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Zwischen Selbsterforschung und Imagepflege

Die ostdeutschen Hochschulen und die Aufarbeitung ihrer Zeitgeschichte


15.8.2011
Den ostdeutschen Hochschulen wird häufig attestiert, sich nur unzureichend mit ihrer eigenen DDR-Vergangenheit auseinanderzusetzen. Eine empirische Prüfung dieses Vorwurfs ergibt ein differenzierteres Bild. In diesem dominiert nicht zeitgeschichtliche Inaktivität, wohl aber Schwierigkeiten, die DDR-bezogene Selbstbefragung sowohl kontinuierlich als auch konsistent zu entfalten.

Fehlender Wille zur Aufarbeitung?




Den ostdeutschen Hochschulen wurde und wird immer wieder attestiert, sich nur unzureichend mit ihrer eigenen Vergangenheit in der DDR auseinanderzusetzen. So etwa Ilko-Sascha Kowalczuk, Historiker bei der Stasi-Unterlagenbehörde: "Die Hochschulen standen während der Revolution abseits und haben in den Jahren danach auch kaum etwas unternommen, um ihre Rolle glaubhaft und kritisch zu untersuchen." Kritisch anzumerken sei vielmehr, "dass fast nirgends die Uni-Leitungen in 20 Jahren diese Geschichte offensiv und öffentlich sichtbar beleuchteten. So konnten natürlich auch die Opfer der kommunistischen Politik nicht gewürdigt werden. Alle Ansätze, die es in dieser Richtung gab, sind von außen in die Hochschulen hineingetragen worden. Die Gründe liegen auf der Hand: Zum einen will man sich den Ruf nicht beschädigen lassen, und zum anderen gibt es ein hohes Maß an personeller Kontinuität in den Hochschulen und in der Bildungsbürokratie." Fazit: "Es fehlt schlichtweg der Wille zur Aufarbeitung."[1]

Es lohnt, diesen Vorwurf zeitgeschichtlicher Abstinenz jener 48 ostdeutschen Hochschulen – Universitäten, künstlerische und Fachhochschulen –, die über verschiedene Kontinuitätslinien mit der DDR-Geschichte verbunden sind, genauer zu überprüfen: Ignorieren diese ihre Geschichte und ihre eigene Rolle im politischen System der DDR? Oder gelingt ihnen, im Gegenteil, gar eine anhaltende Integration zeithistorischer Selbstaufklärung in das jeweilige Hochschulleben? Die typischen Instrumente und Medien, mittels derer Hochschulen ihre Geschichte aufklären, sind Forschungsprojekte sowie daraus entstehende Publikationen und Ausstellungen. Daran schließt sich die Frage an, ob und wie die so dokumentierten Ergebnisse auch in das Alltagsleben einer Hochschule Eingang finden. Dazu lassen sich die Hochschulzeitschriften, das Ausstellungsgeschehen und die Internetauftritte der Hochschulen auswerten: In diesen Medien findet gleichsam eine Popularisierung analytisch gewonnener Erkenntnisse und Bewertungen statt, und es wird deren Verfügbarkeit im Alltag hergestellt.

Im Folgenden wird zunächst ein Überblick geliefert, welcher die Auswertung der zeitgeschichtlichen Aktivitäten aller ostdeutschen Hochschulen zusammenfasst (nachfolgend Punkt 1).[2] Sodann werden diese Aktivitäten auf ihre Konsistenz hin ausgewertet (Punkt 2).


Fußnoten

  1. Ilko-Sascha Kowalczuk (Iv.): Die Karriere von Ex-Kultusminister Olbertz gerät ins Zwielicht seiner DDR-Schriften, in: Märkische Allgemeine, 3.6.2010, http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/
    beitrag/11813415/492531/Die-Karriere-von-Ex-Kultusminister-Olbertz-geraet-ins.html [19.6.2010].
  2. Die vorgestellten Ergebnisse beruhen auf einer umfassenden Untersuchung der Vf., Deutungskompetenz in der Selbstanwendung. Der Umgang der ostdeutschen Hochschulen mit ihrer Zeitgeschichte, Halle-Wittenberg 2011, auch unter http://www.hof.uni-halle.de/dateien/ab_1_2011.pdf [27.7.2011].
 

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