Beleuchteter Reichstag

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23.9.2011 | Von:
Marc-Dietrich Ohse

Ost-Berlins Weg zur Einheit

Die DDR im innerdeutschen und internationalen Kräftespiel

II.

Wegen ihrer "Blockflöten"-Vergangenheit konnte die Ost-CDU keine unbedingte Zuwendung durch ihre westdeutsche Schwesterpartei erwarten. Insofern war das Misstrauen in deren Reihen verständlich. Zurückhaltung war aus dieser Sicht kaum angebracht, und westdeutsche Dominanz hatte denn auch, wie erwähnt, bereits die Atmosphäre beim Besuch Modrows am 13. Februar bei Kohl in Bonn geprägt. Drei Tage zuvor hatte der Kanzler bei einem Besuch in Moskau von Michail Gorbatschow die Zusicherung erhalten, die Sowjets würden einer Vereinigung der beiden deutschen Staaten letztlich nicht im Wege stehen. Noch am Ende des Monats klärten Helmut Kohl und US-Präsident George Bush (sen.) in Camp David, welche Bedingungen der Westen im Zuge des Einigungsprozesses stellen würde.

Gespräch von Kreml-Chef Michail Gorbatschow (2. v.l.) und DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière (r.) am 29. April 1990 in Moskau.Gespräch von Kreml-Chef Michail Gorbatschow (2. v.l.) und DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière (r.) am 29. April 1990 in Moskau. (© Bundesarchiv: Bild 183-1990-0501-419, Foto: Bernd Settnik)
Damit sind die dominierenden Akteure des Einigungsprozesses benannt: Nicht Ost-Berlin stand auf der internationalen Bühne im Rampenlicht, sondern die beiden Supermächte UdSSR und USA sowie die Bundesrepublik Deutschland als der gewichtigere der beiden deutschen Staaten. Gewichtiger deshalb, weil Ost-Berlin eher von nachgeordnetem internationalen Rang war. Schließlich hatte es bis dahin lediglich als sowjetischer Vasall agieren können, was unter den neuen Verhältnissen zu den anfänglichen Unstimmigkeiten zwischen Gorbatschow und de Maizière bei dessen erstem Besuch in Moskau am 29. April führte. Gewichtiger war Bonn aber vor allem deshalb, weil die Bundesrepublik über die wirtschaftliche Basis und die politische Substanz verfügte, den Weg zur Einheit wesentlich mitzubestimmen.

Beides fehlte der DDR und ihrer neu gewählten Regierung, die dafür ein schier unglaubliches Maß an Energie in die Einigungsverhandlungen mitbrachte. Dieses ungeheuere Engagement wurzelte im Optimismus und Idealismus, der die Reformkräfte in der DDR soeben in und durch die erfolgreiche friedliche Revolution geführt hatte.



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