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Die Stasi war immer und überall zugegen

11.7.2011

"Die DDR im Blick der Stasi 1988"




Münkel, Gieseke (Hg.): Die DDR im Blick der Stasi - 1988Münkel, Gieseke (Hg.): Die DDR im Blick der Stasi - 1988 (© Vandenhoeck & Ruprecht)
Schwerpunkte der "streng geheimen" Berichte der Stasi an die SED- Führung aus dem Jahr 1988 bilden vor allem die "politische Untergrundtätigkeit" Andersdenkender unter besonderer Berücksichtigung von Kirchen, Kultur und des sich häufenden öffentlichen Auftretens von Gruppen regimekritischer und ausreisewilliger Bürger. Weiterhin spielen Mängel und Missstände in der Volkswirtschaft, weiter zunehmende Probleme bei Handel und Versorgung und nicht zuletzt die seit Jahren anhaltenden, nun aber vermehrt und verstärkt auftretenden Mangelerscheinungen im Gesundheitswesen eine Rolle. Die Hinweise auf die durch wachsenden Vertrauensschwund gekennzeichnete Stimmungslage der Bevölkerung – etwa im Hinblick auf die Reaktion der Bevölkerung auf das Verbot der sowjetischen Zeitschrift "Sputnik" – spiegelt die sich drastisch zuspitzende Krise der DDR, die in den Berichten aus dem MfS jedoch meistens durch einen ideologischen und politischen Tunnelblick der Berichterstatter vernebelt wird.

Ausführlich berichtet die Stasi über die Ereignisse bei der Luxemburg-Liebknecht-Demonstration im Januar, kirchliche Veranstaltungen bis hin zu internen Tagungen der Kirchenleitungen der evangelischen und Bischofskonferenzen der katholischen Kirche und das schwieriger werdende Staat-Kirche-Verhältnis sowie die "gegen die DDR gerichteten Aktivitäten akkreditierter Korrespondenten westlicher Medien". Dabei streicht sie ihr "erfolgreiches" Vorgehen gegen "feindlich-negative Personen", "antisozialistische Gruppierungen" sowie "provokatorisch-demonstrative Aktivitäten Übersiedlungsersuchender" heraus.

Die Edition "Die DDR im Blick der Stasi 1988" umfasst drei Berichtsserien, die aus den Ablagen des ZAIG-Sekretariats stammen. Es handelt sich um 279 Dokumente, von denen 238 aus der Serie "Informationen" stammen. Die meisten dieser Informationen waren für die Mitglieder der Parteiführung bestimmt. Insgesamt waren es 49 Adressaten der Berichte außerhalb des MfS; 33 von ihnen bekamen weniger als zehn. Egon Krenz, ZK-Sekretär für Sicherheit, Staat/Recht und Jugend erhielt 122 dieser Berichte, Werner Jarowinsky, ZK-Sekretär für Handel und Versorgung sowie Kirchenfragen, 85, SED-Generalsekretär Erich Honecker 84 und der Leiter der Abteilung Kirchenfragen beim ZK 68. Die als "Hinweise" bezeichneten Berichte der Serien "Reaktion der Bevölkerung" (23) und "Verschiedenes" (18) dienten in der Regel nur der internen Information im MfS.

Einige der Informationen sind wöchentliche Meldungen über die Einnahmen aus dem Zwangsumtausch – 1988 insgesamt 75 Millionen "Valutamark" – Quartalsberichte zu den Aktivitäten westalliierter Soldaten in Ost-Berlin, Statistiken über den Ost-West-Reiseverkehr, aber auch einen Bericht über "Stand und Entwicklungstendenzen des ungesetzlichen Verlassens der DDR durch Ärzte/Zahnärzte und Angehörige des mittleren medizinischen Personals" zwischen dem 1. Januar 1986 und dem 31. Mai 1988. Insgesamt hatten in diesem Zeitraum 303 Ärzte, 92 Zahnärzte und 313 Angehörige des mittleren medizinischen Personals der DDR den Rücken gekehrt.




 

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