese Verbesserung der Rechtslage nicht, das im Vergleich zur Bundesrepublik fortschrittlichere Handeln hervorzuheben und an die Tradition der deutschen Arbeiterbewegung zu erinnern. Das Stigma blieb. Erst in den 1980er Jahren finden sich Berichte in der Presse, die die Änderung der Gesetzeslage für Homosexuelle 1968 explizit thematisieren.

Homosexualität in Wissenschaft und Forschung

Ab Ende der 1960er Jahre nahm sich die Wissenschaft des Themas Homosexualität an, allerdings mit eindeutigem Ziel. So glaubte der Endokrinologe Günter Dörner beweisen zu können, dass Homosexualität im Kindesalter mit der Verabreichung von Hormonen verhindert werden könne. Diese Forschungen fanden ein positives Presseecho.[35] Der Schulunterricht in der DDR wies denselben Weg. 1972 wurde in Unterrichtsmaterialien für Lehrer festgestellt, dass Homosexuellen im Hinblick auf ihr Verhältnis zum anderen Geschlecht „der normale Reifungsprozeß“ fehle und empfohlen: „Man sollte sich nicht mit Homosexuellen befreunden oder ihre Gesellschaft aufsuchen, aber man sollte sie auch nicht verunglimpfen.“ Gleichzeitig hieß es: „Je früher ein solcher Mensch seine Fehlhaltung bemerkt, desto erfolgreicher kann eine medizinische Behandlung sein.“[36]

Erst Mitte der 1980er Jahre fand langsam ein öffentliches und nachweisbares Umdenken statt. Dies zeigte sich in den Ratgebern zur Sexualität für Erwachsene. So wurde 1977 Homosexualität im Aufklärungsbuch „Mann und Frau intim“ als eine von mehreren Möglichkeiten menschlicher Sexualität dargestellt.[37] 1984 fand sich in „Liebe und Sexualität bis 30“ erstmals ein Kapitel zur Homosexualität, das diese positiv darstellte.[38] Es ist nicht belegt, dass eine solche Änderung auch in den Unterrichtshilfen erfolgte. Im selben Jahr wurde vom Berliner Magistrat, der Ost-Berliner Stadtverwaltung, eine Gruppe von Wissenschaftlern an der Humboldt Universität eingesetzt, die Konzepte erarbeiten sollte, um die Lebensumstände und Lebensbedingungen von Schwulen und Lesben zu verbessern.[39]

DDR-weit gab es von 1985 bis 1990 drei interdisziplinäre Workshops an verschiedenen Universitäten mit dem Fokus auf homosexuellen Emanzipationsbewegungen.[40] 1987 erschien mit „Homosexualität“ die erste populärwissenschaftliche Publikation in der DDR.[41] 1988 produzierte das Deutsche Hygiene-Museum Dresden den Aufklärungsfilm „Die andere Liebe“.[42] Die Broschüre zum Film informierte über die Geschichte und das aktuelle Leben Homosexueller sowie über die Kenntnisse der Wissenschaft und gab Tipps für den Alltag des Einzelnen – und speziell für Eltern und Erzieher.[43]

Schwul-lesbische Akteure in der DDR zwischen 1973 und 1989

Ermutigt durch den Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ des Regisseurs Rosa von Praunheim, der 1973 von der ARD ausgestrahlt und auch in Ostdeutschland geschaut wurde, bildeten sich schwul-lesbische Gruppen, wie die Homosexuelle Interessengemeinschaft Berlin (HIB). Die HIB wollte nach innen eine Art familiäre Struktur außerhalb der Subkultur bieten sowie die Öffentlichkeit in der DDR über Homosexualität und Homosexuelle informieren und aufklären. Ziel war es, nach dem Vorbild der Bürgerrechtsgruppen in der Bundesrepublik zu arbeiten. Der Absicht, Öffentlichkeit herzustellen, verpflichtet nahm die Gruppe 1973 mit dem Plakat „Wir Homosexuelle der Hauptstadt begrüßen die Teilnehmer der X. Weltfestspiele und sind für den Sozialismus“ an den Weltfestspielen der Jugend teil. 1974 gab es erstmals einen Vortrag zum Thema Homosexualität in der Berliner Stadtbibliothek.[44] Zwei Jahre später veranstaltete die HIB in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Volksbildung URANIA ein Forum zum Thema Homosexualität mit etwa 500 Personen.

