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31.8.2011 | Von:
Gu Sup Kang

Innere Einheit als Herausforderung der deutschen Wiedervereinigung

Zur Rolle der Erwachsenenbildung für die innere Einheit Deutschlands

Welche Rolle hat die Erwachsenenbildung für die innere Einheit Deutschlands gespielt? Die Untersuchung zeigt, dass ihr Beitrag ausschließlich darin lag, die Menschen in Ostdeutschland demokratie- und arbeitsmarktfähig zu machen, indem ihre sozialen und personalen Kompetenzen erweitert wurden.

1. Innere Einheit als Herausforderung für die Erwachsenenbildung nach der deutschen Wiedervereinigung

Der illuminierte Reichstag am Tag der Deutschen Einheit 2010.Der illuminierte Reichstag am Tag der Deutschen Einheit 2010. (© Bundesregierung, B 145 Bild-00226333, Foto: Steffen Kugler)
Eine wichtige Herausforderung für die Erwachsenenbildung/ Weiterbildung im Zuge der deutschen Wiedervereinigung war es, zur Schaffung einer "inneren Einheit" im vormals geteilten Deutschland beizutragen. Schließlich geht die Vereinigung Deutschlands über die institutionelle Integration weit über hinaus. Es ist unbestritten, dass eine Angleichung der ökonomischen Verhältnisse der Ost- und Westdeutschen für die "innere Einheit" eine große Bedeutung hat. Doch ist die innere Einheit zwischen den Deutschen nicht nur durch die ökonomische Angleichung zu erreichen. Die Tatsache, dass nach dem Niederreißen der Mauer zwischen den Gesellschaften der vormaligen deutschen Teilstaaten deutlich "ein geistiges und gesellschaftliches Miteinander" gewachsen ist und dies als bedeutsame Herausforderung angesehen wird[1], zeigt, dass die innere Einheit eines Staatengefüges sehr viele verschiedene Aspekte umfasst. Zur Bewältigung dieser Herausforderung kann die Erwachsenenbildung/Weiterbildung einen wichtigen Beitrag leisten.



Erwachsenenbildung hat in Phasen des gesellschaftlichen Umbruchs auf verschiedene Weise Relevanz, da sie mit ihrem eigenen Organisationskonzept zur Planung von Bildungsangeboten, also einem "Angebot-Nachfrage-Modus", flexibel auf aktuelle gesellschaftliche Aufgaben reagieren und einen Beitrag zur Bewältigung der daraus resultierenden Probleme leisten kann.[2] Der Erwachsenenbildung kommt also in gesellschaftlichen Umbruchphasen, wie der deutschen Wiedervereinigung, eine Transformationsfunktion zu. In diesem Sinne könnte Erwachsenenbildung auch als Instrument für die erfolgreiche Gestaltung einer neuen Gesellschaft verstanden werden.[3] Vor diesem Hintergrund lohnt es sich zu untersuchen, welchen Beitrag zur "inneren Einheit" Deutschlands die Erwachsenenbildung/Weiterbildung[4] im Prozess der deutschen Wiedervereinigung tatsächlich geleistet hat.

Um herauszufinden, wie die Frage der "inneren Einheit" von den Akteuren wahrgenommen und in die Praxis umgesetzt wurde, wurden Tagungsdiskussionen analysiert, auf der verschiedene Experten aus Ost- und Westdeutschland über Erwachsenenbildung/Weiterbildung debattierten.


Fußnoten

1.
Dieter Walz/Wolfram Brunner, Das Sein bestimmt das Bewusstsein. Oder: Warum sich die Ostdeutschen als Bürger 2. Klasse fühlen, in: APuZ, 51/1997, S. 13–19, hier 13.
2.
Wiltrud Gieseke/Karin Opelt, Erwachsenenbildung in politischen Umbrüchen. Programmforschung Volkshochschule Dresden 1945–1997, Opladen 2003, S. 283. Das Folgende ebd., S. 291.
3.
Byung-Jun Yi, Erwachsenenbildung im Systembruch. Eine exemplarische und kritische Untersuchung zu den erwachsenenpädagogischen Programmen der gesellschaftlichen Interessengruppen in den amerikanischen und britischen Besatzungszonen/Bundesrepublik Deutschland (1945–1953) und den Neuen Bundesländern (1989/1990–1994), Diss. Münster 1997, S. 2.
4.
Erwachsenenbildung/Weiterbildung umfasst hier den gesamten Bereich sowohl der allgemeinen und beruflichen Weiterbildung als auch der politischen Weiterbildung, einschl. der politischen Erwachsenenbildung. Sie alle hatten im Zuge der deutschen Einheit nicht nur zur Anpassung im Berufs- und Alltagsleben wie auch zur Anpassung in das politisch-gesellschaftlich grundlegend veränderte Gesellschaftssystem beizutragen. Vielmehr gilt die politische Weiterbildung als wichtiges Mittel, um die Gesellschaftsmitglieder über wenig vertraute, veränderte oder zu verändernde Zusammenhänge zu informieren und Akzeptanz herzustellen: vgl. Peter Massing, Theoretische und normative Grundlagen politischer Bildung, in: Politische Erwachsenenbildung. Ein Handbuch zu Grundlagen und Praxisfeldern, Hg. Bundeszentrale f. politische Bildung, Bonn 1999, S. 21–60, hier 29.

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