Vielleicht gerade wegen dieses erfolgreichen, aber nicht staatlich gelenkten, gesellschaftlichen Engagements verweigerte das Innenministerium der HIB 1976 die Zulassung als Verein. In der Folge zogen sich die Lesben aus der HIB zurück und gründeten eine Frauengruppe um die bereits erwähnte Aktivistin Ursula Sillge, die via „Buschfunk“ das erste DDR-weite Lesben-Treffen im Gutshaus des Transvestiten Lothar Berfelde, alias Charlotte von Mahlsdorf, organisierte.[45] Die Gruppe um Sillge gründete 1987 den Sonntags-Club, der als Beratungs- und Informationszentrum bis heute in Berlin-Prenzlauer Berg seinen Sitz hat.[46]

Im Februar 1982 fand in der Evangelischen Akademie Berlin-Brandenburg eine Tagung zum Thema „Ein Plädoyer gegen tiefsitzende Vorurteile – Homosexuelle und Heterosexuelle in der Gesellschaft“ statt.[47] Als deren Folge bildete sich im April 1982 der erste Arbeitskreis Homosexualität bei der evangelischen Studentengemeinde Leipzig. Bis zum Ende der DDR wuchs die Anzahl der kirchlichen Arbeitskreise zum Thema Homosexualität auf über 20.[48] Diese beteiligten sich mit Infoständen an Kirchentagen und an Diskussionsgruppen. Zentrale Figur in dieser „schwulen Volkshochschule“[49] war der Journalist und Theologe Eduard Stapel, bis 2006 Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland. Er bewirkte, dass die Magdeburger Stadtmission eine hauptamtliche Stelle für Homosexuellenarbeit einrichtete. Damit hatte die evangelische Kirche maßgeblichen Anteil an der schwul-lesbischen Emanzipationsbewegung. Der Gesprächskreis Homosexualität in der evangelischen Advent-Zachäus-Kirchengemeinde in Berlin besteht bis heute.[50]

1988/89 kam es zur Gründung von schwul-lesbischen Gruppen bei der Freien Deutschen Jugend (FDJ) und in Klubhäusern. In Leipzig nannte man sich „RosaLinde“, in Dresden „Gerede“. Ziel war es, ein schwul-lesbisches Engagement außerhalb der Kirche zu initiieren. Man versuchte auch, Parteimitglieder in bestehende Organisationen einzuschleusen oder dort angeschlossene Genossen für die SED-Ziele zu instrumentalisieren, beispielsweise im Sonntags-Club.[51] Nachdem dieser Versuch gescheitert war, wurde – als Konkurrenz – die Gruppe „Courage“ gegründet.[52] Die FDJ gab allen Jugendklubs vor, einmal im Monat eine Veranstaltung zum Thema Homosexualität zu organisieren.[53] Die unter dem Dach der SED in verschiedenen Städten gegründeten Gruppen bildeten die „Interessengruppe Theorie“, die schwul-lesbische Politik auf marxistisch-leninistischer Basis, aber auch eine Vernetzung mit den kirchlichen Arbeitskreisen anstrebte.[54]

Um die Schwulen- und Lesbenbewegung international zu positionieren, durften sämtliche Mitglieder der Gruppe „Courage“, sowie drei aus allen kirchlichen Arbeitskreisen Homosexualität, 1989 zur internationalen Konferenz der International Lesbian and Gay Association (ILGA) in Wien reisen.[55] Ob am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz Plakate mit Forderungen der schwul-lesbischen Gruppen zu sehen waren, die ihre Forderungen auf der größten Demonstration der DDR präsentierten, ist umstritten.[56] Just in der Nacht des Mauerfalls, am 9. November 1989, hatte der erste DDR-Film mit schwuler Thematik, „Coming out“, Premiere.[57]

Das Verhältnis des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) zur schwul-lesbischen Szene in der DDR

Die Vorurteile gegenüber der sich etablierenden Schwulen- und Lesbenbewegung waren weit verbreitet. Dies lässt sich an einem Beispiel zeigen: Der Ost-Berliner Magistrat gab 1983 an der Sektion Kriminalistik der Humboldt-Universität eine Dissertation als „vertrauliche Dienstsache“ in Auftrag, die Personengruppen identifizieren sollte, „die als kriminalitätsverdächtig und in ihren Haltungen begünstigend für Asozialität in Erscheinung treten können“. Für den Autor stand außer Zweifel, dass darunter auch die „die große Gruppe der Homosexuellen“ fiel.[58] Das MfS ging davon aus, dass die Lesben- und Schwulenbewegung der DDR im Westen initiiert worden sei und sich in ihr „feindlich-negative Kräfte“ gegen die gesellschaftliche Ordnung der DDR stellten, indem „alternative Bewegungen“ gegründet wurden, die versuchten, „pluralistische Gesellschaftsauffassungen“ auf die Gesellschaft der DDR zu übertragen.[59]

Folgt man den Ausführungen von prominenten Zeitzeugen, hat das MfS mit seiner Arbeit gegenüber der Schwulen- und Lesbenbewegung nichts Wesentliches erreicht. Die Schwulen- und Lesbenbewegung arbeitete sogar offen. Niemand versuchte zu kontrollieren, ob neue Leute vom MfS in die Gruppen geschickt worden waren, obwohl man davon ausgehen musste, dass das MfS die Gruppen durch Inoffizielle Mitarbeiter (IM) beobachten ließ. Durch dieses Verhalten sollte die Staatssicherheit an Ziele und Forderungen der Gruppen gelangen und wurde zum Teil sogar über Veranstaltungen informiert. Warum? In den Gruppen hoffte man auf eine Verbesserung der Politik für Homosexuelle. Bei einer angenommenen Anzahl von etwa 400 IM hatten Stasi und Partei durchaus Einblicke in die Wünsche und Ziele, doch führte dies nicht zur erwünschten Kursänderung.[60] Dennoch belegt eine Diplomarbeit an der Hochschule des MfS, dass die Staatssicherheit die Forderungen der Gruppen kannte und es zumindest intern Überlegungen gab, einerseits den Einfluss der ausländischen Gruppen auf die DDR-Szene zurückzudrängen, andererseits aber auch, auf die Forderungen einzugehen.[61]

Die normierte Gesellschaft der DDR und ihr Effekt auf das Leben Homosexueller

Die erste umfassende Umfrage zur Homosexualität in der DDR von 1990/91 stammt von dem zu diesem Zeitpunkt schon teilweise aufgelösten Zentralinstitut für Jugendforschung.[62] Bereits 1980 waren dort Jugendliche zu diesem Thema befragt worden. Damals zeigten noch etwa die Hälfte der Jugendlichen eine ablehnende Haltung gegenüber Homosexualität, Männer stärker als Frauen.[63] In der Bundesrepublik ergaben Umfragen in den 1970er Jahren, dass lediglich circa 20 Prozent der Befragten Homosexualität ablehnten, 40 Prozent diese duldeten oder bejahten.[64] Angesichts des deutlich negativeren gesellschaftlichen Klimas in der DDR gegenüber Homosexuellen gaben 1990/91 dann 13 Prozent der befragten Lesben und 22 Prozent der Schwulen an, dass sie wegen ihrer Homosexualität ein- oder mehrmals Benachteiligungen im Beruf hinnehmen mussten. 42 Prozent der Lesben und 55 Prozent der Schwulen berichteten von homophoben Beschimpfungen. Sieben Prozent der Lesben und 25 Prozent der Schwulen hatten deshalb körperliche Gewalt erfahren. Dies führte bei 27 Prozent der Lesben und 37 Prozent der Schwulen dazu, dass sie an Selbsttötung gedacht haben. 18 Prozent der Schwulen sowie 13 Prozent der Lesben gaben an, bereits einen Selbstmordversuch hinter sich zu haben.[65] In diesen Zahlen sind die tatsächlichen Suizide noch nicht erfasst. Für die Bundesrepublik hatte man in den 1970er Jahren eine Selbstmordrate bei schwulen Männern von zehn Prozent ermittelt.[66]

In der DDR waren Ehe und Familie die gegebene Norm. Laut Umfrage hatten zu Beginn der 1990er Jahre von den über 30-Jährigen 49 Prozent der Lesben und 42 Prozent der Schwulen Ehe-Erfahrungen. Elf Prozent der Lesben und zwölf Prozent der Schwulen waren zum Zeitpunkt der Befragung sogar in heterosexueller Variante verheiratet. In der Gruppe der über 30-Jährigen hatten 40 Prozent der befragten Schwulen und 53 Prozent der Lesben eigene Kinder.[67] In der Bundesrepublik gaben Anfang der 1970er Jahre, also etwa eineinhalb Jahre nach der Entschärfung des Paragrafen 175, fünf Prozent der schwulen Männer an, aktuell und weitere fünf Prozent früher schon einmal verheiratet gewesen zu sein.[68] Bei den lesbischen Frauen lag der Wert bei neun Prozent zum Zeitpunkt der Befragung verheirateten beziehungsweise bei 24 Prozent für frühere Ehen.[69]

Das sind Hinweise darauf, dass noch zu Beginn der 1990er Jahre, trotz der schärferen Gesetze, der gesellschaftliche Druck zur Anpassung für Homosexuelle in der Bundesrepublik geringer war als in der formierten Gesellschaft der DDR – 20 Jahre nach der Entschärfung des Paragrafen 175 und mehr als ein Jahr nach der Abschaffung des Paragrafen 151.

In der DDR wurde der Paragraf 151 im Jahr 1988 gestrichen, daher galt im wiedervereinigten Deutschland zweierlei Recht. 1994 kam es im Rahmen der Rechtsangleichung dazu, dass aufgrund der bestehenden Straflosigkeit im Osten auch in den „alten Bundesländern“ der Paragraf 175 abgeschafft wurde.[70]

Fazit

In der DDR war die Situation der Schwulen und Lesben zunächst sowohl von den Auswirkungen der Verfolgungen und der Rechtsprechung der NS-Zeit, als auch den Impulsen der ersten Homosexuellenbewegung und deren Kampf für die Abschaffung des Paragrafen 175 in der Weimarer Republik geprägt. In Hinblick auf Verurteilungen in den 1950er und 1960er Jahren war die Situation in der DDR moderater als in der Bundesrepublik. Auch war die DDR in der Entwicklung des Rechts fortschrittlicher als die Bundesrepublik, da sie männliche Homosexualität 1968 zunächst weniger stark kriminalisierte und die entsprechende Sonderregelung 1988 ganz strich.

Trotz dieser juristischen Veränderungen war die DDR in vielerlei Hinsicht homophob. Man gestand Homosexuellen bis in die 1980er Jahre weder eigene Lokale, Vereinsgründungen oder Zeitschriften zu. Selbst Papierkontingente für Flugblätter wurden staatlicherseits nicht genehmigt. In Hinblick auf Öffentlichkeit und eigene Räume waren Schwule und Lesben schlechter gestellt als im Kaiserreich und der Bundesrepublik ab Ende der 1960er Jahre. Unterrichtsmaterialien stellten Homosexualität teils negativ oder pathologisch dar. Wissenschaftliche Forschungen zur Verhinderung von Homosexualität fanden positive Resonanz in den Medien. Die Staatssicherheit überwachte Homosexuelle und ihre Gruppen noch in den 1980er Jahren. Man stellte Analogien zwischen Homosexualität und Kriminalität her. Dies hatte deutliche Effekte auf eine negative Wahrnehmung von Homosexualität in der Bevölkerung und auf die Selbstwahrnehmung der Betroffenen.

Die sich in der DDR formierende Emanzipationsbewegung war durch dieselbe Filmproduktion beeinflusst wie die der Bundesrepublik und suchte sich auch später ihre Vorbilder im Westen. Solche aus der frühen Geschichte der UdSSR, wo die Strafbarkeit für Homosexualität – zwischen 1917 und 1934 – abgeschafft worden war, wurden nicht genutzt.[71] Kontakte mit Homosexuellen aus anderen Staaten des ehemaligen Ostblocks wie Polen, ČSSR oder Ungarn, in denen Homosexualität teilweise ebenfalls seit den 1960er straffrei war, sind aber ab 1987/88 bezeugt.[72]

Anders als im Westen sind verblüffend viele Akteurinnen und Akteure auch Chronisten der Geschichte der Schwulen und Lesben der DDR, die inzwischen besser erforscht und detaillierter dargestellt ist als die der Bundesrepublik. Die Abschaffung der Strafbarkeit von Homosexualität in der DDR 1988 ebnete den Weg zur Streichung des Paragrafen 175 sechs Jahre später im wiedervereinigten Deutschland.

Zitierweise: Christian Könne, Schwule und Lesben in der DDR und der Umgang des SED-Staates mit Homosexualität, in: Deutschland Archiv, 28.2.2018, Link: www.bpb.de/265466

Fußnoten

1.
Matthias Grimm und Manfred Herzer, Die Geschichte des § 175. Strafrecht gegen Homosexuelle, Berlin 1990.
2.
Bert Thinius, Erfahrungen schwuler Männer in der DDR und in Deutschland Ost, in: Wolfram Setz (Hg.), Homosexualität in der DDR. Materialien und Meinungen, Hamburg 2006, S. 9–88, hier S. 13–17; vgl. auch: Klaus Berndl, Zeiten der Bedrohung. Männliche Homosexuelle in Ost-Berlin und der DDR in den 1950er Jahren, in: Rainer Marbach und Volker Weiß (Hg.), Konformitäten und Konfrontationen. Homosexuelle in der DDR, Hamburg 2017, S. 19–50.
3.
Vgl. Ulrike Puvogel, Prolog, in: Olaf Mußmann (Bearb.), Homosexuelle in Konzentrationslagern, Berlin 2000, S. 7–30, hier S. 19.
4.
Günter Grau, Ein Leben im Kampf gegen den § 175. Zum Wirken des Dresdener Arztes Rudolf Klimmer, in: Manfred Herzer (Hg.), 100 Jahre Schwulenbewegung. Dokumentation einer Vortragsreihe in der Akademie der Künste, Berlin 1998, S. 46–65.
5.
Vgl. hierzu ausführlich: Günter Grau, Sozialistische Moral und Homosexualität. Die Politik der SED und das Homosexuellenstrafrecht 1945 bis 1989 – ein Rückblick, in: Detlef Grumbach (Hg.), Die Linke und das Laster. Schwule Emanzipation und linke Vorurteile, Hamburg 1995, S. 85–141, hier S. 85–104; zu Renn: Arnold Vieth von Golßenau alias Ludwig Renn (1889–1979), in: Lars-Arne Dannenberg und Matthias Donath (Hg.), Lebensbilder des sächsischen Adels, Bd. 1, 2014, S. 159–180, hier S. 178 f; zu Hiller: Daniel Münzner, Kurt Hiller. Der Intellektuelle als Außenseiter, Göttingen 2015.
6.
Günter Grau, Im Auftrag der Partei. Versuch einer Reform der strafrechtlichen Bestimmungen zur Homosexualität in der DDR 1952, in: Zeitschrift für Sexualforschung 9 (1996) 2, S. 109–130; Grau, Sozialistische Moral und Homosexualität (Anm. 5), S. 85–104.
7.
Klaus Berndl, Zeiten der Bedrohung. Männliche Homosexuelle in Ost-Berlin und der DDR in den 1950er Jahren, in: Rainer Marbach und Volker Weiß (Hg.), Konformitäten und Konfrontationen. Homosexuelle in der DDR, Hamburg 2017, S. 19–50; zur Situation in der Bundesrepublik vgl. u. a. Hans-Georg Stümke, Homosexuelle in Deutschland. Eine politische Geschichte, München 1989, S. 147; Ralf Dose, Der § 175 in der Bundesrepublik Deutschland 1949 bis heute, in: Grimm und Herzer, Die Geschichte des § 175 (Anm. 1), S. 122–143, hier S. 131.
8.
Rudi Beckert, Lieber Genosse Max. Aufstieg und Fall des ersten Justizministers der DDR Max Fechner, Berlin 2003, S. 223 ff.
9.
Reine Erziehung. Neue Aktenfunde zeigen: Bis in die achtziger Jahre hinein schikanierten SED und Stasi Homosexuelle, in: Der Spiegel 26 (1996), S. 76 f.
10.
Martin Sabrow, Politischer Skandal und moderne Diktatur, in: Ders. (Hg.), Skandal und Diktatur, S. 7–32, hier S. 7 ff.
11.
Westberliner Frauen als Freiwild. Westmächte unterbinden Razzien der Westberliner Polizei, in: Berliner Zeitung, 14.9.1951, S. 6.
12.
Ursula Sillge, Un-Sichtbare Frauen. Lesben und ihre Emanzipation in der DDR, Berlin 1991, S. 93.
13.
Jens Dobler, Den Heten eine Kneipe wegnehmen, in: Sonntags-Club, Verzaubert in Nordost. Die Geschichte der Berliner Lesben und Schwulen in Prenzlauer Berg, Pankow und Weißensee, Berlin 2009, S. 167–173; zur Szene im Prenzlauer Berg vgl. auch Jens Bisky, Geboren am 13. August. Der Sozialismus und ich, Berlin 2004, S. 114.
14.
Fred Günther, Die heimliche Liebe in Mitteldeutschland, in: Der Weg zu Freundschaft und Toleranz, 10 (1960) 2/3, S. 42 f.
15.
Homosexuelle Initiative (Hosi) Wien, Auslandsgruppe, Rosa Liebe unterm roten Stern. Zur Lage der Lesben und Schwulen in Osteuropa, Wien 1986, S. 35.
16.
Magnus Hirschfeld: Berlins drittes Geschlecht, 8. Auflage, Berlin 1904, S. 39; vgl. auch Jens Dobler: Zwischen Duldungspolitik und Verbrechensbekämpfung. Homosexuellenverfolgung durch die Berliner Polizei 1848–1933, Frankfurt a. M. 2008, S. 359 f.
17.
Stümke, Homosexuelle in Deutschland (Anm. 7), S. 29.
18.
Hirschfeld spricht 1896 von ca. sechs, 1910 von doppelt so vielen und für die 1920er Jahre von 90 bis 100 Lokalen, in: Magnus Hirschfeld, Von einst bis jetzt. Geschichte einer homosexuellen Bewegung 1897–1922, Berlin (West) 1986, S. 43.
19.
Hans Schmidt, Die Angst verband uns. Frankfurt in den fünfziger Jahren, in: Joachim S. Hohmann, Keine Zeit für gute Freunde. Homosexuelle in Deutschland 1933–1969. Ein Lese- und Bilderbuch, Berlin (West) 1982, S. 146–153, hier 146 f.
20.
Gottfried Lorenz, Hamburg als Homosexuellen-Hauptstadt der 1950er Jahre – Die Homophilen-Szene und ihre Unterstützer für die Abschaffung des § 175, in: Andreas Pretzel und Volker Weiß (Hg.): Ohnmacht und Aufbegehren. Homosexuelle Männer in der frühen Bundesrepublik, Hamburg 2010, S. 117–151, hier S. 119.
21.
Wolfgang Knapp, Subkultur in Ludwigshafen, www.vom-anderen-ufer.de/gesellschaft/subkultur-in-ludwigshafen, letzter Zugriff am 31.1.2018.
22.
Charlotte von Mahlsdorf, Ich bin meine eigene Frau. Ein Leben, Berlin u. a. 1992, S. 124 ff.
23.
Vgl. zu diesen Treffpunkten in der UdSSR Jewgenij Charitonow, Unter Hausarrest. Ein Kopfkissenbuch, Berlin 1996, S. 196 f, 277 ff; Daniel P. Schluter, Gay life in the former USSR. Fraternity without community. London 2002, S. 89 ff; Gudrun Hauer u. a. (Hg.), Rosa Liebe unterm roten Stern. Zur Lage der Lesben und Schwulen in Osteuropa, Hamburg 1986, S. 68–71; vgl. zur Diskussion um Westen, ob eine „gay bar“ eine Verlängerung des Ghettos oder eine Emanzipation ist u. a. Udo Hoffmüller, Stephan Neuer, Unfähig zur Emanzipation? Homosexuelle zwischen Ghetto und Befreiung, Gießen 1977, S. 132 ff.
24.
Sillge, Un-Sichbare Frauen (Anm. 12), S. 17 ff, 92ff, darin auch Kritik an Seifert, vgl. Torsten-Joerge Seifert von Müszebeck-Wedeln, Über Erfahrungen in der gleichgeschlechtlichen Partnerschaftssuche durch Bekanntschaftsannoncen, in: Erwin Günther (Hg.), Psychosoziale Aspekte der Homosexualität. Wissenschaftliche Beiträge der Friedrich-Schiller-Universität Jena 1989, S. 171–176, hier 171 f.
25.
Stümke, Homosexuelle in Deutschland (Anm. 7), S. 143 ff.
26.
Hubert Kennedy, Der Kreis. Eine Zeitschrift und ihr Programm, Berlin 1999.
27.
Bisky, Geboren am 13. August (Anm. 13), S. 103, 130.
28.
Antje Hildebrandt, Mann, sind wir frei. Ist das der Himmel? In Leipzig leben Schwule so wie der Filmemacher Ringo Rösener. Entspannt, weil alles erlaubt ist, in: Die Zeit 15.3.2012, www.zeit.de/2012/12/S-Homosexualitaet-Leipzig, letzter Zugriff am 31.10.2017.
29.
Vgl. zu diesen Treffpunkten und wie das „System“ in der UdSSR funktionierte sehr erhellend Daniel P. Schluter, Gay life in the former USSR. Fraternity without community, London 2002, S. 89 ff.
30.
Eduard Stapel, Warme Brüder gegen Kalte Krieger. Schwulenbewegung in der DDR im Visier der Staatssicherheit, Magdeburg 1999, S. 10.
31.
Maria Borowski, Erste Erkenntnisse zum lesbischen und schwulen Alltagsleben, S. 56 f; vgl. Mahlsdorf, eigene Frau (Anm. 22), S. 95, 101 f, 106; zur Situation in der UdSSR vgl. Tomas M. Mielke, Der homosexuelle Wortschatz im Russischen. Einvernehmliche und Lagersexualität zwischen Männern, München 1995, S. 10 ff; Igor Kon, James Riordan (Hg.), Sex and the Russian Society, Bloomington 1993, S. 89 ff; Dan Healy, Beredtes Schweigen. Zur Geschichte der Homosexualität in Russland, in: Osteuropa 63 (2013) 10, S. 5–16; Igor Kon, Lackmustest. Homophobie und Demokratie in Russland, in: ebd., S. 49–67; zur Situation in der Bundesrepublik vgl. Martin Dannecker und Reimut Reiche, Der gewöhnliche Homosexuelle. Eine soziologische Untersuchung über männliche Homosexuelle in der Bundesrepublik, Frankfurt a. M. 1974, S. 85 ff.
32.
Jens Dobler, Volkspolizei und Homosexuelle, in: Sonntags-Club (Anm. 13), S. 256–260.
33.
Maria Borowski, Erste Erkenntnisse zum lesbischen und schwulen Alltagsleben in der frühen DDR, in: Marbach und Weiß (Hg.), Konformitäten (Anm. 2), S. 51–63; Kurt Starke, Schwuler Osten. Homosexuelle Männer in der DDR, Berlin 1994, S. 106.
34.
Vgl. Gottfried Lorenz, Hamburg als Homosexuellenhauptstadt der 1950er Jahre – Die Homophilen-Szene und ihre Unterstützer für die Abschaffung des § 175, in: Pretzel und Weiß (Hg.), Ohnmacht und Aufbegehren (Anm. 20), S. 117–151; Jens Dobler, Schwules Leben in Berlin zwischen 1945 und 1969 im Ost-West-Vergleich, in: ebd., S. 152–185; die umfassendste Studie für das Nachkriegsdeutschland West ist der Forschungsbericht zur Aufarbeitung der strafrechtlichen Verfolgung und Rehabilitation homosexueller Menschen des Landes Rheinland-Pfalz, der u. a. die Zeit von 1946–1973 untersucht, https://mffjiv.rlp.de/fileadmin/MFFJIV/Familie/8_Gesamtdokument_final_2.pdf, letzter Zugriff am 3.2.2018.
35.
Olaf Leser, Homosexuelle in der DDR. Versuch eines historischen Überblicks, in: Jean Jaques Soukup (Hg.), Die DDR. Die Schwulen. Der Aufbruch. Versuch einer Bestandsaufnahme, Göttingen 1990, S. 39–45, hier S. 41.
36.
Kurt Richard Bach, Geschlechtserziehung in der sozialistischen Oberschule. Entwicklung und Realisierung eines Programms zur systematischen Geschlechtserziehung in den Klassen 1 bis 10 der Oberschule der DDR – ein Beitrag zur Vorbereitung der Heranwachsenden auf Ehe und Familie, Berlin (Ost) 1974, S. 256.
37.
Siegfried Schnabl, Mann und Frau intim. Fragen des gesunden und des gestörten Geschlechtslebens, Berlin (Ost) 1977, S. 295 ff.
38.
Kurt Starke und Walter Friedrich, Liebe und Sexualität bis 30, Berlin (Ost) 1986, S. 290 ff.
39.
Kristine Schmidt, Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe „Homosexualität“ an der HU Berlin, in: Sonntags-Club (Anm. 13), S. 222–228; Thinius, Erfahrungen (Anm. 2), S. 29 ff; Bert Thinius, Wie es nicht geht, das wissen wir, in: Marbach und Weiß (Hg.), Konformitäten (Anm. 2), S. 91–101.
40.
Kristine Schmidt, Workshop: Psychosoziale Aspekte der Homosexualität, in: Sonntags-Club (Anm. 13), S. 229–230; Starke, Schwuler Osten (Anm. 34), S. 48 ff.
41.
Reiner Werner, Homosexualität. Herausforderung an Wissen und Toleranz, Berlin (Ost) 1987.
42.
Thinius, Erfahrungen (Anm. 2), S. 74 f.
43.
Deutsches Hygiene-Museum Dresden (Hg.), Die andere Liebe. Auskünfte über Homosexualität für Eltern und Erzieher, Dresden o. J.
44.
Sillge, Un-Sichtbare Frauen (Anm. 12), S. 89 ff; zu den Emanzipationsbewegungen vgl. auch Edgar Nastola, Individuelle Freiheit und staatliche Reglementierung. Lesben und Schwule in der DDR, Marburg 1999, S. 92 ff; vgl. auch: Teresa Tammer, Schwul bis über die Mauer. Die West-Kontakte der Ost-Berliner Schwulenbewegung in den 1970er und 1980er Jahren, in: Marbach und Weiß (Hg.), Konformitäten (Anm. 2), S. 70–88; Leser, Homosexuelle (Anm. 36), S. 43; vgl. auch: Stefanie Krautz, Lesbisches Engagement in Ost-Berlin 1978–1989, Marburg 2009, S. 69 ff; Mahlsdorf, eigene Frau (Anm. 22), S. 157.
45.
Charlotte von Mahlsdorf arbeitete von 1971 bis 1976 als IM „Park“ für die Staatssicherheit. Die Zusammenarbeit wurde vonseiten der Staatssicherheit beendet, weil Charlotte von Mahlsdorf offenbar nicht die erhofften Informationen vermittelte. Vgl. Alexander Osang, Das einfache Lottchen, in: Ders., Ankunft in der neuen Mitte. Reportagen und Portraits, Berlin 1999, S. 170–184, hier S. 183. 1992 wurde Charlotte von Mahlsdorf wegen ihres Engagements für das Gutshaus Mahlsdorf mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Im März 2018 wurde dort eine Straße nach ihr benannt.
46.
Sillge, Un-Sichtbare Frauen (Anm. 12), S. 89 ff; Ursula Sillge, Damals war's! Zu Bedingungen, Strukturen und Definitionen der lesbisch-schwulen Bewegung in der DDR, in: LSVD Landesverband Sachsen-Anhalt (Hg.), Lesben und Schwule in der DDR. Tagungsdokumentation, Halle (Saale) 2008, S. 109–115, hier S. 114; vgl. auch Mahlsdorf, eigene Frau (Anm. 22), S. 157; Leser, Homosexuelle (Anm. 36), S. 43; vgl. zum Sonntags-Club auch: Jens Dobler u. a., Sonntags im Club, in: Sonntags-Club (Anm. 13), S. 238–247; Jens Dobler, Staat im Aufbruch. Der Sonntags-Club, in: Marbach und Weiß (Hg.), Konformitäten (Anm. 2), S. 102–108.
47.
Leser, Homosexuelle (Anm. 36), S. 43; Krautz, Engagement (Anm. 45), S. 53 ff; Thinius, Erfahrungen (Anm. 2), S. 40.
48.
Zur Entwicklung in Polen in den 1980er Jahren vgl. www.laender-analysen.de/polen/pdf/PolenAnalysen139.pdf, letzter Zugriff am 6.2.2018.
49.
Stapel, Warme Brüder (Anm. 32), S. 14.
50.
Lothar Dönitz, 31 Jahre Schwulen-Urania in (Ost-)Berlin? Zur Geschichte des Gesprächskreises Homosexualität der ev. Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg, in: Marbach und Weiß (Hg.), Konformitäten (Anm. 2), S. 109–141.
51.
Sillge, Un-Sichtbare Frauen (Anm. 12), S. 99 ff.
52.
Jens Dobler u. a., Sonntags im Club, in: Sonntags-Club (Anm. 13), S. 238–245.
53.
Thinius, Erfahrungen (Anm. 2), S. 49.
54.
Leser, Homosexuelle (Anm. 36), S. 43 f; Thinius, Erfahrungen (Anm. 2), S. 48 f; Sillge, Damals war's (Anm. 48), S. 113 f; Vgl. auch Krautz, Engagement (Anm. 46), S. 82 ff; Lutz Möbius, Schön grell und bunt – aber nicht nur. Zur Geschichte des FDJ-Schwulenklubs RosaLinde, in: Soukup (Hg.), Die DDR. Die Schwulen. Der Aufbruch (Anm. 36), S. 59–61; Kai Werner, Die Schwulengruppe „Gerede“ in Dresden, in: ebd., S. 63–67.
55.
Stapel, Warme Brüder (Anm. 32), S. 103. Sillge, unsichbare Frauen (Anm. 12), S. 106 f.
56.
Beitrag Klaus Laabs, Beitrag Olaf Brühl, in: Von der Segelfreiheit der Schwulen. (1. Gesprächsrunde), in: Soukup (Hg.), Die DDR. Die Schwulen. Der Aufbruch (Anm. 36), S. 17–26, hier S. 17 f, S. 19; Bisky, Geboren am 13. August (Anm. 13), S. 197.
57.
Vgl. ebd., S. 201 ff; vgl. auch Kristine Schmidt, Coming out – der Film, in: Sonntags-Club: Verzaubert, 260–265.
58.
Gerhard Fehr, Zu einigen Aspekten der Entwicklung der Risikogruppe der männlichen Homosexuellen und der Risikogruppe der kriminell gefährdeten, nicht lesbischen weiblichen Jugendlichen und Jungerwachsenen in der Hauptstadt Berlin Dissertation A, Berlin (Ost) 1983, S. 15, 20, 22. Zitiert nach Thinius, Erfahrungen (Anm. 2), S. 25 f.
59.
Stapel, Warme Brüder (Anm. 32), S. 18.
60.
Ebd., S. 99 ff; Ders, in: Starke, Schwuler Osten (Anm. 34), S. 101 ff; Sillge, Damals war's (Anm. 47), S. 109 ff; Rüdiger Lautmann, Warum vergisst die Geschichtsschreibung zur späten DDR den Beitrag der Lesben und Schwulen? In: Heinrich Böll Stiftung Sachsen Anhalt und LSVD Sachsen Anhalt (Hg.), Lesben und Schwule in der DDR, Tagungsdokumentation, Halle (Saale) 2008, S. 117–135; Barbara Wallbraun, Lesben im Visier der Staatssicherheit, in: Das Übersehenwerden hat Geschichte. Lesben in der DDR und in der friedlichen Revolution. Tagungsdokumentation, Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt, 2015, S. 26–50; Jens Dobler im Interview mit IM „Georg Schröder“. Der IM „Georg Schröder“, in: Sonntags-Club (Anm. 13), S. 248–255; über IM „Thomas Müller“ vgl. Lothar Dönitz, 31 Jahre Schwulen-Urania, in: Marbach und Weiß (Hg.), Konformitäten (Anm. 2), S. 119.
61.
Ministerium für Staatssicherheit. Hochschule, Diplomarbeit vom 15.12.1986 mit dem Titel: „Einige Probleme der weiteren Einbeziehung staatlicher und gesellschaftlicher Kräfte zur vorbeugenden Verhinderung des politischen Missbrauchs homosexuell veranlagter Personen in antisozialistischen Zusammenschlüssen und zu feindlichen Aktivitäten, BStU, MfS, JHS 20633; MfS, JHS-Nr. 389/86.
62.
Die Studie mit einleitenden Texten und Interviews ist publiziert als Kurt Starke, Schwuler Osten (Anm. 34).
63.
Kurt Starke, Leben von Lesben und Schwulen in der DDR. Selbstreflexion und Einstellung von Hetero- zu Homosexuellen und Homosexualität, in: LSVD (Hg.), Lesben und Schwule in der DDR (Anm. 47), S. 9–33, hier S. 11.
64.
Die Umfrage der Gesellschaft zur Förderung sozialwissenschaftlicher Sexualforschung e.V. stammte aus dem Jahr 1974 und brachte folgende Ergebnisse im Hinblick auf Homosexualität: Ablehnung: 19,6 %, Duldung (Toleranz): 40,3 %, Bejahung (Akzeptanz) 40,1%, in: Martin Dannecker, Der Homosexuelle und die Homosexualität, Frankfurt a. M. 1986, S. 67.
65.
Starke, Leben (Anm. 63), S. 18–20.
66.
Vgl. Dannecker und Reiche, Der gewöhnliche Homosexuelle (Anm. 31), S. 200.
67.
Starke, Leben (Anm. 63), S. 24 ff.
68.
Die Ergebnisse der Umfrage stammen aus dem Jahr 1971. Dannecker und Reiche, Der gewöhnliche Homosexuelle (Anm. 31), S. 363.
69.
Die Umfragen für die Frauen fanden im Sommer/Herbst 1975 statt. Susanne v. Paczensky: Verschwiegene Liebe. Lesbische Frauen in unserer Gesellschaft, Reinbek 1984, S. 40 ff. Die Ergebnisse der Untersuchung in der Analysetabelle-Übersicht S. 182 ff.
70.
Jens Dobler und Harald Rimmele, Schwulenbewegung, in: Roland Roth und Dieter Rucht (Hg.), Die sozialen Bewegungen in Deutschland seit 1945. Ein Handbuch, Frankfurt a. M. 2008, S. 541–556; Lautmann, Geschichtsschreibung (Anm. 60), S. 119 f.
71.
Vladimir Batkis, Die Sexualrevolution in Russland, Berlin 1925.
72.
Sillge, Un-Sichtbare Frauen (Anm. 12), S. 102.
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Bis heute ist Homophobie ein politisch-gesellschaftlich relevantes Thema. Christian Könne über Kontinuitäten der Verfolgung und Diskriminierung in der Bundesrepublik.

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